Jason International

Christian Ex-Gay Ministry

Gender Mainstreaming


"Knowing the difference between fiction and reality is important, especially when it comes to claims related to God, gender, and the history of faith."- Darrell L. Bock, PH. D.



 
Was heißt das eigentlich, "Gender Mainstreaming"?

Im Gegensatz zum englischen Wort "Sex", das mehr das körperliche Geschlecht meint, bezieht sich "Gender" auf das Geschlecht, das von der Gesellschaft geprägt oder auch von anderen erlernt wird. Wo ist der Unterschied? Nun, "Sex" lässt sich nicht verändern - "Gender" durchaus. "Gender" ist etwas, das man lernt oder selbst bestimmt, was man selbst bestimmen oder zumindest beeinflussen kann - oder sich in gewisser Weise sogar aussuchen kann. "Mainstreaming" heißt nichts anderes, als dass etwas als zentraler Leitsatz über allem steht, was man tut, das sich alles gleichsam zu einem allumfassenden "Strom" bündelt, was bisher ein Sammelsurium von kleineren und unbedeutenderen Nebenflüssen war. Ein Strom, der durch seine Macht alles mit sich reißt. Ach ja, manche nennen es auch "geschlechtersensible Sichtweise".

Warum eigentlich Gender Mainstreaming?

Nun, Politiker sagen, hiermit sollen Männer und Frauen die gleichen Chancen bekommen. Wo ist das Problem dabei? Gender Mainstreaming wird Auswirkungen haben, die sich viele noch kaum vorstellen können. Wenn wir nicht mehr wissen, was einen christlichen Mann oder eine christliche Frau ausmacht, welche Rolle und Verantwortung wir in Familie, Beruf und Gesellschaft haben, sind wir hinsichtlich unserer eigenen Identität extrem verwirrt. Und verwirrte Menschen können eine Menge von Problemen verursachen.


Was für ein Problem habt ihr damit?

Nun, Männer und Frauen sind gleichwertig - aber nicht gleichartig. Es ist nicht so, wie man uns immer vormachen will: dass Männer und Frauen im Grunde nichts unterscheidet. Beide sind von Grund auf - und nicht nur körperlich - verschieden. Und das ist von Gott gewollt und etwas Gutes! Verwischt man jedoch die Geschlechterrollen und -identitäten, stellt man all das in Frage, was unser christliches Abendland bisher ausgemacht hat. All die moralischen Werte, das biblische Bild von Mann und Frau, traditionelle christliche Familienwerte - alles futsch. Na und, werden manche sagen, was ist schon dabei?

Eine ganze Menge ist dabei. Im Zuge der sexuellen Revolution der 60-er wurden bereits traditionelle Familienwerte über den Haufen geworfen, die in Jahrhunderten gewachsen sind und sich auf der Bibel gründen. Was zunächst als große Befreiung gefeiert wurde, erwies sich schnell als Schuss nach hinten: die Zahl der vaterlosen Familien steigt weltweit, ebenso scheint der bisherige Familienbegriff - ein Mann heiratet eine Frau, bekommt mit ihr Kinder, erzieht diese in christlicher Tradition und bleibt auch ein Leben lang mit der frau, die er liebt zusammen und ihr treu - immer weniger die Norm zu sein. Kurzfristige Beziehungen, oft ohne Trauschein oder gar gleichgeschlechtliche Beziehungen setzen sich immer mehr durch. Na und, werden wieder viele sagen.

Nun, ganz so egal ist es nicht. Kinder brauchen eine geschützte familiäre Umgebung mit festen Bezugspersonen. Mama und Papa. Und zwar einen Papa und eine Mama. Und möglichst dieselbe und nicht wechselnde Partner oder einen Papa, den das Kind mal so ab und an sieht.

Außerdem muss ein Kind lernen, was es heißt, ein Mann bzw. eine Frau zu sein. Welche Verantwortungen es später in Familie, Gesellschaft, Gemeinde und Beruf haben wird. Was überhaupt ein Mann bzw. eine Frau ist. Welche moralischen werte es zu vertreten und weiter zu geben hat.

Der Relativismus, der heute immer mehr um sich greift, kann uns ins Verderben stürzen. wenn jeder für sich selbst bestimmen kann, was richtig, gut und wahr ist; wenn es darüber keinen gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens gibt, wird unsere Gesellschaft sich mit Problemen auseinander zu setzen haben, deren Auswirkungen uns heute schon ansatzweise vor Augen geführt werden.

Ist das wirklich alles so gut und schön? Ist der biblische Begriff von Mann und Frau wirklich so schlecht?

Wir denken nein! Gott hat uns geschaffen - Er sollte am besten wissen, was gut und richtig ist. Und als Christinnen und Christen halten wir uns daran, auch wenn wir uns damit zum Gespött anderer machen.

Natürlich sollen Männe rund Frauen die gleichen Rechte haben - sie sind ja beide in Gottes Augen gleich viel wert! Beide wurden als Sein Ebenbild geschaffen!

Das heißt aber noch lange nicht, dass beide auch identisch sind und dieselben Rollen, Aufgaben und Verantwortungen haben. Die Bibel betont unaufhörlich von Anfang an die Verschiedenheit der beiden - und hebt sie als etwas Positives hervor! Gleichwertig heißt noch lange nicht gleich!


Die Notwendigkeit von "Gender Mainstreaming" wird oft damit begründet, dass durch die Beseitigung der Geschlechterrollen auch die Grundlage für männliche Dominanz und Unterdrückung beseitigt wird. Eines vergisst man aber bei einer derartigen Argumentation: ein biblisches Bild von Mann und Frau hat nichts - aber auch GAR nichts - mit männlicher Dominanz und Unterdrückung zu tun. Ja, ein Mann ist das Haupt der Familie, wie Christus das Haupt der Kirche ist. Aber mit der gleichen aufopfernden Liebe, mit der sich Jesus hingegeben hat, sorgt auch ein christlicher Mann für seine Frau und Familie. Ja, er hat die Führungsrolle - das ist aber ebenso eine Menge an Aufgaben und Verantwortung. Ebenso hat eine Frau verschiedene Aufgaben und Verantwortungen im Leben. Auch Jesus hat die Führungsrolle von Gott Vater akzeptiert - ohne dadurch unterdrückt worden zu sein. Eine Ehe ist wie ein gemeinsamer Tanz - wenn beide versuchen zu führen, gibt es Chaos.

Selbst in sexueller Hinsicht wird von Vertretern der "Gender Ideologie" argumentiert, empfindet jeder Mensch sowohl homo- als auch heterosexuell. Christen hingegen wissen, dass sie im Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Und Gott hat uns heterosexuell geschaffen - ein Standard, begründet in Genesis und selbst von Jesus zitiert. Ja, manche Menschen haben homosexuelle Empfindungen. Das macht sie aber nicht zu Homosexuellen, sondern zu Heterosexuellen mit homosexuellen Empfindungen.

Nochmal: Mann und Frau unterscheiden sich in weitaus mehr als nur körperlichen "Details".

Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, allen Menschen mit Respekt und Liebe zu begegnen und niemanden zu beleidigen oder zu verurteilen. Wir stehen aber auch offen zu den Wahrheiten der Bibel. Auch wenn wir Homo-, Bi- oder Transsexuelle als Menschen achten und lieben, denken wir dennoch nicht, dass ein Abweichen vom biblischen Standard, vom heterosexuellen Bild von Mann und Frau mit den entsprechenden Aufgaben und Rollen im Leben, richtig ist. Toleranz darf nicht falsch verstanden werden - auch wenn wir andere achten, werden wir weiter zu unserem Glauben stehen.

Mag sein, dass wir dadurch Nachteile erleiden. Mag sein, dass man uns nicht mehr anstellt, wenn wir offen zu unserer biblischen Auffassung stehen, die doch so sehr dem "Gender Mainstreaming" widerspricht. Das ist uns aber immer noch lieber, als uns der Bibel zu schämen und zu schweigen, nur um einen Job zu bekommen. Dann wird auch Gott sich unserer schämen und uns nicht kennen, wenn wir eines Tages vor Ihm stehen.

Mag sein, dass man uns Diskriminierung und Radikalität unterstellt, wenn wir uns zum biblischen Menschenbild bekennen und uns gegen die "Gender Ideologie" aussprechen. Jeder Mensch, der die Bibel kennt, weiß, wie unsinnig eine derartige Argumentation ist. Vor allem, wenn man selbst etwa gleichgeschlechtliche Empfindungen hat, dennoch aber ein Leben nach biblischen Vorbild führen will.

Interessant auch, dass es oft schon ausreicht, wenn sich Menschen "diskriminiert fühlen", also tatsächlich vielleicht gar nicht diskriminiert wurden. Hierunter würde unter Umständen auch das Vertreten von biblischen Wahrheiten fallen. Wenn mich also jemand fragt, was ich vom Auslebne von Homosexualität halte und ich ihm sage, dass das für mich als Christ eine Sünde ist - kann er sich dann vielleicht schon diskriminiert fühlen?

Die Bibel hat uns gewarnt, dass solche Zeiten anbrechen werden. Dass uns die Menschen verfolgen werden, uns vor Gericht bringen werden - und sogar nicht der festen Auffassung sind, sie täten der Menschheit einen Gefallen damit. Die Bibel hat uns aber auch gemahnt, in diesen Zeiten fest zu ihren Wahrheiten zu stehen - wir würden es nicht bereuen.


"Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet in seiner modernen Bedeutung die zielgerichteten Versuche, politische Meinungen und öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und das Verhalten in eine vom Propagandisten oder Herrscher erwünschte Richtung zu steuern. Dies steht im Gegensatz zu pluralistischen und kritischen Sichtweisen, welche durch unterschiedliche Erfahrungen, Beobachtungen und Bewertungen sowie einen rationalen Diskurs geformt werden."
(https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda)


"Nur wer Propaganda als solche erkennt, kann sich dagegen wehren.

Propaganda ist der Versuch der gezielten Beeinflussung des Denkens, Handelns und Fühlens von Menschen. Wer Propaganda betreibt, verfolgt damit immer ein bestimmtes Interesse. (...)

Es gibt Propagandaformen, die ohne den Einsatz von Medien auskommen. Dazu zählen Reden, Predigten oder Lieder vor einem anwesenden Publikum. Diese Formen fanden bereits seit der Antike Verwendung. Die Möglichkeiten und Vorteile insbesondere der elektronischen Medien im Hinblick auf den Umfang der Verbreitung, die Schnelligkeit der Übertragung und die Speicherung haben dazu geführt, dass Propaganda heute fast ausschließlich mit Hilfe von Medien erfolgt. Häufig eingesetzte Formen sind schriftliche Dokumente wie Flugblätter, Zeitungs- und Internetartikel oder Plakate, fotografische Aufnahmen, Filmaufnahmen, Radiosendungen oder Computerspiele. (…)

Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. (...)

(http://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/krieg-in-den-medien/130697/was-ist-propaganda)


Bedeutet Gender Mainstreaming das Herstellen der Geschlechtergerechtigkeit?

Mitnichten. Wenn ich Geschlechtergerechtigkeit möchte, dann ist es das, was ich tue und ich nenne es auch so. Gender Mainstreaming aber geht weit über die Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund des körperlichen Geschlechtes hinaus.
Sehen wir uns die Wortzusammensetzung an: „Gender“ meint im Englischen keineswegs nur das körperliche Geschlecht, also das Geschlecht, mit dem wir geboren wurden. Es bezeichnet vielmehr ein Geschlecht, das von Kultur, Gesellschaft, Politik und vor allem vom Individuum beeinflusst und bestimmt wird – und somit auch veränderlich ist. Mit „mainstreaming“ wird angedeutet, dass das, was bisher unterschiedliche „Ströme“ waren (also das körperliche Geschlecht von Mann und Frau mit einem klaren Rollenverständnis, das für Christen auf der Bibel und den seit über 2.000 Jahren bestehenden christlichen traditionellen Familienwerten beruht) nun „zusammengeführt“ zu einem “Strom“ wird. Mit anderen Worten: Die Unterschiede von Mann und Frau sollen aufgehoben und der Definition des einzelnen oder der Gesellschaft überlassen werden.
Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie naiv viele Christinnen und Christen damit umgehen und wie wenig ihnen offenbar die Gefahren bewusst sind, die damit verbunden sind. Die christlichen Familienwerte und Rollenverständnisse waren zum Besten eines jeden Einzelnen in der Familie. Sie halfen weiterhin, hinsichtlich der eigenen Geschlechtsidentität Sicherheit und Stabilität zu haben sowie in das hineinzuwachsen, zu dem uns Gott bestimmt und berufen hat.
Eine „Geschlechtergerechtigkeit“ in dem gewünschten Sinne lässt sich nicht durch Verordnungen und Strukturen erreichen. Welche Frau etwa, die etwas auf sich hält, möchte eine Position in einem Unternehmen allein aufgrund der Tatsache bekommen, dass sie Frau ist – und nicht etwa wegen ihres Könnens?
Es gibt genügend Gesetze, die das demokratische und respektvolle Miteinander soweit regeln, wie es geregelt werden muss. Nicht alles kann und darf von staatlicher Seite bestimmt werden, schon gar nicht Angelegenheiten, die in den Bereich von Familie und Kirche fallen.
Grundlage einer wahren Geschlechtergerechtigkeit ist eine moralische Grundlage auf Basis des christlichen Glaubens, die eine Vorstellung der eigenen Geschlechts-Identität vermittelt und fördert. Wer bin ich etwa als christlicher Mann? Wie definiere ich Männlichkeit? Was sind die Aufgaben eines Mannes in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche? Wer meint, etwas derart Grundlegendes wie die eigene Geschlechts-Identität der eigenen Definition überlassen zu können, sägt an den Grundwerten einer Gesellschaft und letztlich auch des christlichen Glaubens. Menschen, die hinsichtlich ihrer Geschlechts-Identität verwirrt sind, können und werden eine Menge Probleme verursachen. Verordnungen und Strukturen können keine Unterschiede der Geschlechter beseitigen, sie können und werden dauerhaft keine „Gerechtigkeit“ bringen und am allerwenigsten wird „Gender Mainstreaming“ dem körperlichen, psychischen und geistigen Wohl des Einzelnen dienen.
Robert


Was heißt das eigentlich, "Gender Mainstreaming"?

Im Gegensatz zum englischen Wort "Sex", das mehr das körperliche Geschlecht meint, bezieht sich "Gender" auf das Geschlecht, das von der Gesellschaft geprägt oder auch von anderen erlernt wird. Wo ist der Unterschied? Nun, "Sex" lässt sich nicht verändern - "Gender" durchaus. "Gender" ist etwas, das man lernt oder selbst bestimmt, was man selbst bestimmen oder zumindest beeinflussen kann - oder sich in gewisser Weise sogar aussuchen kann. "Mainstreaming" heißt nichts anderes, als dass etwas als zentraler Leitsatz über allem steht, was man tut, das sich alles gleichsam zu einem allumfassenden "Strom" bündelt, was bisher ein Sammelsurium von kleineren und unbedeutenderen Nebenflüssen war. Ein Strom, der durch seine Macht alles mit sich reißt. Ach ja, manche nennen es auch "geschlechtersensible Sichtweise".


Warum eigentlich Gender Mainstreaming?

Nun, Politiker sagen, hiermit sollen Männer und Frauen die gleichen Chancen bekommen. Wo ist das Problem dabei? Gender Mainstreaming wird Auswirkungen haben, die sich viele noch kaum vorstellen können. Wenn wir nicht mehr wissen, was einen christlichen Mann oder eine christliche Frau ausmacht, welche Rolle und Verantwortung wir in Familie, Beruf und Gesellschaft haben, sind wir hinsichtlich unserer eigenen Identität extrem verwirrt. Und verwirrte Menschen können eine Menge von Problemen verursachen.
Gender Mainstreaming ist ein politisches Werkzeug der Schwulen- und Lesbenbewegung zur Erschaffung des neuen „Gender Menschen“.


Auf Kathpedia heisst es hierzu:

"Genderismus ist die in Gender-kritischen Kreisen benutzte abwertende Bezeichnung für "Gender Mainstreaming" und vergleichbare gesellschaftliche Konzepte. Diese werden als Ideologie betrachtet, welche die vollkommene Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen erreichen möchte. Etappenziele und Gradmesser seien die Einbindung von Frauen ins Erwerbsleben sowie die Einebnung von männlichen oder weiblichen Rollenbildern.

Der Begriff geht auf den soziologischen englischen Begriff gender role "Geschlechterrolle" zurück, der eine soziale Rollenzuschreibung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit meint. Er ist zu unterscheiden von engl. sex, welches die körperlich-biologischen Geschlechtsmerkmale bezeichnet.


Ursprung

Das „Gender-Mainstreaming“ ist aus der Sicht des Genderismus "eine kulturelle Revolution und Pervertierung der internationalen Homo- und Lesbenorganisationen zur Schaffung des neuen Gender-Menschen", die von UNO und EU sowie dem Staat mit aller Macht durchgesetzt werde. Widerstand werde mehr und mehr ausgeschaltet und international als „Homophobie“ kriminalisiert. In dem Zusammenhang wird auch die 1999 gefällte Entscheidung der deutschen Bundesregierung, Gender Mainstreaming als durchgängiges „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ zu betrachten, gesehen und kritisiert.[1] Das Fach „Gender Studies“ wird an fast allen Hochschulen gelehrt, die "Gender-Ideologie" sei im Jahre 2008 bereits "in die Lehrpläne der Schulen und Kindergärten eingedrungen". Es wird unterstellt, deren "sozial-revolutionärer Kern" sei die "Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen durch den staatlichen Sexualkundeunterricht". Der unterstellte "Versuch des Staates, über Erziehung und Ausbildung, die Geschlechtsidentität der Kinder und Jugendlichen zu verändern", wird als "illegitimer Missbrauch staatlicher Macht" gebrandmarkt.

Unterstellungen

Dem Gender-Mainstreaming werden aus Kreisen des Genderismus bestimmte Absichten unterstellt.

Gleichstellungspolitik

Unter dem Deckmantel der Gleichstellungspolitik werde versucht, die Geschlechtsidentität aufzulösen. Im Mittelpunkt stehe die Behauptung, dass es zum Freiheitsrecht des Menschen gehöre, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung zu wählen, ob er Mann oder Frau, hetero- oder transsexuell sein wolle. Gender bedeute das "gesellschaftliche" Geschlecht, Sex das "biologische". Diese Ansicht stehe in Widerspruch zu "den" wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie, Neurologie und Psychologie über die natürliche Geschlechtsdifferenz von Mann und Frau. Die Ansicht, so wird unterstellt, scheint vor allem wirtschaftlich ausgerichtet zu sein, habe jedoch "die Zerstörung der Keimzelle der Gesellschaft" zum Ziel. Die Ideologie beschleunige die demographische Krise und den kulturellen Verfall. Vermehrt würden Gelder für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.

Die Fernsehwerbung, die Frauen bei der Hausarbeit zeigt, solle verboten werden, weil diese Arbeit „entwürdigend“ sei. Genderismus-Verfechter befürchten, dass "die offizielle Gender-Politik" zu einer massiven Benachteiligung von Männern führen werde. Feministinnen rechtfertigten diese Diskriminierung unter anderem als Ausgleich für vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Unrecht an Frauen.

„Gender Mainstreaming“ wird als eine "politische Strategie der Vereinten Nationen (UN), der Europäischen Union (EU), vieler Regierungen und globaler Organisationen" dargestellt. Seit 1999 ist Gender Mainstreaming Leitprinzip und Querschnittsaufgabe der Politik, ohne dass es je eine öffentliche Debatte im Parlament gegeben hätte. Das neue Fach „Gender Studies“ sei an den Universitäten "fest etabliert" und fordere "von der heutigen akademischen Nachwuchsgeneration zunehmend ideologische Gefolgschaft."
Ziel: "Zerstörung der Keimzelle der Gesellschaft"

Gender-Mainstreaming ziele auf die Zerstörung der Familie, die die Keimzelle der Gesellschaft ist und auf der Ergänzung von Mann und Frau in der Ehe gegründet ist sowie auf die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder als Vater und Mutter zu verantwortungsvollen und leistungsfähigen Menschen zu erziehen. Die Gender-Ideologie richte sich sowohl gegen die Frau, weil sie das "feministische, am Mann orientierte Frauenbild" durchsetze und die Mutter "materiell und ideell entwerte", wie auch gegen den Mann, weil sie Frauen systematisch bevorzuge und den Mann "verweiblichen" wolle. Gender-Mainstreaming richte sich dadurch, dass es auch Abtreibung als Menschenrecht sowie die Auflösung der Familie propagiere, auch gegen die Kinder. In den Augen des Genderismus ist Gender Mainstreaming "Rebellion gegen die Schöpfungsordnung" und wird als "die atheistische Ideologie des beginnenden 21. Jahrhunderts" betrachtet, welche die jede Weltreligion bekämpfe.


Geschichtliche Anbahnung

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Gesellschaft bemüht, einen Weg zu finden, um die grundsätzliche Gleichheit von Männern und Frauen mit ihren biologischen Verschiedenheiten zu vereinbaren. Frauen protestierten gegen Gesetze und Gepflogenheiten, die ihnen eine diskriminierende Behandlung einbrachten. Die Regierungen reagierten mit dem Erlass von Bestimmungen, die den Frauen gleiche gesetzliche Rechte, gleichen Zugang zur Ausbildung und gleiche wirtschaftliche Möglichkeiten garantieren sollten; die Frauen nahmen diese Rechte bald wahr. Die Anzahl derjenigen, die weiterstudierten und eine akademische Ausbildung erlangten, erhöhte sich ebenso wie die Zahl der in beruflichen Tätigkeiten und - durch Wahl oder Ernennung - in öffentlichen Aufgaben engagierten Frauen.

In den 1970er-Jahren sei, so der Genderismus, die Frauenbewegung, die zu diesen Veränderungen ermutigt hatte, von den "Radikalen" vereinnahmt worden, die in den Frauen den Prototyp der unterdrückten Klasse sahen und die Ehe und die "obligatorische Heterosexualität" als Unterdrückungsmechanismen bezeichneten. Diese Denkströmung griff auf die von Friedrich Engels angestellte Analyse der Ursprünge der Familie zurück. 1884 hatte Engels geschrieben: "Der erste Klassenantagonismus der Geschichte fällt mit der Entwicklung des Antagonismus zwischen Mann und Frau im Bereich der monogamen Ehe und die erste Klassenunterdrückung mit der Unterdrückung des weiblichen Geschlechtes durch das männliche zusammen."


In ihrem 1970 verfassten Buch "The Dialectics of Sex" modifizierte Shulamith Firestone die von Engels vorgenommene Analyse des Klassenkampfes dahingehend, dass sie eine Revolution der Geschlechterklassen als notwendig bezeichnete: »Um die Beseitigung der Geschlechterklassen zu gewährleisten, muss sich die unterdrückte Klasse (also die Frauen) auflehnen und die Kontrolle über die Fortpflanzungsfunktion übernehmen: ... deshalb muss das Endziel der feministischen Revolution im Unterschied zu dem der ersten Frauenbewegung nicht ausschließlich die Aufhebung des männlichen Privilegs, sondern die Beseitigung der Unterscheidung zwischen den Geschlechtern sein; die Unterschiede der Geschlechtsmerkmale zwischen den Menschen würden keinerlei Bedeutung mehr haben.«

Nach Firestone »findet sich der Kern der Unterdrückung der Frauen in ihrer Rolle von Schwangerschaft und Kindererziehung.« Die Verfechter dieser Analyse hielten die Freigabe der Abtreibung, die Empfängnisverhütung, die völlige sexuelle Freizügigkeit, die Frauenarbeit und das Vorhandensein öffentlicher Tagesstätten, denen die Kinder überlassen werden können, als notwendige Voraussetzungen für die Befreiung der Frau.

Nancy Chodorow behauptete in ihrem Buch "The Reproduction of Mothering", dass, solange die Rolle der Versorgung der Kinder Vorrecht der Frau bleibe, die Kinder mit dem Bild der in zwei verschiedene und ungleiche Klassen gespaltenen Menschheit aufwachsen würden, und diese Sicht sei die Ursache für die Akzeptanz der »Klassen«-Unterdrückung.

Alison Jagger legte in einem für die Studienprogramme über die Frauenfrage zusammengestellten Handbuch die Ergebnisse dar, die sie sich von der Revolution der Geschlechterklassen erhoffte: »Das Verschwinden der biologischen Familie wird auch das Bedürfnis nach sexueller Unterdrückung beseitigen. Homosexualität von Männern, lesbische Liebe und außereheliche sexuelle Beziehungen werden nicht mehr nach liberaler Art als Alternativoptionen gesehen werden ..., "die Institution der Sexualbeziehung", in welcher der Mann und die Frau jeweils ihre genau festgelegte Rolle erfüllen, wird überhaupt verschwinden. Die Menschheit könnte schließlich ihre natürliche, von einer polymorphen Pervertiertheit gekennzeichnete Sexualität wieder erlangen.«

Ein Frontalangriff auf die Familie brachte jedoch Gefahren mit sich. Nach Christine Riddiough »kann die Schwulen- und Lesbenkultur auch für eine subversive Kraft gehalten werden, die in der Lage ist, die Vorherrschaft des Familienbegriffes herauszufordern. Trotzdem kann diese Interpretation Formen annehmen, die die Leute nicht als an und für sich im Gegensatz zur Familie stehend wahrnehmen ... Damit der subversive Charakter der "Gay"-Kultur wirksam eingesetzt wird, müssen wir in der Lage sein, alternative Interpretationsweisen der menschlichen Beziehungen zu präsentieren.«


Geschlecht oder "Gender"

Das Problem, auf das die Anhänger der Revolution gegen die Familie stießen, betraf die Vorgehensweise bei der Aufhebung der Geschlechterklassen, da diese ihre Wurzeln in der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau haben. Eine Lösung ergab sich aus der Tätigkeit des Dr. John Money von der Johns Hopkins University Baltimore (USA). Bis in die 1950er-Jahre war das englische Wort »gender« ein dem lateinischen »genus« entsprechender grammatikalischer Begriff, um anzuzeigen, ob ein Wort männlich, weiblich oder sächlich war. Dr. Money begann das Wort in einem neuen Zusammenhang zu gebrauchen, indem er den Begriff »Gender«-Identität prägte, um das individuelle Bewusstsein seiner bzw. ihrer selbst als Mann oder Frau zu beschreiben. Nach Money hing die »Gender«-Identität einer Person davon ab, wie sie als Kind erzogen worden war, und konnte sich als verschieden vom biologischen Geschlecht herausstellen. Money behauptete, dass es möglich sei, das Geschlecht einer Person umzuwandeln, und dass die mit nicht eindeutigen Geschlechtsorganen geborenen Kinder durch chirurgischen Eingriff verändert und einen vom genetisch verschiedenen Geschlecht zugeordnet werden könnten.


Moneys Theorien hatten großen Erfolg, und 1972 legte er einen, wie es schien, unwiderlegbaren Beweis dafür vor, dass die »Gender«-Identität von der erhaltenen Erziehung abhänge. In seinem Buch Man & Woman, Boy & Girl schilderte Money den Fall eines eineiigen Zwillings, dessen Penis bei einer Beschneidungs-operation zerstört worden war. Die Eltern des Kindes wandten sich an Money, der ihnen riet, das Kind kastrieren zu lassen und es aufzuziehen, als wäre es ein Mädchen. Die Tatsache, dass es sich um eineiige Zwillinge handelte, ermöglichte es Money, den als Jungen aufgezogenen Zwilling mit jenem, der als Mädchen aufgezogen wurde, zu vergleichen. Money berichtete, dass die Geschlechtsumwandlung gelungen war, und veranschaulichte, wie sich das Kind vollkommen an eine weibliche Identität angepasst hätte. Der Fall schien die Frage »Natur gegen Erziehung« zugunsten der Erziehung zu lösen.

Moneys Theorien hatten bei den Feministinnen Unterstützung gefunden, noch bevor er seinen berühmten Fall publik gemacht hatte. In dem Buch Sexual Politics von 1969 kommentierte Kate Millet Moneys frühere Arbeit und schrieb: » ... bei der Geburt besteht keinerlei Unterscheidung der Geschlechter. Die psychosexuelle Persönlichkeit bildet sich also in der postnatalen Phase heraus und ist Ergebnis des Lernens.«

Der Begriff »Gender« als soziale Konstruktion hielt Einzug in die feministische Theorie. Susan Moller Okin, Verfasserin des Buches Justice, Gender and the Family (1989), erhoffte sich »eine geschlechtsfreie Zukunft. Es gäbe nichts im voraus Festgelegtes in den Rollen von Mann und Frau; die Schwangerschaft wäre somit begrifflich von der Erziehung getrennt, so dass es uns wundern würde, wenn Männer und Frauen nicht in gleicher Weise für die häuslichen Aufgaben verantwortlich wären«.


Allgegenwärtig wurde der Begriff in den 1980er-Jahren in den Studienprogrammen zur Frauenfrage. Mit der Einführung des »Gender«-Begriffes als soziale Konstruktion verlagerte sich das Interesse der Frauenbewegung von der Bekämpfung der für die Frau nachteiligen Politik hin zur Aufmerksamkeit für alles, was das Bestehen von Verschiedenheiten zwischen Mann und Frau gelten ließ, besonders für alles, was zur Unterstützung der Frau als wichtigster Arbeitskraft im häuslichen Bereich verwirklicht wurde. Eine geschlechtsfreie Zukunft setzte eine Gesellschaft voraus, die jeden Aspekt der Kultur sorgfältig prüfen würde, um Beweise für die »Gender«-Sozialisation festzustellen.

Die von den Vereinten Nationen vor 1990 veröffentlichten Dokumente hatten die Überwindung der Diskriminierung von Frauen unterstrichen, um das Jahr 1990 aber wurde »Gender« Zum Mittelpunkt des Interesses. Eine Broschüre der Agentur »Instraw« der Vereinten Nationen mit dem Titel Gender Concepts definierte »Gender« so: »Ein System von Rollen und Beziehungen zwischen Männern und Frauen, das nicht von der Biologie, sondern vom sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umfeld bestimmt ist. Das biologische Geschlecht ist eine natürliche Gegebenheit: >Gender< wird konstruiert.« Dennoch blieb die Trennungslinie zwischen Geschlecht und »Gender« ungewiss.

Die 1995 in Peking abgehaltene UNO-Weltfrauenkonferenz forderte die Nationen auf, »eine "Gender"-Perspektive anzuwenden«. Wie der endgültige Text ihrer Aktionsplattform formuliert: »In vielen Ländern werden die Unterschiede zwischen den von der Frau und vom Mann ausgeführten Tätigkeiten und den von ihnen erreichten Ergebnissen noch nicht als Folgen von sozial konstruierten "Gender"-Rollen, sondern vielmehr von unveränderlichen biologischen Unterschieden anerkannt.«
Das von dieser Erklärung aufgeworfene Problem ist, dass einige der Unterschiede zwischen den von der Frau und jenen vom Mann durchgeführten Tätigkeiten deutlich mit den unveränderlichen biologischen Verschiedenheiten zusammenhängen, welche die Plattform unberücksichtigt lässt. Zum Beispiel können nur Frauen ein Kind im Schoß tragen und es stillen. Solange ein bestimmter Prozentsatz von Frauen die Mutterschaft zu ihrer vorrangigen Berufung machen, indem sie beschließen, nicht auswärts zu arbeiten, die Arbeit für eine längere Zeit aussetzen, um die Anforderungen in der Familie zu bewältigen, oder sich, für Beschäftigungen entscheiden, die zeitlich und der Aufgabe nach mit den familiären Verantwortlichkeiten vereinbar sind, werden die vom Mann und von der Frau durchgeführten Tätigkeiten und erreichten Ergebnisse beachtliche Unterschiede aufweisen.

Die »Gender«-Perspektive unterstützte in keiner Weise die Frauen, die sich für die Mutterschaft als vorrangige Berufung entschieden. In einem Interview mit Betty Friedan fasste 1975 Simone de Beauvoir diese Richtung zusammen. Auf die Frage, ob die Frauen frei sein sollten zu entscheiden, ob sie zu Hause bleiben und die Kinder großziehen, antwortete sie: »Die Frauen sollten diese Entscheidungsmöglichkeit nicht haben, denn wenn es sie gäbe, würden zu viele Frauen sie annehmen.«

Es handelte sich nicht einfach darum, dass »Gender« konstruiert wurde, sondern dass dieser Auffassung entsprechend die »Gender«-Konstruktion vom Mann auf Kosten der Frau vorgenommen wurde. Selbst das Wort »Frau« wurde als ein Etikett gesehen, das »ein fiktives Wesen« hervorbrachte und »die Ungleichheit verewigte«.

Die Einheit des Menschen

Während die »Gender«-Auffassung zunehmend Fuß fasste, zerbröckelte ihre theoretische Grundlage. Dr. Milton Diamond, Experte in der Erforschung der pränatalen Wirkung des (männlichen Geschlechtshormons) Testosteron auf die Hirnbildung, deckte 1997 auf, dass Dr. Money das Ergebnis des Falles der Zwillinge nicht den Tatsachen getreu dargestellt hatte. Dr. Diamond hatte niemals die Theorie des Dr. Money akzeptiert, wonach die Sozialisation die Oberhand über die biologische Identität gewinnen könne.

Im Laufe der Jahre hatte er verschiedentlich Versuche unternommen, den Zwilling, von dem Money sprach, ausfindig zu machen, um festzustellen, wie das (als Junge geborene) Kind sein Heranwachsen (als Mädchen) bewältigt hätte. Es gelang Diamond, Kontakt zu einem Therapeuten vor Ort aufzunehmen, der sich um den Zwilling gekümmert hatte, und entdeckte, dass das Experiment völlig gescheitert war. Der Zwilling hatte nie akzeptiert, eine Frau zu sein, und sich nie an die weibliche Rolle angepasst. Im Alter von 14 Jahren ließ er Selbstmordabsichten erkennen. Einer der vielen Therapeuten, die mit seiner psychologischen Betreuung betraut waren, ermutigte die Eltern, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. In dem Moment, als er erfuhr, dass er ein Junge war, beschloß er, ein Leben als Mann zu führen. Er unterzog sich äußerst komplizierten chirurgischen Rückoperationen und heiratete. Dokumentiert ist die gesamte Geschichte des Falles der Zwillinge in dem Buch As Nature Made Him von John Colapinto.


Die Theorien von John Money gerieten durch die nachfolgenden Forschungen über die Entwicklung des Gehirns weiter in Misskredit. Die Forschung über die pränatale hormonale Situation hat gezeigt, dass bereits vor der Geburt die Gehirne von Männern und Frauen sehr verschieden sind, was unter anderem Einfluss darauf hat, wie der neugeborene Säugling Bewegung, Farbe und Form visuell wahrnimmt. Das Ergebnis bewies eine »biologische Anlage und Neigung« der Jungen zu typisch männlichem und der Mädchen zu typisch weiblichem Spielzeug. Bereits im Mutterschoß sind die Frauen mit dem für die Mutterschaft notwendigen Feingefühl für den Mitmenschen ausgestattet. Diese Untersuchung und andere neue Informationen über den Aufbau des menschlichen Gehirns weisen darauf hin, dass beim Entstehen zerebraler Verknüpfungen biologische Einflüsse und Erfahrungen zusammenwirken und so unentwirrbar verflochten sind, dass sie sich unmöglich voneinander trennen lassen.

Die Kinder werden in Gesellschaften geboren, die von Männern und Frauen geschaffen wurden, deren Wahrnehmung des Natürlichen von derselben Kombination von Biologie und Erfahrung beeinflusst wird. Die Jungen wachsen heran, um Väter zu werden, die Mädchen, um Mütter zu werden. Diese Gegebenheit durch die geschlechtsneutrale Sozialisation zu verbergen, wird an der Tatsache der Verschiedenheit der Geschlechter nichts ändern.


Andere Forschungen über die Entwicklung des Gehirns haben die Bedeutung der Beziehung zwischen Mutter und Kind im ersten Lebensmonat nachgewiesen. Das Kind, das während der Schwangerschaft die Stimme der Mutter gehört hat, kommt zur Welt und sucht das Licht in den Augen der Mutter. Eine feste Bindung zwischen Mutter und Kind ist für die emotionale Entwicklung wesentlich. Die Fachgelehrten für Neugeborenen-Entwicklung und Entwicklung des menschlichen Gehirns machen sich Sorgen angesichts der Tatsache, dass ihre Entdeckungen über die Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung von jenen ignoriert werden, die für die Frauenarbeit und dafür eintreten, dass die Kinder Tagesbetreuungsstätten überlassen werden.

Wenn die Frauen sensibler gegenüber den Bedürfnissen des Menschen sind und die Kinder für ihre Bedürfnisse feinfühlige Mütter brauchen, dann bedeutet die Tatsache, die Mutterschaft in ein positives Licht zu stellen, doch wohl nicht die Verewigung eines negativen Stereotyps, sondern die Anerkennung der Realität. Es besteht keine Ungerechtigkeit, solange die Frauen nicht an der Entscheidung, außer Haus zu arbeiten, gehindert werden. Eben weil die beiden Geschlechter verschieden sind, kann die Frau einen einzigartigen Beitrag zur Gesellschaft im allgemeinen leisten. Der Umstand, dass die Frau eine Entscheidungsmöglichkeit hat, sorgt dafür, dass sich manche Frauen hin und her gerissen fühlen, aber das ist der Preis der Freiheit.


Fehlende Beweise für die Theorien der »Gender«-Diskriminierung

Die Anhänger der »Gender«-Auffassung haben zahlreiche Beispiele dafür angeführt, wie die »Gender«-Sozialisation in einen Missbrauch der Frau einmündet. Das Problem ist, dass viele dieser Beispiele einer sorgfältigen Prüfung nicht standhalten. Christina Hoff Sommers, Verfasserin des Werkes Who stole Feminism?, hat herausgefunden, dass die Informationsmedien den feministischen Theorien Raum boten, wonach die negative »Gender«-Sozialisation jährlich den Tod von 150.000 Amerikanerinnen durch Magersucht hervorgerufen habe. Dahingegen weisen die Statistiken der Gesundheitsbehörden nach, dass 1983 nur 101 Todesfälle als Folge von Magersucht vermerkt wurden. 1991 ist die Zahl auf 54 gesunken.

Im Jahr 1991 veröffentlichte die American Assodation of University Women eine Studie unter dem Titel Shortchanging Girls, Shortchanging American, in der behauptet wurde, dass die »Gender«-Diskriminierung im Schul- und Hochschulbereich bei den weiblichen Heranwachsenden einen verheerenden Verlust des Selbstwertgefühls hervorrief. Die Studie fand weite Verbreitung in den Massenmedien, und es wurden zahlreiche Programme zur Lösung des Problems eingerichtet. Nur mit großer Mühe konnte sich Frau Sommers ein Exemplar der Forschungsergebnisse beschaffen und entdeckte, dass die Einschätzung des Selbstwertgefühls nicht mit wissenschaftlichen Methoden vorgenommen worden war und dass die weiblichen Jugendlichen im Großteil der Bewertungen bessere schulische Ergebnisse erbrachten als die männlichen Jugendlichen.


Das Problem, das durch die von den Feministinnen erhobenen, aber unbewiesenen Unterdrückungs-beschuldigungen geschaffen wurde, besteht darin, dass sie die begrenzten Möglichkeiten von der Lösung der tatsächlichen Probleme, vor die sich die Frauen gestellt sehen, umlenken und die Glaubwürdigkeit derjenigen untergraben, die sich für die Förderung der wahren Interessen der Frau engagieren.

Angesichts des Vertrauens, das in der Vergangenheit in Untersuchungen gesetzt wurde, die jeder Stichhaltigkeit entbehren, ist die sorgfältige Prüfung aller zur Unterstützung der Sichtweise um »Gender« vorgelegten Beweise wichtig. Das gilt ganz besonders für Themen wie Abtreibung und Homosexualität. So haben zum Beispiel diejenigen, die für eine Neudefinition der Ehe unter Berücksichtigung der homosexuellen Verbindungen eintreten, zahlreiche Studien angeführt, die zu beweisen vorgeben, dass es zwischen Kindern, die von homosexuellen Paaren, und Kindern, die von natürlichen Eltern innerhalb der Ehe aufgezogen werden, keine nennenswerten Unterschiede gäbe. Bei der Analyse haben sich diese Ergebnisse innerlich und äußerlich als bar jeder Gültigkeit erwiesen. Nach Prof. Lynn Wardle »beruht der Großteil der Studien über die homosexuellen Eltern auf unzuverlässigen, unter methodologischem und analytischem Gesichtspunkt unbrauchbaren quantitativen Untersuchungen (manche haben lediglich anekdotenhaften Charakter) und liefern eine zu schwache empirische Grundlage, um öffentliche politische Maßnahmen zu bestimmen«.

Auf der anderen Seite bestätigen zahlreiche Studien, wie sehr das Vorhandensein eines Vaters und einer Mutter das Wohl der Kinder verbessert. Die Bedeutung der mütterlichen Liebe ist eine bekannte Tatsache, aber viele Studien um das Jahr 2000 zeigen, dass auch die väterliche Liebe einen positiven Einfluss hat. Ein Querschnitt durch die diesbezügliche Fachliteratur hat ergeben, dass »der Einfluss der väterlichen Liebe auf die Entwicklung der Kinder ebenso gegeben und mitunter sogar größer ist als jener der mütterlichen Liebe. Manche Untersuchungen schließen daraus, dass die väterliche Liebe das einzige bedeutsame Anzeichen von spezifischen positiven Ergebnissen ist.«

Die Zukunft liegt in den Händen der jungen Menschen, und daher ist die Gesellschaft verpflichtet, sich vorrangig um deren Wohl zu kümmern. Die Frauen wünschen für ihre Kinder nur das Beste, und jedes Kind braucht einen Vater und eine Mutter. Nur die Ehe stellt die Verpflichtung der Eltern füreinander und gegenüber den Kindern sicher; deshalb birgt jede andere Form von Gemeinschaft für die Kinder und für die Frauen Risiken in sich.


Patrick Fagan von der »Heritage Foundation« hat eine Fülle von Beweismaterial dafür gesammelt, von welch großer Bedeutung es für die Kinder ist, einen Vater und eine Mutter zu haben, die ehelich verbunden sind: »Für Kinder, die außerehelich geboren wurden, oder Kinder mit geschiedenen Eltern besteht eine weit größere Wahrscheinlichkeit, dass sie in Armut geraten, misshandelt werden und Probleme im Verhalten und in der emotionalen Entwicklung haben; in der Schule geht es ihnen schlechter, und sie machen häufiger von Drogen Gebrauch. Unverheiratete Mütter werden mit viel größerer Wahrscheinlichkeit Opfer häuslicher Gewalt ... Kinder, deren Eltern verheiratet sind, haben auf jeden Fall echte Vorteile. Es wurde festgestellt, dass die Jugendlichen, die aus diesen Familien kommen, einen besseren Gesundheitszustand aufweisen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit unter Depressionen leiden, seltener dieselbe Schulklasse wiederholen müssen und mit weniger Entwicklungsproblemen zu tun haben«.

Zur Verteidigung der Frau

Die katholische Kirche kann nicht neutral bleiben, wenn im Namen der Frauen die Familie, die Ehe, die Elternschaft, die Sexualmoral oder das Leben des ungeborenen Kindes angegriffen werden. Die Kirche verurteilt bedingungslos jeden Missbrauch, der im familiären Bereich zum Schaden der Frau begangen wird, doch die Lösung kann nicht die Zerstörung der Familie sein. Wenn die Gesellschaften den außerehelichen Geschlechtsverkehr, die Abtreibung, die Tendenz zu Empfängnisverhütung und Ehescheidung fördern, hat die Folgen davon immer die Frau zu tragen. Wenn die Ehe respektiert wird und Keuschheit die Norm ist, wird die Würde der Frau geschützt.

Die Solidarität zwischen den Eheleuten in der Familie, zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft ist ganz wesentlich, damit ihre Zusammenarbeit fruchtbar wird. Ein endloser Kampf zwischen Geschlechterklassen wird nicht zur Befreiung der Frau führen. Eine fehlgeleitete Anthropologie, die die Verschiedenheit der Geschlechter leugnet, überlässt die Frau der nicht beneidenswerten Lage zu versuchen, entweder das männliche Verhalten nachzuahmen oder ihre Energie in dem vergeblichen Versuch zu vergeuden, den Mann in eine Pseudo-Frau zu verwandeln. Eine Frau, die die Verschiedenheit der Geschlechter versteht und akzeptiert, ist frei, mit dem Mann zusammenzuarbeiten, ohne ihre persönliche Originalität zu gefährden.


Die »Gender«-Theorie als "Sackgasse"?

Kostbare Kräfte und Fähigkeiten werden nach Ansicht des Genderismus vergeudet, um dem natürlichen Verlangen der Frau nach Mutterschaft entgegenzuwirken. Die Förderung von Elternschaft, Familie und Ehe gefährde in keiner Weise die wesenhafte Gleichheit, die Rechte und die Würde der Frau. Allein die Anerkennung der Verschiedenheiten zwischen Mann und Frau und der zentralen Stellung der Familie in der Gesellschaft biete die gültigen Kriterien, um einen Dialog in die Wege zu leiten. Dabei werde es notwendig sein, zwischen tatsächlichen Verschiedenheiten und erniedrigenden Stereotypen zu unterscheiden, und es werde darauf ankommen, das Recht der Frau und des Mannes, sich für atypische Laufbahnen zu entscheiden, zu schützen und die Frau vor Ungerechtigkeit und Misshandlungen zu bewahren.

In dieser Gegenüberstellung hat die Kirche viel zu bieten. Die zwei Geschlechter, verschieden und von gleicher Würde, sind eine Offenbarung des Abbildes und Gleichnisses Gottes und haben teil an der Güte der Schöpfung. Gott, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, der die Ehe und die Familie eingerichtet und die Gesetze, die die Moral lenken, erlassen hat, ist zu keiner Ungerechtigkeit fähig. Daher haben die Frauen von einer Kultur, die die Verschiedenheit zwischen Männern und Frauen erfasst und respektiert, nichts zu fürchten.


Päpstliche Schreiben und Papstworte

Johannes Paul II.: 31. Mai 2004 Kongregation für die Glaubenslehre: Die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt. Christiana Verlag (40 Seiten).

Benedikt XVI.: Ansprache beim Weihnachtsempfang, 21. Dezember 2012, u.a. zum "Stichwort 'Gender'"

Franziskus:
"Und mit diesem Aspekt möchte ich hier schließen, denn hinter diesem Phänomen stehen die Ideologien. In Europa, in Amerika, in Lateinamerika, in Afrika, in einigen Ländern Asiens gibt es einen wahren ideologischen Kolonialismus. Und einer von diesen – ich nenne ihn unverhohlen beim Namen – ist die Gender-Theorie! Heute wird den Kindern – den Kindern! – in der Schule beigebracht, dass jeder sein Geschlecht selber wählen kann. Und warum wird das gelehrt? Weil die Lehrbücher von den Personen und den Institutionen kommen, die dir das Geld geben. Das sind die Formen von ideologischem Kolonialismus, die auch von sehr einflussreichen Ländern unterstützt werden. Und das ist schrecklich. Und wieder: „Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen!“"


Wo liegt das Problem?

Nun, Männer und Frauen sind gleichwertig - aber nicht gleichartig. Es ist nicht so, wie man uns immer vormachen will: dass Männer und Frauen im Grunde nichts unterscheidet. Beide sind von Grund auf - und nicht nur körperlich - verschieden. Und das ist von Gott gewollt und etwas Gutes! Verwischt man jedoch die Geschlechterrollen und -identitäten, stellt man all das in Frage, was unser christliches Abendland bisher ausgemacht hat. All die moralischen Werte, das biblische Bild von Mann und Frau, traditionelle christliche Familienwerte - alles futsch. Na und, werden manche sagen, was ist schon dabei?

Eine ganze Menge ist dabei. Im Zuge der sexuellen Revolution der 60-er wurden bereits traditionelle Familienwerte über den Haufen geworfen, die in Jahrhunderten gewachsen sind und sich auf der Bibel gründen. Was zunächst als große Befreiung gefeiert wurde, erwies sich schnell als Schuss nach hinten: die Zahl der vaterlosen Familien steigt weltweit, ebenso scheint der bisherige Familienbegriff - ein Mann heiratet eine Frau, bekommt mit ihr Kinder, erzieht diese in christlicher Tradition und bleibt auch ein Leben lang mit der Frau, die er liebt zusammen und ihr treu - immer weniger die Norm zu sein. Kurzfristige Beziehungen, oft ohne Trauschein oder gar gleichgeschlechtliche Beziehungen setzen sich immer mehr durch. Na und, werden wieder viele sagen.

Nun, ganz so egal ist es nicht. Kinder brauchen eine geschützte familiäre Umgebung mit festen Bezugspersonen. Mama und Papa. Und zwar einen (!) Papa und eine (!) Mama. Und möglichst dieselbe und nicht wechselnde Partner oder einen Papa, den das Kind mal so ab und an sieht.

Außerdem muss ein Kind lernen, was es heißt, ein Mann bzw. eine Frau zu sein. Welche Verantwortungen es später in Familie, Gesellschaft, Gemeinde und Beruf haben wird. Was überhaupt ein Mann bzw. eine Frau ist. Welche moralischen Werte es zu vertreten und weiter zu geben hat.

Der Relativismus, der heute immer mehr um sich greift, kann uns ins Verderben stürzen. Wenn jeder für sich selbst bestimmen kann, was richtig, gut und wahr ist; wenn es darüber keinen gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens gibt, wird unsere Gesellschaft sich mit Problemen auseinander zu setzen haben, deren Auswirkungen uns heute schon ansatzweise vor Augen geführt werden.

Ist das wirklich alles so gut und schön? Ist der biblische Begriff von Mann und Frau wirklich so schlecht?

Wir denken nein! Gott hat uns geschaffen - Er sollte am besten wissen, was gut und richtig ist. Und als Christinnen und Christen halten wir uns daran, auch wenn wir uns damit zum Gespött anderer machen.

Natürlich sollen Männer und Frauen die gleichen Rechte haben - sie sind ja beide in Gottes Augen gleich viel wert! Beide wurden als Sein Ebenbild geschaffen!

Das heißt aber noch lange nicht, dass beide auch identisch sind und dieselben Rollen, Aufgaben und Verantwortungen haben. Die Bibel betont unaufhörlich von Anfang an die Verschiedenheit der beiden - und hebt sie als etwas Positives hervor! Gleichwertig heißt noch lange nicht gleichartig!
Die Notwendigkeit von "Gender Mainstreaming" wird oft damit begründet, dass durch die Beseitigung der Geschlechterrollen auch die Grundlage für männliche Dominanz und Unterdrückung beseitigt wird. Eines vergisst man aber bei einer derartigen Argumentation: ein biblisches Bild von Mann und Frau hat nichts - aber auch GAR nichts - mit männlicher Dominanz und Unterdrückung zu tun. Ja, ein Mann ist das Haupt der Familie, wie Christus das Haupt der Kirche ist. Aber mit der gleichen aufopfernden Liebe, mit der sich Jesus hingegeben hat, sorgt auch ein christlicher Mann für seine Frau und Familie. Ja, er hat die Führungsrolle - das ist aber ebenso eine Menge an Aufgaben und Verantwortung. Ebenso hat eine Frau verschiedene Aufgaben und Verantwortungen im Leben. Auch Jesus hat die Führungsrolle von Gott Vater akzeptiert - ohne dadurch unterdrückt worden zu sein. Eine Ehe ist wie ein gemeinsamer Tanz - wenn beide versuchen zu führen, gibt es Chaos.

Selbst in sexueller Hinsicht wird von Vertretern der "Gender Ideologie" argumentiert, empfindet jeder Mensch sowohl homo- als auch heterosexuell. Christen hingegen wissen, dass sie im Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Und Gott hat uns heterosexuell geschaffen - ein Standard, begründet in Genesis und selbst von Jesus zitiert. Ja, manche Menschen haben homosexuelle Empfindungen. Das macht sie aber nicht zu Homosexuellen, sondern zu Heterosexuellen mit homosexuellen Empfindungen.

Nochmal: Mann und Frau unterscheiden sich in weitaus mehr als nur körperlichen "Details".

Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, allen Menschen mit Respekt und Liebe zu begegnen und niemanden zu beleidigen oder zu verurteilen. Wir stehen aber auch offen zu den Wahrheiten der Bibel. Auch wenn wir Homo-, Bi- oder Transsexuelle als Menschen achten und lieben, denken wir dennoch nicht, dass ein Abweichen vom biblischen Standard, vom heterosexuellen Bild von Mann und Frau mit den entsprechenden Aufgaben und Rollen im Leben, richtig ist. Toleranz darf nicht falsch verstanden werden - auch wenn wir andere achten, werden wir weiter zu unserem Glauben stehen.

Mag sein, dass wir dadurch Nachteile erleiden. Mag sein, dass man uns nicht mehr anstellt, wenn wir offen zu unserer biblischen Auffassung stehen, die doch so sehr dem "Gender Mainstreaming" widerspricht. Das ist uns aber immer noch lieber, als uns der Bibel zu schämen und zu schweigen, nur um einen Job zu bekommen. Dann wird auch Gott sich unserer schämen und uns nicht kennen, wenn wir eines Tages vor Ihm stehen.

Mag sein, dass man uns Diskriminierung und Radikalität unterstellt, wenn wir uns zum biblischen Menschenbild bekennen und uns gegen die "Gender Ideologie" aussprechen. Jeder Mensch, der die Bibel kennt, weiß, wie unsinnig eine derartige Argumentation ist. Vor allem, wenn man selbst etwa gleichgeschlechtliche Empfindungen hat, dennoch aber ein Leben nach biblischen Vorbild führen will.

Interessant auch, dass es für den Vorwurf der „Diskriminierung“ oft schon ausreicht, wenn sich Menschen diskriminiert fühlen, also tatsächlich vielleicht gar nicht diskriminiert wurden. Hierunter würde unter Umständen auch das Vertreten von biblischen Wahrheiten fallen. Wenn mich also jemand fragt, was ich vom Ausleben von Homosexualität halte und ich ihm sage, dass das für mich als Christ eine Sünde ist - kann er sich dann vielleicht schon diskriminiert fühlen?

Die Bibel hat uns gewarnt, dass solche Zeiten anbrechen werden. Dass uns die Menschen verfolgen werden, uns vor Gericht bringen werden - und sogar nicht der festen Auffassung sind, sie täten der Menschheit einen Gefallen damit. Die Bibel hat uns aber auch gemahnt, in diesen Zeiten fest zu ihren Wahrheiten zu stehen - wir würden es nicht bereuen.


Bedeutet Gender Mainstreaming das Herstellen der Geschlechtergerechtigkeit?

Mitnichten. Wenn ich Geschlechtergerechtigkeit möchte, dann ist es das, was ich tue und ich nenne es auch so. Gender Mainstreaming aber geht weit über die Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund des körperlichen Geschlechtes hinaus.

Sehen wir uns die Wortzusammensetzung an: „Gender“ meint im Englischen keineswegs nur das körperliche Geschlecht, also das Geschlecht, mit dem wir geboren wurden. Es bezeichnet vielmehr ein Geschlecht, das von Kultur, Gesellschaft, Politik und vor allem vom Individuum beeinflusst und bestimmt wird – und somit auch veränderlich ist. Mit „mainstreaming“ wird angedeutet, dass das, was bisher unterschiedliche „Ströme“ waren (also das körperliche Geschlecht von Mann und Frau mit einem klaren Rollenverständnis, das für Christen auf der Bibel und den seit über 2.000 Jahren bestehenden christlichen traditionellen Familienwerten beruht) nun „zusammengeführt“ zu einem “Strom“ wird. Mit anderen Worten: Die Unterschiede von Mann und Frau sollen aufgehoben und der Definition des einzelnen oder der Gesellschaft überlassen werden.

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie naiv viele Christinnen und Christen damit umgehen und wie wenig ihnen offenbar die Gefahren bewusst sind, die damit verbunden sind. Die christlichen Familienwerte und Rollenverständnisse waren zum Besten eines jeden Einzelnen in der Familie. Sie halfen weiterhin, hinsichtlich der eigenen Geschlechtsidentität Sicherheit und Stabilität zu haben sowie in das hineinzuwachsen, zu dem uns Gott bestimmt und berufen hat.

Eine „Geschlechtergerechtigkeit“ in dem gewünschten Sinne lässt sich nicht durch Verordnungen und Strukturen erreichen. Welche Frau etwa, die etwas auf sich hält, möchte eine Position in einem Unternehmen allein aufgrund der Tatsache bekommen, dass sie Frau ist – und nicht etwa wegen ihres Könnens?

Es gibt genügend Gesetze, die das demokratische und respektvolle Miteinander soweit regeln, wie es geregelt werden muss. Nicht alles kann und darf von staatlicher Seite bestimmt werden, schon gar nicht Angelegenheiten, die in den Bereich von Familie und Kirche fallen.

Grundlage einer wahren Geschlechtergerechtigkeit ist eine moralische Grundlage auf Basis des christlichen Glaubens, die eine Vorstellung der eigenen Geschlechts-Identität vermittelt und fördert. Wer bin ich etwa als christlicher Mann? Wie definiere ich Männlichkeit? Was sind die Aufgaben eines Mannes in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche? Wer meint, etwas derart Grundlegendes wie die eigene Geschlechts-Identität der eigenen Definition überlassen zu können, sägt an den Grundwerten einer Gesellschaft und letztlich auch des christlichen Glaubens. Menschen, die hinsichtlich ihrer Geschlechts-Identität verwirrt sind, können und werden eine Menge Probleme verursachen.
Verordnungen und Strukturen können keine Unterschiede der Geschlechter beseitigen, sie können und werden dauerhaft keine „Gerechtigkeit“ bringen und am allerwenigsten wird „Gender Mainstreaming“ dem körperlichen, psychischen und geistigen Wohl des Einzelnen dienen.


"Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus verschiedenen Formen einer Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird und die » den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus. Diese Ideologie fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann. « Es ist beunruhigend, dass einige Ideologien dieser Art, die behaupten, gewissen und manchmal verständlichen Wünschen zu entsprechen, versuchen, sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Man darf nicht ignorieren, dass » das biologische Geschlecht (sex) und die soziokulturelle Rolle des Geschlechts (gender) unterschieden, aber nicht getrennt werden [können] «. Andererseits hat » die biotechnologische Revolution im Bereich der menschlichen Zeugung […] die technische Möglichkeit geschaffen, den Akt der Zeugung zu manipulieren und ihn von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau unabhängig zu machen. Das menschliche Leben und die Elternschaft sind auf diese Weise zu etwas geworden, das zusammengefügt oder getrennt werden kann. Sie unterliegen nun vor allen Dingen den Wünschen des Einzelnen oder des […] Paares. « Verständnis zu haben für die menschliche Schwäche oder die Vielschichtigkeit des Lebens, ist etwas anderes, als Ideologien zu akzeptieren, die beabsichtigen, die in der Wirklichkeit untrennbaren Aspekte in zwei Teile auseinanderzunehmen. Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen! Wir sind Geschöpfe, wir sind nicht allmächtig. Die Schöpfung geht uns voraus und muss als Geschenk empfangen werden. Zugleich sind wir berufen, unser Menschsein zu behüten, und das bedeutet vor allem, es so zu akzeptieren und zu respektieren, wie es erschaffen worden ist."
Papst Franziskus in Amoris Laetitia


Die Gender-Blender


Gender-Forscher ignorieren die Biologie. Unsere Geschlechterrolle ist nur anerzogen, davon sind sie überzeugt. Trotzdem haben sie es geschafft, ihre Ideologie in die Politik zu schmuggeln. Über ein Mädchen, das eigentlich ein Junge ist, Politiker, die nicht wissen, wofür sie abstimmen und einen Norweger, dessen Film eine ganze Nation wachrüttelte.

Von Nicolai Franz

Lügen, Manipulation, Leid. Janet und Ron Reimer ahnen nicht, was sie erwartet, als sie das Glück ihres Lebens in den Armen halten: Ihre Zwillingssöhne Brian und Bruce, geboren am 22. August 1965. Acht Monate nach der Geburt müssen beide Kinder wegen einer Vorhautverengung beschnitten werden. Ein Routineeingriff - eigentlich. Bei Bruce gibt es einen Unfall, sein Penis wird bei der Operation durch elektrischen Strom verbrannt. Die Horrornachricht verunsichert das junge Ehepaar. Kann Bruce überhaupt noch zu einem Mann reifen? In einer TV-Talkshow sehen sie den Psychologen und Sexologen John Money. Er vertritt die These: Unser Geschlecht ist nicht angeboren, sondern anerzogen. Jedes männliche Neugeborene könne ebensogut ein Mädchen werden. Eine Transsexuelle in der Show soll der lebende Beweis sein. Das überzeugt Janet. "Ich dachte: Hier ist unsere Antwort, hier ist unsere Erlösung, hier ist unsere Hoffnung." Die Begegnung mit Money sollte die Rettung sein. In Wahrheit ist sie erst der Anfang einer tragischen Geschichte über ideologische Wissenschaft, Unterdrückung und Ignoranz. Der Psychologe rät den Reimers, Bruce als Mädchen zu erziehen. "Dr. Money war sehr charismatisch. Er schien sehr intelligent und zuversichtlich zu sein", sagt Janet. Ein noch nie dagewesenes Experiment beginnt. Bruce ist noch sehr jung, außerdem gibt es einen identischen Zwilling als "Kontrollgruppe". Perfekte Bedingungen. Am 3. Juli 1967 wird Bruce kastriert. Ab jetzt heißt er Brenda.

Money war mit seiner Ansicht nicht allein. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Feministinnen, die englischen Begriffe für "Geschlecht" voneinander zu trennen. Aus "sex" wurde "biologisches Geschlecht" und aus "gender" wurde "soziales Geschlecht". Mit der Unterscheidung von angeborenem und anerzogenem Geschlecht war Gender-Vertretern ein Coup gelungen, der noch heute das politische Programm dominiert - in Form von "Gender-Mainstreaming". Eine der radikalsten und einflussreichsten Gender-Vertreterinnen ist die in Berkeley lehrende Philosophin Judith Butler. Für sie ist das Geschlecht eine kulturell konstruierte Kategorie - selbst das biologische Geschlecht. Das Ziel müsse sein, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spiele, schreibt sie 1990 in ihrem Buch "Das Unbehagen der Geschlechter".



Die Ignoranz der Gender-Forscher

Ist unsere Geschlechterrolle nur anerzogen? Diese Frage stellte sich auch der Norweger Harald Eia. Der studierte Soziologe ist in seinem Land aus dem Comedy-Geschäft bekannt. In seiner Reportage "Gehirnwäsche" geht er aber einer ernsten Frage nach: Warum wählen Männer und Frauen in Norwegen so unterschiedliche Berufe, obwohl das Land in Sachen Gender-Gerechtigkeit weltweit auf Platz eins liegt? Wenn die Politik und die Gesellschaft alle Gender-Hürden überwunden hat, warum sind dann seit 1980 durchgängig 90 Prozent aller norwegischen Ingenieure männlich und fast 90 Prozent aller Krankenpfleger weiblich?

Eia befragte dazu den amerikanischen Psychologie-Professor Richard Lippa. In einer seiner Studien nannten 200.000 Männer und Frauen aus 53 Ländern ihren Lieblingsberuf. "Es gibt einen großen Unterschied. Männer interessieren sich viel häufiger für Objekte, zum Beispiel als Ingenieure oder Mechaniker. Frauen möchten eher mit Menschen arbeiten", erklärt Lippa. Dieser Unterschied zog sich durch alle Kulturen, Länder und Kontinente. "Er war in Norwegen so groß wie in Saudi-Arabien oder Pakistan, Indien, Singapur oder Malaysia." Wohlstand, Religion, Fortschritt der Gleichberechtigung - all das spielt keine Rolle. "Das gibt einen Hinweis darauf, dass hier etwas Biologisches am Werk ist." Diese These unterstützt auch der britische Psychologe Simon Baron-Cohen. Er zeigte Säuglingen entweder einen mechanischen Gegenstand oder ein Gesicht. Das Ergebnis: "Mehr Jungen schauen sich das mechanische Objekt länger an, mehr Mädchen das Gesicht - schon am ersten Tag des Lebens." Vor irgendwelchen anderen Einflüssen also. Verantwortlich dafür sei das Hormon Testosteron, bei Jungen mehr, bei Mädchen weniger, sagt er in Eias Film. Für Baron-Cohen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern "eine Mischung aus Biologie und Kultur". Es gehe natürlich nicht nur um Biologie. "Ich sage nur: Vergesst die Biologie nicht!" Die Studien im Film zeigen sogar: Je mehr Gleichberechtigung, desto weniger Frauen wollen einen technischen Beruf erlernen. Je freier Männer und Frauen sind, desto eher können sie das tun, was sie wirklich wollen - und nicht das, was am ehesten einen Job bringt.

Damit konfrontiert, antworten die norwegischen Genderforscher immer gleich: Das ist altmodisch, schlechte Forschung, Ideologie. Ignoranz statt Argumente. Eine Wissenschaftlerin bekennt sogar, dass sie die Biologie schlicht nicht interessiere. Sieht so ernsthafte Wissenschaft aus? Auf Harald Eias Film folgte nicht nur eine heftige Debatte über Geschlechterrollen. Es ging den Genderforschern regelrecht an die Existenz. Dem "Nordic Gender Institute" in Oslo wurde der Geldhahn zugedreht, die Einrichtung musste schließen. Ein Riesenskandal. Die Reaktion in Deutschland? Zahlreiche Blogs berichteten, die Reportage ist bei Youtube abrufbar, bei größeren Medien schaffte Eia es in die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Für den Focus durfte er im November 2012 eine Titelgeschichte schreiben. Die anderen Redaktionen interessierten sich nicht dafür - und das, obwohl deutsche Gender-Forscher biologische Gründe für Geschlechterrollen ebenfalls ignorieren.



"Ich spürte, dass er männlich ist"

Brenda Reimer, das Mädchen, das früher ein Junge war, fühlte sich in ihrer Rolle nicht wohl. "Ich war groß, ich war ein Mädchen. Ich mochte es nicht, mich wie ein Mädchen anzuziehen, mich wie ein Mädchen zu benehmen und zu verhalten." Doch das interessierte John Money nicht. Als Brenda sieben Jahre alt war, erklärte der Sexologe sein Experiment für geglückt. Doch das Gegenteil war der Fall. Für Brendas Mutter war klar: "Nicht nur ich, auch andere spürten, dass er männlich ist." Money hatte den Eltern eingeschärft, dass das Experiment scheitern würde, sollten sie ihrer Tochter etwas davon erzählen. Brenda hatte kaum Freunde. Die Mädchen wollten nicht mit ihr spielen, weil sie sich für Jungskram interessierte, die Jungs wollten kein Mädchen um sich herum haben.. Ihr Leben wird zu einer einzigen Identitätskrise. Als Money die Probleme bemerkte, griff er zu schrecklichen Methoden, um den Geschwistern zu zeigen, dass Brenda ein Mädchen ist. Brian und Brenda mussten sich vor ihm ausziehen, sexuelle Stellungen einnehmen. Money fotografierte sie dabei. Die Eltern bekamen davon nichts mit.

Im Alter von 13 Jahren konnte Brenda nicht mehr. Sie sagte ihren Eltern, sie würde sich das Leben nehmen, wenn sie noch einmal zu Money gehen müsse. Ron und Janet trafen eine harte Entscheidung: Ihre Tochter sollte die Wahrheit erfahren. Brenda bekam ein Eis von ihrem Vater, sie aßen es im Auto. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte. "Ich kann mich an 90 Prozent von dem, was im Auto passierte, nicht erinnern. Papa sagte mir, dass ich mit glasigen Augen über das Armaturenbrett starrte und ich voll mit geschmolzener Eiscreme war."

Brenda beschloss, als Junge zu leben. Ab da hieß er David Reimer. Zum ersten Mal in seinem Leben war er glücklich. Sein Zwilling Brian erfuhr die Wahrheit von seiner Mutter. Er sollte nie darüber hinweg kommen. Stattdessen entwickelte er eine psychische Störung bis hin zur Schizophrenie. John Money verkündete der Wissenschaft weiterhin seine "bewiesene" Theorie, auch wenn er Reimers Fall nicht mehr erwähnte.

Auch Deutschlands Chef-Feministin Alice Schwarzer führt das Experiment in ihrem Buch "Der kleine Unterschied" von 1975 als vorbildliches Beispiel für den "aufklärenden Auftrag der Forschung" an. David selbst hatte 1997 genug von den falschen Behauptungen. Der Journalist John Colapinto veröffentlichte seine Geschichte in einem viel beachteten Artikel im "Rolling Stone Magazine". Im Jahr 2000 folgte ein gemeinsames Buch: "Der Junge, der als Mädchen aufwuchs". Seinem Bruder Brian ging es seit der Veröffentlichung immer schlechter. 2002 brachte er sich um. David selbst litt an Depressionen, steckte in finanziellen Schwierigkeiten, seine Ehe geriet in eine tiefe Krise. 2004 nahm auch er sich das Leben, vier Jahre nach Erscheinen des Buches.

Noch 2007 rechtfertigte sich Alice Schwarzer in der "Emma" und gab die wahre Schuld an Reimers Schicksal nicht John Money, sondern dem Journalisten Colapinto und Davids Eltern. Die angeblichen Gründe dafür klingen reichlich zurechtgebogen. "Die Eltern sind gläubige Mennoniten, also Angehörige einer christlichen Sekte", urteilte Schwarzer. Nebenbei schrieb sie den Nachnamen "Reimer" konsequent falsch ("Reimers") und datierte den Tod von David fälschlicherweise auf das Jahr 2001, also auf ein Jahr nach Erscheinen des Buches. Für die Emma-Chefin ist deshalb Colapinto für den Tod Reimers verantwortlich, "dem die Story wichtiger war als die Rücksicht auf dieses schon so funktionalisierte Leben".

Ahnungslose Politiker und Gender-Lobbyisten

Der Erfolg der Gender-Theorie ist vor allem ein politischer. 1985 diskutierten Delegierte auf der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen (UN) erstmals den Begriff
"Gender-Mainstreaming". Auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking wurde er zum offiziellen politischen Programm. Von den UN aus sickerte der Begriff auch in die unteren Ebenen, die Europäische Union (EU) und nach Deutschland. Gender-Mainstreaming ist in der EU und der Bundesrepublik offizielles Programm. "To mainstream" bedeutet in diesem Zusammenhang "berücksichtigen" oder "einbinden". Auf allen gesellschaftlichen Ebenen sollen die Verantwortlichen darauf achten, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, die ihre eigenen Bedürfnisse haben. Das Ziel: Gleichberechtigung. Das klingt zunächst wie ein Anliegen, das jeder vertreten kann.

Doch hinter dem Begriff steckt mehr. Warum steht in den UN-Dokumenten zum Beispiel nicht "Sex-Mainstreaming", was sich auf das biologische Geschlecht beziehen würde? Genau genommen handelt es sich dabei um einen der größten Erfolge, den Lobbyisten in den letzten Jahrzehnten erzielen konnten. Denn mit "Gender" hatten sie der Politik ein Wort untergejubelt, das sie selbst mit Inhalt füllen konnten: Nicht die Biologie und die Erziehung prägen die Geschlechterrollen, sondern nur die Erziehung. Die wenigsten Teilnehmer der Weltfrauenkonferenz dürften sich darüber im Klaren gewesen sein. Sie wollten sich einfach für die Frauen einsetzen, die unter schlimmsten Diskriminierungen litten. Es ist verständlich, dass Vokabeln egal sind, wenn die Frauen im eigenen Land nicht studieren dürfen, sexuelle Belästigungen ertragen müssen und als weniger wertvoll gelten als der Mann. Wer großen Durst hat, kümmert sich nicht darum, was auf der Flasche steht.

So geht es offenbar auch den meisten EU-Abgeordneten. "Vielleicht fünf Prozent" würden die Gender-Theorie vertreten, die restlichen „schauen einen mit großen Augen an", wenn sie erführen, wofür sie gerade wirklich abgestimmt hätten, berichtet ein Insider. Die, die es wüssten, würden es absichtlich verschweigen und die anderen „ins Messer laufen“ lassen“. Die Kommission würde das Wort "Gender" nur benutzen, weil das jeder tue. In der deutschen Politik ist es ähnlich. Die "Welt am Sonntag" befragte 2009 die Familienministerin Kristina Schröder - damals noch Köhler - zu Gender-Mainstreaming. Sie antwortete, zwar solle der Staat alle Hürden für eine junge Frau aus dem Weg räumen, wenn sie Elektrotechnik studieren wolle. "Aber der Staat sollte nicht zwanghaft versuchen zu erreichen, dass 50 Prozent der Elektrotechnikstudenten weiblich sind." Doch genau das wäre die Konsequenz aus der Gender-Theorie: Wenn es keine biologisch begründeten Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, dann werden sie auch alle dieselben Interessen und Wünsche haben. Ansonsten stünde der echten Gleichheit noch etwas im Weg. Doch offenbar sind sich nur wenige Politiker darüber im Klaren.



"Junge oder Mädchen - du weißt es einfach"

FAZ-Autor Volker Zastrow hatte schon 2006 vor den fragwürdigen Voraussetzungen der "politischen Geschlechtsumwandlung" gewarnt, wie er Gender-Mainstreaming in einem Artikel und einem darauf folgenden Buch bezeichnete. Der Spiegel-Journalist René Pfister stimmte mit ein. Gender-Mainstreaming wolle „nicht nur die Lage der Menschen ändern, sondern die Menschen selbst". Die Reaktionen darauf bestätigten aber nur die kritischen Ansichten Zastrows und Pfisters. So schreibt Ulrike Frobäse in dem Gender-Buch "Nie wieder Sex", dass "menschliche Identität schon immer "hergestellt" worden sei. Die beiden Journalisten wollten nur verhindern, dass jetzt auch Frauen und transsexuelle Menschen das Geschlecht formen würden; sie fühlten sich "in ihrer Identität als alleinige Wächter menschlicher und männlicher Norm" bedroht.
David Reimer haben solche Theorien jedenfalls nicht geholfen. "Ich bin kein Professor. Aber du wachst nicht eines Morgens auf und entscheidest dich, ein Junge oder ein Mädchen zu sein - du weißt es einfach", hat er einst gesagt.


Nicht irritieren lassen

Ein Kommentar von Nicolai Franz

Die Gender-Theorie ist Unfug. Seit dem Film des Norwegers Harald Eia realisieren das auch immer mehr Politiker. Christen sollten die Sache entspannt sehen - und sich umso mehr gegen Diskriminierung stark machen.

Ist ja alles richtig. Ja, die Gender-Ideologie ist pseudowissenschaftlicher Unsinn, der in der Vergangenheit zu absurden Forderungen geführt hat. Zum Beispiel bei der Sprachhygiene. Aus "Freunden" wurden "Freundinnen und Freunde", "das "taz-I" oder "Binnen-I" gebietet sogar, "FreundInnen" zu schreiben. Obwohl Sprachliebhaber schon dabei Augenschmerzen bekommen, geht das besonders orthodoxen Anti-Diskriminierern noch nicht weit genug: "Freund_innen" muss es heißen. Oder "Vergewaltiger_innen", wie es der konservative Journalist Jan Fleischhauer einer Vertreterin der Grünen Jugend entlockte. Der Grund: Auch die, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, müssen berücksichtigt werden. Nur der Unterstrich verdeutlicht den angeblich fließenden Übergang der Geschlechter. Die allermeisten Menschen halten das Gebaren der Gender-Ideolog_innen für Mumpitz. Deswegen musste nach dem Enthüllungsfilm des Norwegers Harald Eia auch das Nordic Gender Institute schließen. Ist ja alles richtig.


Doch Christen machen oft den Fehler, hinter jeder Maßnahme zur Gleichberechtigung den "Dämon des Gender-Wahns" zu vermuten. Dabei sollten gerade Gläubige mit aller Kraft für den Schutz von Frauen kämpfen. Noch immer wird weltweit Millionen von Frauen der Zugang zu Bildung verwehrt, sie werden als Sexsklavinnen verkauft, in China werden Mädchen abgetrieben, weil männliche Nachkommen als wertvoller gelten. In Deutschland verdienen Frauen immer noch weniger als Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit tun. Von Sexismus ganz zu schweigen. Wer daran glaubt, dass Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen hat und sie liebt, sollte sich umso mehr für den Schutz der Schwachen und Verletzten einsetzen. Paradoxerweise sind das oft die lautesten Pro-Gender-Schreihälse. Auch hinter Ideologien stecken Menschen mit persönlichen Erfahrungen und Verletzungen. Der Feminismus ist nicht umsonst in einer Zeit entstanden, in der Frauen sich als Menschen zweiter Klasse fühlten und sich zu Recht dagegen auflehnten. Das erklärt auch, warum die meisten jüngeren Studentinnen die Geschlechter-Debatte entspannter sehen als ihre kratzbürstigen Professor_innen. Gelassenheit ist nicht der schlechteste Ratgeber.


"Uns wird eine Ideologie übergestülpt"

Gender-Mainstreaming betrachtet das Geschlecht nicht als etwas Biologisches, sondern als soziales Konstrukt. Für die katholische Journalistin Birgit Kelle ist das ideologisches Gedankengut und gefährdet die Demokratie. Im ARD-Talk "hart aber fair" wurde sie beschimpft, weil sie ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ablehnt. pro hat die Mutter von vier Kindern besucht. | Die Fragen stellte Moritz Breckner

pro: Frau Kelle, angenommen, die Politik in Deutschland hält an Gender- Mainstreaming fest - wie wird das unsere Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren verändern?

Birgit Kelle: Ich glaube, dass dies ganz verheerende Auswirkungen hätte. Die sowieso niedrige Geburtenrate würde dramatisch einbrechen. Unsere Familienstrukturen würden sich langfristig verändern - weniger Menschen würden heiraten und stattdessen nur zeitweise Beziehungen haben. Unsere Gesellschaft würde anonymer, weil die Geschlechter nur noch androgyn (geschlechtslos, d. Red.) nebeneinander her leben. Die Menschen würden durch diese Veränderungen ganz bestimmt nicht glücklich. Und ich glaube, dass eine solche Gesellschaft anfälliger wird für totalitäre Regime. Wenn der Mensch von Kindheit an keine Identität mehr findet, ist er leichter zu formen und zu führen. Das macht mir Angst.


Übertreiben Sie da nicht? In Frankreich ist Gender-Mainstreaming deutlich etablierter als in Deutschland. Das Land ist nach wie vor demokratisch und die Geburtenrate ist höher als bei uns.

Frankreich tut ganz andere Dinge, um Familien zu unterstützen, als wir. Dort fördert man zum Beispiel massiv steuerlich das dritte Kind in der Familie, während man bei uns ab dem dritten Kind als Familie in die Armutsfalle rutschen kann. Man muss immer die Gesamtheit der Instrumente betrachten. Einzelne Staaten lassen sich nur schwer direkt vergleichen, weil auch geschichtliche und kulturelle Unterschiede eine Rolle spielen. Die USA unterstützen zum Beispiel Kindergärten und Krippen von staatlicher Seite aus nahezu gar nicht, haben aber eine ähnliche Geburtenrate wie die Skandinavier, die voll auf staatliche Krippen setzen.

Sie bezeichnen Gender-Mainstreaming als eine Ideologie, die wissenschaftlich nicht bewiesen wurde. Wie konnte Gender-Mainstreaming dann überhaupt so einflussreich werden?

Das ist in der Tat ein erstaunliches Phänomen. Wir haben es beim Gender-Mainstreaming mit einer Top-Down-Bewegung zu tun, das heißt, anders als im demokratischen Prozess üblich, ging diese Idee nicht von der breiten Masse der Bürger, sondern von einer kleinen Gruppe aus. Begonnen hat das in den Vereinten Nationen, dort ist das Konzept zum ersten Mal verankert worden. Von der UN-Ebene aus ging die Idee auf die nächsten Stufen, also die EU und die Nationalstaaten. Manche Staaten haben gezögert, aber in Deutschland ist Gender-Mainstreaming auf fruchtbaren Boden gefallen. Das Familienministerium hat die Idee relativ freudig und völlig widerspruchslos einfach hingenommen. Zusammengefasst: Den Bürgern wird hier eine Ideologie übergestülpt, die überhaupt nicht ihren Bedürfnissen entspricht.

Eine große Anzahl von Wissenschaftlern nimmt Gender-Mainstreaming sehr ernst. Glauben Sie wirklich, dass die sich alle irren?

Fakt ist, dass zahlreiche Forscher und vor allem Forscherinnen in dem Feld offensichtlich versuchen, ein Wunschbild zu beweisen, anstatt sich an Fakten zu orientieren. Bis heute konnte niemand, wirklich niemand, nachweisen, dass das biologische Geschlecht irrelevant ist und die Frage des Geschlechtes nur eine soziale Konstruktion sei. Dennoch tun wir so, als ob das so ist. Das Einfrieren der Gelder für die Gender-Forschung in Norwegen hat doch gezeigt, dass sich die Wissenschaft in dieser Sache ganz und gar nicht einig ist. Ich erwarte von der Wissenschaft, dass sie unvoreingenommen ist und nicht einfach die Ergebnisse produziert, die gewünscht sind.


Gibt es Auswüchse von Gender-Mainstreaming, die Sie besonders irritieren?

Ja, nämlich dass wir anfangen, auf sprachlicher Ebene das Mann- oder Frau-sein neu zu definieren. In der Schweiz werden die Wörter "Vater" und "Mutter" aus amtlichen Dokumenten entfernt und durch die Begriffe "Elter 1" und "Elter 2" ersetzt. Auch in den USA gibt es Beispiele dieser Art. Es wird versucht, über die Sprache eine Geschlechtszuordnung zu vermeiden. So wandelt sich nebenbei auch der "Eltern"-Begriff: Eltern sind nicht mehr leibliche Eltern, sondern ein soziales Konstrukt, das angeblich jeder erfüllen kann. Der Lebenspartner des Sängers Elton John beispielsweise ist auf der Geburtsurkunde seines Adoptivsohnes als "Mutter" eingetragen. Heute lächeln wir darüber, aber die Frage ist, was das langfristig mit unserer Gesellschaft macht.


Was stört Sie als engagierte Christin an Gender-Mainstreaming?

Ich bin gar nicht in erster Linie gegen Gender-Mainstreaming, weil ich Christin bin, sondern weil ihm ein völlig falsches Konzept vom Menschen zu Grunde liegt und es negiert, dass Mannsein und Frausein etwas Unterschiedliches ist. Natürlich bin ich durch das christliche Menschenbild geprägt, wonach Mann und Frau verschieden geschaffen sind. Davon würde ich aber auch ohne meinen Glauben ausgehen, denn unsere ganze Natur ist bipolar angelegt. Dass man jetzt Geschlechter als nebensächliches "soziales Konstrukt" definieren will, ist absurd. Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist gewollt. Das ist kein Fehler, sondern das Leben wird dadurch bereichert. Wir ergänzen uns in unseren Eigenschaften und Fähigkeiten. So zu tun, als wären wir alle gleich, verleugnet einen Teil unseres Wesens.

Heißt das, dass Familien an der traditionellen Rollenaufteilung festhalten sollten? Also der Mann geht in die Firma, die Frau bleibt daheim bei den Kindern?

Nein, nicht zwangsläufig. Man muss sich aber bewusst machen, dass die Mehrheit der Deutschen nach wie vor so lebt. 80 Prozent der Frauen bleiben in den ersten Lebensjahren ihres Kindes daheim. Heute wollen viele Frauen diese Rollenaufteilung, allerdings nur für eine gewisse Zeitspanne. Wir haben mehr hochqualifizierte Frauen als je zuvor, und sie wollen und sollen ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt einsetzen. Die Rahmenbedingungen müssen ihnen das ermöglichen - ohne dabei Frauen, die sich dafür entscheiden, bei den Kindern zu bleiben, unter Rechtfertigungsdruck zu setzen. Mir ist es ein Anliegen, dass Familien selbstständig entscheiden, in welchem Umfang Vater und Mutter arbeiten, beziehungsweise sie bei den Kindern sind. Das geht den Staat nichts an, das kann man nicht mit Gleichstellungsbeauftragten und Vorschriften regeln. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, heißt ja nicht, dass das eine Geschlecht das andere in irgendeiner Form unterdrücken müsste. Das ist auch von der göttlichen Schöpfung nicht gewollt. Aber auch nach 100 Jahren Diskussion bleibt es dabei, dass Männer Kinder zeugen und Frauen Kinder gebären. Und aus der Perspektive des Kindes sind sowohl Mutter als auch Vater wichtig.



Aber nicht in allen Familien werden die Kinder auch wirklich fit fürs Leben gemacht. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, fordert deshalb eine Kindergartenpflicht ab dem ersten Geburtstag. Dann könnten Mütter auch schneller wieder arbeiten.

Heinz Buschkowsky ist geprägt von dem Milieu, in dem er lebt. Die überwältigende Mehrheit der Kinder in Deutschland wächst sehr gut bei ihren Eltern auf. Eine Kindergartenpflicht ist in meinen Augen ein schwerer Eingriff in die Autonomie der Familien und daher grundgesetzwidrig. Das Grundgesetz gibt uns nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, unsere Kinder nach unseren Werten zu erziehen. Sobald Kinder in eine staatliche Einrichtung gehen, müssen wir fragen, nach welchen Richtlinien und Maßstäben sie dort erzogen werden. Welches Amt bestimmt denn, welche Werte an meine Kinder weitergegeben werden sollen, mit welchem Recht übernimmt der Staat meine Aufgabe als Mutter? Außerdem: Auch Eltern wachsen mit ihren Herausforderungen, sind in einem Lernprozess. Mir hat noch kein Wissenschaftler erklären können, wie man Elternkompetenz stärkt, indem man die Eltern von ihrem Kind trennt. Die Bindung zwischen einem Kind und seinen Eltern ist etwas Einzigartiges und kann auch von einer liebevollen Erzieherin nicht ersetzt werden. Ein Kind braucht Vater und Mutter.

Haben Sie sich deswegen in der Sendung „hart aber fair“ gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ausgesprochen?

Bei dieser Frage geht es darum, ob homosexuelle Paare ein Recht auf ein Kind haben. Das haben sie nicht – ebenso wenig wie heterosexuelle Paare. Ein Kind ist ein Geschenk, darauf gibt es kein Anrecht. Wenn es um Adoptivkinder geht, muss das Wohl des Kindes ausschlaggebend sein. In meinen Augen ist es für ein Kind am Besten, Vater und Mutter zu haben. Kinder reagieren auf Vater und Mutter sehr unterschiedlich, der männliche und weibliche Einfluss ist für die Identitätsfindung eines Kindes extrem wichtig. Solange wir Kindern dies bieten könnten, sollten wir es auch tun. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Paaren, die ein Kind adoptieren wollen, und nur für jedes achte Paar ist ein Kind da. Im Interesse der Entwicklung dieser Kinder sollten heterosexuelle Paare bevorzugt werden. Ich sage aber auch: Bevor ein Kind im Heim aufwächst, ist es bei einem homosexuellen Paar besser aufgehoben. Gäbe es mehr Kinder als adoptionswillige Hetero-Paare, sollten auch homosexuelle Paare adoptieren dürfen. Diese Konstellation ist aber Fiktion.

Sie wurden nach den Sendung öffentlich beschimpft und bedroht. Hat Sie das überrascht?

Ich habe mit Widerstand gerechnet, weil man in Deutschland nicht ungestraft gegen die Homo-Ehe sein kann. Die Heftigkeit hat mich dann doch etwas überrascht. Etwa 90 Prozent der Reaktionen, die mich erreicht haben, waren zustimmend. Von den ablehnenden Zuschriften waren fast alle auf einem Niveau, das nicht zitierfähig ist. Man hat versucht, mich durch persönliche Angriffe zu diskreditieren und mundtot zu machen. Sowas tangiert mich aber nicht. Ich habe Homosexuelle in meinem Bekanntenkreis, mit denen ich gut und sachlich diskutieren kann. Das sind ganz normale Menschen, die sich durch die oft aggressiven Vorzeige-Schwulen, die man aus dem Fernsehen kennt, nicht repräsentiert fühlen.

In Paris haben im Januar Hunderttausende gegen die Homo-Ehe demonstriert. In Deutschland wäre das kaum denkbar ...

Ich bewundere die Franzosen für ihren Mut, geradeheraus zu sagen, was sie denken. Ich glaube, wenn wir in Deutschland eine geheime Abstimmung über die Homo-Ehe hätten, gäbe es eine breite Ablehnung. Aber es ist fast unmöglich, bei uns über dieses Thema zu diskutieren, Sie werden sofort von allen Seiten angegriffen. Sie finden keinen Politiker, und übrigens auch keinen kirchlichen Amts- und Würdenträger mehr, der es wagt, sich kritisch dazu zu äußern. Bei der Kundgebung in Frankreich waren Geistliche dabei und auch mehrere Tausend Bürgermeister. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in Deutschland auch nur ein Bürgermeister so etwas trauen würde, weil er wüsste, dass er hinterher politisch tot ist. Homosexualität ist ein solches Reizthema, dass der Ton schnell aggressiv wird und man nicht mehr sachlich diskutieren kann. Es gibt leider Themen, über die man in Deutschland nicht reden darf. Das Problem ist auch, dass Medienschaffende eine sehr homogene Gruppe sind. Es gibt mehrere Erhebungen, die belegen, dass Journalisten in Deutschland eher links stehen, auf Seiten von rot-grün. Nähmen an der Bundestagswahl nur Journalisten teil, käme schwarz-gelb auf gerade mal 20 Prozent. Das schlägt sich auf die Berichterstattung nieder, Fakten und Meinungen werden nicht sauber getrennt. Ich kenne das ja auch von mir selber: Ich schreibe, was ich denke. Durch die Homogenität der Medienmacher wird ein großer Teil der Gesellschaft zu wenig abgebildet.

Hat Gender-Mainstreaming Zukunft?

In Norwegen wurde seit gut 20 Jahren das Gender-Mainstreaming auf die Spitze getrieben, und letztes Jahr ist das komplette Kartenhaus zusammengebrochen. Ein Kabarettist hat eine Dokumentation gedreht, die den Irrsinn dieser Ideologie aufgezeigt hat. Es entstand eine breite Diskussion darüber, ob Gender-Mainstreaming wirklich eine so gute Idee war. Am Ende der Debatte wurden immerhin 60 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern für Gender Studies gestrichen. Offenbar hat es den Narren am Hof gebraucht, um zu zeigen, dass der Kaiser keine Kleider anhat. Wenn wir in Deutschland so weitermachen, kommen wir vielleicht auch an diesen Punkt. Aber vielleicht muss erst alles schlimmer werden, bevor es besser wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Birgit Kelle wurde 1975 in Siebenbürgen geboren. Sie absolvierte ein redaktionelles Volontariat beim Badischen Verlag in Freiburg. Heute schreibt sie Kolumnen für verschiedene Magazine, ist Vorsitzende des Vereins "Frau 2000plus" sowie Vorstandsmitglied des Familien-Dachverbandes "New Women for Europe" mit Beraterstatus am Europäischen Parlament. Kelle lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nähe von Düsseldorf.

(Quelle: Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de" pro erscheint sechsmal jährlich kostenfrei, Bestellung unter pro.medienmagazin.de (http://www.pro-medienmagazin.de/pro_bestellen.html)



Papst zur Gender-Theorie

Aus der Weihnachtsansprache
22. Dezember 2012
Benedikt XVI.

VATIKANSTADT, 22. Dezember 2012 (ZENIT.org). – In seiner Ansprache von Papst Benedikt XVI. beim Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium, die Mitglieder der Römischen Kurie und der Päpstlichen Familie am 21. Dezember 2012 machte Papst Benedikt XVI. bezüglich der Gender-Theorie folgende Ausführungen:

„Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, dass der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht. Hatten wir bisher ein Missverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, dass dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiele ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu“. („On ne naît pas femme, on le devient“).

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe.

Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr.

Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, dass es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.“

(Quelle: https://de.zenit.org/articles/papst-zur-gender-theorie/)“


"Wer oder was ist gerecht?
„Geschlechtergerechtigkeit“ im Gender-Mainstreaming-Konzept1

Rainer Mayer

1. Gerechtigkeit – ein weites Feld

(…) Der Sozialphilosoph Ernst Topitsch stellte fest, dass sprachliche Zentralbegriffe, die über Jahrhunderte als fundamentale Prinzipien und Werte ganz selbstverständlich anerkannt und hoch geschätzt wurden, gerade deshalb keinen, oder keinen näher angebbaren Sach- und Normengehalt mehr besitzen.2 Zu noch größerer Skepsis neigt der Rechtsphilosoph und Staatsrechtler Hans Kelsen: „Die Bestimmung der absoluten Werte im Allgemeinen und die Definition der Gerechtigkeit im Besonderen, die auf diesem Wege erzielt werden, erweisen sich als völlig leere Formeln, durch die jede beliebige gesellschaftliche Ordnung als gerecht gerechtfertigt werden kann.“2

Dieser Umstand erklärt, weshalb die unterschiedlichsten Interessen und Bewegungen sich das Mäntelchen „für mehr Gerechtigkeit“ umhängen können. So geschieht es auch beim Gender Mainstreaming. – Die Vereinnahmung von verschiedensten Seiten ist typisch für den Missbrauch ethischer Zentralbegriffe: Es gibt wohl keine politische Ideologie, die nicht außer Gerechtigkeit z.B. auch Freiheit, Friede und Menschenwürde auf ihre Fahnen geschrieben hätte.

Die Tatsache, dass der Begriff „Gerechtigkeit“ ganz unterschiedlich verwendet werden kann, darf allerdings nicht dazu verleiten, Missbrauch und rechten Gebrauch ungeprüft nebeneinander stehen zu lassen. Auch im Blick auf das Gender Mainstreaming ist nach dem Sinn zu fragen, in dem hier von „Gerechtigkeit“ gesprochen wird.



Deshalb seien hier grundsätzliche Überlegungen zum Thema „Gerechtigkeit“ vorangestellt.

2. Philosophische Aspekte

Nach Platon ist die Gerechtigkeit die oberste der vier Kardinaltugenden, die aus dem griechischen Adelsethos abgeleitet wurden. Sie lauten: Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß (Besonnenheit) und Klugheit (Weisheit). Im Zusammenhang des griechischen Denkens ist derjenige gerecht, der sich im und zum Gefüge seiner Gemeinschaft angemessen verhält. Dadurch unterscheidet er sich vom Barbaren. – In späterer Zeit wird der Begriff verallgemeinert zu der Bedeutung einer statisch verstandenen, ewigen guten Ordnung umfassender und allgemeiner Art, welcher sich der Gerechte einfügt, der er mithin gerecht wird. Gehorsam gegenüber den Gesetzen sowie Vertragstreue gehören dazu. – Für Platon war Gerechtigkeit eine Funktion der Seele (Politeia IV, 433a). Entsprechend ist eine öffentliche Ordnung gerecht, wenn in ihr jeder seine Aufgabe gemäß seinen Fähigkeiten wahrnimmt (vgl. „suum cuique“ = „jedem das Seine“).

Auf Aristoteles geht eine weitere Aufschlüsselung des Gerechtigkeitsverständnisses zurück. Diese wird in der philosophischen Ethik weitgehend auch heute noch verwendet:

Die allgemeine Gerechtigkeit bezieht sich auf das in einer Gemeinschaft festgesetzte Recht. In diesem Zusammenhang leitet die iustitia legalis dazu an, dem jeweils geltenden Recht zu folgen.

Von der allgemeinen ist die spezielle Gerechtigkeit zu unterscheiden. Sie richtet sich auf die maßgeblichen zwischenmenschlichen Bezziehungen. Im Blick auf die spezielle Gerechtigkeit unterscheidet Aristoteles die austeilende Gerechtigkeit (iustitia distributiva) und die ausgleichende Gerechtigkeit (iustitia commutativa). Letztere bezieht sich auf das Tauschdenken, z.B. gerechter Preis für gute Ware. Der Tausch ist gerecht, wenn die getauschten Objekte den gleichen Wert haben, wobei man modern nach Marktwert und Gebrauchswert unterscheiden kann. Hierher passt das Bild von der Iustitia als Göttin mit der Waage.

Schwieriger verhält es sich mit der austeilenden Gerechtigkeit. Was ist hier gerecht:

Jedem das Gleiche nach seinem Wert als Mensch?
Jedem nach seiner Leistung oder nach seiner Leistungsfähigkeit?
Jedem nach seinen Bedürfnissen?4

In einem marktwirtschaftlich organisierten Sozialstaat beispielsweise muss versucht werden, alle drei Elemente in eine Balance zu bringen. Sozialistisch orientierte Parteien werden dabei mehr die Gleichheit betonen. Liberal orientierte Parteien werden hingegen die Leistung höher bewerten. Denn diese ist ja Voraussetzung dafür, dass ein Überschuss erwirtschaftet wird, der verteilt werden kann. Die Auseinandersetzung über das, was jeweils gerecht ist, wird aufgrund solch unterschiedlicher Ansichten nie zu einem endgültigen Abschluss kommen. Sie darf es auch nicht, denn die Geschichte bleibt nicht stehen. Aber deshalb ist Gerechtigkeit nicht beliebig! Sie muss erklärt, begründet, ja errungen werden. Und es wird immer eine relative Gerechtigkeit bleiben.

3. Biblisch-theologische Hinweise

Der Religionswissenschaftler Helmuth von Glasenapp unterscheidet zwischen Natur- und Stammesreligionen einerseits und ethischen Hochreligionen andererseits. Er nennt acht ethische Hochreligionen: den Brahmanismus oder Hinduismus, den Jainismus, den Buddhismus, den chinesischen Universismus, den Parsismus, das Judentum, das Christentum und den Islam – in der wahrscheinlichen Reihenfolge ihrer Entstehung.5 Schon der Begriff „ethische Hochreligion“ zeigt, dass bei diesen Religionen die Ethik und also auch die Gerechtigkeit ein herausragender, positiv belegter Wert ist. – Doch die Unterschiede sollte man nicht übersehen:

Für die östlichen Religionen, die von Glasenapp als „Religionen des ewigen Weltgesetzes“ charakterisiert, weist der Vollzug der Gerechtigkeit wesentlich über das diesseitige Leben hinaus. Gerechtigkeit wird entscheidend in den Kreislauf der Wiedergeburten verlegt (sodass man etwa als niedrigeres Wesen wiederverkörpert werden kann).

Die westlichen Religionen hingegen (Parsismus, Judentum, Christentum, Islam), die von Glasenapp „Religionen der geschichtlichen Gottesoffenbarung“ nennt, legen großes Gewicht auf den innergeschichtlichen Volllzug der Gerechtigkeit. (Dass darüber hinaus auch hier ein nachtodlicher Ausgleich gedacht werden kann, tut dem keinen Abbruch, sondern ergänzt den Gedanken der innerweltlich geforderten Gerechtigkeit.)

Bei den westlichen Religionen ist des weiteren auf die Zuordnung von Gesetz und Gnade zu achten. Sie alle handeln von beidem. Doch die Gewichtungen sind ganz verschieden. Im Islam ist Gerechtigkeit („`adl“) ein Gebot im Rahmen der von Allah gegebenen Weltordnung. Allahs Gebote, die im Koran, in Sunna und Sharia niedergelegt sind, müssen gehalten werden. Religion und Gesellschaftsordnung lassen sich dabei nicht trennen. Der Islam ist von Anfang an eine religiös-politische Bewegung gewesen. (Ein vergleichbares Gesetzesverständnis findet sich im pharisäischen Judentum zur Zeit Jesu.) Es handelt sich um Gerechtigkeitsauffassung im Sinne einer Gesetzesreligion. Gerecht ist, wer sich an die als offenbart geltenden Vorschriften hält.


Das biblische Gerechtigkeitsverständnis hat eine andere Grundlage. Es geht nicht von einem starren, zu beachtenden Gesetzeskodex aus. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein persönliches Bundesverhältnis. Dies beginnt mit der Geschichte Israels. Israels Gott (Jahwe) erwählt sich dies Volk und führt es als sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit. Den Geretteten bietet er ein Bundesverhältnis an, das beide Partner in Treue aneinander bindet. Nur so nämlich bleibt dem Volk die Freiheit erhalten. Jahwe ist dabei der überlegene Partner, der Bundesgeber, der den Bund gewährt. Die Initiative geht vom rettenden Gott aus. Aber Gott beugt sich herab. Seine Bundesverpflichtung ist als Liebesverpflichtung im Sinne der hingebenden Agape zu verstehen. Dies ist Gottes Gerechtigkeit! – Das biblische Gerechtigkeitsverständnis erschließt sich allein von hier aus. Menschliche Gerechtigkeit ist folglich nichts anderes als ein Abglanz dieser göttlichen Gerechtigkeit. Entsprechend sind die Zehn Gebote (der Dekalog) keine detaillierten, kasuistisch gefassten Gesetze. Vielmehr sind sie einer Kompassnadel zu vergleichen, welche die Richtung anzeigt, die eingehalten werden muss, um dem Bundesverhältnis zu entsprechen. – Im Dekalog können zwei „Tafeln“ unterschieden werden. Die erste bezieht sich auf die Gottesliebe, die zweite auf die Nächstenliebe. Die Gerechtigkeit umschließt beide Tafeln.

Heilsgeschichtlich gesehen, hat Gott den Bund gehalten. Denn Gott ist gerecht. Seine Bundestreue ist seine Gerechtigkeit. Das alttestamentliche Bundesvolk hingegen hat den Bund gebrochen. Darum verlor es seine Freiheit. Die Folge war das babylonische Exil. Doch Gott hält trotz menschlicher Untreue nach wie vor an seinem Bund mit Israel fest (vgl. Römer 9 – 11) und weitet diesen seinen Liebes- und Treuebund darüber hinaus in Jesus Christus auf die ganze Menschheit aus. Auch die Heiden sind eingeladen, in und durch Jesus Christus an der göttlichen Gerechtigkeit teilzuhaben.



Für das Verständnis menschlicher Gerechtigkeit heißt das: Es ist nötig, sich in den Rahmen der Bundesgerechtigkeit Gottes eingliedern zu lassen und darin treu zu bleiben. Als Hilfsmittel dient der Dekalog mit seinen beiden „Tafeln“ der Gottes- und Nächstenliebe. Biblisch bedeutet Gerechtigkeit folglich gemeinschaftstreues Verhalten im Sinne des Bundesdenkens.


4. Einzelner und Gemeinschaft

In der Verhältnisbestimmung von Einzelnem und Gemeinschaft erkennen wir das Spezifikum des biblischen Gerechtigkeitsverständnisses. Die „Tugenden“ des Gottesbundes sollen sich im mitmenschlichen Verhältnis spiegeln. In diesem Sinne legt Jesus den Dekalog in der Bergpredigt aus – bis hin zur Feindesliebe. Diese Bundesgerechtigkeit ist die „bessere Gerechtigkeit“ (Matthäus 5,20) gegenüber jeder noch so buchstabengenauen Gesetzlichkeit. – Biblisch kann also nicht ohne den Blick auf das Gottesverhältnis und das Verhältnis zum Nächsten von „Gerechtigkeit“ gesprochen werden.

Auch juristisch, philosophisch, soziologisch usw., also generell, gilt, dass bei allen Gerechtigkeitsüberlegungen das Verhältnis von Einzelnem und Gemeinschaft ins Spiel kommt.6 Zwischen den Polen des Einzelnen und der Gemeinschaft muss ein angemessenes, „gerechtes“ Verhältnis entstehen. Das geschieht, um ein Beispiel zu nennen, in dem Standardwerk des nordamerikanischen Philosophen John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ auf folgende Weise: Rawls geht von der Freiheit und Gleichheit aller Menschen aus, denn das ist gerecht (= individuelle Grundlage). Hinzu kommt aber in einem zweiten Schritt, dass für alle diejenigen eine besondere Belohnung gerechtfertigt ist, die Leistungen erbringen, welche allen Mitgliedern der Gemeinschaft zugute kommt. Die dadurch entstehende relative Ungleichheit ist ebenfalls gerecht (= gesellschaftliche Rückkoppelung). Rawls beachtet also sowohl die Belange des Einzelnen wie die der Gemeinschaft.7

Die Position von Rawls soll nicht weiter dargestellt, und erst recht nicht die Diskussion über diesen Ansatz verfolgt werden. Am Entwurf von Rawls zeigt sich aber exemplarisch, dass bei allen Überlegungen zur Gerechtigkeit ein Ausgleich zwischen den Interessen des Einzelnen und der Gemeinschaft angestrebt werden muss. Wo nur ein Element, etwa allein die individuellen Interessen oder umgekehrt nur die der Gemeinschaft zum Zuge kommen, kann nicht wirklich von Gerechtigkeit die Rede sein.

Kurz sei erwähnt, dass traditionelle Gesellschaften in der Regel der Gemeinschaft einen Vorrang vor dem Einzelnen einräumen, während in modernen Gesellschaften eher die individuellen Interessen der Einzelpersonen, die Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung an die erste Stelle rücken. (Einschränkend sei hinzugefügt, dass auch die neuzeitlichen Ideologien des Marxismus und Nationalsozialismus der Gemeinschaft den Vorrang einräumten. Auch das moderne China ist noch geprägt von der traditionellen Vorordnung der Gemeinschaft.)



Jedenfalls gilt, dass im Blick auf Gerechtigkeit eine „Gleichgewichtslage von persönlichem und sozialem Sein“, wie Dietrich Bonhoeffer es genannt hat, anzustreben ist.8 Wo aber einseitig der Einzelne und allein seine Interessen oder die Gemeinschaft und allein deren Interessen in den Mittelpunkt treten, sind die Verhältnisse nicht gerecht, selbst wenn das Gegenteil behauptet wird.


5. Gender Mainstreaming: Zwischen Anarchismus und Kollektivismus

Im Gender Mainstreaming wird intendiert, dass jeder Mensch, ganz unabhängig vom biologischen Geschlecht, sein soziales Geschlecht frei wählen kann. Damit aber nicht genug; wer auch sein biologisches Geschlecht verändern möchte, kann dies ebenfalls (z.B. durch chirurgische Eingriffe) versuchen. Die Gesellschaft wird darauf verpflichtet, diese individuelle Wahl nicht nur anzuerkennen, sondern darüber hinaus zu fördern. Kindern soll möglichst früh nahegebracht werden, dass es eigentlich keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt und dass sie ihr Geschlecht beliebig bestimmen können, männlich, weiblich, bisexuell, homosexuell: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Selbstverwirklichung in beliebiger Weise soll ermöglicht werden. Das gilt als „Geschlechtergerechtigkeit“. Die Gemeinschaft / die Gesellschaft / der Staat kommt in den Blick ausschließlich als Adressat von Ansprüchen individueller Optionen. – Welcher Begriff von „Gerechtigkeit“ wird hier vertreten?

Analysiert man solche Vorstellungen, zeigt sich, dass nicht nur dem Einzelinteresse absoluter Vorrang gegenüber der Gemeinschaft eingeräumt wird, sondern dass das Verhältnis von Einzelnem und Gemeinschaft völlig aufgelöst wird. Im Blick auf männlich und weiblich wird purer Individualismus, ja mehr noch eine Steigerung davon, reiner Solipsismus, propagiert, absolute Selbstbezogenheit der Einzelperson. Es wird nicht gefragt, was der Einzelne zur Gemeinschaft beitragen könnte. Es werden ausschließlich Forderungen gegen die Gemeinschaft erhoben. Die Gemeinschaft soll die Willkürwahl des Individuums anerkennen und fördern. Die Rückkoppelung mit der Frage, was der Einzelne seinerseits positiv zum Wohl der Gemeinschaft beitragen kann, wird nicht gestellt. Die Gemeinschaft hat hingegen alle Optionen der Einzelnen vorbehaltlos zu akzeptieren.

Auf diese Weise entsteht eine paradoxe Situation, die Individualismus und Kollektivismus gleichzeitig einfordert. Bekanntlich berühren sich Gegensätze in ihren Extremen.

Das Verständnis von Gerechtigkeit wird zerrissen: Einerseits gilt es als gerecht, wenn die Individuen sich in beliebiger Selbstdefinition und Selbstverwirklichung völlig unterschiedlich entfalten und darstellen. Andererseits gilt es als ungerecht, wenn die Gemeinschaft eben diese Unterschiede wahrnimmt und sie unterschiedlich bewertet. Die Gemeinschaft soll vielmehr alles für gleich und gleichgültig erklären. Sie soll den Unterschied ignorieren und den schrankenlosen Individualismus fördern; und das, obwohl kein Mensch isoliert ohne Einbettung in eine tragende Gemeinschaft existieren kann.


So kommt es zu widersinnigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Forderungen:

Die Schwulen- und Lesbenverbände behaupten, die geschlechtliche Orientierung eines Menschen sei unveränderlich festgelegt. Wer Veränderungsmöglichkeiten für Homosexuelle nachweist, wird als „Scharlatan“ diffamiert. – Gleichzeitig wird aber im Rahmen des Gender-Mainstreaming-Konzepts behauptet, auf geschlechtlichem Gebiet sei niemand festgelegt, jeder Mensch könne seine sexuelle Orientierung nach individuellen Wünschen aussuchen, frei gestalten und verändern. – Schließlich soll der Staat diesen Selbstwiderspruch fördern und schützen.


6. Die kommenden Generationen

Menschliche Gemeinschaft erstreckt sich auch auf die Abfolge der Generationen. Bezeichnenderweise wird heutzutage zwar viel von „Generationengerechtigkeit“ geredet, doch dabei geht es nur um das Geld bei der Verteilung der sogenannten „Rentenlasten“. Übersehen wird, dass die mittlere Generation seit Menschengedenken – mit oder ohne Ruhestandsgesetze – stets zugleich für die Kinder und die Alten zu sorgen hat. Die staatlichen Ruhestandsregelungen in den entwickelten Industrieländern verlegen lediglich die Fürsorge für die ältere Generation von der Familie auf die gesamte Gesellschaft. Eine mittlere Generation aber, die keine Kinder mehr haben will oder zu wenig Kinder hat, darf sich nicht darüber beklagen, dass ihre eigene Altersversorgung gefährdet ist und die Schuld dafür auf die „Alten“ schieben. – Genau hier liegt die Unredlichkeit, mit der heute über die gerechte Verteilung der „Alterslasten“ diskutiert wird. Es hat den Anschein, als gäbe es nur gegenseitige Ausbeutung. Der Kampf aller gegen alle wird ausgerufen. – Nirgendwo in den Gender-Theorien wird hingegen die Grundfrage bedacht: Wollen wir Kinder? Was brauchen die Kinder? Was hilft der nächsten Generation, um glücklich und gesund heranzuwachsen?

Im Interesse „einer modernen und gleichen Gesellschaft“ bezeichnet die Europäische Union soziale Unterscheidungen zwischen Frau und Mann als „Geschlechterklischees“. Diese gelten als diskriminierend und sollen abgebaut werden.9 – Doch nur Frauen können Kinder zur Welt bringen, Männer aber nicht. Sind also „Mutterrolle“ und „Vaterrolle“ künftig Klischees? Sind sie diskriminierend? Wenn ja, für wen? – Wieder werden Gleichwertigkeit und Gleichheit verwechselt. Wie weit will man sich noch von den elementaren Grundlagen menschlichen Lebens entfernen, um Vernunft und Verantwortung abzusagen und statt dessen im Kontext des als „Gerechtigkeit“ verkleideten Lustprinzips Gleichheitsklischees zu huldigen? – Angesichts einer solchen „apokalyptischen“10 Unvernunft und Verantwortungslosigkeit entsteht außerdem die Gefahr, dass gesellschaftliche Gegenströmungen mit neuer Gesetzlichkeit entstehen, wie es zum Teil schon zu beobachten ist (vgl. Islamismus).


Außerdem: Wer nicht mehr genau weiß, ob er männlich oder weiblich ist, wird in seiner Identität verunsichert. Das gilt insbesondere für Jugendliche. In ihrer Identität geschwächte Menschen sind für Manipulationen im Blick auf Konsum um so anfälliger; sie sind wehrloser gegen ideologische Gleichschaltungsversuche. Ob es Absicht ist, eine in dieser Weise leicht manipulierbare Generation heranzuziehen?

7. Ausblick

Wir fassen zusammen: Im Gender-Mainstreaming-Konzept geschieht unter dem Vorzeichen „Gerechtigkeit“ eine völlige Auflösung dessen, was theologisch, philosophisch und juristisch unter Gerechtigkeit zu verstehen ist, denn:

Der förderliche Zusammenhang zwischen Einzelnem und Gemeinschaft wird aufgelöst.
Ungleiches wird gleich gemacht, Gleichberechtigung wird mit Gleichheit verwechselt.
Von der Gemeinschaft wird Anerkennung und Unterstützung der Option des Einzelnen gefordert, ohne dass dieser bereit ist, seinerseits etwas zur Gemeinschaft beizutragen.

Gender Mainstreaming beruht auf illusionistischem Denken, weil der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und nicht ohne Gemeinschaft existieren kann. Jeder Mensch ist Kind einer Frau und eines Mannes – trotz aller Gentechnik! Jeder Einzelne existiert nur aufgrund einer Gemeinschaftsbeziehung. Die Gesellschaft besteht nicht aus lauter isolierten Individuen. Sie basiert vielmehr auf der Elternschaft als dem Ursprung aller Sozialität, und diese wiederum beruht auf dem geschlechtlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Den isolierten Einzelnen absolut zu setzen und allein von ihm her zu denken, ist eine wirklichkeitsfremde Abstraktion.

Im Gender-Mainstreaming-Konzept wird der Gerechtigkeitsbegriff entkernt und mit neuem Inhalt gefüllt. Es bleibt nur die äußere Worthülse. So entsteht eine Wortchimäre, die dazu dient, die Menschen zu täuschen. Das Gender-Mainstreaming-Programm ist deshalb alles andere als gerecht. Es fördert ein ungerechtes, illusorisches zerstörerisches Denken und Handeln. Resultat ist eine paradoxe Mischung aus Anarchismus und Zwangskollektivismus mit allen Merkmalen einer Ideologie. – „Vielen Bürgern ist schlicht der gesellschaftliche Gemeinsinn abhanden gekommen,“ konstatiert der Wirtschaftsphilosoph Gerd Habermann.11 Eine Umkehr von diesem Irrweg wird erst geschehen, wenn das biblische Gerechtigkeitsverständnis im Rahmen des Bundesdenkens als „gemeinschaftstreues Verhalten“ wieder zur Geltung gelangt. Die Frage lautet dann nicht mehr nur: „Welche Forderungen kann ich stellen, damit die Anderen mir gerecht werden?“, sondern auch: „Was kann ich tun, um die Gemeinschaft zu fördern, ihr zu dienen, ihr gerecht zu werden?“ Erst wenn diese Polarität beachtet wird, wird Gerechtigkeit wieder aufleuchten.


Anmerkungen

1 Auf Herkunft und Beschreibung von „Gender Mainstreaming“ wird im Folgenden nicht eingegangen. Grundinformationen werden vorausgesetzt. Zur genauen Information sei verwiesen auf Bulletin Nr. 13 des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG) von Frühjahr 2007 (7. Jg., Heft 1).
2 Vgl. Ernst Topitsch, Über Leerformeln. Zur Pragmatik des Sprachgebrauchs in der Philosophie und politischen Theorie, In: Ders. (Hg.), Probleme der Wissenschaftstheorie, Wien 1960, S. 233-264.
3 Hans Kelsen, Was ist Gerechtigkeit?, Wien 1975, S. 18.
4 Vgl. hierzu: Kurt Wuchterl, Lehrbuch der Philosophie, Bern, 5. Aufl. 1998, S. 167.
5 Helmuth von Glasenapp, Die fünf Weltreligionen, Düsseldorf/Köln, 3. Aufl. 1972, S. 9.
6 Die Unterscheidung zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft, die der Soziologe Ferdinand Tönnies (1855 – 1936) in seinem Buch „Gemeinschaft und Gesellschaft“ (1. Aufl. 1886; 3. Aufl. 1919) erstmals profiliert herausgestellt hat, kann im Rahmen unserer grundsätzlichen Darlegungen unberücksichtigt bleiben. In der Regel wird hier von „Gemeinschaft“ gesprochen. Staat, Gesellschaft und soziale Strukturen wie Familie sind jeweils mitgemeint.
7 John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt 1971.
8 Dietrich Bonhoeffer, Sanctorum Communio, Werke Band 1, München 1986, S. 48.
9 So die „Entschließung des Europäischen Parlaments vom 3. September 2008 zu den Auswirkungen von Marketing und Werbung auf die Gleichstellung von Frauen und Männern“ (2008/2038(INI)) unter Hinweis auf verschiedene Vorgaben der Kommission.
10 Zur Lust am Untergang vergleiche die Ideale, die Leslie A. Fiedler, der amerikanische Protagonist der „Postmoderne“ in der Literatur, schon 1968 (!) verkündet hat: Die allerletzten Bastionen des Rationalismus und des Faktischen würden gegenwärtig nur noch von den Marxisten verbissen verteidigt. Nun aber beginne etwas ganz anderes. Denn: „Wir leben in einer völlig anderen, einer apokalyptischen, betont romantischen und sentimentalen Zeit, in einer Zeit der fröhlichen Unvernunft, einer geradezu prophetischen Verantwortungslosigkeit.“ (Hier zitiert nach: Wolfgang Ignée, Eine Zeit der fröhlichen Unvernunft. Die „Fiedler-Debatte“ oder: Wie die Postmoderne nach Deutschland kam – Erinnerung an den Herbst 1968, in: Stuttgarter Zeitung, Nr. 212, 10. Sept. 2008, S. 29).
11 Gerd Habermann, Je mehr Staat – desto weniger Kinder, in: pro. Christliches Medienmagazin, Heft 2, 2008, S. 6-8, hier: S.8. – Ein Zeichen für fehlenden Gemeinsinn ist auch die von den Interessengruppen der Schwulen- und Lesbenverbände erhobene Forderung nach völliger Gleichstellung eingetragener gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit Ehe und Familie u. a. auch im Renten- und Versorgungsrecht. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind von Natur aus unfruchtbar und nicht wie Ehe und Familie auf eine kommende Generation hin ausgerichtet. Bei der genannten Forderung geht es also unter Ausnutzung des dem Sozialsystem zugrunde liegenden Solidaritätsprinzips um puren Egoismus zugunsten individueller Vorteilsnahme."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/wer-oder-was-ist-gerecht-gerechtigkeit/)



"Der Begriff der Normalität ist unverzichtbar

Die Grundtatsachen der menschlichen Existenz sind in unseren Körper, unser Gehirn, unser Herz und unsere Seele eingeschrieben. Wer sie verleugnet, bezahlt mit Leiden. Die ersten, unschuldigen und ohnmächtigen Opfer sind die Kinder, die, wenn unerwünscht, vor der Geburt getötet werden, bei Fehlen eines gegengeschlechtlichen Partners mittels Samenspende und Leihmutterschaft produziert werden, im Falle des Verlustes von Vater und Mutter gleichgeschlechtlichen Paaren per Adoption übereignet werden, und, sofern sie das Licht der Welt erblicken, bereits als Baby in kollektive Aufbewahrung abgeschoben werden.

All das sind nur einige der konkreten Verwerfungen in einer Gesellschaft, welche, wie Spaemann sagt, „den Begriff des Normalen tabuisiert und unter Ideologieverdacht“ stellt. „Dabei ist Normalität für alles Lebendige konstitutiv (…) Der Begriff der Normalität ist unverzichtbar, wenn es um den Umgang mit Lebensvorgängen geht. Irrtümer auf diesem Feld sind lebensgefährlich für die Menschheitsfamilie“ (GSR, Geleitwort).

Marschütz führt in seinem Artikel Joseph Ratzinger ins Feld, um die naturrechtliche Argumentation zu diskreditieren. In einem Artikel von 1964 soll er im Kontext der Naturrechtslehre von „ideologischen Elementen“ gesprochen haben – die Quellenangabe fehlt. Näher hätte die Rede Papst Benedikt XVI. im Bundestag am 22. September 2011 gelegen, in der er die für den Gesetzgeber entscheidende Frage stellt: „Wie erkennt man, was recht ist?“ Der Papst plädiert dafür, dass aus dem Sein ein Sollen folgt, dass es „eine Brücke zwischen Natur und Ethos“ gibt, „dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen“. Teil dieser Erde ist der Mensch. Der Papst fährt fort: „Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten (…). Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann.“

Diese Ökologie des Menschen wird von einer kleinen, radikalen, sexuell definierten Minderheit, welcher seit 1968 der Marsch durch die Institutionen bis an die Schalthebel der Macht in den UN und der EU gelungen ist, missachtet, ja, außer Funktion gesetzt. Das eigene Geschlecht zu „wählen“, die „heterosexistischen Signaturen“ in der Gesellschaft auszumerzen, jede Art von sexueller Identität und sexueller Praxis gesetzlich zu legitimieren und durch Strafverfolgung vor „Diskriminierung“ zu schützen, die Partnerschaft zwischen zwei Männern oder zwei Frauen der Ehe gleichzusetzen, entspricht nicht den Bedürfnissen und Forderungen einer Massenbewegung, vielmehr handelt es sich um eine top-down Revolution, die hinter dem Rücken der Bevölkerung nach allen Regeln der Kunst des social engineering durchgesetzt wird.


Wen interessiert das philosophische Kauderwelsch, mit dem Genderisten ihre radikalen gesellschaftspolitischen Ziele verbergen? Bei Judith Butler klingt das so: „Das ‚biologische Geschlecht‘ ist ein ideales Konstrukt, das mit der Zeit zwangsweise materialisiert wird. Es ist nicht eine schlichte Tatsache oder ein statischer Zustand eines Körpers, sondern ein Prozess, bei dem regulierende Normen das ‚biologische Geschlecht‘ materialisieren und diese Materialisierung durch eine erzwungene ständige Wiederholung jener Normen erzielen“ (Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Berlin 1995, 21).


Marschütz zitiert nur meine „Übersetzung“ dieser Gender-Sprache, die ebenso willkürlich ist, wie die Inhalte, die sie ausdrückt, nämlich: „Männer und Frauen gibt es gar nicht. Das Geschlecht ist eine Phantasie, etwas, das wir nur deswegen glauben, weil es uns so oft gesagt wird. Gender ist nicht an das biologische Geschlecht gebunden, dieses spielt überhaupt keine Rolle, es entsteht nur, weil es durch die Sprache erzeugt wird und die Menschen glauben, was sie ständig hören. Identität ist im Blick Judith Butlers freischwebend und flexibel, es gibt kein männliches oder weibliches Wesen, sondern nur eine bestimmte performance, also ein Verhalten, das sich jederzeit ändern kann.“ Um zu zeigen, dass dies von Butler nicht so gemeint sein könne, rekurriert Marschütz nicht auf seine Kenntnis des Werkes Judith Butlers, sondern zieht ein Interview heran, das Butler dem „Philosophie Magazin“ gab, als ihr am 11. September 2012 in der Paulskirche der Theodor W. Adorno Preis mit 50 000 Euro verliehen wurde. Sie hatte Grund, sich nicht noch weiter ins Abseits zu stellen, denn wegen ihres Aufrufs zum Boykott von Israel und der Unterstützung der Hamas – eine überraschende Position für eine Jüdin – hatte ihr der Wind heftig ins Gesicht geblasen.

Im Interview sagte sie: „Ich bin ja nicht verrückt. Ich bestreite keineswegs, dass es biologische Unterschiede gibt“. Aber dass diese eine Relevanz für den Menschen haben, das bestreitet sie mit dem Ziel, ihre Relevanz zu zerstören. „Gender Trouble – Subversion of Identity“ heißt der Originaltitel ihres Buches, Deutsch: „Das Unbehagen der Geschlechter“ (UG). Wie untergräbt man die Identität des Menschen? Indem man den „Phallogozentrismus und die Zwangsheterosexualität dezentriert“ (UG,9), „die starren sexuellen Codes wirksam de-reguliert“ (UG,11), die „Körper-Kategorien denaturalisiert und resignifiziert“, performative „gender acts“ inszeniert, welche „die Kategorien des Körpers, des Geschlechts, der Geschlechtsidentität und der Sexualität stören und ihre subversive Resignifizierung und Vervielfältigung jenseits des binären Rahmens hervorrufen“ (UG, 12).

Auch das Inzesttabu möchte Judith Butler abschaffen – eine Sicht, die sich neuerdings der Deutsche Ethikrat zu eigen gemacht hat –, denn darin sieht sie die Ursache für das „Phantasma“ geschlechtlicher Identität als Mann oder Frau und für das Tabu gegen Homosexualität. Sie sagt: „Das Inzesttabu ist genau jenes juridische Gesetz, das angeblich die Inzestbegehren verbietet und zugleich durch den Mechanismus der Zwangsidentifizierung gewisse geschlechtlich bestimmte Subjektivitäten (gendered subjectivities) hervorbringt“ (UG, 118). Es soll auch deswegen aufgehoben werden, weil es „ein Tabu gegen die Homosexualität einschließt“ (UG, 115). Warum ignoriert Marschütz solche Aussagen?


Marschütz findet es unstatthaft, mitzuteilen, dass Genderistinnen häufig lesbisch sind, woraus auch Judith Butler keinen Hehl macht. Ein Moraltheologe nenne dies einen „genetischen Fehlschluss“, dass also von der „Genese eines Arguments“ (womit unter diesen Begriff hier die sexuelle Identität des Autors einer Theorie subsumiert wird) auf deren Wahrheitsgehalt geschlossen werde. In der Tat interessiert mich, wie jemand lebt, der Theorien entwickelt, welche die Geschlechtsidentität untergraben. Nur allzu leicht kann der Intellekt zum Büttel persönlicher Interessen und persönlicher Leidenssituationen gemacht werden, anstatt der Wahrheitsfindung zu dienen – wenn es ein großer Intellekt ist, kann daraus eine philosophische Theorie werden.


„Selektives Heranziehen von Quellen“ und das Ignorieren und Verzerren von Studien wird mir vorgeworfen – ohne dass dies auch nur in einem Fall belegt wird. Der Autor müsste sich die Mühe machen, am einzelnen Argument zu zeigen, dass eine Behauptung ein „Fehlurteil“ ist, weil ich relevante Quellen ignoriert habe.

Die Einforderung von Wissenschaftlichkeit, worunter ich eine Verpflichtung auf die vernünftige Erkenntnis von Wahrheit verstehe, scheint der Autor jedoch seinerseits selektiv zu adressieren. Es scheint ihn nicht zu stören, dass Feministinnen objektive Wissenschaft über Bord werfen, weil sie der feministischen Agenda im Wege steht. Was mit der „Kritischen Theorie“ der Frankfurter Schule begann, nämlich die Instrumentalisierung der Wissenschaft zur Gesellschaftsveränderung, treiben die Genderistinnen auf die Spitze.

Dona Haraway, welche in ihrem „Cyborg Manifesto“ Hybride aus Mensch und Maschine als Zukunftsvision entwickelt, will den Objektivitätsanspruch der Wissenschaft dekonstruieren. Ein neuer Objektivitätsbegriff sei notwendig. „Dies müsse ein Begriff sein, der ‚den Standpunkt der Unterworfenen‘ einnimmt und ‚eine Perspektive aus der Position der weniger Mächtigen‘ sei“ (Christian Fuchs, Der Feminismus Donna Haraways und die materialistisch-feministische Kritik der Postmoderne; http://fuchs.uti.at/wp-content/uploads/infogestechn/haraway.htmlw). Klar, wer die Unterworfenen sind: alle Frauen dieser Welt.

Marschütz lässt nur zwischen den Zeilen erkennen, wo er steht, und löst so auf seine Weise die Quadratur des Kreises: als katholischer Theologe im Gender-Mainstream zu schwimmen. Er beschreibt das Anliegen der Queer Studies ohne Andeutung eines differierenden Standpunkts als das Bestreben, die heterosexuelle Matrix aufzulösen, auf dass es keine „verworfenen Wesen“ mehr geben möge, „die geschlechtlich nicht richtig identifiziert zu sein scheinen“. Erscheinungsformen dieser queeren Wesen sind drag queens und kings, leather queens, cross dressers, transsexuelle Lesben. Dem neuen akademischen Forschungszweig Queer Studies geht es um „gender fluidity“, nämlich um die Schaffung „neuer Individualitäten und Einzigartigkeiten, um die alten, ausgedienten sozialen Normen über den Haufen zu werfen“ (Riki Wilchins). „Wachstumspotenzial für die eigene Lehre“ des katholischen Theologie-Professors Marschütz?


Die Gender-Ideologie hat keine Zukunft


Papst Benedikt XVI. beleuchtete am 21. Dezember 2012 in einer Ansprache an das Kardinalskollegium und die Römische Kurie die „tiefe Unwahrheit“ dieser Theorie: „Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren (…) Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.“

Wir sind im Begriff, in den unaufhaltsamen demografischen Winter hineinzuschlittern. Die Kernursache ist die systematische Trennung der Sexualität von der Fruchtbarkeit. Das wird jeder spätestens dann als Irrweg erkennen, wenn der Sozialstaat in absehbarer Zeit unter dem Druck der demografischen Krise seine Pufferfunktion verliert. Warm halten werden die Familien, aber nur jene, die Familie haben. Auch andere Zukunftsindikatoren zeichnen keinen rosa Streifen an den Horizont: Die wirtschaftliche Entwicklung, die Migration, der Verteidigungsfähigkeit, der psychosoziale Zustand der Menschen in den zerbrochenen Familien. Warum, um Himmels Willen, betreibt die westliche Welt das Gender-Projekt zur Zersetzung der Geschlechtsidentität von Mann und Frau, der Deregulierung der sexuellen Normen, der Auflösung der Familie? Die Gender-Ideologie zerstört die Zukunft und hat keine Zukunft, denn sie richtet sich gegen die Natur, die Vernunft und Gott. Sie wird verschwinden, so bald materielle Not die Menschen zwingt, sich der Wirklichkeit der irdischen Existenz zu fügen."

(Quelle: Gabriele Kuby, Herder Korrespondenz 68. Jahrgang (2014), Heft 11, S. 590-593)



"Gender oder Geschlecht
Gender Mainstreaming und die Gender Theorien

Christl Ruth Vonholdt

(...)

Beim oberflächlichen Lesen von Texten zu Gender Mainstreaming hat man den Eindruck, es ginge lediglich um mehr Gleichberechtigung und „Gleichstellung“ von Mann und Frau, wie sie schon in unserem Grundgesetz formuliert ist. In Wirklichkeit unterschiebt Gender Mainstreaming dem Gleichheitsartikel unseres Grundgesetzes eine völlig neue Bedeutung.

Ein entscheidender Schritt auf dem Weg der weltweiten Ausbreitung von Gender Mainstreaming war die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995. In der Abschlussresolution, der „Pekinger Aktionsplattform“, wurde der Begriff „mainstreaming a gender perspective“1, kurz: „Gender Mainstreaming“, offiziell eingeführt. Noch 1995 wurde aus der allgemeinen Empfehlung der „Pekinger Aktionsplattform“ eine Verpflichtung: Die Vereinten Nationen legten sich verbindlich auf den Gender Mainstreaming-Ansatz fest. 1996 folgte die Europäische Union, im Jahr 2000 die deutsche Bundesregierung. In der Abschlussresolution der Pekinger Konferenz wird auch auf die theoretische Grundlage des Gender-Mainstreaming-Konzepts vewiesen: die „Gender Perspektive“ („gender perspective“). Diese ist trotz aller Facetten eine fest umrissene Theorie, wie sie in den Gender Theorien (Gender Studies) niedergelegt ist.

1. Die Gender Theorien: verschieden gleich ungerecht

Im Englischen gab es schon lange zwei Begriffe für „Geschlecht“: „sex“ und „gender“. „Sex“ bezog sich explizit auf das biologische Geschlecht; „gender“ auf Mann und Frau im Allgemeinen sowie auf Mann und Frau in ihrer sozialen Gestalt – diese war jedoch untrennbar mit dem biologischen Geschlecht verbunden. Alltagssprachlich wurden deshalb „sex“ und „gender“ weitgehend synonym gebraucht.

In den 1970er Jahren entwickelte sich ein neuer, radikalerer Feminismus und mit ihm die Ideologie der „Gender Perspektive“, der Gender Theorien. Zentraler Leitbegriff dieser Theorien ist ein neuer Gender-Begriff. Danach gehören „sex“ und „gender“ nicht mehr zusammen, sondern stehen unverbunden nebeneinander, ja sogar in Opposition zueinander. „Sex“, das biologische Geschlecht, heißt es in den Gender-Theorien, sei zwar von Natur aus gegeben, doch viel wichtiger sei „Gender“; und Gender sei lediglich eine „gesellschaftlich konstruierte Geschlechtsrolle“, die an keine biologischen Vorgaben gebunden und daher beliebig veränderbar sei.


Wesentliche Grundgedanken der Gender Theorien sind dem Marxismus entlehnt. In den Theorien von Marx und Engels fanden die Gender-Feministinnen ihr eigenes Thema wieder: Eine angeblich universale Unterdrückung der Frau durch den Mann und die Mann-Frau-Einzelehe als Ursprung und Urtypus aller Unterdrückung. Die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau, heißt es bei Marx und Engels, führten zur ersten Arbeitsteilung basierend auf dem Merkmal Geschlecht und diese Unterschiede sind der Ursprung aller weiteren Teilungen in ökonomische und kulturelle Klassen. Mit anderen Worten: Die erste Klassenteilung, auf der alle übrige Klassenteilung und damit alle Ungerechtigkeit überhaupt fußt, basiert auf dem Merkmal „Geschlecht“.
Um Befreiung für die Frau zu erreichen, so die Gender Theorien weiter, genüge es also nicht, männliche Privilegien abzuschaffen. Der Mensch müsse grundsätzlich von der „Klasse des Geschlechts“, d.h. von der Mann-Frau-Einteilung, befreit werden. Wenn die Unterschiede zwischen Frau und Mann Ursprung aller Ungerechtigkeiten sind, kann das Ziel nur eine „Gleichheit“ sein, in der alle Unterschiede (soweit irgend möglich) beseitigt werden. Wo sie nicht beseitigt werden können, werden sie für irrelevant erklärt.
Die Gender Theorien übernahmen die Formel des Marxismus: Verschieden ist ungleich, und ungleich ist ungerecht.
Eine maßgebliche Gender-Feministin schrieb, dass in einer gerechten Gesellschaft keinerlei Annahmen mehr über „weibliche“ oder „männliche“ Rollen gemacht würden und dass „einzelne genitale Unterschiede“ keine größere Bedeutung mehr hätten als die Augenfarbe.2

2. Ziele und Strategie: Aufweichung der Kategorie „Geschlecht“

In den Gender Theorien geht es zentral um das Aufweichen der „Kategorie Geschlecht“, um das Bedeutungslosmachen jeglichen Unterschiedes zwischen Frau und Mann, um die „Veruneindeutigung von Geschlecht“ und nicht zuletzt um die Abschaffung der „Kategorie der Zweigeschlechtlichkeit“. Nur so sei das Ziel der „Gleichheit“ zu erreichen – und hier treffen wir auf die Umdeutung des Gleichheitsbegriffs: Gleichheit bedeutet jetzt absolute Austauschbarkeit von Frau und Mann.

Doch wie kann das gehen? Die biologische Forschung hat ja längst belegt, dass Frauen und Männer „von Natur aus anders“ sind – nicht nur in ihrer Anatomie, sondern in ihrem ganzen Wesen.
Hier liegt der Grund, warum die Gender Theorien den Begriff Geschlecht („sex“) ablehnen und stattdessen „Gender“ als zentralen Begriff gewählt haben. Und zwar Gender in ihrer eigenen Umdeutung: Gender sei nur „gesellschaftlich konstruierte Geschlechtsrolle“, radikal losgelöst von allen biologisch-leiblichen Vorgaben. Mit „Gender“ wird so möglich, was mit „Geschlecht“ nicht geht: Gender ist beliebig veränderbar. „Gender Fluidität ist die Fähigkeit, frei und bewusst ein Gender oder eine grenzenlose Anzahl von Gendern für sich zu wählen, für einen beliebigen Zeitraum, in jedem Ausmaß der Wandlung. Die Fluidität von Gender erkennt weder Grenzen noch Regeln an.“3


Im Gegensatz zu Geschlecht gibt es auch nicht nur zwei Gender, sondern viele. Die Gender-Theoretiker unterscheiden zuweilen zwischen fünf oder mehr Gendern.4
In der Bundesrepublik Deutschland ist vor allem das 2003 gegründete „GenderKompetenzZentrum“ an der Humboldt-Universität in Berlin für die Umsetzung des Gender Mainstreaming zuständig. Auf seiner Webseite war 2006 zu lesen: „Der Mensch wird mit biologischen Merkmalen geboren, die entlang eines Spektrums zwischen männlichen und weiblichen Merkmalen angesiedelt sind.“ Dort stand auch, dass Gender „Geschlecht in der Vielfalt seiner sozialen Ausprägungen“ bedeute: „Gender ist folglich auch geprägt von Herkunft, Glaube, Alter, Befähigungen und Behinderungen, sexueller Orientierung und anderen Strukturmerkmalen.“5 Mit anderen Worten: Statt zweier aufeinander verwiesener Geschlechter (Mann und Frau) gibt es jetzt eine Vielzahl gleichgestellter Gender. – Das ist die neue Bedeutung von „Gleichstellung“. Von daher wird auch klar, dass die Gender-Perspektive nicht nur „Gleichheit“, sondern auch „Ehe und Familie“ neu definiert hat und dass eine homosexuelle Beziehung der Ehe „gleichgestellt“ werden muss.

3. Die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995

(…) Spannend und informativ berichtet die Journalistin und Augenzeugin Dale O’Leary, was im Vorfeld zur Weltfrauenkonferenz wirklich geschah und wie einige UN-Vertreter von ärmeren Ländern, die sich für Ehe und Familie und für die Komplementarität von Mann und Frau einsetzten, mundtot gemacht wurden.6

4. Wie werden die Gender Theorien politisch umgesetzt?

Die Gender Theorien scheint meilenweit entfernt zu sein vom Alltag der meisten Menschen in Europa. Doch muss nachdenklich stimmen, was der spanische Philosoph Ortega y Gasset so ausdrückte: Was heute auf den Universitäten gedacht wird, wird morgen auf den Gassen gelebt.
Die Gender Theoretikerin Nina Degele, Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Universität Freiburg/Breisgau, bestätigt, dass es bei den Gender Theorien um die „Entnaturalisierung von Geschlecht“ geht. Dann weist sie darauf hin, dass es die Aufgabe von Gender Mainstreaming sei, diese Sicht programmatisch umzusetzen: „Ein solches… Unterminieren ist radikal. Denn was verunsichert uns mehr, als den Menschen uns gegenüber nicht eindeutig als Frau oder Mann klassifizieren zu können.“7

Schon heute setzt ein wachsender und finanziell gut ausgestatteter Bürokratieapparat der EU und auch der Bundesrepublik Deutschland Hauptziele der Gender Theorien durch: die Veruneindeutigung von Geschlecht und die absolute Austauschbarkeit von Frau und Mann. Die folgenden Beispiele weisen darauf hin:

In den Gender Theorien wird der Gleichheitsbegriff umgedeutet. Es geht nicht mehr um Chancen- und Rechtsgleichheit, sondern um Austauschbarkeit. Diese „Auswechselbarkeit“ wird programmatisch umgesetzt, indem man eine verpflichtende statistische Gleichheit, d.h. eine 50/50 (Mann-Frau)-Quotengleichheit für alle Arbeits- und Lebensbereiche fordert. Um sie zu erreichen, müssen alle Frauen möglichst bald nach einer Geburt wieder vollzeitig einer Erwerbsarbeit nachgehen und die Kinder weitgehend dem Staat überlassen oder Frau und Mann müssen sich Erwerbs- und Familienarbeit jederzeit zu 50 Prozent teilen.
Auf dem Weltfrauentag im März 2007 forderte die stellvertretende UN-Generalsekretärin eine verpflichtende 50/50-Quoten-Gleichheit für alle Männer und Frauen in der UN bezüglich aller Berufspositionen und Lebensbereiche.8
Haupthindernis auf dem Weg zu dieser neuen Gleichheit ist die Mutterschaft. Schwangersein und Stillen kann nur die Frau. Das Ziel der statistischen Gleichheit in allen Bereichen wird zur statistischen Unmöglichkeit, wenn auch nur ein Teil der Frauen für einige Jahre vollzeitig Mutter sein möchte. Um die Frau dem Mann mehr „gleichzustellen“, wird deshalb die Abtreibung weltweit gefördert; so soll sich die Frau jederzeit des Mutterseins entledigen können.
(...)
Aus Sicht der Gender Theoretiker müssen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wo immer möglich, abgeschafft werden. Männliche und weibliche Begabungen müssen als „Geschlechterstereotype“ gebrandmarkt werden. Frauen und Männer sollen ihre jeweils geschlechtstypischen (nicht: geschlechtsspezifischen!) Begabungen als beschämend erleben. Das ist vor allem für Jugendliche identitätszerstörend.
Unter deutscher Ratspräsidentschaft hat der EPSCO-Rat der EU im Frühjahr 2007 im Grundsatzpapier von „Europäische Allianz für Familien“ ausdrücklich „Maßnahmen zur Bekämpfung von Geschlechterstereotypen in der Bildung“ gefordert.10
Im Januar 2007 wurde ein Entwurf zur Änderung des Transsexuellengesetzes in den deutschen Bundestag eingebracht. Er besagt: Für die rechtliche Bestimmung des Geschlechts der Menschen dürfen nicht mehr die äußeren Geschlechtsmerkmale ausschlaggebend sein, sondern nur noch das subjektive Empfinden der Einzelnen. Es heißt im Entwurf, dass „die tatsächliche Vielfalt von Identitäten akzeptiert“ werden müsse, transsexuell empfindende Menschen dürfe man nicht in vorgegebene Raster pressen. Für die Gender Theoretiker ist solch ein Gesetzentwurf ein Aufhänger, um das „zweigeschlechtliche Raster“ nicht nur für transsexuell empfindende, sondern für alle Menschen abzuschaffen. 11


5. Ausblick

a) Die Korruption der Sprache

Die Ziele von Gender-Perspektive und Gender Mainstreaming heißen: Veruneindeutigung von Geschlecht, Auflösung von Ehe und Familie, Schaffung eines neuen, „freien“, auf sich selbst geworfenen Menschen jenseits von Geschlechterkategorien, eines Menschen, der sich, sein Gender und seine Identität immer wieder neu erfindet.

In Wirklichkeit geht es bei der Gender-Perspektive um eine Korruption der Sprache, um einen Krieg gegen die Biologie und um eine „Freiheit“ (von der Kategorie Geschlecht), die in Wirklichkeit eine cartesianische Entfremdung vom Selbst ist; sie führt zu einer Aufheizung des Geschlechterkampfes (gerade die Gleichen müssen sich immer wieder vergleichen) und zur Auflösung von Ehe und Familie.

Hier kann nur kurz auf den ersten Punkt eingegangen werden.
C.S. Lewis hat sich intensiv mit der „Korruption der Sprache“ auseinandergesetzt. Sprache kann heilen oder zerstören, sagte er. Die Sprache heilt, wenn sie eine Wahrheit klar ausspricht. Die korrupte Sprache dagegen ist die unverständliche Sprache. Über Gender Mainstreaming schreibt der F.A.Z.-Redakteur Volker Zastrow: Die Unverständlichkeit ist gewollt.12
Neben der Unverständlichkeit werden Worte wie Gleichheit, Rechte, Familie – die positive Assoziationen wecken – heimlich umgedeutet. Die Sprache wird bewusst eingesetzt, um zu verwirren und blind zu machen.
Hier passt auch das Bild vom U-Boot: Es gibt sich (noch) nicht wirklich zu erkennen. Kaum einer weiß genau, wohin es fährt und was es will.

Die Umdeutung von Gut zu Böse, sagte Lewis, zeigt sich zuerst in der Sprache. Wenn man die Worte oder ihre Bedeutung verändert, verändert sich die öffentliche Wahrnehmung einer Sache. Ziel dabei ist es, Menschen dazu zu bringen, etwas gutzuheißen, was sie nie tun würden, wenn sie genau wüssten, worum es geht.

b) Der Mensch – geschaffen als Mann und Frau

Der Mensch, geschaffen als Frau und Mann, kann sich selbst, seine Identität und das, was für ihn gut ist, nicht nach Belieben neu erfinden. Das gilt nicht nur für die „biologische Wirklichkeit“, gegen die die Gender-Perspektive vergeblich anrennt. Es gilt auch für die eine objektive Norm „der sich der Mensch beugen und einschmiegen muss“, wenn er seine Freiheit verwirklichen und nicht der Versklavung anheimfallen will.13 Im Vorwort zu C.S. Lewis’ Buch: „Die Abschaffung des Menschen“ heißt es weiter, „dass der Mensch das für ihn Gute nicht erfindet, sondern es in einer Ur-Intuition seiner Vernunft vorfindet und dem Erblickten gehorchen muss, falls er nicht unter seine Freiheitswürde herabsinken will.“14

In Wirklichkeit lebt die fruchtbare Spannung zwischen Mann und Frau – aus der allein heraus Kinder, Familie und Zukunft entstehen können – gerade von der Verschiedenheit der beiden Geschlechter.

Schon vor über 50 Jahren schrieb der Philosoph und jüdisch-christliche Denker Eugen Rosenstock-Huessy (der sich an anderer Stelle durchaus für ein partnerschaftliches Verhältnis in der Ehe einsetzt) über die zwei angeblich „gleichen“, d.h. unterschiedslosen Partner in der Ehe: „Es schien mir, als ob die Umbenennung von Ehemann und Ehefrau, von Bräutigam und Braut in die zwei Partner absichtlich den tiefsinnigen Unterschied der Geschlechter verwische. Das Herrliche an der Ehe ist doch der Friede der unsäglich entzweiten Geschlechter.“15

Die Gender Theorien werden sich nicht durchsetzen können, wenn es genügend Frauen und Männer gibt, die ihr Frausein und Mannsein ehrlich bejahen und die bereit sind, sich auf das Abenteuer verlässlicher, gegenseitiger Ergänzung einzulassen. Dabei geht es gerade nicht um „Austauschbarkeit“, sondern um gleiche Wertschätzung für „tiefsinnige“ Unterschiede.

Anmerkungen

1 In deutsch: Die Gender‐Perspektive in den Mainstream, d.h. in die Mitte der Gesellschaft, bringen. Der vollständige Satz im Original lautet: „Governments and other actors should promote an active and visible policy of mainstreaming a gender perspective in all policies and programmes.“

2 Okin, S., Justice, Gender and the Family, New York 1989, S. 171.

3 Bornestein, K., Gender‐Outlaw: On Men, Women and the Rest of Us., New York 1994, S. 52, zit. nach O’Leary, D., The Gender Agenda, siehe Fußnote 6.

4 Z.B.: Fausto‐Sterling, A., The Five Sexes: Why Male and Female are not enough, in: The Sciences, März 1993.

5 Zitiert nach Mascher, K., Geschlechtslos in die Zukunft?, Salzkorn 5/2006, Hg.: OJC, 64382 Reichelsheim, erhältlich über: versand [e-mail zeichen] ojc.de. Die Kursiva wurden hinzugefügt. Mittlerweile hat das GenderKompetenzZentrum diese beiden Sätze von der Webseite genommen.

6 Eine deutschsprachige Zusammenfassung (zwei Teile) ist enthalten in: Bulletin Nr. 13, Frühjahr 2007, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft, Pf. 1220, D‐64382 Reichelsheim, Email: institut@dijg.de. Das englischsprachige Buch von Dale O’Leary heißt: The Gender Agenda, Vital Issues Press 1997.

7 Degele, N., Anpassen oder unterminieren: Zum Verhältnis von Gender Mainstreaming zu Gender Studies. www.soziologie.uni‐freiburg.de/Personen/degele/material/pub/anpassen.pdf.

8 www.un.org/News/Press/docs/2007/dsgsm305.doc.htm.

9 www.bmz.de/de/presse/pm/pm_200061117_1.html.

10 Newsletter des Bundesfamilienministeriums, BMFSFJ‐Newsletter vom 30.5.2007. EPSCO: Rat für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz in der EU.
11 Gesetzentwurf von Bündnis 90/Die Grünen. Siehe www.bundestag.de/cgibin/druck.pl.

12 Zastrow, V., Gender‐Mainstreaming – Politische Geschlechtsumwandlung. Leipzig 2006, S. 10.

13 Balthasar, H. von, Einführung in: C.S. Lewis, Die Abschaffung des Menschen, Einsiedeln 1997, S. 11.

14 Ebd. S. 12.

15 Rosenstock‐Huessy, E., Der unbezahlbare Mensch, Berlin 1962, S. 139. "

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/gleichstellung-gleichberechtigung/)




"Die Gender-Revolution - eine kritische Analyse

Marguerite A. Peeters

Zum Artikel: Die Gender-Revolution - eine kritische Analyse »
Anmerkung zum Artikel von Marguerite A. Peeters

DIJG

(...)

Die Gender-Ideologie, so M. Peeters, ist Teil der Postmoderne, und das beinhaltet schon eine charakteristische Schwierigkeit: Der Begriff Gender wird in der Gender-Ideologie nie definiert. Anders als die früheren Ideologien, die klar umrissene Ideen verkörperten, mit denen man sich auseinandersetzen konnte, entzieht sich der revolutionäre Gender-Prozess bewusst jeder Definition und Festlegung. Sein Ziel ist die beständige „Dekonstruktion“, das beständige Auseinandernehmen dessen, was ist und was in Anlehnung an Karl Marx die „permanente Revolution“ genannt werden kann. Es gibt daher auch kein Ankommen, nur ein immer erneutes Dekonstruieren.2

Auf der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 beispielsweise konnte sich die Gender-Ideologie gerade deshalb durchsetzen, weil der Begriff Gender nicht definiert wurde und viele Frauen-Delegierte aus der Dritten Welt annahmen, dass mit Gender einfach „Mann und Frau“ gemeint sei. Kurz nach der Konferenz legte sich die UNO aber auf den ideologischen Gender-Begriff fest und forderte alle Mitgliedsstaaten auf, sich an die Gender Perspective zu halten.3

Erstes Werkzeug zur Durchsetzung der Gender-Ideologie ist die Sprache: eine bewusst ambivalente, unklare, verschleiernde und verwirrende Sprache. Zahllose Worte wie Freiheit, Gleichheit, Empowerment 4, Ehe, Familie, Geschlecht, die allesamt positive Assoziationen wecken, wurden in der Gender-Ideologie klammheimlich und radikal umgedeutet. Viele Menschen in der Dritten Welt, für die M. Peeters ihr Buch vorrangig geschrieben hat, wissen davon aber nichts. Und wüssten sie es, würden sie vielem wohl nicht zustimmen.5

Ein Beispiel: Heute spricht man häufig von „Empowerment von Kindern“. Das meint nicht nur das Recht auf bessere Bildung, bessere medizinische Versorgung und Ähnliches, sehr Erstrebenswertes
für Kinder weltweit. Es meint in der Gender-Ideologie ebenso das Recht von Kindern und Jugendlichen, ihre sexuelle und geschlechtliche Identität autonom bestimmen und leben zu können. Sollte es dadurch zu Konflikten mit den Eltern kommen, soll der Staat eingreifen, um die Rechte des Kindes durchzusetzen und die Elternrechte einzuschränken.6



Ein zweites Beispiel: Zentraler Begriff in der Gender-Ideologie ist gender equality (Gender-Gleichheit): Damit ist aber nicht die Gleichberechtigung von Mann und Frau gemeint, auch nicht einfach eine rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann.7

Gemeint ist ein Doppeltes: Erstens: eine verpflichtende 50 / 50 Quotengleichheit von Mann und Frau in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Mit anderen Worten: Eine völlige Austauschbarkeit von Mann und Frau.8

Zweitens: Gender equality meint die Gleichheit und Gleichstellung aller Gender, d.h. aller „sozialen Geschlechter“. In der Gender-Ideologie gelten die Lebensstile von u.a. lesbisch, schwul (gay), bisexuell, transsexuell / transgender und queer (LGBTQ) lebenden Menschen als eigene „soziale Geschlechter“. Gender equality meint also die Gleichheit und Gleichstellung aller LGBTQ-Lebensstile, auch das „Recht“, in sämtlichen dieser Lebensstile eine „Ehe für alle“ einzugehen und eine „Familie in allen Formen“ zu gründen. Bei facebook gibt es derzeit 60 verschiedene Gender oder „soziale Geschlechter“.

Marguerite Peeters schreibt dazu: In der Gender-Ideologie wird die grundlegende Identität von Mann und Frau als Personen ebenso dekonstruiert wie ihre Identität, die ihnen erst durch ihr Einander-Gegenüber-Sein zuwächst; ihre Komplementarität; ihre Liebeseinheit; ihre Berufung zu Mutter- und Vaterschaft, zu Ehe und Familie; kurz: die anthropologische Struktur jedes Menschen, der geschaffen ist, „um Liebe zu empfangen, Liebe zu geben und Liebe zu teilen,“ wird dekonstruiert.9 Stattdessen wird ein Avatar konstruiert, eine Kunst-figur, die „befreit“ ist von allem von Natur aus Gegebenem, „radikal unbestimmt, mit dem Recht zu wählen: seine geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung“.10

(...)

Dabei zielt die Autorin auf eine positiv konstruktive Perspektive: „Wir glauben an die Freiheit und die Fähigkeit jeder menschlichen Person, unterscheiden zu können. (…) Wir möchten denjenigen, die aus der ungesunden Ambivalenz der neuen Kultur [der Gender-Ideologie] aussteigen möchten, ein Werkzeug zur Unterscheidung an die Hand geben – um ihre Selbstbestimmung zu fördern. Unser Wunsch ist, dass solche Unterscheidung zu einer konkreten und mutigen Entscheidung führt: jeden Kompromiss aufzugeben und sich in einer Weise zu engagieren, die das Wohl von Mann und Frau gänzlich respektiert, die die menschliche, geistliche und soziale Fruchtbarkeit von Mann und Frau, ihre Entwicklung, ihr Wachstum und ihr Glück voranbringt ebenso wie die Entwicklung ihrer Kulturen mitsamt dem Besten, das darin enthalten ist.” 12



Im Folgenden sind die beiden letzten Kapitel ihres Buches, geringfügig gekürzt, abgedruckt. Sie geben einen Einblick in das reiche Denken von Marguerite A. Peeters und regen an, selber weiterzudenken, wer der Mensch ist, und wie er seine Zukunft menschlicher gestalten kann.


Anmerkungen

1 Peeters, M. A., Le Gender, une norme mondiale? Paris 2013. Englische Ausgabe: The Gender Revolution. 2013.

2 Siehe Peeters, M., ebd. S. 14f.

3 Siehe O’Leary, D., The Gender Agenda – Redefining Equality. 1997. Gender Perspective: meint die Gender-
Ideologie.

4 Empowerment: Ermächtigung.

5 So ist mit „Empowerment der Frau“ in der Gender-Ideologie immer auch ein autonomes Recht der Frau auf Abtreibung eingeschlossen.
6 Tozzi, P., Six Problems with the Yogyakarta Principles; unter: papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm. Siehe auch das Editorial in diesem Heft, Seite 3.

7 Bei Wikipedia heißt es: „Statt der älteren Bezeichnung Gleichstellung von Frau und Mann wird in jüngerer Zeit der neutralere Ausdruck Gleichstellung der Geschlechter bevorzugt. Damit soll auf den gleichberechtigten Anspruch auf Gleichheit von Mann und Frau und möglichen dritten Geschlechtern (Transgendern) verwiesen werden.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichstellung_der_Geschlechter

8 Dies stellt eine Benachteiligung für Frauen dar, die einige Jahre Vollzeit-Mütter sein möchten. In der Gender-Ideologie gilt eine „natürliche Arbeitsteilung“ zwischen Mann und Frau grundsätzlich als Ausdruck der Unterdrückung der Frau.

9 Peeters, M. a.a.O., S. 9.

10 Peeters, M., a.a.O., S. 9. – Peeters meint, dass es in der Gender-Ideologie bei dem „Recht zu wählen” nicht darum gehe, sich nach der Wahl festzulegen; vielmehr gehe es um die „Freiheit“, das Wählen endlos fortzusetzen, alles andere sei eine unzumutbare Einschränkung der Freiheit. Peeters betont, dass dies Folgen haben kann für die Übernahme von Verantwortung.

11 Beim „Recht“ der Frau auf Abtreibung z.B. wird das Recht des ungeborenen Kindes auf Leben missachtet.

12 Peeters M., a.a.O. S. 8.



Die Gender-Revolution – Eine kritische Analyse

Marguerite A. Peeters

Die Gender-Revolution hat nichts Neues erfunden. Sie steht im Zusammenhang mit dem Leugnungsprozess, der zum Geheimnis des Bösen gehört, das der Menschheit seit den Anfängen ihrer Geschichte mit einem dreifachen Abgleiten feindlich gegenübertrat: mit dem ungeordneten Streben nach Macht und nach Vergnügen sowie mit dem Besitz von Wissen als Selbstzweck. Die Gender-Revolution erinnert an die uralte Versuchung des Übermenschen, des Mannes und der Frau, die „sein wollten wie Gott“, und sich selbst bestimmten, unabhängig von Gottes Entwurf, indem sie die Wahrheit über ihr Wesen leugneten und die Liebe zurückwiesen. Doch die Gender-Revolution führt die Revolte gegen Gott auf eine kulturelle Spitze, wie sie bisher noch nie erreicht wurde. Stellt sie nicht die geschlechtliche Identität von Mann und Frau, wie sie der Uroffenbarung Gottes an die Menschheit entspricht, in Frage? 1 Dieses Kapitel bietet eine einleitende Analyse verschiedener Aspekte der Gender-Revolution als Mysterium der Leugnung.

Das ungeordnete Verlangen nach Macht, Genuss und Besitz

Das Motiv der Macht, und insbesondere das ihrer Selbstaneignung und ihres individuellen Genusses, spielt in der gegenwärtigen Kultur eine maßgebliche Rolle. Es taucht in Konzepten auf wie diesen: Kontrolle über das eigene Leben oder das eigene Schicksal, Autonomie, Empowerment von Kindern 2, Unabhängigkeit der Frau, Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten, Selbstverwirklichung, Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten, Kapazitätsaufbau, Entscheidungsrecht / -macht, Empowerment
von Frauen, universaler Zugang (zu Information, Gesundheit, Entscheidungsmacht, zu Rechten usw.).

(...)


Die Aneignung von Macht als Selbstzweck ist das Ziel aller Revolutionen gewesen. Verbunden mit dem subversiven Streben nach Besitz einerseits und egoistischem Genuss andererseits, ist sie seit dem Garten Eden verantwortlich für menschliche, soziale, politische und spirituelle Verwirrung. Wie zeigt sich das in der postmodernen Kultur und in der Gender-Revolution im Besonderen?

(...) Das postmoderne Ziel ist es, die „binären Relationen“ zu dekonstruieren, die die Natur, die menschlichen Beziehungen, wie sie „konstruiert“ sind, und die politische Realität der modernen Regimes kennzeichnen: Regierung-Regierter, Herrscher-Beherrschter, Vorgesetzter-Untergebener, Mann-Frau, männlich-weiblich, schwarz-weiß, Lehrer-Schüler, Kolonisator-Kolonisierter, Westen-Rest der Welt, reich-arm, Mehrheit-Minderheit, heterosexuell-homosexuell, Ältere-Jüngere, wir-ihr, Gläubige-Ungläubige, zivilisiert-wild, Mensch-Umwelt, Eltern-Kinder, einheimisch-fremd, Kleriker-Laie und so weiter. Die Postmoderne ist neomarxistisch und sagt von diesen „binären Relationen“, dass sie sehr viele Unterdrückungsmechanismen des Schwächsten durch den Stärksten verkörperten. Sie geht sogar so weit zu verkünden, dass jegliche Identitätsgrenze unterdrückend sei.


(...)


An dieser Stelle sind zwei analytische Bemerkungen erforderlich. Die erste besteht darin – entgegen allem Anschein –, die ideologische Kontinuität zwischen Moderne und Postmoderne zu betonen. Die Macht hat im Ethos beider nicht nur einen dominierenden Stellenwert, sondern ist ein als Selbstzweck verfolgtes Ziel. Man könnte zweitens sogar sagen, dass die Postmoderne den modernen Irrtum noch weiter treibt – dass sie vor allem eine Kultur des Kampfes um die Macht ist. Ein Anzeichen dafür ist die Tendenz, dass das Wort „Dienst“, das in der Sprache der modernen Kultur noch vorhanden ist, in der neuen postmodernen Weltsprache allmählich verschwindet. Ein weiteres Indiz ist die Verdunkelung des Begriffs der demokratischen Repräsentation in der postmodernen politischen Kultur. In der Moderne war sie als demokratisches Prinzip geachtet: Die Repräsentation, die eine Dienstgesinnung derjenigen impliziert, die beauftragt wurden, andere zu repräsentieren und von denen sie auch die Autorität und Legitimität zur Macht, die sie über sie ausüben, erhalten haben. Die postmoderne politische Kultur dagegen unterstreicht die „partizipatorische Demokratie“, doch in der Praxis erleichtert die postmoderne Interpretation der Partizipation die Übernahme der Macht durch „Pressure-Groups“ und „partizipierende“ Minderheiten. Wie das Beispiel der Gender-Politik zeigt, hat ein solcher Macht-Transfer bereits globale Ausmaße angenommen.

Da die Macht nicht als ein Dienen begriffen wird, wird sie zum Selbstzweck. Das Fehlen einer Vorstellung von Dienstbereitschaft weist auf das Fehlen von Liebe hin. Die unweigerliche Folge ist, dass man der Dialektik verfällt: Indem man nach Macht für sich strebt, übt man sie jenen gegenüber aus, die abweichende Ideen oder Interessen vertreten. Die postmoderne „win-win-Situation“ und die postmoderne „gemeinsame“ Macht, die ohne Dienst auskommen, sind ein Täuschungsmanöver – wie es der Leninismus war: ein Gleichgewicht der individuellen Interessen, ein Vertrag ohne Liebe, eine gegenseitige egoistische Selbstverwirklichung. Das von der Global Governance 5 geförderte feministische und homosexuelle Empowerment ist eine Machtübernahme, nicht im Sinne des Teilens oder Umverteilens, sondern zur Durchsetzung der Weltanschauung bestimmter Lobbygruppen in der ganzen Welt. Die Durchsetzung dieser Weltanschauung ist die Bedingung zur Befreiung, zum Heil, zur Beendigung der Unterdrückung und zur Gleichheit für alle. Da die Sichtweise dieser Gruppen unvereinbar mit der Auffassung derjenigen ist, die für das Wohl der Familie, der Ehe und der Menschheit eintreten, sollte es nicht überraschen, dass sie die Macht nur für sich allein ergreifen wollen. Bereits weit
gehend im Besitz globaler, normativer Macht, stecken sie ideologisch den Rahmen für diejenigen, die die neue Sprache verwenden, und üben so direkt eine übermäßige und beispiellose Macht über den einzelnen Menschen aus.

Der moderne und postmoderne Kult der Macht verdankt vieles der Ideologie des Marxismus:6 Das Proletariat muss die Macht und die Kontrolle über die Produktionsmittel ergreifen, um die Macht der Bourgeoisie zu Fall zu bringen (der Klassenkampf). Radikale Feministen sollten die politische Macht und Kontrolle über die „Reproduktions“-Mittel (Verhütung, Abtreibung) ergreifen, um die patriarchalische, männliche und tyrannische Macht zu Fall zu bringen (der Kampf der Geschlechter und der Gender). Die LGBT7-Lobbygruppen müssen die politische und kulturelle Macht ergreifen, um „heterosexuelle Privilegien“ abzuschaffen und Gesellschaften und Gesetze zu verändern (der Kampf der Gender). Behauptete nicht der Stalinismus, dass eine Welt ohne unterdrückte Klasse, in der jedermann angeblich gleich wäre, auf die perfekte Demokratie hinausliefe? Trotzdem verwandelte sich seine Vision der Demokratie in den Gulag. Im Namen des „Prinzips der Nicht-Diskriminierung“ riskieren wir, bei einer neuen Form tyrannischer Macht globalen Ausmaßes zu landen, die neo-modern und postmodern zugleich ist, in der radikale Minderheiten über die Mehrheiten herrschen.

Betrachten wir nun die Verbindung zwischen dem Inhalt des Gender-Konzepts und dem Begriff der Macht. Die Gender-Theoretiker behaupten, dass sie dem Individuum die Einflussnahme bieten, sich durch den Diskurs ihre eigene geschlechtliche Identität zu erschaffen (durch die performative Sprache): Wie Gott, dessen Wort schöpferisch ist („Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“), wird das Individuum durch das Sagen und das Tun fähig, seine Identität aus dem Nichts heraus zu schaffen – das Nichts, das das Individuum durch die selbst herbeigeführte Dekonstruktion der Realität und der Wahrheit über sein Sein und seine Bestimmung selbst hervorgebracht hat. Das Individuum, so heißt es, würde sich selbst dekonstruieren und dadurch seine Entscheidungen, seinen Körper, seine Identität, sein Leben und sein selbstbestimmtes Schicksal kontrollieren und frei darüber verfügen können. Das Individuum hätte die Macht erworben, sich selbst „frei“ zu bestimmen, als ob es der absolute Herrscher über seine Existenz wäre. Die Gender-Philosophie stellt einen Willen zur Selbst-Erschaffung, zur Selbstbestimmung, zur Selbstverwirklichung und zur Selbsterlösung im Sinne des Übermenschen Nietzsches dar. Sie ist eine trügerische Illusion, da die im Verlauf des Prozesses der Dekonstruktion die sich selbst zugeschriebene Identität nie mehr als eine gespenstische, entleiblichte „Identität ohne Wesenskern“ / Essenz sein wird. Doch gerade dieser Zugang zu Entscheidungen „ohne Sein“, die „vergeistigt“, „potenziell“ und angeblich „grenzenlos“ sind, vermittelt dem Individuum ein Gefühl von Allmacht. Es ähnelt der komplexen postmodernen Thematik des Virtuellen8 und des Potenziellen, der Virtualisierung des Wirklichen, der Dematerialisation und dem Satanismus9. Der postmoderne Kampf um die Macht endet niemals bei der Übernahme eines endgültigen Status: Der Zugang zu dem kompletten Umfang aller Möglichkeiten ist ein endloser Prozess der Erweiterung, der „Öffnung“ und der Wandlung.


Ein Erzeugnis der Soziologie – Säkularismus und Szientismus

Die Verselbstständigung der Vernunft in Bezug auf den Glauben hat die wissenschaftliche Forschung dazu geführt, sich nicht mehr der Suche nach der Wahrheit verpflichtet zu fühlen und sich zunehmend auch nicht mehr auf die Wirklichkeit, die in ihrem Geheimnis durch den Glauben offenbart wird, zu stützen, sondern auf säkularistische ideologische Annahmen, die die Kulturrevolution des Westens von Anbeginn an inspiriert haben. Am Ende dieses Prozesses wird mit dem Aufkommen der Postmoderne die Fähigkeit der Vernunft, Erkenntnis der Realität zu erlangen, in Frage gestellt. Doch welchen Gebrauch werden die postmodernen säkularisierten Gesellschaften von Wissenschaft und Technik machen – ohne Glauben und ohne Vernunft? Besteht nicht die Gefahr, dass sie noch schlimmeren ideologischen Entfremdungen ausgeliefert sind als denen in der Vergangenheit?

(...)

Das Gender-Konzept hat seine Reife über die intellektuellen Ausarbeitungen soziologischer Gender-Studies erreicht. Diese hatten nicht die Person in ihrer Ganzheit zum Gegenstand: ihr Mysterium, ihre Berufung, ihr Glück, ihre kulturelle und religiöse Verwurzelung, das mütterliche Sein der Frau und das väterliche Sein des Mannes, die konstitutiven ontologischen Unterschiede ihrer jeweiligen Identitäten, ihre spezifische anthropologische Struktur und die Offenbarung, nach der Gott uns zu seinem Bild als Mann und Frau geschaffen hat. Die Gender-Studies stützten sich einzig auf die Ungleichheiten gesellschaftlicher Macht zwischen den Geschlechtern, auf die sozialen und geschlechtlichen „Rollen“ der Individuen, auf säkulare Werte und auf ihre, auf die staatsbürgerliche Dimension reduzierte, anthropologische Sicht.

Bei der Interpretation und Umsetzung von Gender durch Global Governance wird davon ausgegangen, dass der Staat, zivilgesellschaftliche Werte und die soziale Rolle von Männern und Frauen einen höheren Stellenwert einnehmen als deren privates, familiäres und religiöses Leben. Im besten Fall würdigt die Gender-Perspektive10 Mutter- und Vaterschaft zu sozialen Rollen herab – die darüber hinaus als untergeordnet gegenüber den Machtpositionen angesehen werden, die Männer und Frauen in der Gesellschaft einnehmen können – und versucht, Familien- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren, sie im Gleichgewicht zu halten. Halten wir kurz inne, um den Begriff „Gleichgewicht“ zu betrachten. Jeder Mensch, gleich welcher Kultur er entstammt, wird anerkennen, dass die Bedeutung von Mutterschaft, Vaterschaft, Familienleben und Religion den Wert von sozialen und zivilgesellschaftlichen Funktionen von Individuen übersteigt. Wenn Mutter und Vater Kinder zur Welt bringen und sie großziehen, dann erfüllen sie damit zweifelsohne eine gesellschaftliche Rolle – diese ist jedoch von geringerem Wert als die personalen Dimensionen von Vaterschaft, Mutterschaft, Familie und Liebe. Wenn es eine hierarchische Beziehung zwischen diesen beiden Rollen gibt – ist es dann nicht unangemessen, davon zu sprechen, sie in ein „Gleichgewicht“ bringen zu wollen? Staat und Global Governance sollten diese Hierarchie respektieren; doch die Gender-Revolution stellt eine neue – umgekehrte – Hierarchie auf und verletzt damit das Prinzip der Subsidiarität.

Die Absicht der Gender-Perspektive, keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau zu machen, entspringt der westlichen säkularistischen Ethik und ihrem utopischen Konzept von Neutralität, das auf ihre Vorstellung von Staatsbürgerschaft abgefärbt hat: Der Bürger ist eine Art abstrakte, anthropologisch „neutrale“, das heißt unter anderem auch, asexuelle [geschlechtslose] Größe. Diese Ethik hat sich als unfähig erwiesen, sich zu überschreiten und sich einer anthropologischen Sichtweise der Frau zu öffnen, die über die „bürgerliche“ Dimension hinausgeht. Die Gender-Revolution beweist, dass eine „rein zivilgesellschaftliche“ Logik zu einer Vorstellung von Mann und Frau führt, die sowohl unvereinbar mit dem gesunden Menschenverstand als auch mit einer geoffenbarten Anthropologie ist.

Im Rahmen des Prozesses eines weltweiten gesellschaftlichen Wandels, der in Gang gesetzt wurde, um Gender-Gleichheit (gender equality11) zu erreichen, gleiten die Gesellschaften, ohne es zu bemerken, in eine säkulare staatsbürgerliche Anthropologie. Die Folge ist eine fortschreitende Verarmung derjenigen Kulturen, denen der westliche Säkularismus fremd ist. (…)

Das Ereignis der Gender-Ideologie zeigt die moralische Autorität, die die westlichen Gesellschaften den Human- und Sozialwissenschaften zugestanden haben, nachdem sie diese dem Gewissen und der Religion entzogen hatten. Die Macht zum soziokulturellen Wandel, die diese wissenschaftlichen Perspektiven haben, zusammen mit der Glaubwürdigkeit, die dem Dogmatismus ihrer Statistiken eingeräumt wird, lassen eine gewisse Resignation der Nationen im Hinblick auf ihre kulturelle Verantwortung erkennen. Der Soziologie ist es gelungen, an die Stelle der Völker als Gestalter ihrer eigenen Kultur zu treten, soweit diese es hingenommen haben, zu Marionetten von Sozialingenieuren zu werden, die auf der Ebene von Global Governance agieren.

Eine verzerrte Auffassung von Gleichheit

(...)

Doch die Lesarten der Gleichheit sind weit davon entfernt, stets dem Geist dessen zu entsprechen, was wirklich wahr und universal ist. Gleichheit hat seit dem 18. Jahrhundert, als im Westen die Menschenrechte geboren wurden, tatsächlich eine ambivalente Bedeutung. Die Französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1793 weicht in ihrer Formulierung von der Allgemeinen Erklärung ab: „Alle Menschen sind von Natur aus und vor dem Gesetz gleich.“ Die Natur war ein Pfeiler des modernen Ethos, das stark durch den Deismus des 18. Jahrhunderts geprägt war: Gott hat die Natur nach einer Ordnung erschaffen, die die menschliche Vernunft ohne seine Hilfe entdecken kann, „unabhängig“ von Gott, der kein Vater mehr ist. Der sich aus dem Deismus ergebende Bruch zwischen Glaube und Vernunft, Gnade und Natur hatte für die westliche Interpretation von Gleichheit, Menschenwürde, Menschenrechten und Staatsbürgerschaft seit der Aufklärung erhebliche Konsequenzen. Diese Begriffe verwiesen tatsächlich nicht auf Mann und Frau als Person, sondern auf das Individuum als Bürger. Sie sind kalt, streng säkular und juristisch geworden. Die wahrhaft menschliche und kindliche Bedeutung der Brüderlichkeit ist ihnen fremd geworden. Es hat sich eine Vertragskultur entwickelt, die so weit geht, dass der gute Ruf der vorleistungsfreien [grundlosen] Liebe allmählich beseitigt wurde.

Die Kulturrevolution des Westens geriet nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 außer Kontrolle und brachte eine Revolution der Rechte sowie eine zunehmend subversive Auslegung der Gleichheit hervor: eine individualistische und egalitäre13 Interpretation, die eine anthropologische Konfiguration der Person verschmähte, natürliche und gesetzliche Hierarchien (zwischen Eltern und Kind, Lehrer und Schüler, Chef und Angestelltem, zwischen Arzt und Patient, Regierungen und NGOs und zwischen dem Menschen und der Natur …) abschaffte und neue Kategorien individueller Rechtsinhaber, wie etwa Homosexuelle, schuf. So hat es die Kulturrevolution des Westens vom Naturalismus ausgehend erreicht, mit dem Begriff der Natur zu brechen. Für die Postmodernen kann die Gleichheit – da die Menschen ja nicht mehr von Natur aus gleich sind und auch nicht mehr gleich an Würde durch ihre Gottähnlichkeit – fortan nur noch mit dem Begriff der Macht und der willkürlichen „Entscheidungsfreiheit“ verbunden werden. Sie verwandelt sich künftig in ein ethisches und juristisches Diktat.

Gender-Gleichheit (gender equality) – ein ethischer Imperativ der Global Governance – ist ein gewaltiger Motor für die kulturelle Dekonstruktion der Unterschiede zwischen Männern und Frauen, zwischen Heterosexuellen und LGBTs14, zwischen der traditionellen Familie und der „Familie in all ihren Formen“ usw. Natürlich führt die radikalfeministische und homosexuelle Eroberung der Gleichheit nicht zu einer wirklichen Feier der faszinierenden Vielfalt der Menschen, ihrer einzigartigen und unersetzlichen Persönlichkeiten und insbesondere der Komplementarität von Mann und Frau. Vielmehr erleidet sie Schiffbruch in einer kulturellen und anthropologischen Leere, einer Art Nirvana, die als gender balance, als gleiche Teilhabe der Geschlechter und der Gender bezeichnet wird, in einer Welt angeblich ohne unterdrückte Individuen, in der alle „gleich“ sind, und es eine angeblich gleiche Umverteilung der Macht unter allen gibt – unter Kindern und Erwachsenen, Frauen und Männern, LGBTs und Heterosexuellen. Dieses statistische Gleichgewicht, auf das die Quoten abzielen, ist dekonstruktivistisch. In der Realität wird es nur sehr selten erreicht.15
Ein radikaler Trend einer Minderheit, der dennoch aufschlussreich ist, geht heute so weit, sämtliche Lebensformen16 (menschlich, tierisch, pflanzlich) als gleichberechtigt oder gleich anzusehen. Bisweilen werden Tiere personifiziert (wie beispielsweise in der Tierrechtsbewegung) oder der Mensch wird zum Tier reduziert, wie man es in manchen aktuellen Filmen wie auch in neuheidnischen spirituellen Trends sehen kann.


Ein Prozess der Leugnung

Gender ist keine intellektuelle Kuriosität, die wir unsererseits allein durch stichhaltige Argumente und eine voluntaristische Vorgehensweise wieder dekonstruieren könnten. Die politische und kulturelle Durchsetzung des Gender-Prozesses konfrontiert uns mit Entscheidungen, die das Herz und das Gewissen der Menschen und Nationen in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit mit einbeziehen: Es ist eine Entscheidung zwischen Leben und Tod, Gut und Böse, zwischen der Realität und ihrer Leugnung, der Wahrheit über Mann und Frau und den Lügen, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Hass. Regierungen, Gesellschaften, Eltern, Erzieher, die Jugend der ganzen Welt – wir alle müssen eine Entscheidung treffen: Entweder uns dem Geist der neuen Weltkultur anpassen und passiv oder mit vollem Einverständnis den neuen säkularistischen Normen folgen, oder aber uns kindlich mit unserer Berufung zur Liebe und zum Glück identifizieren. Diese Entscheidung ist jedem frei überlassen. Sich für die Gender-Ideologie zu entscheiden, bedeutet einen Prozess der Leugnung, der wie jeder menschliche Vorgang über die Vernunft, das Gewissen und das Herz der Menschen verläuft.

Leugnung der Vernunft. Wenn die Vernunft willkürlich und dogmatisch behauptet, dass alles ein soziales Konstrukt, ein reines Produkt des Diskurses, eine Konstruktion repressiver Grenzen sei, dann weigert sie sich zu erkennen, was wahr, wirklich, gut, liebevoll und liebenswert ist.

Weigerung des Gewissens. Die Leugnung der Realität durch den Diskurs zielt darauf ab, dem Individuum zu ermöglichen, persönlichen Verpflichtungen auszuweichen, „seine Existenz aufs Spiel zu setzen“, ewig vor sich selbst und den Anforderungen der Realität und der Liebe davonzulaufen, „Grenzen zu überschreiten“ und ad infinitum „Identitäten ohne Essenz“ zu erkunden – anders ausgedrückt, sein Gewissen der Leugnung in den Dienst zu stellen. Persönlicher Einsatz wird dadurch selbstzerstörerisch. (…)


Weigerung des Herzens. Schließlich ist es offenkundig, dass der negative Einsatz für die Subversion durch die Gender-Revolution der Liebe widerspricht. Indem die Gender-Revolution die Rahmenbedingungen für Selbsthingabe, insbesondere die Weiblichkeit und die Männlichkeit, dekonstruiert, indem sie aus allen Menschen „egalitäre Bürger“ machen will, die Mutterschaft angreift, als ob diese eine soziale Ungerechtigkeit sei, indem sie die Berufung von Mann und Frau auf ihre Funktion in der Gesellschaft reduziert und Mann und Frau zu „Partnern“ macht, die durch einen „Vertrag“ miteinander verbunden sind, macht sie personale Liebe unmöglich und tötet darüber hinaus die Liebe in der Kultur.

Die Leugnung der Wirklichkeit und der Liebe hat die westliche Zivilisation in eine Talsohle geführt: in eine Welt der Unvereinbarkeiten, in der sich niemand zu Hause fühlen kann.


Anmerkungen

1 Siehe Genesis 1, 27. Es ist bemerkenswert, dass im biblischen Schöpfungsbericht nur beim Menschen der Unterschied zwischen den Geschlechtern betont wird.

2 Empowerment: Ermächtigung. „Empowerment von Kindern“ meint einerseits die allgemeine Förderung von Kindern, Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Entwicklung für alle Kinder der Welt. In der Gender-Ideologie bedeutet es aber auch, dass Kinder (!) und Jugendliche das Recht haben, autonom eine homo-sexuelle oder transsexuelle Identität anzunehmen. Sollten die Eltern das nicht unterstützen, muss der Staat eingreifen und durch verschiedene Maßnahmen das Recht des Kindes stärken und die Elternechte einschränken. Siehe dazu: Tozzi, P., Six Problems with the Yogyakarta Principles unter papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm. Zugriff 1.8.2016.
Ebenso gehört in der Gender-Ideologie zum Empowerment von Kindern und Jugendlichen das Recht des Mädchens, autonom seine „sexuellen Rechte“ (Einnahme von Verhütungsmitteln, Abtreibung) wahrzunehmen. Ganz in diesem Sinn schreibt pro familia, dass in Deutschland Mädchen über 16 Jahre eine Abtreibung ohne Einwilligung der Eltern durchführen lassen können. Ist das Mädchen zwischen 14-16 Jahre alt, kann der Gynäkologe entscheiden, ob die Eltern zu fragen sind, oder ob das Mädchen „reif genug“ ist, die Entscheidung allein zu treffen. Siehe: www.profamilia.de/?id=2644. Zugriff 1.8.2016. Anm. DIJG.

3 In der Bibel wird die Macht allein Gott zugeschrieben, nur ihm ist sie vorbehalten. Dennoch hat Gott vom Mann und von der Frau verlangt, sich die Erde untertan zu machen, über die Schöpfung zu herrschen und an ihrer Vollendung teilzuhaben. Diese Aufgabe, die der Würde von Mann und Frau als nach dem Bilde Gottes geschaffenen menschlichen Wesen entspricht, bezieht die Ausübung einer gewissen Macht mit ein.

4 Diese Neigung geht auf die Worte der Schlange an Eva im Garten Eden zurück: „Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ (Gen 3,5. Lutherbibel)

5 Global Governance: Laut Wikipedia: „Als politisches Programm meint [es] die kooperative, multilaterale Gestaltung der Globalisierung. (…) In Abgrenzung zu Government betont der Begriff Governance die Abwesenheit einer formalen Hierarchie und hebt im weitesten Sinne auf die kollektive Regulierung von gesellschaftlichen Aktivitäten ab. (…) Kritisch gesehen wird der Steuerungs- und Problemlösungsgedanke, der dem Projekt Global Governance innewohnt. (…) Problematisch wird ebenfalls das Auftauchen neuer, insbesondere privater, Akteure gesehen. NGOs, Privatunternehmen, Think Tanks oder Expertengruppen sind in der Regel nicht konstitutio-nell verankert und daher mit einem Legitimationsdefizit behaftet. Problematisch bleibt auch die Zurechenbarkeit von Verantwortung bei Multi-Stakeholder-Ansätzen unter Einbeziehung solcher neuartigen Akteure.“
J. R. Bolton schreibt: “… the civil society idea actually suggests a ‘corporativist’ approach to international decision-making that is dramatically troubling for democracy because it posits ‘interests’ (whether NGOs or businesses) as legitimate actors along with popularly elected governments.” Auszüge aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Governance. Zugriff 1.8.2016.
Zur Global Governance zählen: UNO, Weltbank, IMF, WTO, zahlreiche Nicht-Regierungsorganisation (NGOs) und andere.
M. Peeters befindet: Global Governance besteht aus einem einflussreichen Netzwerk ideologisch gleichgesinnter Partner und international operierender Akteure, wozu einflussreiche Organisationen wie die UN, NGOs, west-liche Staaten und andere gehören, die die Gender Sprache reden und der neuen Ethik der Gender-Ideologie folgen. Leise und heimlich wurde so die Macht verlagert: Weg von den gewählten Volks-Vertretern der Regierungen und demokratisch gewählten Parlamenten hin zu internationalen Akteuren, die die Gender-Ideologie vorantreiben. (Siehe S. 41) Anm. DIJG.

6 Und darüber hinaus, weit vor Marx, Thomas Hobbes (1588-1679).

7 LGBT = Lesben, Gays, Bisexuelle, Transsexuelle / Transgender (eigentlich Lebensstile; in der Gender-Ideologie werden sie als eigene „soziale Gender“ oder „soziale Geschlechter“ angesehen, die das gleiche Recht auf „Ehe und Familie“ beanspruchen, wie es traditionell der Beziehung zwischen Mann und Frau vorbehalten ist.) Anm. DIJG.

8 Die Postmodernen definieren das Virtuelle als „das der Möglichkeit nach Vorhandene“, das fähig ist zu Wirkungen, aber nicht im Konkreten, Materiellen aktualisiert ist.

9 Satan, der reiner Geist ist, hasst die Materie.

10 Gender Perspective: feststehender englischer Begriff, u.a. aus dem Abschlussdokument der Weltfrauen-
konferenz 1995; meint die Gender-Ideologie. Anm. DIJG.

11 Der Begriff gender equality ist ein Zentralbegriff der Gender-Ideologie. Zur Begriffserklärung » Anm. DIJG.

12 Die Übersetzung dieses Mottos ist nicht ohne weiteres verständlich. Ludwig XIV., der sich seit 1662 die Sonnensymbolik angeeignet hatte, gibt ihr in seinen Memoiren die folgende Bedeutung: „Ich würde mich sehr wohl eignen, noch andere Reiche zu erleuchten.“ Es wird verschiedentlich übersetzt als: „Keinem anderen gleich“, „Ich reiche für mehrere Welten“, „Alles ist möglich für ihn“, „Allein gegen alle“ oder „Über allen und allem“, was die wahrscheinlichste aller Interpretationen ist.

13 Die Gleichheit in Bezug auf Macht muss jeder selbst mit eigenen Kräften erwerben, und zwar durch den beständigen Kampf gegen die gesellschaftlichen und politischen Strukturen sowie gegen die kulturellen und religiösen Traditionen, die der Gleichheit zuwiderlaufen scheinen.

14 LGBT: Lesben, Gays, Bisexuelle, Transgender / Transsexuelle. Anm. DIJG.

15 Wie beispielsweise im Kabinett von F. Hollande.

16 Manche Philosophen wie etwa der Australier Peter Singer (geb. 1945), Verfasser von Die Befreiung der Tiere (1975), setzen sich für eine eindeutige Ablehnung der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier ein."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/gender-revolution-kritische-analyse/)


"Die Gender-Revolution – Praktische Überlegungen und Perspektiven der Hoffnung

Marguerite A. Peeters

(…)

Der traditionelle Bildungsprozess im Westen lehrte, dass Unterscheidungs- und Urteilsvermögen darin besteht, von der Erkenntnis (Sehen, Verstehen, Wissen) zum Willen (Tun) fortzuschreiten. Diese Perspektive ist aber in Wirklichkeit binaristisch (Intelligenz-Wille) und reduktionistisch, sie führt zu dem positiven Wunsch, zu einem Prozess der Unterscheidung in seiner ganzen Komplexität zurückzukehren.
Jeder vollständige menschliche Akt muss die Vernunft, das Gewissen und das Herz miteinbeziehen,1 denn eine freie Person strebt nicht nur nach der Wahrheit, sondern auch nach dem Guten und der Liebe. Persönliches Erwachen von Menschen geschieht durch die Erfahrung von Liebe und das Erwachen ihres Herzens. Die Liebe ist durch die moderne westliche Kultur weitgehend in Vergessenheit geraten.2 Es gibt heute aber eine universale Sehnsucht nach einer authentischen Selbst-Liebe, einer Liebe zu den eigenen Leuten, der eigenen Kultur, zu anderen Menschen und nach der Gottesliebe.

Die menschliche Person, frei geschaffen, kann sich nur in der Freiheit entwickeln. Das von der normativen Genderkultur aufgezwungene Formatieren verstößt gegen die Menschenwürde. Die Genderkultur, die zwar „Wahlfreiheit“ zelebriert, versucht zugleich, uns in ihren ideologischen Normen einzukerkern. Trotz ihres dominierenden Einflusses hat sie aber keine Macht, das Gewissen freier Individuen einzuschränken und sie am Unterscheiden zu hindern. Wo auch immer wir in den verschiedenen existentiellen Bedingungen unseres persönlichen und gesellschaftlichen Lebens mit dem Genderphänomen konfrontiert werden – als Eltern, Erzieher, Politiker, Manager, Unternehmer, Rechtsanwälte, Entwicklungshelfer oder Pastoren, in welcher Verantwortung wir auch immer stehen – es obliegt uns, den Kurs, auf den uns die Gender-Ideologie bringt, genau zu überprüfen. Sich wie Zombies [„lebendige Tote“] zu verhalten, die von obskuren Mächten, vorbei an ihrem Gewissen, manipuliert werden, ist keine Option.

Ein gutes Unterscheidungs- und Urteilsvermögen anzuwenden, bedeutet, ein Objekt in seiner Gesamtheit zu untersuchen: in jeder Phase seiner Entwicklung und in all seinen Erscheinungsformen. Was ist der Inhalt der Gender-Ideologie?

Wir hatten die Möglichkeit zu erkennen, dass das Konzept von seinem ersten Erscheinen an unbrauchbar war und dies in jeder einzelnen Phase seiner konzeptionellen und operativen Weiterentwicklung geblieben ist. Es hat mit der Zeit sogar eine bemerkenswerte doktrinäre Radikalisierung erfahren, die nunmehr beispiellose Ausmaße erreicht hat: die Queer-Theorie, Postgender3 und den Posthumanismus4. Man kann also sagen, dass innerhalb der ideologischen Gender-Zwangsjacke als einer „Theorie“, als normativem Rahmen, als politischer Norm und globalem Prozess eines gesellschaftlichen und kulturellen Wandels, unser Verlangen nach Wahrheit und Glück wohl kaum gedeihen kann.

Es gibt eine Befreiung, die im Laufe der letzten Jahrzehnte noch nicht stattgefunden hat, die sich jedoch so viele Männer und Frauen erhoffen: die Befreiung von der politischen und kulturellen Machtergreifung durch die Gesellschaftsingenieure der westlichen Kulturrevolution. Eine solche Befreiung kann auf keinem anderen Weg als mit und durch die Männer und Frauen selbst geschehen. Diese Einsicht gibt uns die Hoffnung. Sie befreit von der Versuchung zum Fatalismus, zur Entmutigung, zum Defätismus oder zur Passivität, in die wir zu geraten drohen, wenn wir mit der Reichweite, die die Genderkultur schon erlangt hat, konfrontiert werden. Darüber hinaus weckt sie in uns die Hoffnung, die aufkommt, wenn wir uns über die Wahrheit, das Gute und die Liebe klar werden.

Wenn wir uns auf diesen positiven persönlichen Prozess, der zum Glück führt, einlassen wollen, ist eine befreiende Vorbedingung unerlässlich: Wir müssen außerhalb jedweden ideologischen Rahmens bleiben.

Außerhalb des ideologischen Rahmens bleiben

Außerhalb des ideologischen Rahmens der Gender-Revolution zu bleiben, ist die erste Regel, die wir bei unserem Prozess des Unterscheidens anwenden wollen. Die Nicht-Anwendung dieser Regel hat viel Verwirrung gestiftet. Wir unterscheiden dabei zwei Motive – das eine ist theoretischer, das andere pragmatischer Natur –, die viele zu der Entscheidung geführt haben, „in den Rahmen einzutreten“:

Die Theorie, nach der alle Irrtümer eine Teilwahrheit enthalten.

Einschüchterung infolge der überwältigenden Macht der Global Governance5.

Im Folgenden nun eine kurze Betrachtung dieser beiden Motive.

Alle Irrtümer enthalten eine Teilwahrheit. Die Beteuerung, dass „alle Irrtümer eine Teilwahrheit enthalten“ wird häufig von denen geäußert, die – obwohl sie sich mit dem Genderkonzept unbehaglich fühlen6 – behaupten, dass es für sie möglich sei, ihm eine Interpretation zu geben, die sich auf das „Element der Wahrheit“ stütze, das es angeblich enthalte, um es – nach ihren Vorstellungen – mit einer authentischen Universalethik eher in Übereinstimmung zu bringen.7


Analysieren wir einmal diese strategische Option.

Zunächst ist der Reduktionismus dieser Aussage zu betonen. Der Ansatz dieser Option spricht den Leugnungsprozess der Gender-Revolution auf rein intellektuelle Weise an, als ob er nur eine Angelegenheit des Verstandes wäre, während er tatsächlich und in erster Linie die Bindung des Gewissens und des menschlichen Herzens miteinbezieht. Das Böse besteht nicht ausschließlich im Nicht-Wissen oder im Sich-intellektuell-Irren, sondern auch und vor allem in dem Entschluss, sich nicht dem Guten zu verpflichten sowie nicht der Liebe. Wenn das Urteilsvermögen nicht vorrangig die Liebe mit einbezieht, ist es unvollständig: es beinhaltet ein unterschlagendes, und daher böses, Element.

Die strategische Option, die wir hier analysieren, führt uns zu einer Reflektion über das Böse und sein Geheimnis. Wir wissen, dass das Böse existiert und am Werk ist, doch es hat keine Substanz.8 Sein „Werk“ besteht nicht im Erschaffen, auch nicht im einfachen Nicht-Erschaffen, sondern im Zunichtemachen dessen, was ist, und was, weil es ist, gut ist: Es besteht darin, sich vom Guten abzuwenden, es zu leugnen, sich ihm zu widersetzen und es uns vorzuenthalten. Es ist die „Umkehrung des Mysteriums der positiven Einstellung zum Sein“; es ist ein „Mysterium der Negativität“.9 Somit verweist jedes spezielle Übel auf das Gute zurück, das es negiert. Doch da es dem Guten entgegentritt, kann es dieses selbst nicht beinhalten.10 Zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Lüge kann es keine friedliche Koexistenz geben. Auch wenn das Unkraut zwischen dem guten Weizen wächst, unterscheidet es sich von ihm. Eine „Koexistenz“ führt nicht zu einem Mischprodukt: Wenn die Zeit der Ernte kommt, wird das Unkraut vom Weizen getrennt.

Das Böse, „die Abwesenheit eines gebotenen Guten“11, macht sich, um zu verführen, den Anschein des Guten zunutze. In diesem Sinne „ähnelt“ es ihm. Der Gender-Ideologie gelingt es oftmals, sich deswegen durchzusetzen, weil die Leute sie für das halten, was sie nicht ist: Sie halten sie insbesondere für den Respekt vor der Gleichheit der Würde von Mann und Frau und für die Freiheit, Gleichheit und den sozioökonomischen Fortschritt, den sie anstreben.

Sofern sie jedoch in den Rahmen eintreten, wie er von einer mitreißenden Logik der normativen Gender-Ideologie beherrscht wird, verlieren sie ihre Freiheit und laufen Gefahr, sich kurzerhand von subtilen Versuchungen einer ungeordneten Suche nach Macht und Genuss begeistern zu lassen und somit an der Dekonstruktion des Guten teilzunehmen, obwohl sie doch in Wirklichkeit das Gute suchten. Zu behaupten, dass der Prozess der Leugnung, den die Gender-Revolution darstellt, eine Teilwahrheit enthält, läuft darauf hinaus, im Namen einer fehlgeleiteten Interpretation von Dialog mit den Theoretikern der Gender-Ideologie und ihren institutionellen Förderern zu flirten.


Bleibt noch anzumerken, dass das Ziel einer „Bekehrung“ der Gender-Ideologie zur Wahrheit, das von denen verfolgt wird, die für die Aussage der „Teilwahrheit“, die im Konzept enthalten sein könnte, optieren, offensichtlich nicht erreicht worden ist. Die derzeitige Situation ist vielmehr eine totale Verwirrung, die aus den Vermischungen bei der Interpretation der Sprache, beim Bildungswesen, bei der Kultur und der Politik kommt. Diese Verwirrung führt zu nichts Gutem.


Sich von der Macht der Global Governance einschüchtern lassen. Der normative globale Konsens, zu dem Gender-Gleichheit (gender equality) willkürlich gemacht wurde, sowie der auf Regierungen und Gesellschaften ausgeübte Druck, um die Umsetzung der Gender-Ideologie in allen Bereichen der Erziehung, der Kultur, der Ethik, der Politik und der Wirtschaft sicherzustellen, machen Angst. Die Genderkultur scheint das gesamte Territorium zu besetzen. Wenn das die Situation ist, wie kann man dann außerhalb des Rahmens bleiben?

Antworten wir auf die Logik dieser Argumentation mit drei Bemerkungen.

Die ersten beiden gehen aus einem politischen Realismus hervor, an dem es uns zuweilen mangelt. Sie scheinen sich zu widersprechen: einerseits seit Jahrzehnten das erdrückende Gewicht der Ideologen im Kräfteverhältnis auf der Ebene von Global Governance, und andererseits die Tatsache, dass die Gendermaschinerie in Wirklichkeit ein Papiertiger ist.

Die Geschichte hat gezeigt, dass Ideologen peinlich genau die Kontrolle über den Interpretationsrahmen der Konzepte, die sie selbst gefertigt und in weltweite Standards verwandelt haben, bewahren; und dass sie deren Umsetzung durch äußerst vielfältige strategische Mechanismen gestalten und überwachen, wobei sie von supermächtigen Finanzpartnern profitieren. Sie lassen nicht locker. Ihre politische und finanzielle Macht und ihr ideologisches, ausgeklügeltes System übersteigen bei weitem unsere Fähigkeiten zur Bewältigung. Diese Situation sollte uns daran erinnern, dass unsere einzige Waffe die Autorität der Wahrheit, der Wirklichkeit und der Liebe ist, für die wir kein Zeugnis mehr ablegen, sobald wir erst einmal den ideologischen Rahmen betreten haben.

Der Genderaktivismus ist ein Papiertiger. Der normative globale Konsens, zu dessen willkürlichem Objekt die Gender-Ideologie gemacht wurde, respektiert weder die Freiheit der Regierungen noch der Bevölkerungen. Da der Konsens ein Schwindel ist, hat er keine moralische Autorität. Da er nur ein Konsens ist, ein „weiches“12 Dokument, ist er nicht juristisch bindend. Die Gender-Ideologie hat im Grunde nicht die Fähigkeit, tatsächlich anzugreifen. Ihre Macht zu einer zerstörerischen sozialen Umformung beschränkt sich auf den Einfluss, den wir bereit sind, ihr zuzugestehen – und der leider allzu häufig erheblich ist. Im Kontakt mit dem Feuer oder einem einfachen Funken könnte der Papiertiger in Rauch aufgehen. Könnte dieses Feuer etwas anderes als eine spirituelle Erweckung der Menschen sein?


Unsere dritte Bemerkung geht aus einem anthropologischen, kulturellen und spirituellen Realismus hervor: die Genderkultur ist kein triumphaler Erfolg, sondern eine überwältigende Niederlage. Sie herrscht zwar über die Welt, ruft aber nur Zerstörung, Entfremdung und Verarmung hervor. Die Krankheit benötigt eine Arznei aus einer gesunden Quelle, die wohl nicht aus dem Bösen kommen kann, das die Krankheit erst hervorgebracht hat: Dies ist ein weiterer Grund dafür, sich deutlich aus dem Gender-Rahmen herauszuhalten.


Die praktische Schlussfolgerung, die wir aus diesen Beobachtungen ziehen, ist folgende: Es ist weder strategisch klug noch pragmatisch von Nutzen noch von einem moralischen oder persönlichen Standpunkt aus zu rechtfertigen, sich in das Bezugssystem der Gender-Ideologie zu begeben – auch nicht mit der Absicht, eine alternative Interpretation anzubieten oder öffentliche Mittel für lobenswerte Zwecke zu erhalten. Wir müssen draußen bleiben; wir müssen unabhängig von ihrer Sprache, ihren Normen, Voraussetzungen und Konzepten, von ihrer Ethik und ihren Funktionsmechanismen argumentieren und handeln, sofern diese uns in das ideologische Bezugssystem einführen. Denn wenn wir diesen Rahmen betreten – wie sollten wir es dann vermeiden, dass:

wir uns von anderen formatieren und uns dorthin führen ließen, wohin wir nicht gehen wollen, und wir in den Teufelskreis des ideologischen Prozesses der Gender-Ideologie und ihrer Partnerschaften geraten;
wir nach der Macht als einem Selbstzweck streben und einen Kampf um Einfluss beginnen, um unsere Interpretation eines untauglichen Konzeptes durchzusetzen statt Zeugnis abzulegen;
wir die Männer und Frauen guten Willens täuschen, die mehrheitlich nichts von dem wissen, was auf dem Spiel steht, indem wir einem gefährlichen Projekt gesellschaftlicher Umwandlung einen harmlosen Anschein geben;
wir einer reaktiven Haltung erliegen, uns ins Schleppnetz der Ideologen bege-ben, während wir doch eine kreative Haltung einnehmen müssten;
wir in eine schädliche ambivalente Haltung und in ungesunde Vermischungen abgleiten, in bewusste oder unbewusste Kompromisse geraten, das Gegenteil von dem tun, was wir vorhaben (die „Teilwahrheit“ im Irrtum behaupten), und uns zumindest teilweise vom Bösen verführen ließen. Ist der Verlust unserer Identität nicht gerade das Ziel der Agenten der Gesellschaftsveränderung?


In eine andere Richtung schauen: Perspektiven der Hoffnung

Da die strategische Option, „im Inneren des Rahmens“ zu wirken, für uns ausgeschlossen ist, bleibt nur diese Alternative: das Angebot eines anderen, eines positiven Weges. Dieser Weg ist schmal; mit dem Abgrund des Kompromisses zur Linken, und der Mauer der Konfrontation zur Rechten.

Der Weg, den wir nehmen möchten, hat seine eigenen Verhaltensregeln: als Ausgangspunkt und als Perspektive stets die Wirklichkeit und die Wahrheit desjenigen einzunehmen, der man selber ist: eine Person, ein Mann oder eine Frau, ein Sohn oder eine Tochter eines liebenden Vaters, erschaffen aus Liebe und für die Liebe. Diese unveräußerliche, allgemein erkennbare und unzerstörbare Wirklichkeit ist gut. Sie bleibt, was sie ist – unabhängig von unseren Entscheidungen und Irrtümern. Sie ist kein „Rahmen“. An ihr festzuhalten, sich für sie einzusetzen, sie zu lieben, macht uns frei. Im Widerspruch zu dem, was die Theoretiker der Gender-Ideologie behaupten, wird man niemals zu etwas anderem, als zu dem, was man ist. Die Versuche der Dekonstruktion werden nichts ausrichten können: Sie sind zum Scheitern verurteilt.

Wir meinen, dass die Stunde gekommen ist, die Aufmerksamkeit von der Thematik der Gender-Ideologie, die heute beinahe zwanghaft geworden ist,13 abzuwenden und mutig in eine andere Richtung zu schauen – in die der guten Dinge, die uns durch das Wirken der Gender-Ideologie vorenthalten werden.
Die Reise, die wir gemeinsam unternommen haben, hat uns ermöglicht, auf umgekehrte und negative Weise die großen kulturellen Themen unserer Zeit anzusprechen, unter anderem:

die Frau und den bis heute beispiellosen Einfluss, den sie in der Öffentlichkeit errungen hat;
die Freiheit, die individuelle Wahl, freier Zugang;
die Gleichberechtigung;
die Identität (des Menschen, von Mann und Frau, der Kulturen …);
das Verhältnis zur Materie und zum menschlichen Körper;
die Betonung auf den Vorgang, den Wandel, die Dynamik, auf Wort und Tat;
die Aufgabe bestimmter Missbräuche der Moderne, vor allem des Machotums, des Patriarchalismus, des Viktimismus14, des Dolorismus, des Autoritarismus, des Dogmatismus, des Rationalismus, des Naturalismus, der Koalition von Vernunft und Macht, der schwere Schläge versetzt wurden;
die Globalisierung …

(...)

Dieses Werk wird an der Schwelle der theologischen und trinitarischen Perspektive einer Neuevangelisierung stehen, deren Zeichen einer neuen Kultur ebenso Zeichen der Erwartung sind.

Werfen wir einen Blick auf einige davon.

Vom Binarismus15 zur Wiederentdeckung der dreieinen16 Struktur der Person und der Liebe

Die existentielle Erwartung eines jeden Menschen lässt ihn – sobald er sich der Liebe im Innern seines Gewissens und seines Herzens öffnet – entdecken, dass die Struktur der Liebe nicht binär, sondern dreieinig ist: Es gibt die Liebe, die man schenkt, die Liebe, die man empfängt, und die Liebe, die man teilt (die Liebe in der Gemeinschaft). Eine Liebesbeziehung bringt eine Frucht hervor, die in der geschenkten und empfangenen Liebe ihren Ursprung hat: die Gemeinschaft. Die Abwesenheit dieser Frucht lässt auf die Abwesenheit von Liebe schließen.

Die Postmodernen haben das Konzept des Binarismus (Universal-Lexikon: Beschreibung eines sprachlichen Systems als ein System aus binären Opppositionen) geschaffen, um die Beziehungen zwischen Individuen, Völkern und den Komponenten der Natur zu beschreiben, die sie als Verhältnisse ungerechter und willkürlicher Machtausübung und Herrschaft betrachten; diese wurden im Lauf der Geschichte gesellschaftlich etabliert und haben sich den modernen Institutionen, der Realpolitik, einem kruden „nationalen Interesse“, dem Autoritarismus, dem Machotum (Machismo)17 sowie weiteren Missbräuchen in der menschlichen Geschichte strukturell eingeprägt. Im Namen der Freiheit und der Gleichheit (Werte, die sowohl modern als auch postmodern sind), zielen sie darauf ab, die „binären Relationen“ zu „dekonstruieren“, indem sie die „auf die Identität bezogenen Grenzen“, die diese Beziehungen schaffen, aufheben. „Binäre“ Beziehungen kennen die Liebe aber nicht und stehen faktisch im Zusammenhang mit Besitzergreifung, Nützlichkeit, mit der Suche nach egoistischem Genuss, mit Macht und Dominanz. Doch ist die richtige Antwort auf die Dominanz nicht die Zerstörung dessen, was ist: Sie ist im Gegensatz dazu die Liebe zu dem, was ist.

Zum postmodernen Begriff „Identitätsgrenze“ sollte bemerkt werden: In der Logik der Liebe kann die Identität keine „Grenze“ sein. Identität ist für die Liebe zentral; sie trennt die, die einander lieben, nicht. Im Gegenteil: die unersetzliche Identität der geliebten Person ist für die Person, die liebt, und für die interpersonale Gemeinschaft der beiden, gerade erst der Inhalt der Liebe. Die Antwort auf die Grenzen, die Menschen voneinander trennt, ist die Liebe und die Gemeinschaft. Die Entscheidung für die Verneinung macht hingegen die Liebe unmöglich.

Die Postmodernen, die den „modernen Binarismus“ angreifen, sind in Wirklichkeit, vielleicht ohne es zu merken, selbst Binaristen. Ihr Modell scheint die gleichberechtigte Teilhabe aller zu preisen, dennoch bleiben sie in einem dialektischen Ansatz der Macht stecken. Gender wird dialektisch dem biologischen Geschlecht gegenübergestellt. Der „Konsens“ stellt „diejenigen, die teilhaben“ (die Minderheitenlobbys) „denen, die nicht teilhaben“ (den schweigenden Mehrheiten) gegenüber. Das win-win-Modell lässt wie das win-lose-Modell die Liebe außer Acht und bleibt in der Stringenz des Machtstrebens für sich. So wie die postmodernen Paradigmen von den Ideologen und der Global Governance interpretiert werden, sind sie letztlich alle neo-binaristisch.

Auch wir sind auf unsere Art Gefangene eines binaristischen Jochs geblieben und haben der Liebe die Tür verschlossen, als wir die Person auf die Binome „Vernunft-Wille“, „Animal rationale“ oder „individuelle Substanz rationaler Natur“18 reduzierten und dabei vergaßen, dass jede Person aus Liebe und für die Liebe erschaffen wurde. Dabei wurde die Vernunft anomal groß, auf Kosten des Gewissens und des Herzens. Und wir flüchteten uns in „Theorien“, damit wir uns nicht auf das Leben und die Liebe einlassen mussten; wir wollten andere allein mit der Wahrheit beherrschen, einer Wahrheit ohne Liebe.

Das Heraufziehen einer neuen Zivilisation: von der Gleichheit zur Liebe

Es ist ein entscheidender Schritt, den die Menschheit in einer Zeit zu gehen hat, in der sich eine globale Kultur der Gleichheit etabliert: von einer auf sich selbst bezogenen, säkularen Sicht zu einer Rückkehr zur Person und zur Liebe zu gehen.

Wahre Brüderlichkeit ist kindlich: Sie hat ihren Ursprung in der Liebe des Vaters. Es ist unser Herz, das uns erkennen lässt, dass jede Person Sohn oder Tochter eines liebenden Vaters ist, der der Liebe wert ist. Liebe eint und schafft Gemeinschaft unter Personen, während sie deren Identität und legitime Hierarchien respektiert. Die Liebe ist der Dialektik der binären Relationen von Über- und Unterlegenheit fremd. Liebe ist das, was die Männer und Frauen unserer Zeit – wenn auch oft verschwommen – anstreben.

Dem westlichen Modell der bürgerlichen Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen ist es seit dem 18. Jahrhundert nicht gelungen, die unauflösliche Einheit von Vater, Sohn und Bruder anzuerkennen. Sowohl die Moderne als auch die Postmoderne haben die Vaterschaft als die Quelle der Liebe ignoriert. Die bürgerliche und säkulare Brüderlichkeit und Gleichheit des Westens ist binär, horizontal, kalt, formell und unipolar. Und wenn der „Bruder“ nur ein anderer Bürger ist, dann ist er eigentlich ein Vertragspartner und damit Konkurrent. Eine derartige Auffassung von Brüderlichkeit ist nicht human, sondern eine intellektuelle Abstraktion.

Die universale Gemeinschaft, die zwischen Männern und Frauen bestehen und die freigiebig in den öffentlichen Raum übergehen sollte, heute, in einer Zeit, in der sich die Menschen nach der Zivilisation der Liebe sehnen – sie entspringt der persönlichen und unentgeltlichen Liebe: „Die ‚Stadt des Menschen‘ wird nicht nur durch Beziehungen auf der Grundlage von Rechten und Pflichten gefördert, sondern noch mehr und zuerst durch Verbindungen, die durch Unentgeltlichkeit, Barmherzigkeit und Gemeinsamkeit gekennzeichnet sind.“19

Die Liebe ist immer persönlich und vielgestaltig: Sie ist väterlich, mütterlich, geschwisterlich, kindlich, bräutlich. Und was ist universaler als die dreieine Struktur des menschlichen Herzens (väterlich-kindlich, geschwisterlich und bräutlich)?

(...)

Der Abschied vom Naturalismus, Rationalismus und Intellektualismus: Offensein für das Geheimnis

Der Westen ist von einer unausgewogenen Verherrlichung der Natur (Naturalismus) und Vernunft (Rationalismus), die zur Moderne gehören, zu deren postmodernen Verneinung übergegangen. Die Postmodernen greifen nicht nur den Essentialismus, sondern auch die Metaphysik der Substanz an. Ihr radikales Ziel ist es, das zu dekonstruieren, was ist. Die Gender- Ideologie leugnet das Angeborensein unserer geschlechtlichen Identität, was bis vor kurzem noch in der Zivilisationsgeschichte allgemein als selbstverständlich galt.

Die postmoderne Zurückweisung der Metaphysik verdient unsere Aufmerksamkeit. Diese Entwicklung betrifft die Frage nach der menschlichen und persönlichen Identität, die in unserer Zeit eine entscheidende ist. Die Männer und Frauen unserer Zeit wollen die Schwelle der persönlichen Ordnung, der Liebe und des Lebens überschreiten und sich der Transzendenz der trinitarischen Offenbarung öffnen. In der Tat ist unsere Identität nicht rein natürlich: Sie ist ein Geheimnis und aufgrund ihrer Transzendenz kann unsere Vernunft nicht darüber „verfügen“. Sie ist eine freie Gabe: Unsere Identität ist empfangen und kindlich. Sie ist lebendig und wird von unseren zwischenmenschlichen Beziehungen genährt.

Wir können in der Zurückweisung einer Identität, die nur durch die Biologie festgelegt ist, einen Abscheu des besitzergreifenden und individualistischen modernen Naturalismus erkennen. Der Intellektualismus mit seinen Abstraktionen, seinen starren Theorien, seinen sterilen und kalten Debatten und Vorurteilen, seinem Dogmatismus, seiner Bereitstellung von vorgefertigten Lösungen und seiner Herrschsucht steht im Visier der Postmoderne. Die Schwerpunkte der postmodernen Kultur, wie die „Performanz“ („Sagen und Tun“)20, das „Feiern der Vielfalt“, der Wandel, die Dekonstruktion der „Stereotypen“ (die Abstraktionen sind) und der Übergang von der „Identität zur Existenz“21 sind karikaturartige Hinweise für das Verlangen nach einer Rückkehr in die Realität in ihrer Schlichtheit, einer Rückkehr zum konkreten menschlichen Handeln, zum Leben und seiner schöpferischen Dynamik, zur Liebe. Die dynamische, konkrete und lebendige Liebe ist keine statische und abstrakte „Theorie“. Sie ist auch kein soziales Konstrukt: Sie ist die höchste Wirklichkeit unseres Seins und unserer Existenz.

Es überrascht nicht, dass das Vernunft-Macht-Bündnis der Moderne (der Wille, mit Vernunftargumenten zu überzeugen und zu herrschen) negative Reaktionen hervorgerufen hat, und dass es von nicht-westlichen Kulturen noch nie besonders geschätzt wurde. Das Streben nach einer intellektuellen Entlastung und das „Ende des Intellektualismus“ sind die Zeichen der Zeit. Den schmalen Pfad zwischen dem modernen Rationalismus und dem postmodernen Irrationalismus findet man in der Rückkehr zum Prozess des menschlichen Handelns in seiner Fülle, in der Versöhnung zwischen der Vernunft und dem Einsatz von Herz und Gewissen.


Die Postmodernen „reisen“ außerhalb ihrer selbst. Indem sie ihr Haus, ihre Nation, ihre Identität und ihre Berufung aufgegeben haben, irren sie ziellos umher: Sie befinden sich nicht mehr auf dem Pfad ihrer Bestimmung. Während sie versuchen, „Grenzen zu überschreiten“, sperren sie sich immer mehr in der Immanenz ihres eigenen Willens ein. Ihre Irrfahrten führen sie an den Rand des Schwarzen Lochs, das die größte Anzahl junger Menschen zu verschlingen droht, die die Welt jemals gesehen hat. Wer wird sie mit der allmächtigen, lebens- und lichtspendenden Kraft vertraut machen, die die Fülle des göttlichen Lebens ist?

Zur Quelle zurückzukehren, ins Haus des Vaters zurückzukehren – des lebendigen Gottes, nicht eines begrifflichen, philosophischen und abstrakten Gottes – verlangt von uns eine Entscheidung und das Engagement unserer ganzen Person.


Anmerkungen

1 Siehe hierzu die theologische Anthropologie von Paul L. Peeters in La Liturgie de la Charité. Mame-Desclée, 2011.

2 Hat Maria Montessori nicht festgestellt, dass man bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in den politischen Verträgen und in der Erziehung im Abendland nicht von der Liebe sprach?

3 Postgender: Als Grundlage für die Postgender-Bewegung wird häufig das Cyborg Manifest von Donna Haraway angesehen, in dem die Grenzen zwischen Roboter und Mensch verwischen. Transhumanismus und Queer Theo-rien haben erheblichen Einfluss auf die Postgender Theoriebildung, weitere wichtige Namen sind Judith Butler (lesbisch lebend) und Kate Bornstein (im transgender Lebensstil). Es geht u.a. um die Möglichkeiten nicht eindeutiger Geschlechtsmarkierungen im Cyberspace (gender swapping) und die Auflösung von Grenzen zwischen Mensch / Maschine oder Realität / Virtualität. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Postgender. Anm. DIJG.

4 Posthumanismus: „Eine Philosophie, die sich als nach-menschlich betrachtet und in deren Zentrum die Idee der Unsterblichkeit in der Virtualität steht.“ (Webdefinition). Anm. DIJG.
5 Global Governance: Siehe Fußnote 5 auf S. 39. Anm. DIJG.

6 Wir bemerken darüber hinaus, dass sich diese Intellektuellen im Allgemeinen nur dann mit Ideologien beschäftigen, wenn ihre Auswirkungen gesellschaftlich spürbar geworden sind, bzw., wenn bereits Schaden angerichtet wurde. Da es ihnen an Wissen und Kompetenz fehlt, befassen sie sich mit dem ideologischen Zusammenhang aus einer begrenzten Perspektive heraus. So trifft das Übel auf kein schwerwiegendes Hindernis, schreitet weiter voran und setzt sich durch.

7 Wir stellen jedenfalls fest, dass die Befürworter dieses strategischen Vorgehens niemals deutlich weder das „Körnchen Wahrheit“, das der Irrtum enthält, noch den Inhalt des Irrtums formulieren. Das eine wie das andere bleibt verschwommen und unpräzise, so dass diese Option schon von einem rein pragmatischen Standpunkt aus nicht effizient sein kann.

8 „Wenn es ein Paradox bei der Definition des Bösen gibt: es existiert zwar, jedoch als Mangel (an Sein); es gibt auch ein Paradox beim Ursprung des Bösen: So schrecklich auch seine Verwüstung, ist das Böse doch Mangel (an Sein).“ Journet, Ch., Le Mal. Essay Théologique. Troisième Ed. Editions Saint-Augustin, 1988, S. 75. Oder: „Das Gute wird als etwas Positives bewirkt; es entsteht aus einer wirklich wirksamen Ursache. Das Böse tritt als Abwesenheit des Guten auf; es braucht nicht erklärt zu werden in Bezug auf sein Sein, seine Materie, seine Konsistenz: es hat dies nicht; es entsteht nicht aus einer wirklich wirksamen Ursache.“ (Ebd.)

9 Journet, Ch., Ebd., S. 43.

10 Kein menschliches Wesen, auch nicht die Gender-Ideologen, ist vollkommen korrumpiert.

11 Thomas von Aquin, I, qu. 48, a. I.

12 „Soft-Law“-Dokumente: Die offizielle Bezeichnung für rechtlich nicht verbindliche Absichtserklärungen, Leit-linien, Übereinkünfte. Anm. DIJG.

13 Ebenso sehr bei ihren mächtigen Förderern, den Partnern der Global Governance, wie indirekt bei denjenigen, die unter Druck gesetzt werden, die Normen der Gender-Ideologie umzusetzen, wie auch bei denen, die sie bekämpfen. Früher oder später wird die Menschheit der Abstraktionen und der hohlen und negativen sozio-kulturellen Behauptungen überdrüssig werden.

14 Viktimismus: Haltung oder Einstellung, wonach man sich selbst oder Personen, die man vertritt, immer als Opfer zahlreicher Umstände wie etwa als Opfer von Rassismus, Sexismus, Faschismus, Kapitalismus, Neoliberalismus, Kolonialismus, sowie als Opfer von Sozialstrukturen, sozialen Rollen, Institutionen, Wissenschaften, Erziehung, Sozialisation, Süchten, Krankheiten etc. ansieht. Siehe: www.az-enzyklopadie.info/v/440897_Viktimismus. Anm. DIJG.

15 M. Peeters befindet in ihrem Buch: Das postmoderne Stereotyp ist der Binarismus: Alles ist in zwei sich gegenseitig ausschließende Gegensatzpaare eingeteilt wie etwa Täter-Opfer, oben-unten, Unterdrücker-Unterdrückte, Mann-Frau etc. Anm. DIJG.

16 Ein von Paul L. Peeters in La Liturgie de la Charité geprägter Neologismus, um das trinitarische und zugleich eine Wesen der Liebe, der nach dem Bild Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, erschaffenen menschlichen Person zu charakterisieren.

17 Die Vorherrschaft des Mannes über die Frau ist eine Folge der Erbsünde, wie es der Schöpfungsbericht offenbart. Nach dem Sündenfall sagte Jahwe zur Frau: „Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.“ (Gen 3, 16. Lutherbibel).

18 Die Definition von Boethius, die die Betonung auf die Metaphysik und die Vernunft legt, eignet sich unserer Meinung nach nicht besonders gut, um junge Menschen zu begeistern und ihr Herz zu erobern.

19 Benedikt XVI. Caritas in Veritate, S. 6. Bei seinem Treffen mit den Autoritäten der Lombardei erklärte er am 2. Juni 2012: „Der hl. Ambrosius fordert alle, die in der Regierung und in der öffentlichen Verwaltung tätig sein wollen, auf, sich beliebt zu machen. In seinem Werk De officiis sagt er: ‚Was die Liebe erreicht, kann die Angst niemals erreichen. Nichts ist so nützlich, wie sich beliebt zu machen.‘ (II,29). Andererseits kann der Beweggrund, der Ihre tätige und fleißige Anwesenheit in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens bewegt und anspornt, wiederum nur der Wille sein, sich dem Wohl der Bürger zu widmen, also ein deutlicher Ausdruck und klares Zeichen der Liebe. So wird die Politik zutiefst geadelt und wird zu einer erhabenen Form der Nächstenliebe.“

20 Nach Judith Butler und anderen Vertretern der Gender-Ideologie ist das Geschlecht kein Sein, sondern wird erst durch Handeln, durch „performative Akte“, d.h. durch „Sagen und Tun“, hergestellt. Anm. DIJG.

21 Der Titel eines kürzlich erschienenen Werkes des französischen Psychoanalytikers Daniel Sibony: „De l’identité à l’existence: L’apport du peuple juif“."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/gender-revolution-perspektiven-hoffnung/)




"Fließende Identität?
Ein Blick auf Gender

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

„Angekommen im neuen Jahrtausend geht es nicht mehr um den Dualismus des Geistes von der Natur, von seiner eigenen Leiblichkeit und körperlichen Bedingtheit, sondern dieses Gegensatzpaar ist aufgelöst, der Körper selbst steht zur Disposition. Der postmoderne Verlust der Grenzen zwischen innen und außen, belebt und unbelebt, männlich und weiblich, Geist und Körper kulminiert im Verlust der Grenze zwischen Körperrepräsentation und Körperwirklichkeit. (…) Menschliche Körper fungieren als bloße Kunstobjekte [...], sie bilden lebendige Skulpturen, ein bewegliches Ereignisfeld oder sind überhaupt nur noch ‚undifferenziertes Fleisch’.“1 Wie kommt es zu solchen Thesen?

1. Gender: Genese eines Begriffs aus der leibfernen Philosophie der Neuzeit

In der bisherigen Entwicklung der Feminismen gab es zwei hauptsächliche Richtungen:

1. „Frau muß Mann werden, um Mensch zu sein“, so die Kurzthese des Egalitätsfeminismus (Simone de Beauvoir, 1949 „Le deuxième sexe“),

2. „Frau soll Frau werden, um Mensch zu sein“, so die Kurzthese des Differenzfeminismus vor allem in der Generation nach Beauvoir (Luce Irigaray).

In diesen Richtungsstreit hat sich eine neue Theorie eingeschaltet, die postfeministische Aufhebung von Frausein: Es gebe gar kein biologisches Geschlecht (sex), nur noch ein sozial und kulturell zugeschriebenes Geschlecht (gender). Diese Theorie ist radikal „dekonstruktivistisch“, d. h. sie löst alle gewohnten Sichtweisen über Frau und Mann als ideologisch auf und entwirft eher spielerisch und unverbindlich neue Deutungen.

Was den schon „klassisch“ gewordenen Entwurf von Beauvoir angeht, so ist er durch Regula Giuliani als „der übergangene Leib“ charakterisiert: „Der Leib wird [...] zu einem trägen, der Materie verhafteten Körper, er wird zum bloßen Instrument und Werkzeug, das der Realisierung geistiger Entwürfe besser (mit männlichem Leib) oder weniger gut (mit weiblichem Leib) dienlich ist.“2 (...)


2. Die postfeministische sex-gender-Debatte

(...) Seit den 90er Jahren ist im Rahmen der feministischen Dekonstruktion neu, daß auch Sexualität nicht mehr gegeben, sondern konstruiert sei. Zum erstenmal sind damit auch biologische Vorgaben als nicht definitiv angesehen und dem Rollenspiel unterstellt. Ontologie, auf der die klassische Geschlechteranthropologie fußt, sei selbst nur ein Konstrukt versteckter „phallogozentrischer“ Macht.

2.1 Judith Butler: Geschlecht ist semantisch konstruiert

Als Wortführerin dieser Theorie kann Judith Butler3, Professorin für Rhetorik in Berkeley, gelten. Sie sieht einen Widerspruch in der bisherigen feministischen Argumentation: einerseits sei das Geschlecht ein Ergebnis sozialer Determination (und somit durch kritischen Diskurs auflöslich), andererseits aber biologisch unhintergehbar determiniert (und somit unauflöslich). Der Widerspruch sei jedoch zu beheben: Es gebe überhaupt keinen „natürlichen“ Körper als solchen, der „vor“ der Sprache und Deutung der Kulturen liege. Körperliche Geschlechtsunterschiede seien allesamt sprachlich bearbeitet; radikalisiert bedeute es, daß der Unterschied zwischen sex und gender pure Interpretation sei. Schlicht ausgedrückt: Auch „Biologie“ sei Kultur. Um emanzipatorisch weiterzukommen, sei daher ein subjektives und offen pluralistisches Geschlecht zu „inszenieren“.

Butlers Ansatz ist erkenntnistheoretisch: Alles Wirkliche muß durch Erkennen/Sprechen vermittelt sein, auch der (eigene) Körper. Normativität könne niemals aus der Natur, immer nur aus Kultur stammen; die Rede von Mann und Frau im Blick auf den Körper sei in ihrer verborgenen, durchwegs unbewußten Normativität aufzudecken. Erst der Imperativ der heterosexuellen Norm führe zu einer binären Geschlechtswahrnehmung: Allein diese sei erlaubt und sinnvoll – und werde daher als einzige eingeblendet. Andere geschlechtliche Möglichkeiten gerieten damit von vornherein aus dem Blick. Wenn diese Konstruktion – Geschlecht als Folge einer latenten, nicht begründeten Norm – durchschaut sei, verfalle damit auch die Auffassung von einem „anderen“ Geschlecht.4

(...) Tatsächlich ist die Umformung von Sprache ebenfalls ein politisches Ziel dieser Art von Konstruktivismus.5 Auch Grammatik wird aufgebrochen: In englisch-sprachigen Ländern, vor allem in USA und Australien, wird anstelle von he/she oder her/his tendenziell das „gender-neutrale“ they oder their im Sinne eines Singulars (!) propagiert, auch wenn es grammatisch mißverständlich wird. („This person carries their bag under their arm.“) In Spanien ist es unter der sozialistischen Regierung bereits Gesetz, anstelle von Vater und Mutter in den Geburtsurkunden nur noch „Progenitor A“ und „Progenitor B“ einzutragen, um Geschlechtsangaben zu vermeiden. Daß es damit sprachlich nur noch „Erzeuger“, nicht aber mehr „Gebärende“ gibt, ist offensichtlich gegen eine sperrige Sprache, die noch prämodernen Mustern verhaftet bleibt, in Kauf zu nehmen.

2.2 Verschwinden des Leibes im neutralen Körper

(...)

Die radikal dekonstruktivistische Gender-Theorie steht dem Gedanken einer Gegebenheit des Geschlechts deswegen abweisend gegenüber, weil darin ein rascher Schritt vom Sein zum Sollen vermutet wird. Dieses Tabu wäre aber mittlerweile umgekehrt zu befragen: Statt des „biologistischen Fehlschlusses“ herrscht hier ein „normativistischer Fehlschluß“: Normen werden einfach – je nach Situation, je nach Individuum – als willkürlich gesetzt verstanden und daher aufgehoben, ohne je einen sachlichen Bezug vorauszusetzen. Das Ich kennt keine Fleischwerdung. So gesehen liefert Butler eine erneute Variante der extremen Bewußtseinsphilosophie mit ihrer hartnäckigen Körper-Geist-Spaltung (die eigentlich als „phallogozentrisch“ angegriffen wird). Der Vorwurf maskulinistischer Subjektzentriertheit mit Fixierung des Objekts ist solcherart geradewegs umzudrehen. Butlers Epistemologie schaltet Ontologie einfachhin aus. Von woher der Wunsch zur Überschreibung (genauer: Beschriftung) des Körpers genommen wird, bleibt unklar – gibt es nicht wenigstens vage reale Vorgaben für diesen Wunsch? (...)


2.3 Fließende Identität als Kunstwerk und politischer Hebel

(...)

Ähnlich arbeitet die Romanistin Barbara Vinken die Mode als Feld für „Travestie und Transvestie“ heraus. Natürlich gerät auch das männliche Geschlecht in Konstrukt-Zwänge oder Konstrukt-Freiheiten. So sind die Stereotypen der Männlichkeit bereits durch die Antitypen in Auflösung begriffen oder in der androgyn-multiplen Körperlichkeit der Techno-, Pop- und Cyber-Kultur erschüttert. Der Schritt zu dem bereits um 1900 aufgetauchten Schlagwort vom „Dritten Geschlecht“ liegt nahe. Längst sind auch Schaufensterpuppen im „gender-nauting“, Navigieren zwischen den Geschlechtern, gestaltet; der Typ „Zaldy“ hat hohe männliche Wangenknochen und einen sinnlichen weiblichen Mund.

Die „neue Weiblichkeit“ polarisiert sich nicht mehr gegenüber der „Männlichkeit“, sondern unterläuft den Gegensatz „männlich“ und „weiblich“. Konkret ist gemeint, daß ein Ausschöpfen aller sexuellen Möglichkeiten, insbesondere des Lesbentums, von den bisherigen Konstruktionen freisetzen könne. Die eigentliche Stütze der Geschlechter-Hierarchie sei die „Zwangsheterosexualität“ – ein „bloßer Machtdiskurs“ (Monique Wittig). Auch Transvestismus sowie die Geschlechtsumwandlung, psychisch wie physisch, werden denkbar und sogar wünschbar. Tatsächlich wird Geschlechtsleben „inszeniert“, das Ich trägt die jeweilige geschlechtliche Maske – mit der Konsequenz, daß „diese Maske gar kein Ich verbirgt“9.

Nicht weniger exotisch als die „fließende Identität“ wirkt die postmodern-feministische Folgerung, den Begriff des Körpers, durch den Begriff des „Cyborg“ = „Cyber Organismus“ abzulösen.10 Die amerikanische Feministin Donna Haraway propagiert deswegen eine neue Denkweise, „in der die Begriffe von Körper und Subjekt einer neuen Terminologie weichen, bei der man von ständigen Prozessen ausgeht, in denen Informationsströme und Kodes sich kreuzen und immer neue, vorübergehende Bedeutungen entstehen. Körper und Geist werden nicht mehr als ontologisch begründete Entitäten aufgefaßt.“11 So beschreibt Biologie nicht mehr einen identischen Körper, sondern sei ein Diskurs über den Körper.

(...)

Konkret bedeutet dies eine neue Praxis und Gegennormierung: Homosexualität, möglicherweise sogar inzestuöse Verbindungen (so Butler) werden als politisches Mittel vorgeschlagen, um als Ziel den Staat und die Gesetzgebung zu einer Abschaffung bisheriger Normierungen zu zwingen und die individuelle Wahl variabler Geschlechtsbetätigung außerhalb irgendwelcher Normen zu ermöglichen. Staat und Recht werden in Bezug auf Geschlecht unnötig; Staat wird in Individuen atomisiert, deren Geschlechtsbezeichnung als (vorläufige) Geschlechtsorientierung nicht mehr abgefragt werden darf.12 Umso merkwürdiger ist, daß seit der Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) gender mainstreaming als Mittel der Frauenpolitik grundsätzlich überall durchgesetzt werden soll. Ob es sich dabei um eine Soft-Version handelt?


3. Kritik der radikal dekonstruktivistischen Gender-Theorie

3.1 Abwertung des (weiblichen) Leibes

Im Gesagten zeigen sich erhebliche Aussparungen des Gesamtphänomens „Leib“. Gerade das begrifflich scharfe Lesen der durchwegs komplizierten Autorinnen ist zugleich Ansatz für eine treffende Kritik. Beispiele liefern die Körper-Theorien von Simone de Beauvoir, Judith Butler und Donna Haraway, deren letztlich unterschwellige Widersprüche bei genauer Betrachtung aufscheinen. Bei allen dreien kommt es (ungewollt? jedenfalls unausgesprochen) zu einer Abwertung des weiblichen Leibes, sei es in seiner Vermännlichung (Maskulinisierung) bei Beauvoir, seiner Entwirklichung (Deontologisierung) bei Butler oder seiner entgrenzenden Technisierung (Denaturalisierung) bei Haraway.

Allerdings ist zu beobachten, daß auch innerhalb der feministischen Diskussion die These bloß konstruierter Leiblichkeit nicht einfach geteilt wird. So hat Lyndal Roper entwickelt, der Leib (weiblich oder männlich) sei keineswegs nur diskursiv und sozial erstellt, sondern durch physische Kennzeichen bestimmt.13

3.2 Verlust der Personalität

Sofern Wirklichkeit nur über Rollenspiel – gleichgültig ob dekonstruiertes oder neu konstruiertes –erklärt wird, verlieren sich gültige Aussagen über Identität. Sofern auch der Körper nur Spielplatz beliebig wechselnder Bedeutungen sein soll, bedürfte es jeweils erst der Verhandlungen, in welchem Sprachspiel „der Körper“ zu behandeln sei. Auch wechselnde Eigenschaften bedürfen eines Trägers. Gegenüber dem variablen „Rollenspiel“ und der Auflösung des Ich in ein „Produkt männlicher Aufklärung“ ist der Begriff der Person neu und vertieft ins Auge zu fassen. Er unterfängt die Geschlechtsdifferenzen, ohne sie aufzuheben: durch die gemeinsame Personalität.14

Was die Umwandlung des Geschlechtes (psychisch oder physisch) in ein anderes Geschlecht betrifft, so ist dem entgegen zu halten, daß – abgesehen von organischen Mißbildungen oder Zwitterbildungen – jede Person auch in ihrer „Hälftigkeit“, die das Geschlecht ausmacht, dennoch ein Ganzes ist. Die Person in ihrer geschlechtlichen und sonstigen Differenzierung stellt nicht nur einen schmalen Ausschnitt aus dem Ganzen an möglicher menschlicher Erfahrung vor, sondern in dieser ihrer Begrenztheit ist sie zur Wahrnehmung des Ganzen befähigt. Das ist der Grund, weswegen auch Jungfräulichkeit nicht als Mangel, sondern als Erfüllung gelebt werden kann.

3.3 „Gezeugt und nicht gemacht“

Unabweisbar ist ein weitergehendes Nachdenken über „Wirklichkeit“ als „gegeben“ und nicht bloß „(selbst)gemacht“. Leib als datum muß nicht erst ein factum werden, um annehmbar zu sein. Solche Fragen betreffen bereits die Alltagskultur (siehe die synthetische Kunstfigur Michael Jackson). Ist der „weibliche Eunuch“15 das Modell der Zukunft?

Man könnte auch einwenden, daß die Suppe so heiß nicht gegessen wird: Sind nicht unter dem Stichwort Gender, verstanden als „Geschlechtergerechtigkeit“, heute im politischen Raum viele Maßnahmen für Jungen und Mädchen, Männer und Frauen sinnvoll einzufordern? Das ist richtig. Vielleicht wird der Alltag die beschriebene Ideologie glätten und entschärfen. Auch viele kirchliche Frauenverbände haben gender auf ihrer Agenda. In der Regel ist ihnen dabei der harte Kern des Begriffs nicht bewußt oder sie glauben, ihn einfach praktisch nutzen zu können. Wenn dies – im Gegenzug gegen die Leibferne von gender – gelingt, sollte einen das freuen. Aber dazu bedarf es einer Offensive: mit Hilfe eines christlich gestützten Leibverständnisses. „Ich habe einen Körper, aber ich bin mein Leib“16, lautet ein berühmter Satz von Helmuth Plessner. Die Annahme des eigenen „gegebenen“ Geschlechts und seine „Anverwandlung“ in Leib, Liebe, Leben ist viel dringender als seine virtuelle Veränderung in einem Niemandsland. Anstelle von „fließender Identität“ ist ganz umgekehrt Mannsein, Frausein die „Urgabe“. Nur der wirkliche Leib schließt das Abenteuer der Liebe zum anderen Geschlecht (nicht zur Wiederholung im selben!) und das Abenteuer von Kindern ein.

(...)

4. Welche Lösungen wahrt das Christentum?

(...) Bibel und Kirche, die an dieser Stelle immer seltener befragt werden, „wahren“ jedoch eine „Lösung“ der geschlechtlichen Phänomene. (...) Den neutralisierenden Überformungen des Geschlechts stehen Entwürfe gegenüber, die den Leib – im AT wie im NT – als Träger der Personalität (subjektiv) sehen, und (intersubjektiv) weitergehend als Träger aller Beziehungen, zu Welt, den Menschen, zu Gott. Im AT ist die innere Nähe von Geschlechtsliebe und Gottesbeziehung mit großer Unbefangenheit ausgesprochen, am strahlendsten im Hohenlied, wo die leibliche Liebe der beiden Menschen zueinander auch auf die Liebe des Schöpfers zu seinem Geschöpf gelesen werden kann. Im NT wird die Fleischwerdung Gottes ein Neueinsatz und eine Herausforderung: Wie kann Gott überhaupt einen Leib und ein Geschlecht annehmen? Dies ist entgegen allen Idealisierungen leibloser Göttlichkeit die eigentliche Unterscheidung von allen anderen religiösen Traditionen, sogar vom Judentum. caro cardo – das Fleisch ist der Angelpunkt. Die Inkarnation Gottes setzt das gesamte Leibphänomen in ein neues, unerschöpfliches Licht17 – nicht minder die leibliche Auferstehung zu todlosem Leben. Auch Kirche wird als Leib gesehen, das Verhältnis Christi zur Kirche als bräutliches (Eph 5, 25), und die Ehe wird zum Sakrament: zum Zeichen realer Gegenwart Gottes in den Liebenden. (...) Das Glücken der Geschlechtlichkeit kann daher weder durch das Sakrament noch durch anderen Segen garantiert werden, aber christlich angeben lassen sich die Elemente, unter denen die schwierige Balance gelingen kann: a) den Leib in seinem Geschlecht und b) in der Anlage für das Kind als Vorgabe anzuerkennen. Anders: Im Endlichen zu verbleiben – im Geschlecht sich nicht selbst genug sein können, im Kind zu „sterben“. Das ist kein naiver Naturbegriff mehr, sondern die schöpferische Überführung von Natur in kultivierte, angenommene, endliche Natur. (...) c) Auch der Eros wird in den Bereich des Heiligen gestellt: im Sakrament. Auch Zeugung und Geburt werden in den Bereich des Heiligen gestellt: Sie sind paradiesisch verliehene Gaben (Gen 1, 28). Nie wird nur primitive Natur durch Christentum (und Judentum) verherrlicht: Sie ist vielmehr selbst in den Raum des Göttlichen zu heben, muß heilend bearbeitet werden. Hildegard von Bingen sagt den schönen Satz, Mann und Frau seien „ein Werk durch den anderen“21 (unum opus per alterum). Wie tief solches Werk im Leiblichen verankert ist, zeigt eben das Kind. „Leiblichkeit ist das Ende der Werke Gottes“22, formulierte der Pietist Friedrich Christoph Oetinger. „Fruchtbarkeit ist das Ende der Werke Gottes“, könnte man der Sache nach weiterformulieren, leiblich und geistig verstanden.

(...)

Geschlechtlichkeit ist Grund und Ur-Sprung des von uns nicht Machbaren, der Passion des Menschseins. „Liebe, Schmerz der getrennten Existenz. Zwei Wesen sollen eines sein, doch wenn sie eines wären, würde sich dieses Wesen selber lieben, und welchen schlimmeren Albtraum könnte man sich vorstellen? (...) Narziß verlangt von sich selbst, ein anderer zu werden, um ihn lieben zu können. Der Liebende verlangt von der Geliebten, daß sie er wird.“23 Reich an dieser Zweiheit und arm durch sie – mit ihr begabt, uns selbst aber nicht genügend,24 wie Platon im Symposion zeigte, abhängig von der Zuwendung des anderen, hoffend auf die Lösung durch den anderen, die aus dem Raum des Göttlichen kommt und in ihrer höchsten, fruchtbaren Form dorthin zurückleitet (Gen 1, 27f). Was also im griechischen Denken ein „Fehl“ ist: die mangelnde Einheit, wird im biblischen Denken zum Glück der Zweiheit, die vom einen Ursprung unterfangen wird.

Zu modischer Breite angewachsen ist heute ein ideologisch unterfüttertes Ausweichen vor dem anderen Geschlecht, seiner Zumutung durch Anderssein. Männer flüchten sich zu Männern, Frauen zu Frauen. Homoerotik vermeidet jeweils die Zwei-Einheit aus Gegensatz, sie wünscht Zwei-Einheit aus Gleichem (allerdings nur quasi, weil ein Partner doch die „andere“ Rolle übernimmt). Könnte über alle Morallehren hinweg, die doch wenig greifen, die alte Genesis-Vision heute erneuert werden, daß sich in dem Einlassen auf das fremde Geschlecht eine göttliche Spannung, die Lebendigkeit des Andersseins und die Not(wendigkeit) asymmetrischer Gemeinschaft ausdrückt? Schöpferisches, erlaubtes, leibhaftes Anderssein auf dem Boden gemeinsamer göttlicher Grundausstattung - mit dem Antlitz von Frau oder Mann: Das ist der Vorschlag des Christentums an alle Einebnungen, Dekonstruktionen, Neutralisierungen."


Copyright: copyright by the author

Anmerkungen

1 Philip J. Sampson, Die Repräsentationen des Körpers, in: Kunstforum International, Bd. 132. Die Zukunft des Körpers I, Ruppichteroth 1996, 94-111, hier: 101.

2 Regula Giuliani, Der übergangene Leib, in: Phänomenologische Forschungen NF 2, 1997, 110.

3 Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt 1991.

4 Vgl. Judith Butler, Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Frankfurt 1997.

5 Vgl. Ann Pauwels, Gender Inclusive Language: Gender-Aspekte der Globalisierung der englischen Sprache, Vortrag an der HU Berlin, 16. April 2004.

6 Silvia Stoller/Veronica Vasterling/Linda Fisher (Hg.), Feministische Phänomenologie und Hermeneutik, Würzburg 2005, 91.

7 Vgl. H.-B. Gerl-Falkovitz, Zwischen Somatismus und Leibferne. Zur Kritik der Gender-Forschung, in: IKZ Communio 3 (2001), 225 – 237, wo auch Edith Steins Phänomenologie der Leiblichkeit herangezogen wird.

8 Carole Gürtler, Pickel, Narben, Spitzendeckchen, in: Basler Zeitung, 14.10.1996, 34.

9 Seyla Benhabib, Feminismus und Postmoderne. Ein prekäres Bündnis, in: Seyla Benhabib/Judith Butler/Drucilla Cornell/Nancy Frazer, Der Streit um Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart, Frankfurt 1993, 15.

10 Donna Haraway, Woman, Simian and Cyborgs. The Reinvention of Nature, London 1991.

11 Lieke van der Scheer, „Menschlicher Körper?“ im Werk von Donna Haraway. Referat bei der Robert- Bosch-Stiftung in Stuttgart, 4.-6. Mai 1995, 4ff.

12 Tatsächlich hatte die PDS 2001 in den Deutschen Bundestag den Antrag eingebracht, Geschlechtsbezeichnungen als diskriminierend aus dem Personalausweis zu tilgen.

13 Lyndal Roper, Ödipus und der Teufel. Körper und Psyche in der Frühen Neuzeit, Frankfurt 1995.

14 Vgl. Robert Spaemann, Personen. Versuche über den Unterschied zwischen ‘etwas’ und ‘jemand’, Stuttgart 1996.

15 Germaine Greer, Der weibliche Eunuch, Hamburg 1980.

16 Vgl. Helmuth Plessner, Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einleitung in die philosophische Anthropologie, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. v. G. Dux et al., Bd. IV, Frankfurt am Main 2003.

17 Eine phänomenologische Analyse dazu liefert: Michel Henry, Fleischwerdung, Freiburg 2000.

18 Vgl. H.-B. Gerl-Falkovitz, Eros – Glück – Tod und andere Versuche im christlichen Denken, Gräfelfing 2001.

19 Simone Weil, Cahiers. Aufzeichnungen, München 1993, II, 83.

20 Ebd.

21 Hildegard von Bingen, Heilkunde, hg. v. Heinrich Schipperges, Salzburg 1957, 37.

22 Friedrich Christoph Oetinger, Biblisches und emblematisches Wörterbuch, Heilbronn am Neckar 1776, 407.

23 Simone Weil, Cahiers II, 75.

24 S. Platon, Symposion, 202E–203D.

25 Rainer Maria Rilke, Die dritte Duineser Elegie, in: Rilke, Werke, Frankfurt: Insel 1980, II, 449.

26 Maximus Confessor, All-Eins zu Christus, hg. u. übers. v. E. v. Ivanka, Einsiedeln 1961, 52f."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/fliessende-identitaet-gender/)



"Gender-Theorien am Bundesverfassungsgericht

von Christl R. Vonholdt

Am 1. Februar 2011 tritt Susanne Baer ihr neues Amt als Richterin am Bundesverfassungsgericht an. Die 46jährige bekennend lesbisch lebende Rechtswissenschaftlerin ist Vertreterin der radikalen Gender-Theorien. Seit 2002 ist sie Professorin für öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt Universität in Berlin. Dort lehrt sie Feministische Rechtswissenschaft, zugleich der Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Baer ist Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift Streit.

Von der Gründung 2003 bis 2010 war Baer Direktorin des GenderKompetenzZentrums (GKompZ) an der Humboldt Universität Berlin, das bis zum Sommer 2010 vom Bundesfamilienministerium vollfinanziert wurde. Baer hat die Inhalte und Zielrichtung des GKompZ entscheidend geprägt. Aufgabe des GKompZ war und ist es, das Programm des Gender Mainstreaming, auf das sich die Deutsche Bundesregierung im Jahr 2000 festgelegt hat, politisch und gesellschaftlich in die Praxis umzusetzen. Dabei geht es, so Baer, um „gleichstellungsorientiertes“ Handeln. Ein Blick auf die Arbeit des GKompZ von 2003 bis 2010 zeigt aber: Ausgangspunkt dieser Gleichstellung ist weniger das Geschlecht als vielmehr Gender.

Gender Mainstreaming – als Begriff auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995 gekürt – hat das Ziel, die Gender-Theorien (Gender Studies) in den Mainstream der Gesellschaft zu holen. Auch wenn diese Theorien zahlreiche Facetten haben, etwa die von der Frau als Dauer-Opfer, gehen sie im Kern von zwei nie bewiesenen Voraussetzungen aus: Erstens: Es gibt keine Essenz, keinerlei „gegebene“ Natur des Menschen; alles was existiert, ist nur sozial und kulturell konstruiert. Zweitens: Verschieden ist ungleich und ungleich ist immer ungerecht. Die Gender-Theorien anerkennen keinerlei wesenhafte Unterschiede zwischen Mann und Frau. Wo Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen auftauchen, sind sie nur sozial konstruiert und müssen möglichst früh in der Erziehung bekämpft werden. Da alle Unterschiede auf Ungleichheit und damit auf Unterdrückung vor allem der Frau hindeuten, hat der Staat dafür zu sorgen, dass sämtliche Geschlechtsrollenunterschiede abgeschafft werden. Eine Frau, die auf Karriere verzichtet, weil ihr die Bindung an Familie und Kinder wichtiger ist, hat noch nicht das richtige Bewusstsein. An diesen Zielen orientieren sich EU-Vorgaben, auch der EU-Fahrplan zur Gleichstellung 2006-2010.

Allerdings scheitert die so angestrebte Gleichheit immer wieder am „Geschlecht“, das ja auf die unterschiedliche Leiblichkeit von Mann und Frau hinweist, darauf, dass der Mann zeugen, die Frau aber schwanger sein, gebären und stillen kann. Leiblichkeit weist darauf hin, dass eine Frau-Mann-Beziehung verschieden ist – und eben nicht gleich – von einer Mann-Mann- oder einer Frau-Frau-Beziehung. Jede Betonung von Geschlecht, so die Gender-Theorien, weise auf Ungleichheit hin und arbeite dem „Regime der Heterosexualität“ zu. Die Gender-Theorien verneinen nicht nur jede präkulturell wirksame, sondern überhaupt jede herausgehobene Bedeutung von Geschlecht. Beim GKompZ heißt es: Gender Mainstreaming „bedeutet, gesellschaftlich oder auch juristisch darauf zu achten, dass das Geschlecht eines Menschen deren [sic!] Leben nicht entscheidend prägen darf.“ Nicht mehr Geschlecht zählt, nur noch Gender; und Gender ist „Geschlecht in der Vielfalt seiner sozialen Ausprägungen“. Anders als Geschlecht ist Gender unabhängig von biologischen Vorgaben und beinhaltet, so das GKompZ, „vielfältige Lebenslagen… im Zusammenhang mit… sexueller Orientierung und Lebensweisen“.

Im April 2010 hatten SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gefordert, dass der Gleichheitsartikel, Art. 3 unseres Grundgesetzes, um das Merkmal „sexuelle Identität“ erweitert werden solle. Frau Baer unterstützte die Forderung. Es sei Ausdruck einer „Zweiklassengesellschaft“, so Baer, wenn man homosexuell und bisexuell lebenden Menschen sowie denjenigen, die in Lebensformen jenseits der Zweigeschlechtlichkeit leben, nicht dieselben Rechte „in der Gestaltung ihrer familiären Beziehungen“ geben würde, wie sie bisher der Ehe zwischen Mann und Frau vorbehalten sind.

Von Frau Baer, wie auch von anderen Protagonisten der LSBT-Bewegung (LSBT: lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell/transgender), werden subjektives sexuelles Begehren und gewählte plurale sexuelle Lebensweisen auf derselben Stufe behandelt wie bisher nur das objektive Merkmal des Geschlechts, Frau und Mann. Ebenso werden zahlreiche, bewusst oder unbewusst gewählte Lebensstile jenseits der gegebenen Zweigeschlechtlichkeit – etwa verschiedene Transgender-Lebensstile – wie eigene Geschlechter behandelt. Im Jahr 2006 lud das GKompZ zu einer Tagung zum Thema Transgender mit den Worten ein: „So gesehen ist nicht Trans als Lebensform erklärungsbedürftig, wohl aber das System der Zweigeschlechtlichkeit.“ Die leitende Mitarbeiterin von Baer im GKompZ, Regina Frey, hat es auf den Punkt gebracht: „Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Kategorie ’Gender’… nimmt die… Überwindung von Geschlecht zum produktiven Ausgangspunkt des Handelns. (…) Wo Geschlechterdualität war, soll Geschlechtervielfalt werden.“

Die Gender-Theorien sind eine umfassende Weltsicht. In ihrem Mittelpunkt steht allein das autonome Individuum, dem nichts gegeben und damit auch nichts aufgegeben ist, das vielmehr sich selbst und seine Identität immer wieder frei erfinden und konstruieren muss. Doch eine Gesellschaft setzt sich nicht aus autonomen Individuen zusammen. Wie nichts anderes – und eben deshalb unvergleichbar – wird jede Gesellschaft durch den gegebenen Unterschied von männlich und weiblich gestaltet, denn er ist Voraussetzung für Elternschaft und Kinder. Auch jedes Individuum verdankt sein Leben diesem geschlechtlichen Unterschied. Keine Gesellschaft konstituiert sich auf der Ebene der Individuen, sondern auf der Ebene von Mutter- und Vaterschaft. Erst hier, in Vater- und Mutterschaft erhält der gegebene geschlechtliche Unterschied seine Bedeutung. Nur wer die Dimension zum Kind hin und damit zur Zukunftsfähigkeit jeder Gesellschaft hin ausblendet, kann leichtsinnigerweise den Unterschied von Frau und Mann mit der Vielfalt „vielfältiger… Lebensweisen“ gleichstellen.

Den Gender-Theorien zufolge ist alles, was ist, nur sozial und kulturell konstruiert. Es muss dekonstruiert und immer wieder neu konstruiert werden. Doch nach welchen Kriterien? Gilt das auch für das Recht? Was meint Baer, wenn sie schreibt, dass staatliches Recht ein „Mittel zur Konstruktion von Wirklichkeit“ ist. Gibt es noch eine objektive Norm, wenn es keine „Natur“ des Menschen gibt? Worauf beruht das Recht, wenn es nichts Absolutes mehr gibt? Gibt es dann überhaupt noch eine vor jeglicher Konstruktion dem Menschen gegebene, unantastbare Würde? Woran macht sie sich fest? Wenn nichts gegeben und alles nur konstruiert ist, ist alles der Willkür des Menschen unterworfen. Das Menschliche selbst wird zum Experimentierfeld für den Menschen."

Copyright: DIJG - 21.02.2011
Der Artikel wurde am 01.02.2011 unter der Überschrift Gender in Karlsruhe in Die Tagespost veröffentlicht."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/susanne-baer-bundesverfassungsgericht/)



"Gender Mainstreaming: Ein Programm zur Gestaltung von Zukunftslosigkeit?

Interview mit Christl R. Vonholdt über Definition und Begriff von Gender Mainstreaming
Was versteht man unter „Gender Mainstreaming“?

Gender Mainstreaming (GM) ist ein facettenreicher Begriff. Manche verstehen darunter einfach die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter. Sie meinen, im GM ginge es vor allem darum, bestehende Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen von Frauen oder Männern zu beseitigen. Wenn das so wäre, wäre GM zu begrüßen. GM meint aber im Kern etwas anderes und wenn man dieses andere nicht will, sollte man auf den Begriff GM verzichten.

Worum geht es denn dann bei Gender Mainstreaming?

Der Begriff Gender Mainstreaming hat seinen Ursprung in der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995. Er bedeutet, die Gender-Theorien (GT) in den Mainstream, also in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Die GT aber sind eine ganz bestimmte, sehr radikale Theorie über Geschlecht, über Mann- und Frausein.

In einem ersten Schritt behaupten die GT, dass es keinerlei wesenhafte Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Es dürfe deshalb auch keinerlei Geschlechtsrollenunterschiede geben, weder in der Erwerbsarbeit noch in der Verteilung der Familienarbeit. In einem zweiten Schritt gehen die GT noch weiter: Sie stellen die Kategorien „Mann“ und „Frau“ grundsätzlich in Frage und fordern, der Mensch müsse von der „Zwangskategorie“ Geschlecht befreit werden. Die äußeren Geschlechtsmerkmale des Menschen seien zufällig, und der Mensch könne nur frei sein, wenn er sein Geschlecht selbst wählen kann oder, besser noch, auf die Kategorie „Geschlecht“ ganz verzichtet.

In der Bundesrepublik Deutschland hatte die Partei „PDS“ schon im Jahr 2001 einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach die Kategorien „Mann“ und „Frau“ aus dem Personalausweis und allen amtlichen Dokumenten zu streichen seien, weil das den Menschen in seiner freien Entfaltung einengen würde.
Welche Vorstellungen oder wissenschaftliche Annahmen liegen den Gender Theorien zugrunde?

Die Vertreter der Gender-Theorien behaupten, sämtliche psychischen und Verhaltens-Unterschiede zwischen Mann und Frau und damit auch alle Geschlechtsrollenunterschiede seien nur soziale und kulturelle Konstruktionen. Sie seien von einer ungerechten Gesellschaft, insbesondere von Männern, erfunden worden, um die Frau an Familie und Kinder zu binden und sie so von einflussreichen politischen oder wirtschaftlichen Ämtern fernzuhalten. Die Bindung der Frau an Familie und Kinder, so die Vertreter der GT, bedeute in Wirklichkeit Unterdrückung der Frau. In den GT sind dies Grundannahmen, die nicht hinterfragt werden. Empirisch wurden sie nie geprüft.


Gibt es Studien, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen?

Unabhängige empirische Langzeitstudien, die die Kibbuzim-Entwicklung in Israel untersuchten, haben geprüft, ob diese Theorien der Wirklichkeit standhalten und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie es nicht tun.

In der Kibbuzbewegung war man anfangs davon ausgegangen, dass es Gerechtigkeit in einer Gesellschaft nur geben kann, wenn alle Geschlechtsrollenunterschiede abgeschafft sind. Deswegen wurden in den Kibbuzim die Kinder von Geburt an im Kinderhaus von ausgebildeten Erziehern und Erzieherinnen versorgt. Männer und Frauen teilten sich die Erwerbstätigkeit so auf, dass es in jedem Beruf einen Frauen- und Männeranteil von 50 Prozent gab. Jede Ungleichheit sollte vermieden werden. Die Frauen machten das zunächst mit, doch irgendwann rebellierten sie. Letztlich setzten sie es durch, dass die Kinder wieder zuhause lebten, die Mütter weniger Stunden am Tag arbeiteten als die Männer, um mehr Zeit für Familie und Kinder zu haben, und die Mütter zudem auf Fortbildungen am Abend und damit auf Beförderungen verzichten durften, weil sie bei den Kindern sein wollten. Die Frauen mussten dabei viele Hindernisse überwinden, denn diese Neuerungen kosteten Geld. Aber erstaunlicherweise setzten die Frauen es in der gesamten Kibbuzbewegung durch.

Die Studien kommen zu dem Schluss: Es gibt Geschlechtsrollenunterschiede zwischen Mann und Frau, die nicht gesellschaftlich konstruiert sind, sondern die dem unterschiedlichen Wesen von Mann und Frau entsprechen.

Darf man so eine Erkenntnis eins zu eins in die Arbeitspolitik übertragen? Damit kann man doch die Benachteiligung von Frauen legitimieren und Frauen im öffentlichen Leben marginalisieren.

Das wäre sicher nicht die richtige Schlussfolgerung. Es geht nicht darum, dass man es einer Frau erschweren sollte, ein hohes öffentliches Amt anzustreben oder dass eine Frau dafür nicht geeignet wäre. Man sollte einer Frau auch keine Hindernisse für bestimmte Berufe in den Weg legen, nur weil sie eine Frau ist.
Aber in Ländern, in denen Freiheit herrscht und Frauen und Familien nicht unter finanziellem Druck stehen, möchten viele Frauen in ihrem Leben andere Prioritäten setzen als Männer. Eine amerikanische Studie zeigt: Wenn Frauen eingeredet wird, sie seien nur gleichberechtigt, wenn sie das Gleiche tun wie Männer – und die Frauen sich dann darauf einlassen, obwohl sie andere Wünsche in sich spüren, kann das zu schweren Depressionen führen.

Es geht also darum, Freiheit zuzulassen und gleichzeitig zu berücksichtigen, dass in vielen Fällen Frauen etwas anderes möchten als Männer. Wenn es finanziell möglich ist, möchten viele Frauen, solange die Kinder noch kleiner sind, nur teilzeit erwerbstätig sein, oder verzichten freiwillig auf Karriere, weil ihnen soziale Beziehungen und die Bindung an Familie und Kinder wichtiger sind. Was wir heute brauchen, sind bessere berufliche Wiedereinstiegschancen für Frauen, die nach einer längeren Teilzeit- oder Vollzeit- Kinderpause wieder mehr erwerbstätig sein möchten.

Die Studien der Kibbuzim zeigen: Eine echte Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frau und Mann kann gerade dort gelingen, wo eine Gesellschaft Geschlechtsrollenunterschiede berücksichtigt und Raum dafür lässt.

Was genau soll bei der Verwendung des Begriffes „gender“ betont werden? Reicht es nicht, von Geschlecht, also von „sex“ zu reden?

Im Englischen gibt es zwei Begriffe für „Geschlecht“: „sex“ und „gender“.

Der Begriff sex betont das Biologische am Geschlecht. Außerdem gibt es den Begriff gender, dieser betont das soziale Geschlecht, wie sich Mannsein und Frausein im Alltag zeigen, also auch die männliche und weibliche Geschlechtsrolle. Da der Mensch ein ganzheitliches Wesen ist und Leib und Seele zusammengehören, wurden im Alltagsenglisch sex und gender synonym gebraucht.

In den 1970er Jahren entstanden die Gender-Theorien, die ihren politischen Weg dann über die Weltfrauenkonferenz 1995 im Gender Mainstreaming fortsetzten. Die Vertreter der GT trennten sex und gender und entwickelten die Auffassung, dass die biologischen Gegebenheiten (sex) nur zufällige körperliche Anhängsel ohne Bedeutung seien und dass die soziale Gestalt von Frausein beispielsweise nichts mit der Biologie zu tun habe. Sie taten das, um den Menschen von jeder Geschlechtsrolle und von der Kategorie Geschlecht überhaupt zu „befreien“. Das ist aber nicht möglich. Es ist, als wolle man einem Fisch sagen, er sei frei, sich im Wasser oder auf der Erde oder in der Luft zu entfalten. Diese Freiheit hat der Mensch nicht. Er kann sich nicht selbst nach Belieben neu erfinden. Er kann sein Potential nur entfalten, wenn er das ihm Gegebene, seine Verwurzelung in seiner Leiblichkeit, annimmt.

Was macht die Gender Theorien und Gender Mainstreaming so attraktiv?

Diejenigen, die Gender Mainstreaming auf der Weltfrauenkonferenz durchgesetzt haben, taten es mit dem Ziel, eine politische Strategie zur Durchsetzung der Gender-Theorien zu haben. Da die GT aber so radikal sind, wird versucht, sie politisch nur in kleinen Schritten durchzusetzen. Deshalb meinen einige, bei GM ginge es nur um mehr finanzielle und politische Gleichheit und Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau. Hier liegt die Attraktivität von GM. Auch in unseren westlichen Gesellschaften gibt es Benachteiligungen und zahlreiche Ungerechtigkeiten, sei es, weil jemand eine Frau oder jemand ein Mann ist, in vielen Fällen aber aus ganz anderen Gründen. Diese Ungerechtigkeiten sind wie Wunden, an denen die Menschen leiden. Ihre Sehnsucht nach Gerechtigkeit wird in den GT ausgebeutet, denn sie bieten keine heilende Medizin an, sondern Gift. Denken wir nur an den Studienhinweis mit den Depressionen der Frauen. Auch die Vorstellung, der Mensch müsse sich von seinem Geschlecht befreien, ist Gift, besonders wenn dies Kindern und Jugendlichen vermittelt wird. Sie ist eine Illusion, sie entfremdet den Menschen von sich selbst und verhindert so, dass er sich ganzheitlich mit Leib, Seele und Geist entfalten kann.


Ich werde immer wieder gefragt: Gibt es nicht einen guten Teil von GM, eben die Geschlechtergerechtigkeit, und einen schlechten Teil, die GT. Meine Antwort ist: Wer Geschlechtergerechtigkeit meint, soll auch diesen Begriff verwenden. Der Begriff GM ist durch die Weltfrauenkonferenz und die weitere politische Entwicklung so geprägt, dass er von den GT nicht zu lösen ist.

Was ist denn Geschlecht? Gibt es überhaupt Kriterien für männlich und weiblich?

Die GT und GM behaupten, Geschlecht sei etwas Gemachtes, Konstruiertes. Deshalb könne es willkürlich verändert werden. In Wirklichkeit ist Geschlecht aber etwas Gegebenes, das wir nur annehmen oder uns dagegen auflehnen können. Es steht nicht zu unserer Disposition.

Zu Frau und Mann gehört ihre unterschiedliche Leiblichkeit. Die Geschlechtsmerkmale sind nicht nur bedeutungslose Anhängsel, wie die GT behaupten, sondern haben etwas mit dem Wesen von Frau und Mann zu tun. Das kann hier nur sehr verkürzt dargestellt werden. So steht das männliche Prinzip, denken wir etwa an die männliche Samenzelle, für Bewegung, auf-etwas-gerichtet-sein, für Autonomie und den Willen, sein Leben für ein Ziel hinzugeben. Entsprechend steht das weibliche Prinzip, denken wir etwa an die weibliche Eizelle, für Ruhen, Verbundenheit, Kommunikation und für die Fähigkeit, anderen Raum und seelische Nahrung zum Leben und Wachsen zu geben. Dabei ist allerdings wichtig: Männliches und Weibliches gibt es in jedem Menschen! Männliches und Weibliches sind beim Erwachsenen kein „entweder – oder“, sondern ein „etwas mehr und etwas weniger“. Die Schwerpunkte liegen beim Mann anders als bei der Frau. Jeder Mann muss aber auch seine weiblichen Anteile integrieren und jede Frau ihre männlichen.

Man hört und liest immer wieder von Fällen, in denen eine Person nicht eindeutig Mann oder Frau ist, früher sprach man von Hermaphroditismus, heute von Intersexualität. Die Gender-Theorien gehen deshalb davon aus, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt.

Es gibt nur zwei Geschlechter, die aufeinander angewiesen und verwiesen sind und sich gegenseitig ergänzen. Das ist die Norm. Den verschiedenen Formen von Hermaphroditismus bzw. Intersexualität liegen Krankheiten zugrunde, die in den meisten Fällen die betroffenen Menschen fortpflanzungsunfähig machen. Deshalb ist es eine Krankheit, nicht eine neue Norm, wie die GT meinen, wenn sie vom „dritten oder vierten Geschlecht“ reden. Wenn wir Krankheiten mit Gesundheit verwechseln, verlieren wir jede Orientierung in unserer Gesellschaft.


Können denn die Unterschiede zwischen Mann und Frau ausgelöscht werden? Wenn nicht, greift doch Gender Mainstreaming ohnehin ins Leere. Warum dann noch protestieren?

Wir dürfen nicht vergessen: Der Fokus von Gender Mainstreaming ist die Umerziehung der Kinder und Jugendlichen. Die Wesensunterschiede zwischen Jungen und Mädchen können zwar nicht ausgelöscht, aber schwer beschädigt werden. Die GT brandmarken wesensmäßige Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen als „Stereotype“ und wollen sie mit Nachdruck abschaffen. Kinder und Jugendliche können dadurch in ihrer geschlechtlichen Identitätsentwicklung erheblich verunsichert werden und das kann ihre Beziehungsfähigkeit lebenslang beeinträchtigen.

In vielen Gesellschaften kann der Mensch heute schon seine Identität im Bereich von Sexualität und Geschlecht wählen. Welche Folgen hat das?

Ja, in vielen westlichen Gesellschaften kann der Mensch seine sexuelle und geschlechtliche Identität (sexuelle Identität: homosexuell, bisexuell; geschlechtliche Identität: transgender, transsexuell) selbst bestimmen. Doch hat das Auswirkungen auf die nächste Generation, insbesondere dann, wenn diese neuen Identitäten der Ehe gleichgestellt und Kindern und Jugendlichen als Vorbild vor Augen gestellt werden.
Was bedeutet es für Kinder, wenn nach den Ferien ihre Lehrerin plötzlich als „Lehrer“ und mit einem männlichen Namen auftaucht? Was bedeutet es, wenn – wie in den USA geschehen – alle Kindergartenkinder an der „Ehe“-Zeremonie eines lesbischen Paares teilnehmen sollen? Keine dieser Lebensformen ist ja angeboren! Angeboren sind nur unsere Geschlechtsmerkmale!

Da die Gender-Theorien Geschlecht als bedeutungslose Kategorie ablehnen, lehnen sie auch die Ehe zwischen Mann und Frau als Norm ab. Die Ehe beruht ja gerade auf dem geschlechtlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Die GT lehnen deshalb auch Heterosexualität als Norm ab, ihre Vertreter wollen gleiche Rechte für homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle und transgender Lebensformen durchsetzen.


Wenn in den Kindergärten und Schulen aber vermittelt wird, Geschlecht sei bedeutungslos, die Ehe sei nicht mehr als jede andere sexuelle Lebensform und jeder könne seine geschlechtliche Identität jederzeit wechseln, hat das unübersehbare, zerstörerische Folgen. Jugendliche lernen nicht mehr, ihre Geschlechtsmerkmale, die ja auf die Ergänzung von Mann und Frau verweisen, positiv in ihr Leben zu integrieren. Sie werden daran gehindert, sich als Frau oder Mann anzunehmen. Sie lernen nicht mehr, dass Ehe eine kulturelle Leistung ist, die erst entwickelt werden muss und dass es sich lohnt, sich dafür anzustrengen. Sie werden daran gehindert, all die schmerzlichen, aber notwendigen Lektionen zu lernen, die es ihnen ermöglichen, eine Ehe einzugehen und so an der Zukunft ihrer Gesellschaft mitzubauen. Erwachsene Männer und Frauen, die sich für die ihnen entsprechenden Geschlechterrollen nicht mehr verantwortlich fühlen, bringen Verwirrung für viele kommende Generationen. Heterosexualität und Ehebindung sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit jeder Gesellschaft – gerade das blenden die GT aus.

Das von Ihnen geleitete Institut exponiert sich immer wieder mit Publikationen zu Fragen der Sexualethik und stößt auf harsche Kritik bis hin zu Anfeindung und Verleumdung. Lohnt es überhaupt, diese Debatten zu führen?

Ich setze mich insbesondere für die Rechte und Bedürfnisse der Kinder ein. Die Gender-Theorien und Gender Mainstreaming wollen eine Gleichstellung aller sexuellen Lebensformen und eine freie Wahl des Geschlechts für jeden. Das wirkt sich zerstörerisch auf die Lebensgrundlagen der nächsten Generation aus. Kinder brauchen nicht einfach „zwei Erwachsene”. Sie brauchen Vater und Mutter, die beide die Gaben und Grenzen ihrer männlichen und weiblichen Identität aus einer inneren Sicherheit heraus leben können und den Kindern so auch die notwendige Sicherheit geben können. Erwachsene, die davon ausgehen, dass sie ihre Geschlechtsidentität oder sogar ihr Geschlecht jederzeit ändern können, können diese Sicherheit nicht geben. In Deutschland gibt es schon traurige Beispiele dafür, dass Kinder miterleben mussten, wie aus ihrem Vater auf einmal eine „Frau” wird. Die Umsetzung der Gender-Theorien im Gender Mainstreming ist zukunftszerstörend.

Männer und Frauen ergänzen und befruchten einander nicht nur leiblich, sondern auch seelisch und geistig in einer tiefen Weise, wie es Männer unter sich oder Frauen unter sich nicht können. Wir müssen in unserer Kultur wieder neu lernen, echte Männlichkeit und echte Weiblichkeit als Stärken zu entwickeln, zu achten und gegenseitig zu schätzen. Nur so haben wir Zukunft.

Copyright: Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft, Juli 2010"

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/begriff-definition/)


"Die Gender Agenda
Teil I

Eine Zusammenfassung aus dem Buch „The Gender Agenda“ von Dale O’Leary

von Christl R. Vonholdt

Wenn man heute etwas zum Thema Gender Mainstreaming liest, wird man in zahlreichen Texten darauf hingewiesen, dass „Gender Mainstreaming“ seinen Anfang auf der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking nahm. In der offiziellen Abschlussresolution, der „Pekinger Aktionsplattform“, wurde der Begriff eingeführt. „Mainstreaming a Gender Perspective“ heißt es dort, kurz: Gender Mainstreaming. Von Peking aus gelangte es in die ganze Welt, vor allem in die westlichen Staaten.

In Teil I geht es um den historischen Hintergrund. Was geschah im Vorfeld der Weltfrauenkonferenz? Dale O’Leary belegt, wie die Gender-Perspektive den UN-Delegierten der ärmeren Länder aufgezwungen wurde und wie eine fertige Strategie einer Ideologie den Sieg bescherte – letztlich ein Sieg über Besonnenheit, Respekt vor Kulturen und einer an der Realität orientierten Vernunft.

Einleitung

Still und leise hat sich das Wort Gender in unsere Welt eingeschlichen. Früher sprach man vom Geschlecht [Englisch: „sex“], heute geht es um „gender“. In Antragsformularen wurde früher nach dem Geschlecht gefragt, heute fragt man nach Gender. Früher beklagte man die Diskriminierung der Frau, heute die Diskriminierung aufgrund von Gender. Ist Gender also nur ein anderes Wort für Geschlecht und meint „Mann und Frau“? Längst nicht mehr. Spätestens seit der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 hat Gender weltweit eine neue Bedeutung erhalten. Gender meint „sozial konstruierte und veränderbare (Geschlechter)-Rollen“ – und zwar frei von biologischen Anbindungen. Gender ist Teil einer neuen radikalfeministischen Ideologie, ihr Name ist Gender-Perspektive.

Eines der Ziele der Gender Agenda ist es, fünfzig Prozent aller Arbeitsplätze in allen Berufssparten weltweit mit Frauen zu besetzen, notfalls zwangsweise.

Die Clinton-Administration [1995], Kanada, die EU-Staaten und die UN-Behörden arbeiten intensiv daran, die Gender-Perspektive umzusetzen. Sie soll „in den Mainstream“ gebracht werden. Doch über das, was die Gender-Perspektive will, gibt es keine offene Diskussion. Sie kommt nicht als großes Schiff daher, obwohl sie doch in allen politischen und öffentlichen Programmen verankert werden soll, sondern wie ein U-Boot, das keiner genau kennen soll. Die Strategie der neuen Ideologie heißt: Die Bedeutung von Worten verändern.


Was auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking geschah, ist wichtig. Nicht, weil die Vereinten Nationen ihre Auffassung den USA aufzwingen könnten; die UN kann ihre Auffassung nur armen Ländern aufzwingen, die auf Finanzhilfe angewiesen sind. Aber die UN hat das Ansehen und die Mittel, ihre Agenda weltweit in die Köpfe und Herzen der Menschen zu tragen: in die Politik, Schulen und Medien. Und die Agenda der UN-Behörden heißt Gender-Perspektive. In der „Pekinger Aktionsplattform“, der offiziellen Abschluss-Resolution der Weltfrauenkonferenz, fand sie ihren heutigen Namen: „mainstreaming a gender perspective“ („die Gender-Perspektive in den Mainstream bringen“), im deutschen: Gender Mainstreaming.

Die Befürworter der Gender-Perspektive wollen Gender zum Leitprinzip machen, nach dem die Welt regiert wird. Hinter der Gender-Perspektive steht aber keine Grassroot-Bewegung, die Idee geht vielmehr von einer kleinen Minderheit von Frauen und Männern aus, die bereits in Machtzentren sitzen und ihre Position nutzen, um die Gender Agenda anderen aufzuzwingen. Man sollte besser von einem Gender Establishment sprechen. Die UN ist fest in den Händen des Gender Establishments.

Die UN

Das Konsens-Prinzip

Etwa 70 Prozent der UN-Arbeit geht in die Vorbereitung und Durchführung von Konferenzen. Zu Frauenfragen gab es bisher vier internationale Konferenzen, zuletzt die in Peking. Ziel der Konferenzen ist jeweils eine Resolution – in Peking war es die „Pekinger Aktionsplattform“. Diese haben zwar keinen bindenden Charakter, aber eine moralische Autorität. Sie sollen die „Überzeugung der ganzen Welt“ zu wichtigen Themen bündeln. Seit ihrem Bestehen hat die UN deshalb darauf geachtet, dass Resolutionen nicht mit Mehrheit gegen Minderheit, sondern im Konsens mit allen Mitgliedstaaten verabschiedet werden.

Technisch geschieht das so: Vor jeder Hauptkonferenz gibt es in verschiedenen Ländern Vor-Konferenzen, auf denen das anstehende Thema behandelt wird. Aufgrund der Vorkonferenzen erstellt das UN-Personal einen Resolutionsentwurf. Auf der letzten Vorkonferenz, der „PrepCom“ (Preparatory Committee), die immer in New York stattfindet, wird der aktuelle Resolutionsentwurf noch einmal ausführlich von allen UN-Delegierten diskutiert. Alle Teile des Entwurfs, über die keine Einigkeit erzielt werden kann, müssen in eckige Klammern gesetzt werden. Auf der Hauptkonferenz kann nur noch über die Textstellen in eckigen Klammern diskutiert werden.

Ziel der PrepCom in New York ist es, so viel Einmütigkeit wie möglich zu erzielen. Auf der öffentlichen Hauptkonferenz sollen nur noch Details debattiert werden. Dort will man der Weltöffentlichkeit ein positives Bild zeigen: Wir, die Vereinten Nationen, sind uns einig über die und die Welt-Probleme und wie sie gelöst werden können.

Aufgrund des Konsens-Prinzips war es in der Vergangenheit so, dass eine Resolution erst nach langen Debatten zustande kam. Die Vereinten Nationen waren ja gegründet worden, um auch kleinen und armen Staaten eine Stimme zu geben.

Wenn auch auf der Hauptkonferenz über bestimmte Punkte kein Konsens erzielt werden kann, kann ein Land „Vorbehalt“ anmelden; in der Vergangenheit wurden dann diese Textstellen aus der Resolution gestrichen.

Seit der Weltklimakonferenz in Rio de Janeiro 1992 wird das Konsens-Prinzip mehr und mehr in Frage gestellt. Die bestimmenden Kräfte in der UN setzen immer häufiger ihre eigenen Ziele durch. So forderte die Vorsitzende der Konferenz in Rio, die norwegische Ministerpräsidentin Gro Haarlem Bruntdland, dass das Konsens-Prinzip fallengelassen werden solle. Die langsameren Länder würden nur den Fortschritt derjenigen behindern, die schneller vorangehen wollten. Frau Bruntdland war damals verärgert, weil in der Abschlussresolution das Recht auf Abtreibung nicht vorkam.

Auf der Weltfrauenkonferenz in Peking wurde das Prinzip der Einstimmigkeit – zwar nicht offiziell, aber doch in der Realität – eindeutig verlassen. Die Tonangebenden in der UN, d.h. die Vertreter der westlichen Nationen, die UN-Angestellten und die von der UN akkreditierten, einflussreichen NGOs (non-governmental organisations, Nichtregierungsorganisationen) setzten ihre Agenda durch.

Die Nichtregierungs-Organisationen

Um fachliche Beratung zu erhalten, hat die UN seit langem bestimmte „Nichtregierungsorganisationen“ (NGOs) akkreditiert. Sie haben einen offiziellen Beraterstatus. Sie sollen Basisbewegungen oder karitative Einrichtungen repräsentieren. Doch die heute akkreditierten NGOs sind machtvolle Organisationen, die ihre eigenen Ziele in der UN durchsetzen können. Ihr Einfluss innerhalb der UN hat erheblich zugenommen; zahlenmäßig übertreffen die Lobbyisten die UN-Angestellten. Während internationaler Konferenzen können sie in extra dafür eingerichteten Foren und Workshops ihre Lobbyarbeit tun. In speziellen Ausschüssen können sie Kritik an Resolutionsentwürfen und Änderungsvorschläge einbringen. Viele der NGOs haben ständige, bezahlte Lobbyisten in New York. Zu nennen sind besonders die Organisationen zur Weltbevölkerungskontrolle (z.B. IPPF) und die Frauenorganisation WEDO, die eng miteinander zusammenarbeiten.


WEDO

Die Frauenorganisation WEDO (Women’s Environment and Development Organisation) trat zum ersten Mal 1992 auf dem Weltklimagipfel in Rio auf (daher ihr Name). Es gelang ihr dort, den Fokus der Konferenz auf ihr eigenes Thema zu lenken: Mehr Macht den Frauen und das Recht auf Abtreibung. Seitdem schaffte es WEDO, auf jeder Konferenz ihre eigene Agenda einzubringen und aus jeder Frage eine Frauenfrage zu machen. Ohne Übertreibung kann man WEDO als eine „Schatten-UN“ bezeichnen. WEDO veranlasste, dass die UN bestimmte Ausschüsse („Caucus“) gründete, in denen die NGOs ihre Lobbyarbeit direkt ausüben können. Der wichtigste Ausschuss der UN ist der Frauenausschuss („Women’s Caucus“). Er soll die Interessen aller Frauen vertreten; in der Realität ist er fest in den Händen von WEDO. Auch eine Anzahl anderer Ausschüsse wird von WEDO dominiert. Bella Abzug, die Mitgründerin und Leiterin von WEDO [bis 1998], wird von den UN-Angestellten bevorzugt behandelt. So hat sie in der Regel Rederecht auf den UN-Pressekonferenzen. Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo hörte man sie sagen, sie habe die „Pekinger Aktionsplattform“ geschrieben.
Im Dezember 1994 hielt WEDO in Vorbereitung auf die Weltfrauenkonferenz eine eigene Tagung in New York ab. Ziel war es, Lobby-Strategien auszuarbeiten, wie zukünftige UN-Konferenzen stärker durch WEDO beeinflusst und die Politik konservativer Nationen geschickter attackiert werden könnte.
10 Prozent der Teilnehmer waren UN Angestellte! Das allein schon wirft schwerwiegende Loyalitäts-Fragen auf. Die UN-Angestellten sind nicht dazu da, die Ziele der NGOs umzusetzen, sondern den gewählten Delegierten der Mitgliedstaaten bei deren Anliegen hilfreich zur Seite zu stehen. Doch offensichtlich fühlen sich viele UN-Angestellte mehr den Zielen feministisch-ideologischer NGOs verpflichtet als den Interessen der Mitgliedstaaten. Immer wieder bleibt deshalb die Frage im Raum, wem der bürokratische Apparat der UN eigentlich Rechenschaft gibt.
Der Abschlussbericht der WEDO-Konferenz nennt eines der Ziele von WEDO: „Beobachten von und opponieren gegen internationale Anti-Abtreibungs- und andere fundamentalistische Bewegungen…“1
Zu den Teilnehmern der WEDO-Konferenz, die zugleich UN-Angestellte waren, gehörten Gertrude Mongella und Kristen Timothy.
Gertrude Mongella, eine Funktionärin aus Tansania mit langjährigen Kontakten zu WEDO, wurde Generalsekretärin der Pekinger Konferenz. Kurz nach der WEDO-Konferenz trat sie in einem Video auf, in dem den großen Religionen, besonders dem Christentum, eine Anti-Frauen-Haltung vorgeworfen und die Aussage gemacht wird, dass der Platz für Frauen „unter Hitler Kinder, Küche, Kirche“2 war.
Kirsten Timothy war für die Akkreditierung von NGOs in der UN verantwortlich. Unter ihrer Leitung erhielten viele Familien- und Lebensschutzgruppen, auch solche, die an früheren UN-Konferenzen teilgenommen hatten, zunächst keine Akkreditierung für die Konferenz in Peking.

Die PrepCom in New York

Die Medien konzentrieren sich auf die UN-Hauptkonferenzen. Doch die eigentliche Arbeit wird auf den Vorkonferenzen geleistet. Für die 4. Weltfrauenkonferenz fand die PrepCom in New York im März 1995 statt. Die UN-Delegierten trafen sich für vier Wochen, um den Resolutionsentwurf zu diskutieren.
Die Familienbefürworter

Bei der Auseinandersetzung um die Gender-Perspektive geht es um einen ideologischen Konflikt. Da ist es wichtig, die Seiten im Konflikt auch mit Namen zu nennen. Auf der einen Seite stehen die Befürworter des Gender Mainstreaming, wir haben schon WEDO, Mongella u.a. genannt. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die ich [Dale O’Leary] als „Familienbefürworter“ bezeichne.

Mit „Familienbefürworter“ meine ich jene Menschen, die sich für den besonderen Schutz der Ehe als einer Mann-Frau-Beziehung und der daraus folgenden Familie einsetzen.

Zwar reden auch die Anhänger der Gender-Perspektive von Familie und sind „für die Familie“, aber sie definieren „Familie“ völlig neu. Sie haben eine Abneigung gegen Worte wie Mutter, Vater und statt von Ehefrau und Ehemann sprechen sie von Partnern. Über die traditionelle Ehe und Familie und über Vollzeit-Mutterschaft haben sie hauptsächlich Negatives zu sagen.

Die Familienbefürworter verbindet am ehesten folgende Definition von Ehe und Familie:

„Die ’Familie’ kann zu allen Zeiten und überall so definiert werden: Ein Mann und eine Frau, durch einen gesellschaftlich anerkannten Bund der Ehe miteinander verbunden, wodurch Sexualität reguliert wird, worin Kinder geboren, aufgezogen und geschützt werden, beide Partner füreinander sorgen und einander schützen; die Ehe führt zur Institution einer kleinen häuslichen Ökonomie und hält die Kontinuität zwischen den vorangegangenen und nachfolgenden Generationen aufrecht. Aus diesen auf Gegenseitigkeit beruhenden, natürlich entstehenden Familienbeziehungen erwachsen größere Gemeinschaften wie Stämme, Dörfer, Völker und Nationen.“3

Viele UN-Delegierte aus den ärmeren Ländern waren Familienbefürworter.

Die Familienkoalition

Neben den einflussreichen Lobbygruppen wie WEDO oder IPPF4 gab es auch verschiedene Vertreter akkreditierter NGOs, die sich für den Schutz von Ehe und Familie einsetzen. Sie zählen ebenfalls zu den Familienbefürwortern. Viele von ihnen hatten sich bereits auf der Weltbevölkerungstagung in Kairo 1994 kennengelernt. Auf der PrepCom in New York taten sie sich zusammen und operierten gemeinsam unter dem Namen „Koalition für Frauen und die Familie“ (Coalition for Women and the Family), im folgenden „Familienkoalition“ genannt. Ihre Lobbyarbeit organisierten sie von den Fluren aus, hinter denen die Delegierten konferierten. Auf aktuelle Debatten reagierten sie mit kleinen, schnell hergestellten, bunten Flyern, in denen sie ihre Standpunkte vertraten und den Delegierten alternative Vorschläge für anstehende Resolutionsabschnitte machten.

Die Taktik mit den bunten Flyern war so erfolgreich, dass die UN-Angestellten immer neue Regeln erfanden, um die Verbreitung der Flyer einzuschränken oder in anderer Weise die Aktivitäten der Familienkoalition zu beschränken.

WEDO beschwerte sich offen über die Familienkoalition. Diese seien „Fundamentalisten“, die die PrepCom sabotieren wollten. Sie wollten die Frauen zu Hause halten und hätten das Ziel, dass die Frauen den Männern untertan sein sollten. Das waren absurde Vorwürfe, denn die Frauen der Familienkoalition waren ja da, mitten auf der Tagung. Sie arbeiteten gemeinsam mit den Männern als gleichberechtigte Partner – ohne Machtkampf, ohne Quoten und ohne Dominanz oder Unterordnung. Diese Frauen waren lebendige Beispiele dafür, dass die Familienbefürworter sich für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und für die aktive Teilnahme von Frauen in Öffentlichkeit und Politik einsetzen.

Während die Mitglieder der Familienkoalition häufig keine Erlaubnis erhielten, bei den offiziellen Sitzungen im Saal dabei zu sein, saß die Präsidentin von WEDO immer am Platz einer fehlenden Delegierten. Sie wurde bevorzugt und beklagte sich dennoch ständig, dass WEDO nicht genügend Einfluss hätte.


„Fundamentalismus“

Eine von NGOs auf der PrepCom veranstaltete Podiumsdiskussion hatte den Titel „Gegen-Attacke: Frauen wehrt euch gegen Fundamentalismus“. Wieder nahmen an dem Treffen viele UN-Angestellte teil. Sprecher der Podiumsdiskussion bezeichneten nicht nur jeden religiösen Menschen als „Fundamentalisten“, sondern vor allem jeden, der von der Komplementarität von Mann und Frau überzeugt ist, und ebenso jeden, der Mutterschaft als eine besondere Berufung der Frau unterstützt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand eines der zentralen Ziele der Gender Agenda, nämlich wie man statistische Gleichheit zwischen Frau und Mann, d.h. letztlich ihre Auswechselbarkeit, möglichst bald herstellen könne. Konkret ging es um die Forderung nach der Quotenregelung von 50 Prozent Frauen / 50 Prozent Männer für alle öffentlichen und privaten Arbeitsstellen.


Angriff auf die Familie

Einige Familien-Organisationen hatten unerklärlicherweise keine Akkreditierung für die PrepCom in New York erhalten. Die UN gab dazu ein Statement heraus: Da so viele Organisationen eine Akkreditierung beantragt hätten, könnten nur diejenigen berücksichtigt werden, deren Arbeit für die Themen der Weltfrauenkonferenz relevant sei. Merkwürdigerweise erhielten drei der größten und wichtigsten Organisationen (Concerned Women for America, Eagle Forum, Catholic Campaign) keine Akkreditierung. Einer winzigen Organisation ohne Mitglieder dagegen, der „Catholics for a Free Choice“ (CFFC), wurde die Akkreditierung gewährt. Die Leiterin von CFFC, Frances Kissling, verteilte auf der PrepCom ein Papier, deren Mitautorin sie war. Darin wurde eine „feministische Anthropologie“, basierend „auf einer radikalen Gleichheit von Frauen und Männern“ gefordert und eine Gesellschaft, in der „die Community, nicht die Familie der programmatische Fokus“ sein müsse. Die Co-Autorin des Papiers, Mary Hunt, war bekannt geworden durch einen Text, in dem vorgeschlagen wird, das Wort „Familie“ durch „Freundschaft“ zu ersetzen:

„Stellen Sie sich vor, Sex unter Freunden wäre die Norm. Stellen Sie sich vor, genitale Interaktionen würden danach beurteilt, ob und inwieweit sie Freundschaft und Vergnügen fördern. (...) Vergnügen ist unser Geburtsrecht, dessen uns ein religiöses Patriarchat beraubt hat. (...) In meiner Vorstellung sehe ich Freunde, keine Familien, die in vollen Zügen das Vergnügen genießen, das uns zusteht, weil unsere Körper heilig sind.“5

Solche Texte sind keine Einzelbeispiele. Sie geben nur ungeschminkt wider, was die Gender-Perspektive im Kern besagt: Die Mann-Frau-Ehe und die daraus folgende Familie seien Ursprung und Urtypus aller Unterdrückung der Frau. Befreiung könne es nur geben, wenn die Frau von der Last der Familie und der Kinderpflege befreit sei. Und Befreiung setze zudem voraus, dass Frau und Mann von der Last der Komplementarität, d.h. der Last der „Zwangsheterosexualität“, ja letztlich von allen Schranken bezüglich sexueller Verhaltensweisen befreit seien. [Siehe hierzu Teil II, Anm. d. Hg.]


Die Würde des Menschen

Es gab auf der Tagung auch Diskussionen über den Begriff der Würde. Die Familienbefürworter waren perplex über den Widerspruch, den es von feministischer Seite aus gegen diesen Begriff gab, der doch in der UNO-Menschenrechtserklärung steht. Offensichtlich fürchteten – aus einem übertriebenen Dogmatismus heraus – die Gender Feministen eine Interpretation des Wortes dahingehend, dass es auf eine übergeordnete Macht verweisen könnte, die dem Menschen seine Würde verleiht. So widersetzten sie sich jeglicher Bezugnahme auf die Würde von Frauen.



Sprachverwirrung

Zunächst sah es so aus, als ob der Resolutionstext für die „Pekinger Aktionsplattform“ vor allem sich wiederholende Allgemeinplätze und artige, harmlos erscheinende Richtigkeiten enthalte.

Den Familienbefürwortern machte jedoch Sorge, was fehlte: An keiner Stelle ging der Entwurf auf die legitimen Bedürfnisse von Frauen ein, die zuhause in der Familie arbeiteten. Der Entwurf enthielt kein einziges positives Statement zur Ehe, zum Familienleben, zur Mutterschaft, zu Elternrechten oder zur Religion. (Im endgültigen Resolutionstext wurde das auf Druck der USA geringfügig geändert.)

Die Übersetzungen ins Spanische und Französische verschleierten die Anti-Familiensprache des Originaltextes und erschwerten somit die internationale Zusammenarbeit der Familienbefürworter. Doch nach Verabschiedung des endgültigen Resolutionstexts würde nur noch der englische Text gelten.

Einigen Delegierten war der ideologische Inhalt bestimmter englischer Begriffe nicht bekannt und auch nicht immer in den Wörterbüchern zu finden. So meinte eine Exil-Tibetanerin, bei dem Begriff „reproduktive Rechte“ (reproductive rights) ginge es um das Recht auf Kinder; sie wusste nicht, dass damit das Recht auf „medizinisch sichere“, d.h. legale Abtreibung gemeint ist.

Verwirrung um Gender

Anfangs konzentrierten sich die Vertreter der Familienkoalition auf die Textpassagen zu den „sexuellen Rechten“ (u.a. das Recht auf Prostitution) und den „reproduktiven Rechten“ (u.a. das Recht auf Abtreibung). Diese „Rechte“ sollen laut Resolutionstext jedem Einzelnen zustehen.

Selbst die international renommierte medizinische Zeitschrift „The Lancet“ kritisierte den Resolutionstext in diesem Punkt scharf. Sie schrieb, die Agenda der UN sei fast identisch mit der Agenda der IPPF (International Planned Parenthood Federation), deren einziges Ziel es sei, das Recht der Frau auf Kontrolle der Reproduktion, insbesondere das Recht auf Abtreibung, festzuschreiben. Die „Pekinger Aktionsplattform“, so Lancet, sähe alles nur durch die außerordentlich kurzsichtige Brille der „Fertilitätskontrolle“: „Der neue Kolonialismus… ist eine gefährliche Strategie. Er stellt westliche Utopien vor lokalen Pragmatismus.“6

Doch bald wurde klar: Das zentrale Wort des Resolutionstexts war Gender. In fast jedem Abschnitt kam der Begriff vor: Gender-Perspektive, Gender Analyse, Gender Sensitivitätstraining, Gender Aspekte, Gender Fragen usw. In einem Text für eine Weltfrauenkonferenz kam Gender mehr als 200 Mal, das Wort Mutter seltener als zehn Mal vor.

Hier wurde die Sprachverwirrung perfekt, denn kaum jemand wusste anfangs genau, was mit Gender gemeint war.


Delegierte aus der Dritten Welt schlugen wieder in den Wörterbüchern nach. Dort fanden sie unter „gender“ nur die beiden klassischen Definitionen: 1. grammatikalisches Geschlecht, männlich, weiblich, sächlich; 2. ein anderes Wort für „zwei Geschlechter [sex]“, gleichbedeutend mit „Mann und Frau“.

Die Familienbefürworter waren der Auffassung, dass Gender zwar „soziales Geschlecht“ bedeute, dass dieser Begriff jedoch eine klare und feste Anbindung an den Begriff „biologisches Geschlecht („sex“) haben müsse. Gender als „soziales Geschlecht“ sei zwar nicht identisch mit dem „biologischen Geschlecht“ („sex“), denn Gender sei das Ergebnis von Biologie und Kultur, jedoch gäbe es eine große Überlappung zwischen beiden Begriffen, sie seien nicht voneinander abzukoppeln.

Genau diese Abkopplung ist aber der theoretische Ansatz der Gender-Perspektive.

In den 1970er und 80er Jahren hatten radikalfeministische Theoretiker (Frauen und Männer) dem Gender-Begriff eine neue Bedeutung gegeben. Danach hat Gender keine Anbindung mehr an das biologische Geschlecht („sex“), sondern ist frei von biologischen Vorgaben, nur „sozial konstruiert“. Gender ist deshalb jederzeit frei wählbar und veränderbar. Jede „Zuordnung“ zu einem „Geschlecht“ ist sinnlos, denn das Wort „Geschlecht“ selbst ist bedeutungslos geworden. Es zählen nicht mehr Mann und Frau in ihrer biologischen und sozialen Gestalt als die beiden aufeinanderzugeordneten Geschlechter; es zählen nur noch zahlreiche, frei wählbare Gender.

Die Delegierten der Dritten Welt wollten sich allerdings nicht damit abfinden, dass im Resolutionstext das Wort Gender schon so ideologisch besetzt, so eindeutig nur in der neuen Bedeutung festgelegt war. Sie kämpften darum, dass die Tagungsleitung eine klare Definition von Gender vorlegen würde, der alle Delegierten zustimmen könnten.

Sie alle setzten sich für mehr Autonomie für die Frau und für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Den Gedanken allerdings, Männer und Frauen seien „gleich“ und müssten deshalb in statistisch gleicher Weise in allen Berufs- und Lebensbereichen vorkommen und die offensichtlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien nur gesellschaftlich „konstruiert“, fanden sie absurd. Sie waren auch nicht zur Tagung gekommen, um Belehrungen in feministischer Erkenntnistheorie zu erhalten. Sie wollten konkrete Hilfe für konkrete Probleme von Frauen.

Die Familienbefürworter bestanden darauf, dass die Definition von Gender die Begriffe „zwei Geschlechter [two sexes], Mann und Frau“ umfassen müsse.


Die EU und Kanada, die UN-Angestellten und die einflussreichen NGOs wie WEDO wollten eine Definition, die Gender als „sozial konstruierte Rollen“ definierte, wie es z.B. auch in einer (noch 1995 herausgegebenen) UN-Broschüre heißt: „Das biologische Geschlecht ist von Natur aus gegeben. Gender ist konstruiert.“7

Ein Reporter schrieb treffend: Die Debatte über das Wort Gender ist „ein Beispiel aus dem Lehrbuch zum Thema globaler Feminismus und feministische Epistemologie“. Sie „wirft zentrale Fragen über das Verhältnis von Sprache, Wissen und Macht auf …“8

Marta Casco, Leiterin der honduranischen Delegation und eine der engagiertesten Familienbefürworterinnen, warf dem UN-Apparat vor, eine „versteckte Agenda“ zu haben und „manipulierte Euphemismen“ zu benutzen, „um einen Text zu erstellen, für den nur sie [die UN-Angestellten] das richtige Wörterbuch hätten“.9

Unfaire Taktiken

Einige Delegierte schlugen vor, das Wort Gender im Text solange in eckige Klammern zu setzen, bis man zu einer einvernehmlichen Definition gekommen sei.

Die Reaktion darauf war so unerwartet heftig und aggressiv, dass einige Delegierte jetzt sehr hellhörig wurden. Offensichtlich hatten sie es hier doch mit einer ideologischen Front zu tun, die um keinen Preis eine echte Hinterfragung des Gender-Begriffs zulassen würde.

Die Präsidentin von WEDO, Bella Anzug, erhielt die Spezialerlaubnis zu einer Rede vor den Delegierten. Sie verurteilte scharf jeden Versuch, Gender in eckige Klammern zu setzen: „Wir werden es uns nicht gefallen lassen, dass man uns in die Ecke ’Biologie ist Schicksal’ zurückdrängt und Frauen definieren, einschränken und auf ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale reduzieren will.“

Die Delegierten waren verletzt. Niemand wollte Frauen „auf ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale reduzieren“. Sie wollten nur eine Definition von Gender, der sie alle zustimmen könnten.

Bella Abzug bestand darauf, dass die „feministische“ Definition von Gender, d.h. die Gender-Perspektive, nicht verhandelbar sei: „Das Konzept von Gender ist in den zeitgenössischen gesellschaftlichen, politischen und gesetzlichen Diskurs eingebettet.( ...) Die Bedeutung des Wortes ’Gender’ hat sich zu einem vom Wort ’Geschlecht’ verschiedenen Begriff entwickelt; es drückt die Realität aus, dass Rolle und Status von Frauen und Männern gesellschaftlich konstruiert sind und der Veränderung unterliegen. (…) Das Einfließen der Gender-Perspektive in alle Tätigkeitsbereiche der UN ist eine wesentliche Verpflichtung, die in früheren Konferenzen genehmigt wurde und auf der Vierten Weltfrauenkonferenz erneut bestätigt und gestärkt werden muss.“

Delegierte, die an früheren UN-Konferenzen teilgenommen hatten, durchkämmten ihre UN-Dokumente. Doch fanden sie keinen Nachweis dafür, dass sie je einmal die Gender-Perspektive genehmigt hätten.


Bella Abzug fuhr fort:

„Der gegenwärtige Versuch einiger Mitgliedsstaaten, das Wort Gender aus der Aktionsplattform zu streichen und durch das Wort ’Geschlecht’ zu ersetzen, ist ein beleidigender und erniedrigender Versuch, die von Frauen gemachten Fortschritte rückgängig zu machen, uns einzuschüchtern und den weiteren Fortschritt zu blockieren. Wir fordern die wenigen männlichen und weiblichen Delegierten, die vom Empowerment der Frauen ablenken und es sabotieren wollen, auf, ihrer Ablenkungstaktik ein Ende zu machen. Es wird ihnen nicht gelingen. Sie vergeuden nur kostbare Zeit. Wir kehren nicht zu untergeordneten, minderwertigen Rollen zurück.“10
Die Delegierten waren schockiert und letztlich sprachlos ob der Vorwürfe.

Die Gender-Theorien

Viele Vertreter der Familienkoalition waren verwirrt. War Gender wirklich schon so ideologisch besetzt? Konnte es nicht auch ein gutes, brauchbares Wort sein?

Zufällig kamen einige von ihnen noch während der Tagung in Berührung mit einem Gender-Kurs, der an einem College angeboten wurde. Das Material des Kurses zeigte ihnen, wie ausgefeilt die Gender-Theorien und wie besetzt der Gender-Begriff schon waren.

Folgende Auszüge und Zitate aus dem Kursmaterial waren – unter anderen – Augenöffner für die Vertreter der Familienkoalition:11

a) Ist Gender eine soziale Konstruktion oder das Ergebnis eines biologischen Geschlechts? Worum geht es bei der Überschreitung der binären Kategorien Frau/Mann, weiblich/männlich, heterosexuell/homosexuell, natürlich/nicht natürlich?

b) „Heterosexualität und Mutterschaft müssen als politische Institution erkannt und erforscht werden. (…) In einer Welt genuiner Gleichheit, in der Männer keine Unterdrücker sind, sondern fürsorglich, ist jeder bisexuell.“12

c) „Jeder Säugling wird anhand seiner Genitalien der einen oder anderen Kategorie zugeordnet. Nach dieser Zuordnung werden wir zu dem, von dem die Kultur annimmt, was wir seien – weiblich oder männlich. Obwohl viele meinen, dass Männer und Frauen der natürliche Ausdruck eines genetischen Plans seien, ist Gender doch ein Produkt des menschlichen Denkens und der Kultur, eine gesellschaftliche Konstruktion, welche die ’wahre Natur’ aller Einzelwesen erst hervorbringt.“13

d) „Gender Fluidität ist die Fähigkeit, frei und bewusst ein Gender oder eine grenzenlose Anzahl von Gendern für sich zu wählen, für einen beliebigen Zeitraum, in jedem Ausmaß der Wandlung. Die Fluidität von Gender erkennt weder Grenzen noch ­Regeln an.“14

e) Ein Aufsatz der bekannten Autorin und lesbisch lebenden Professorin für Biologie und Gender Studies, Anne Fausto-Sterling, lautete: „Die fünf Geschlechter: Warum Mann und Frau nicht genügt.“ Die Tatsache, dass einige Menschen mit Anomalien der Genitalien geboren werden, ist für die Autorin kein Beweis für die Krankheit; vielmehr benutzt sie diese dazu, die normative Existenz von nur zwei Geschlechtern radikal in Frage zu stellen: „Warum sollte es uns kümmern, dass es Menschen gibt, deren biologische Anlagen es ihnen ermöglichen, Geschlechtsverkehr ’natürlicherweise’ mit Männern und Frauen haben zu können? Die Antworten scheinen in dem kulturellen Bedürfnis zu liegen, klare Unterscheidungen zwischen den Geschlechtern aufrechtzuerhalten. (...) Da Hermaphroditen buchstäblich beide Geschlechter verkörpern, stellen sie traditionelle Überzeugungen über geschlechtliche Unterschiede in Frage. Hermaphroditen haben die irritierende Fähigkeit, zuweilen als das eine und zuweilen als das andere Geschlecht leben zu können, sie bringen das Schreckgespenst der Homosexualität ins Spiel.“15

Die Familienkoalition musste sich eingestehen, dass zahlreiche Passagen im Resolutionsentwurf, die sie bisher als harmlos eingeschätzt hatte, in Wirklichkeit ideologischen Sprengstoff bargen.

Keine Einigung

Die Familienkoalition erarbeitete einen Flyer, in dem es heißt:

„Was ist die Gender-Perspektive? Für einige Delegierte ist es ein unbekannter Begriff. Er bedeutet nicht ’Verpflichtung für die Rechte der Frau’ und auch nicht, dass man sich gegen die ’Diskriminierung von Frau oder Mann’ einsetzt. Die Gender-Perspektive besagt, dass alles ein Machtkampf zwischen Männern und Frauen ist. Jedwede Probleme werden unter der Perspektive analysiert, inwieweit der Unterschied zwischen Mann und Frau Ursache eines Problems ist.

Zugegeben, die Probleme sind real und schwerwiegend. Einzelne Männer haben sich oft großer Ungerechtigkeit gegenüber Frauen schuldig gemacht. Aber die Gender-Perspektive sieht alle Männer als schuldig an, als die, die von Machtungleichheiten profitieren. Statistische Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden als Beweis einer männlichen Verschwörung gegen die Frau angesehen. Alles Leiden der Frauen ist irgendwie die Schuld der Männer. Nehmt die Anti-Männer Sprache [aus dem Resolutionstext] heraus! Was wir brauchen, ist eine echte Frauen-Perspektive.“16

Marta Casco stellte einen formellen Antrag an die tagungsverantwortlichen UN-Vertreter, eine klare Definition von Gender vorzuschlagen. Man antwortete ihr, dass Gender „keine Definition hat und auch keine braucht“17. Schon allein dadurch, dass sie die Frage aufwerfe, versuche sie, die Sache der Frau zu unterwandern und die Konferenz zu sabotieren.

Die Vorsitzende der Konferenz, die Österreicherin Irene Freudenschuss weigerte sich strikt, Gender in eckige Klammern zu setzen. Das hatte es noch nie gegeben.

Marta Casco war der Auffassung: „Im Bestreben, ihre legitimen Rechte und Chancengleichheit zu verwirklichen, sollte die Frau ihre eigene Natur weder verleugnen noch aufgeben. (...) Die Schaffung einer Welt individualistischer und egoistischer Frauen, die die alltägliche Familienwirklichkeit nur am Rand miterleben, wird nicht dazu beitragen, die Gewalt zu beenden, Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zu beseitigen oder die Armut abzubauen – ganz im Gegenteil.“18

Die USA wandten sich ausdrücklich gegen eine Definition von Gender, die den Ausdruck „zwei Geschlechter“ (two sexes) enthielt. Das löste zahlreiche Spekulationen aus. Glaubten auch die Vertreter der Clinton-Regierung, es gebe mehr als zwei Geschlechter, also weitere Gender? Viele gewannen den Eindruck, die „Pekinger Aktionsplattform“ spreche sich für fünf Geschlechter aus: Männer, Frauen, homosexuell lebende Männer, lesbisch lebende Frauen sowie bisexuell oder transsexuell lebende Menschen. War der Begriff Gender im Text also doch ein indirekter Weg zur Normalisierung homosexueller Lebensweisen? Dafür wollten sich die Vertreter der Dritten Welt auf keinen Fall instrumentalisieren lassen. Doch ihr Kampf um Klarheit war vergeblich.

Zuletzt wurde die Tagung verlängert. Die Delegierten der ärmeren Länder – sie waren es vor allem, die sich für Ehe und Familie einsetzten – mussten abreisen, weil ihre Flüge gebucht waren. Eine Neubuchung konnten sie sich nicht leisten. Sie sahen die Verlängerung als einen Schachzug der UN und der reichen Nationen, der diesen mehr Macht und Einfluss über den endgültigen Resolutionstext geben würde.

Auch nach der Verlängerung gab es keine gemeinsame Definition von Gender. Es wurde deshalb eine „Kontaktgruppe“ gebildet, die sich für weitere vier Wochen (Mai-Juni 1995) erneut treffen sollte.

Ein Reporter bemerkte: „Einige der am stärksten engagierten Diskussionsteilnehmer sind nun in der Kontaktgruppe vertraten. Diese soll zu einem einvernehmlichen Verständnis des Begriffs Gender gelangen. Und wie eine leitende Vertreterin der US-Delegation meinte, so wird es wohl kommen: Dem Text wird ein gewisses Maß an ’positiv klingender Schwammigkeit’ hinzugefügt.“19

Das Kontaktguppentreffen

Genauso kam es. Im Rückblick ist zu sagen, dass mit dem Ende der PrepCom der Einfluss der NGO-Vertreter, die sich unter dem Namen „Familienkoalition“ zusammengeschlossen hatten, schwand. Hinter den Kulissen begann jetzt ein Tauziehen, in dem Geld und Einfluss benutzt wurden, um den Sieg der Gender Agenda sicherzustellen. Dagegen waren die bunten Flyer und Informationen der Familienkoalition machtlos. Die einflussreichen Vertreter der Gender-Perspektive, d.h. die UN, USA, Kanada, die EU und die entsprechenden NGOs benutzten die Zeit, um Druck auf ärmere Länder auszuüben. Die Gender Aktivisten wollten um jeden Preis verhindern, dass die UN-Delegierten eine Definition von Gender durchsetzten, die die Begriffe „zwei Geschlechter [two sexes], Mann und Frau“ enthielt.

Die Vertreterin einer afrikanischen Regierung meinte, niemals zuvor sei so viel Druck auf sie ausgeübt worden wie in dieser Sache. Und Länder, die auf Finanzhilfe angewiesen seien, könnten es sich einfach nicht leisten, ihre potentiellen Kreditgeber zu verprellen.

Nur eines konnten die UN-Delegierten erreichen: dass nicht auch noch der Begriff „sexuelle Orientierung“ im Resolutionstext erschien.


Ein fauler Kompromiss

In Bezug auf Gender setzte sich ein fauler Kompromiss durch. Man „einigte“ sich in der Kontaktgruppe auf folgenden Satz: Gender ist definiert, „wie man es üblicherweise bisher gebraucht und verstanden hat.“ Wie man es aber bisher gebraucht und verstanden hatte, wurde nicht gesagt. Die Feministen, die immer wieder betonten, der neuen Bedeutung von Gender habe man schon lange zugestimmt, waren zufrieden. Die Delegierten aus der Dritten Welt mussten auch zufrieden sein, denn nirgendwo war definiert und festgelegt, dass Gender „sozial konstruierte und frei veränderbare Rollen“ meinte.

Dennoch war diese „Nicht-Definition“ der historische Ausgangspunkt dafür, dass die UN die Ideologie der Gender-Perspektive in die ganze Welt und in den „Mainstream“ der westlichen Staaten bringen konnte.

Sind Männer und Frauen verschieden?

In der „Pekinger Aktionsplattform“ ist festgelegt: „Die Grenzen der geschlechtlichen Arbeitsteilung zwischen den produktiven und den reproduktiven Aufgaben werden allmählich gegenseitig überschritten und zwar in dem Maß, in dem Frauen in früher von Männern dominierte Arbeitsbereiche vordringen und Männer größere Verantwortung für häusliche Aufgaben, auch für die Kinderbetreuung, übernehmen. (…) In vielen Ländern wird noch immer nicht anerkannt, dass die Unterschiede zwischen den Leistungen und Tätigkeiten von Frauen und Männern nicht so sehr auf unabänderliche biologische Unterschiede, sondern auf gesellschaftlich determinierte Geschlechterrollen zurückzuführen sind.“20

Der letzte Satz ist ein Kernsatz der Gender Agenda. Aus ihm wird die Forderung nach der statistischen Gleichheit von 50/50 (Frauen /Männer) in allen Berufs- und Lebensbereichen abgeleitet. Im Grunde ist er eine Kampfansage an die Wirklichkeit. Viele, wenn auch nicht alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind biologisch (mit-)bedingt. Männer laufen schneller, sind körperlich stärker, sind körperlich aggressiver, werden nicht schwanger und stillen nicht. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Hormonen, in ihrer Leiblichkeit, in ihrem Denken.

Die Position der Familienbefürworter

Familienbefürworter lehnen die Vorstellung ab, dass alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen sozial konstruiert seien. Sie lehnen aber auch das Gegenteil davon ab. Sie behaupten nicht, dass alle Unterschiede biologisch bedingt sind. Viele Faktoren spielen eine Rolle und wirken zusammen: Biologie, Kultur, Gesellschaft, individuelle Erfahrungen und Überzeugungen, freie Entscheidungen.

Sicher, die Gesellschaft vermittelt Erwartungen an Mädchen und Jungen. Doch können diese deshalb nicht einfach künstlich genannt werden. Kleine Mädchen wachsen auf und können schwanger werden. Kleine Jungen wachsen auf und werden körperlich stärker als Mädchen.

Alle Gesellschaften haben die Arbeiten für die Familie zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Frauen hatten eine Arbeit, die es ihnen erlaubte, den Kindern nah zu bleiben. Männer hatten eine Arbeit, die eine weitere Entfernung von der Familie verlangte. Nicht alle Männer und Frauen werden Mütter und Väter. Aber eine Mehrheit wird es, und sie sollte auch darauf vorbereitet sein.

Jungen Menschen beizubringen, dass Mann und Frau gleich sind oder dass Mutterschaft dasselbe ist wie Vaterschaft, ist eine Lüge.


Integrale Komplementarität

Die Familienbefürworter vertreten eine Position, die man am besten mit dem Begriff „integrale Komplementarität“ (integral complementarity) beschreiben kann. Mann und Frau sind einander völlig gleich in ihrem Menschsein, ihrer Würde, ihren Rechten; aber sie sind unterschiedlich und komplementär in ihrem Wesen. Jeden geschlechtlichen Chauvinismus, männlichen oder weiblichen, lehnen sie ab. Kein Geschlecht ist das Bessere. Die Sichtweise der integralen Komplementarität lehnt die Vorstellung ab, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau irrelevant seien oder überwunden werden müssten. Sie lehnen aber auch jene Vorstellung von Komplementarität ab, wonach Eigenschaften in stereotyper Weise auf Männer und Frauen aufgeteilt werden.

Integrale Komplementarität besagt auch, dass jeder Einzelne, Frau oder Mann, eine vollständige Person ist. Doch gleichzeitig sind Frau und Mann in einmaliger Weise aufeinander verwiesen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind vielleicht vergleichbar mit dem Abstand zwischen den Augen: Erst Frau und Mann gemeinsam (keineswegs nur in der Ehe) geben – wie die beiden Augen gemeinsam – der Menschheit die notwendige Tiefenwahrnehmung und Tiefenschärfe.

Die Position der Familienbefürworter ist nicht eine rigide Verteidigung von Vergangenem, sondern der besonnene Versuch, dasjenige, das Frauen künstlich einengt, abzulegen und gleichzeitig das Recht der Frau, anders zu sein und sein zu dürfen als der Mann, zu schützen. Die Familienbefürworter waren bereit, offen darüber zu debattieren, was künstlich sei und was nicht, aber die Feministinnen verweigerten jede Diskussion. Für Gender Feministen ist „verschieden“ dasselbe wie „ungleich“ und „ungleich“ dasselbe wie „ungerecht“.

Was auch immer es für wirkliche Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen in der Vergangenheit gegeben hat: Man wird nicht Gerechtigkeit dadurch schaffen, dass man die Originalität der Frau und die Einzigartigkeit der weiblichen Natur leugnet. Die Unterschiede zwischen Frau und Mann leugnen oder gar abschaffen zu wollen, ist letztlich ein Krieg gegen die menschliche Natur, die weibliche ebenso wie die männliche.


Eine alternative Plattform

Noch vor der Konferenz in Peking trafen sich die Vertreter der Familienkoalition und erarbeiteten einen alternativen Resolutionsentwurf: „Plattform für die Frauen der Welt“. Er enthielt einfache, konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage der Frau im Hinblick auf materiellen Wohlstand, Ausbildung, Gesundheit, Frieden, Entwicklung, Arbeit, Medien, Mädchen und Menschenrechte. Viele waren der Auffassung, dass dieser Text auf 30 Seiten die wirklichen Sehnsüchte, Wünsche, Ambitionen und Ziele der großen Mehrheit der Frauen in der Welt besser widerspiegelte als es die „Pekinger Aktionsplattform“ auf 150 Seiten tat.


Das Recht auf Ehe

Während die „Pekinger Aktionsplattform“ die Ehe ausschließlich in negativem Zusammenhang erwähnt und die Wörter Ehefrau und Ehemann erst gar nicht vorkommen, erinnert die alternative Plattform daran, dass die Allgemeine Menschenrechtserklärung der UNO das Recht aller Frauen und Männer „zu heiraten und eine Familie zu gründen“ unterstützt.

Subsidiarität und Solidarität

Nach Ansicht der alternativen Plattform ist das Prinzip der Subsidiarität am besten geeignet, der mangelnden Kontrolle von Frauen über ihr eigenes Leben entgegenzutreten. Subsidiarität bedeutet, dass größere Gruppen in einer Gesellschaft nicht die Funktionen an sich reißen dürfen, die von kleineren Gruppeneinheiten gehandhabt und kontrolliert werden können. Insbesondere sollte „die Familie (...) die Freiheit haben, ihre eigenen Angelegenheiten selbst handhaben und kontrollieren zu können“.

Die alternative Plattform bemerkt: Wenn sich Macht in den Händen einiger weniger Personen konzentriert, dann sind diese Personen eher Männer als Frauen und Frauen werden tatsächlich stärker unter dem Verlust an Macht und Einfluss leiden. Doch ist es kein Ausgleich für diese Frauen, einfach die Anzahl der Frauen in den hohen Regierungsämtern zu erhöhen. Dadurch wird den Frauen an der Basis noch überhaupt kein Einfluss zurückgegeben, denn Frauen möchten selbst über das entscheiden, was sie betrifft. Die Anwendung des Subsidiaritätsprinzips ist deshalb eine gute Möglichkeit, „Macht und Einfluss von Frauen auf natürliche Weise auszuweiten“.

Die alternative Plattform befürwortet zudem das Prinzip der Solidarität. Es ist ein konstruktives Gegenprogramm zu dem von der Gender Agenda vorangetriebenen Klassenkampf. Solidarität verlangt von Männern und Frauen aller Klassen, Rassen und Gruppierungen, dass sie zusammenarbeiten, dass jeder die Bedürfnisse und Interessen auch des anderen in Blick hat.


Die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking

Etwa 30.000 Menschen nahmen an der Hauptkonferenz teil.

Der „Linkage Caucus“ – ein ebenfalls von WEDO kontrollierter Ausschuss – schlug eine Liste von Änderungen für den Resolutionstext vor, wonach sämtlich auch nur annähernd Familien-positiven Stellen entfallen wären.

Von Anfang an stand auch das Thema „Definition von Gender“ wieder auf der Tagesordnung. Die Familienbefürworter unter den Delegierten einigten sich dann aber, dass die Nicht-Definition, die in der Kontaktgruppe zustande gekommen war, besser war als eine neue Definition, von der sie befürchteten, dass sie sie auf keinen Fall würden mittragen können.

Die meisten Delegierten der Dritten Welt hielten die Gender Agenda für völlig irrelevant für ihr Land. Für sie waren Männer und Frauen verschieden, Mutterschaft und Familie waren wichtig. Doch waren sie bereit, den „europäischen Unsinn“ zu tolerieren, weil sie hofften, dass die reichen Geberstaaten ihnen finanziell helfen würden. In der Mitte der Konferenz wurde klar, dass es diesmal keine Gelder geben würde. Im Gegenteil: Es wurde erwartet, dass die armen Länder die Gender Agenda auf eigene Kosten umsetzten. Eine afrikanische Delegierte rief: „Wenn es kein Geld gibt, wozu sind wir dann hier?“

„Wir stimmen nicht überein“

Die Familienkoalition verteilte einen letzten Flyer „Wir stimmen nicht überein“:

„Die ’Pekinger Aktionsplattform’ ist ein direkter Angriff auf die Werte, Kulturen, Traditionen und religiösen Überzeugungen der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen. Zwar steht in der Plattform vieles, das für den sozialen Aufstieg der Frau förderlich und notwendig ist, dennoch überschatten die negativen Aspekte die positiven. Das Dokument zeigt keinerlei Respekt für die Würde des Menschen, versucht, die Familie zu zerstören, ignoriert die Ehe, wertet die Bedeutung der Mutterschaft ab, fördert abweichende sexuelle Praktiken, sexuelle Promiskuität und Sex für Jugendliche.

Als Bürger von Industrienationen möchten wir uns bei den Menschen in weniger entwickelten Gebieten der Welt entschuldigen und uns mit ihnen solidarisch erklären in ihrer Verteidigung von Familie, Mutterschaft und Elternrechten. Wir sind beschämt über die Art, in der unsere Länder einen Prozess des erzwungenen „Konsens“ vorangetrieben haben, indem sie Übersetzungen verweigerten, Delegierte aus kleineren Ländern übergingen und solche, die Widerspruch erhoben, an den Pranger stellten.

Kein objektiv urteilender Mensch, der miterlebt hat, wie die Delegierten aus armen Ländern von den Vertretern reicher Nationen zur Gefügigkeit gezwungen wurden, kann hier von einem Konsens sprechen.

Es ist tragisch, dass sich die Entwicklungsländer hinter nationaler Souveränität verstecken müssen, um universelle Prinzipien des Respekts vor der Familie, der Mutterschaft, der Ehe, der Moral und der Keuschheit zu verteidigen, als seien dies merkwürdige, rückständige Sitten.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihnen keine andere Wahl bleibt, als dem „Konsens“ zuzustimmen, geben Sie zumindest ihre letzte Protestmöglichkeit nicht auf:

Bringen Sie im Plenum starke Vorbehalte zur Sprache.“21

Tatsächlich gab es im Plenum zahlreiche „Vorbehalte“. Doch hatte diese keinen Einfluss mehr auf den Resolutionstext. – Am Ende siegte das Establishment. Die Präsidentin Gertrude Mongella erklärte die Konferenz zum großen Erfolg.


Zusammenfassung

Immer wieder werde ich gefragt, was ich in Peking sah. Auch auf die Gefahr hin, zu stark zu vereinfachen, ist meine Antwort:

Im UN-Establishment haben folgende Ansichten die Mehrheit:

1. In der Welt braucht es weniger Menschen und mehr sexuelle Vergnügungen. Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Abschaffung der Vollzeit-Mütter.

2. Da mehr sexuelles Vergnügen zu mehr Kindern führen kann, braucht es freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung für alle und Förderung homosexuellen Verhaltens, da es dabei nicht zur Empfängnis kommt.

3. In der Welt braucht es einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt; es braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern über ihre Kinder.

4. Die Welt braucht eine 50/50 Männer/Frauen Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereiche. Alle Frauen müssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen.

5. Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Das ist die Gender-Perspektive in Kurzform. Sie soll in den Mainstream gelangen. Damit dies geschehen kann, ist sie verpackt in wunderbare Worte wie Gleichheit, Rechte, Familien, reproduktive Gesundheit und Fairness. Diejenigen, die sich für den Schutz von Ehe und Familie und für wahre Würde und Autonomie von Frau und Mann einsetzen, sind gegen die Gender-Perspektive – nicht weil sie gegen einen Fortschritt in Frauenfragen wären, sondern weil sie für Frauen sind. Sollte die erträumte Zukunft der Gender-Feministen jemals wahr werden, wird die Welt weniger gerecht, weniger frei und weniger menschlich sein.



Anmerkungen

Alle Zitate aus Fremdquellen sind nach dem Buch von Dale O’Leary direkt aus dem Englischen übersetzt.

Auch das Zitat aus der „Pekinger Aktionsplattform“ ist direkt aus dem Englischen übersetzt. Im Internet ist einzusehen: Bericht der Vierten Weltfrauenkonferenz, Anlage II, Aktionsplattform, auszugsweise Übersetzung des Dokuments

A/CONF.177/20 vom 17. 10. 1995, www.un.org/Depts/german/conf/beijing/beij_bericht.html

1 Women’s Global Strategies Report, WEDO, Dezember 1994, zit. nach O‘Leary, S. 74.

2 Video Breaking Barriers, hergestellt von Judith Lasch, www.laschmedia.com/page4.html.

3 Carlson, A., What’s Wrong With the United Nations’ Definition of ’Family’? The Family in America, August 1994, S. 3.

4 IPPF: International Planned Parenthood Federation, internationale Lobbygruppe zur Kontrolle der Weltbevölkerung, die weltweit freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung fördert.

5 Re-Imaging Conference, zit. in HLI Reports, Jan. 1995, S. 6.

6 Women in the World, The Lancet, 22. Juli 1995, S. 195.

7 Gender Concepts in Development Planning: Basic Approach, INSTRAW, 1995, S. 11.

8 Earth Negotiations Bulletin, 10.4. 1995.

9 Zitiert nach O’Leary, S. 78.

10 Alle drei Zitate aus der Rede von B. Abzug, zit. nach O’Leary, S. 86-87.

11 Aus dem Kursmaterial des Kurses: Re-imagining Gender, Hunters College, Kursleiterin: Lorna Smedman, 1995.

12 Rich, A., Compulsory Heterosexuality and Lesbian Existence, Bloody Bread and Poetry: Selected Prose, 1979-85, New York, S. 34f.

13 The Dangers of Femininity, Gender Differences: Sociology or Biology?, S. 40.

14 Bornestein, K., Gender Outlaw: On Men, Women and the Rest of Us, New York 1994, S. 52.

15 Fausto-Sterling, A., The Five Sexes: Why Male and Female Are Not Enough, The Sciences, March/April 1993.

16 O’Leary, S. 85.

17 O‘Leary, S.92.

18 O’Leary, S. 93.

19 Earth Negotiations Bulletin, 10.4. 1995.

20 Platform for Action, Paragraf 28 (27).

21 O’Leary, S. 203 f., hier gekürzt wiedergegeben."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/)






"Die Gender Agenda
Teil II

Eine Zusammenfassung aus dem Buch „The Gender Agenda“ von Dale O’Leary

von Christl R. Vonholdt

Was bedeutet der neue Gender-Begriff wie er in der „Pekinger Aktionsplattform“ und damit im Gender Mainstreaming vorkommt? Teil II gibt einen Einblick in die Entwicklung der Theorien der Gender-Perspektive und zeigt außerdem auf, welche Konsequenzen die Gender-Perspektive für die politische Agenda der weltweit operierenden Vereinten Nationen und der westlichen Staaten hat.

Einleitung

Auf der Vorbereitungstagung für die 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking hatten sich die UN-Delegierten nicht auf eine gemeinsame Definition des Wortes Gender einigen können. Viele waren damals verwirrt, denn es gab eine Kluft zwischen dem, was man im Alltag unter Gender verstand (Mann und Frau in ihrer sozialen Gestalt, aber mit fester Anbindung an das biologische Geschlecht) und den Theorien der Gender-Perspektive. Diese Theorien bildeten aber offensichtlich den Hintergrund für die Verwendung des Begriffs im Text für die Abschlussresolution der Weltfrauenkonferenz.

Aus der Geschichte

Der liberale Feminismus

In den 1960er Jahren war es das Ziel des liberalen Feminismus, Frauen ebensoviel Freiheit in der Gesellschaft zu geben wie Männern und sich dafür einzusetzen, dass der Mensch als Individuum gesehen wurde – unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Geschlecht, Rasse). Diese Freiheiten möchte heute niemand mehr missen. Wir alle sind für das Wahlrecht der Frau; für ihr Recht, ein Amt zu bekleiden; für ihr Recht auf Chancengleichheit in Ausbildung und Beruf. Frauen wie ich [Dale O’Leary], die sich offen gegen die Gender Agenda aussprechen, engagieren sich auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet; wir erwarten gleiche Rechte, gleiche Ausbildung, gleiche Chancen und gleiche Behandlung.

Die Familienbefürworter sehen auch, wo der liberale Feminismus an seine Grenzen kommt, z.B. wo er die tatsächlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau ausblendet und nicht sieht, dass viele Gesetze, die zwischen Mann und Frau unterscheiden, gemacht wurden, um die Frau zu schützen. Der liberale Feminismus, der das autonome Individuum in den Mittelpunkt stellt, ignoriert die Bedeutung der Familie als soziale Einheit. Er neigt dazu, staatliche Interventionen als Lösung aller Probleme zu sehen, einschließlich der Probleme von Frauen.

Familienbefürworter sind davon überzeugt, dass man weder die Unterschiede zwischen den Geschlechtern leugnen, noch Ehe und Familie schwächen, noch auf weitgehende staatliche Interventionen setzen muss, um der gleichen Würde und den gleichen Rechten von Frauen und Männern vollauf verpflichtet zu sein.

Der marxistisch beeinflusste Feminismus

Schon Ende der 1960er Jahre wandten sich viele Feministinnen vom liberalen Feminismus ab. Er habe nicht erkannt, sagten sie, „dass es notwendig ist, die gesamte gesellschaftliche Ordnung zu ändern, wenn man die Befreiung der Frauen erreichen möchte.“2

Die wichtigsten Vertreterinnen des Feminismus seit den 1970er Jahren bis heute wandten sich den Philosophien von Marx und Engels zu, auch wenn sie dies nicht immer direkt zu erkennen geben. In den Theorien von Marx und Engels fanden sie ihr eigenes Thema wider: Die universale Unterdrückung der Frau durch den Mann und die Mann-Frau-Einzelehe als Ursprung und Urtypus aller Unterdrückung.

So schrieb die Gender-Feministin Kate Millett in „Sexual Politics“: „Der große Wert, den Engel’s Beitrag zur sexuellen Revolution hat, liegt in seiner Analyse der patriarchalen Ehe und Familie. (…) In der Unterwerfung der Frau unter den Mann sah Engels (und auch Marx) den historischen, konzeptuellen und Proto-Typ aller übrigen Machtsysteme, aller ungerechten ökonomischen Verhältnisse und die Tatsache von Unterdrückung überhaupt.“3


Friedrich Engels, ein Vater der Gender-Perspektive

Sehen wir uns einige Aussagen von Friedrich Engels an:

„In einem alten, 1846 von Marx und mir ausgearbeiteten, ungedruckten Manuskript finde ich: ’Die erste Teilung der Arbeit ist die von Mann und Weib zur Kinderzeugung.’ Und heute kann ich hinzusetzen: Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe, und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche.“4

Alle Geschichte ist Klassenkampf. Der erste Klassenkampf aber ereignete sich in der Familie.

„Der Umsturz des Mutterrechts war die weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts. Der Mann ergriff das Steuer auch im Hause, die Frau wurde entwürdigt, geknechtet, Sklavin seiner Lust und bloßes Werkzeug der Kinderzeugung.“5

„Die moderne Einzelfamilie ist gegründet auf die offene oder verhüllte Haussklaverei der Frau...6

Über die verheiratete Frau schreibt Engels, dass sie „sich von der gewöhnlichen Kurtisane nur dadurch unterscheidet, dass sie ihren Leib nicht als Lohnarbeiterin zur Stückarbeit vermietet, sondern ihn ein für allemal in die Sklaverei verkauft.“7



Um Befreiung zur klassenlosen Gesellschaft zu erreichen, sagten Marx und Engels, müssen Produktion und Reproduktion aus den Händen der Unterdrücker genommen und in diejenigen der Unterdrückten gegeben werden. Für die Familie heißt das: Der Vater muss entmachtet werden. Macht und Kontrolle über die Reproduktion gehören allein der Frau. Engels war auch der Auffassung: Nur wenn die Frau außer Haus arbeitet und von der Last von Familie und Kinderpflege befreit ist, kann die Unterdrückung ein Ende nehmen:

„Es wird sich dann zeigen, dass die Befreiung der Frau zur ersten Vorbedingung hat die Wiedereinführung des ganzen weiblichen Geschlechts in die öffentliche Industrie, und daß dies wieder die Beseitigung erfordert der Eigenschaft der Einzelfamilie als wirtschaftlicher Einheit der Gesellschaft. (...)

Mit dem Übergang der Produktionsmittel in Gemeineigentum hört die Einzelfamilie auf, wirtschaftliche Einheit der Gesellschaft zu sein. Die Privathaushaltung verwandelt sich in eine gesellschaftliche Industrie. Die Pflege und Erziehung der Kinder wird öffentliche Angelegenheit; die Gesellschaft sorgt für alle Kinder gleichmäßig, seien sie eheliche oder uneheliche.“8



Der Gender-Feminismus

Knapp hundert Jahre später, 1972 schreibt die Feministin Shulamith Firestone ganz im Sinn von Engels:

„Die natürlichen reproduktiven Unterschiede zwischen den Geschlechtern führten unmittelbar zur ersten Arbeitsteilung basierend auf dem Merkmal Geschlecht; diese sind der Ursprung aller weiteren Teilungen in ökonomische und kulturelle Klassen.“9

„So wie die Abschaffung der ökonomischen Klassen die Revolte der Unterdrückten, das Proletariat, braucht und in einer vorübergehenden Diktatur dieses die Produktionsmittel in Besitz nehmen muss; ebenso braucht die Abschaffung der Klasse des Geschlechts die Revolte der Unterdrückten, der Frauen, und deren Inbesitznahme der Kontrolle über die Reproduktion. (…) Genau wie am Ende einer sozialistischen Revolution nicht nur die Abschaffung von ökonomischen Klassenprivilegien, sondern die Aufhebung der Klassenunterschiede selbst steht, so muss die feministische Revolution, im Gegensatz zur ersten feministischen Bewegung, nicht einfach auf die Beseitigung männlicher Privilegien, sondern auf die des Geschlechtsunterschiedes selbst zielen: genitale Unterschiede zwischen einzelnen Menschen haben dann keine gesellschaftliche Bedeutung mehr.“10



Die Gender-Perspektive

Bei Firestone finden wir bereits die zentralen Gedanken der heutigen Gender-Perspektive: Vor allem: Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist die Ursache aller Unterdrückung. Um diese zu überwinden, muss eine absolute Gleichheit von Frau und Mann hergestellt werden. Firestone weiss zwar, dass sie mit ihrer Auffassung die „die biologische Wirklichkeit“ angreift, doch ist sie der Auffassung: „Die Menschheit hat begonnen, über die Natur hinauszuwachsen. Wir können die Aufrechterhaltung einer diskriminierenden, auf Geschlecht basierenden Klassengesellschaft nicht länger damit rechtfertigen, dass sie ihre Ursprünge in der Natur selbst hat. Es sieht in der Tat so aus, als ob wir uns schon aus rein pragmatischen Gründen davon befreien müssen.“11

In der Gender-Perspektive heißt das analog: Die geschlechtliche Verschiedenheit von Frau und Mann hat keine Bedeutung mehr. Da die „biologische Wirklichkeit“ aber nicht abgeschafft werden kann, wird sie nun für komplett unwichtig und bedeutungslos erklärt. Genau hier liegt der Grund, warum die Gender-Perspektive das Wort „Gender“ gewählt hat, warum sie diesem Wort die Bedeutung „sozial konstruierte Rollen, unabhängig vom Geschlecht“ gegeben hat und warum sie das Wort „Geschlecht“ ablehnt. In der Vorbereitung zur 4. Weltfrauenkonferenz kämpften die Verfechterinnen der Gender-Perspektive mit allen Mitteln darum, dass in der Definition von Gender nur ja nicht mehr irgendwie die Begriffe „zwei Geschlechter, Mann und Frau“ vorkämen. Geschlecht soll nicht mehr zählen; es geht nur noch um Gender. Denn mit „Gender“ lässt sich erreichen, was mit „Geschlecht“ nicht geht: Die Vorstellung von einer absoluten „Gleichheit“ im Sinne von Auswechselbarkeit von Frau und Mann.

Ziel ist die klassenlose Gesellschaft, die von der grundlegendsten Klasse, die es gibt, befreit ist: von der „Klasse des Geschlechts“.

Die erste Strategie für die Umsetzung der neuen Gleichheit im Gender Mainstreaming heißt: Eine 50/50-Quotenregelung für Männer und Frauen für sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche.

Bei der Neudefinition von Gleichheit durch die Gender-Perspektive geht es also nicht um gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Würde, sondern um „statistische Gleichheit“. Frauen sollen 50 Prozent aller Arbeitsplätze bis hin zu den höchsten Ämtern einnehmen und Männer gezwungen werden, 50 Prozent der Säuglings- und Kinderpflege zu übernehmen. Alternativ (und leichter zu erreichen) sollen alle Frauen mit oder ohne Kinder jederzeit einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Kinderpflege übernimmt der Staat.


Die zweite Strategie zur Umsetzung der neuen Gleichheit heißt: Die Frau muss die alleinige und absolute Kontrolle über die Reproduktion haben, d.h. freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung, wenn möglich während der gesamten Schwangerschaft. Nur so kann sie „Gleichheit“ mit dem Mann und statistisch gleiche Teilnahme an der Erwerbstätigkeit erreichen.

In Kurzform: Das Ziel der Gender Agenda ist die Abschaffung jeglichen Unterschiedes zwischen Frau und Mann. Die Strategie dazu heißt: Es zählt nicht mehr Geschlecht, sondern nur noch Gender. Die politische Umsetzung heißt: Statistisch gleiche Teilnahme der Frau am bezahlten Arbeitsleben außer Haus und die absolute Kontrolle der Frau über die Reproduktion.

Firestone hat die Zukunft der Gleichheit so vorgedacht: Gleichheit werde nur erreicht, schreibt sie, wenn die Frauen von der Last des Kindergebärensbefreit sind: „Die Reproduktion des Menschen durch nur ein Geschlecht [die Frau] würde ersetzt werden durch zumindest die Möglichkeit von künstlicher Reproduktion. Die Kinder würden dann beiden Geschlechtern in gleicher Weise geboren werden, oder unabhängig von Mann und Frau, je nachdem, wie man es sieht.“12

Die Neudefinition von Familie

Wo das Geschlecht, d.h. die konkrete Leiblichkeit von Mann und Frau unwichtig geworden ist, gibt es auch keine Komplementarität der Geschlechter mehr. Wo es nur noch um Gender statt um Geschlecht geht, ist es unwichtig, ob eine Frau sexuelle Beziehungen mit einem Mann oder einer Frau hat, mit einem oder mit mehreren Menschen. Die Gender Agenda setzt sich deshalb für die Gleichstellung zahlreicher sexueller Lebensweisen und damit für eine komplette Neudefinition von Ehe und Familie ein:

„Die schwul-lesbische Kultur lässt sich auch als subversive Kraft sehen, die das hegemonische Konzept der Familie herausfordert. Das kann durchaus auf eine Weise geschehen, bei der die Leute nicht merken, dass sich der Vorstoß gegen die Familie als solche richtet. Ein einfacher Slogan nach dem Motto ’Weg mit der Familie!’ wird als Drohung aufgefasst, nicht so sehr gegen die herrschende Klasse, sondern vielmehr gegen die Arbeiterklasse, deren Angehörige zur Wahrung von Sicherheit und Stabilität ihres Lebens oftmals auf die Familie setzen. Damit die subversive Natur der schwulen Kultur wirksam genutzt werden kann, müssen wir alternative Deutungsmodelle für menschliche Beziehungen anbieten.“13


Die Feministin Ellen Herman schreibt: „(Junge Feministinnen) ... wollen die Freiheit, ihre gegenwärtigen und zukünftigen Familien ohne Sanktionen in jeder erdenklichen Weise zu gestalten: Sie wollten Frauen oder Männer lieben, Sex mit einer oder parallel mit mehreren Personen haben, mit oder ohne Kinder leben, an der Elternschaft teilhaben ohne zwangsläufig auch an der Reproduktion teilzuhaben. Nur wenn es ihnen gelingen würde, Familien jeglicher Art zu erfinden – ohne Angst vor Spott oder Selbstverachtung –, ergäbe sich für Frauen die Hoffnung, ihre wahre Identität zu erlangen, anstatt als Gefangene einer Geschlechts- oder Gender-Klasse in eine Kategorie gesteckt zu werden.“14

Aus der Sicht der Gender-Feministen müssen Ehe und Familie abgeschafft oder völlig umgedeutet werden. Nur dann kann sich auch die Sexualität aus den „Zwängen“ befreien. Zuerst gilt es, „der heterosexuellen Ideologie, die die männliche Vorherrschaft am Leben erhält, den Kampf“ anzusagen.15

Auch das Inzest-Tabu muss fallen, schreibt Firestone: „Das Inzest-Tabu wird lediglich gebraucht, um die Familie zu erhalten; wenn wir die Familie abschaffen würden, würden auch die Verdrängungen fallen, die die Sexualität in spezifische Ausdrucksformen pressen.“16

[Die Aufhebung des Inzest-Tabus ist in der Tat ein zentrales Instrument zur Zerstörung der Familie. Von Gender-Feministen wird es schon lange gefordert, z.B. von Judith Butler. Jetzt, 2007, steht es offen zur Disposition in der BRD.17 Anm.d. Hg.]

Shulamith Firestone attackierte auch noch eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft: „Tabus bezüglich Erwachsenen-Kind-Sex und homosexuellem Sex würden ebenso verschwinden wie nicht-sexuelle Freundschaften… Alle engen Beziehungen würden das Körperliche mit einbeziehen.“18

Dekonstruktivistische Theorien

Wir können die Gender-Perspektive nicht besprechen, ohne auf eine der bekanntesten Verfechterinnen einzugehen, auf die amerikanische Philosophin und Professorin für Literaturwissenschaft Judith Butler. Ihr Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ erschien 1991. Ihre Theorien, soweit sie für den vorliegenden Kontext relevant sind, lassen sich im Ergebnis so zusammenfassen:

1. Es gibt beliebig viele, frei wählbare Gender.

2. Es gibt kein „wahres“ männliches oder weibliches Geschlecht, diese Worte sind nur gesellschaftlich konstruierte Begriffe, um Machtverhältnisse, nämlich die Herrschaft des Mannes über die Frau, aufrechtzuerhalten.

3. Nicht nur „Gender“ ist gesellschaftlich konstruiert, sondern auch „Geschlecht“ (sex).

4. Ziel muss die „Dekonstruktion“, d.h. die Auflösung von Mannsein und Frausein sein.
So schreibt Butler über die Unterscheidung zwischen Geschlecht (sex) und „Geschlechtsidentität“ (Gender):

„Ursprünglich erfunden, um die Formulierung ’Biologie ist Schicksal’ anzufechten, soll diese Unterscheidung das Argument stützen, dass die Geschlechtsidentität (Gender) eine kulturelle Konstruktion ist, unabhängig davon, welche biologische Bestimmtheit dem Geschlecht weiterhin hartnäckig anhaften mag. Die Geschlechtsidentität (Gender) ist also weder das kausale Resultat des Geschlechts, noch so starr wie scheinbar dieses. Die Unterscheidung Geschlecht (sex) und Geschlechtsidentität (Gender) erlaubt vielmehr, die Geschlechtsidentität (Gender) als vielfältige Interpretation des Geschlechts zu denken und sie ficht bereits potentiell die Einheit des Subjekts an. Wenn der Begriff Geschlechtsidentität (Gender) die kulturellen Bedeutungen bezeichnet, die der sexuell bestimmte Körper (sexed body) annimmt, dann kann man von keiner Geschlechtsidentität (Gender) behaupten, dass sie aus dem biologischen Geschlecht folgt. Treiben wir die Unterscheidung Geschlecht (sex) / Geschlechtsidentität (Gender) bis an ihre logische Grenze, so deutet sie vielmehr auf eine grundlegende Diskontinuität zwischen den geschlechtlich bestimmten Körpern (sexed bodies) und den kulturell bestimmten Geschlechtsidentitäten (Gender) hin. (…) Setzen wir für einen Augenblick die Stabilität der geschlechtlichen Binarität (binary sex) voraus, so folgt daraus weder, dass das Konstrukt ’Männer’ ausschließlich dem männlichen Körper zukommt, noch dass die Kategorie ’Frauen’ nur weibliche Körper meint. Ferner: Selbst wenn die anatomischen Geschlechter (sexes) in ihrer Morphologie und biologischen Konstitution unproblematisch als binär erscheinen (was noch die Frage sein wird), gibt es keinen Grund für die Annahme, dass es ebenfalls bei zwei Geschlechtsidentitäten (zwei Gender) bleiben muss. (…) Wenn wir jedoch den kulturell bedingten Status der Geschlechtsidentität (Gender) als radikal unabhängig vom anatomischen Geschlecht denken, wird die Geschlechtsidentität (Gender) selbst zu einem freischwebenden Artefakt. Die Begriffe Mann und männlich können dann ebenso einfach einen männlichen und einen weiblichen Körper bezeichnen wie umgekehrt die Kategorien Frau und weiblich. (…)

Wenn man den unveränderlichen Charakter des Geschlechts bestreitet, erweist sich dieses Konstrukt namens ’Geschlecht’ vielleicht als ebenso kulturell hervorgebracht wie die Geschlechtsidentität (Gender).“19

Judith Butler gehört zur Führungsspitze von IGLHR (International Gay and Lesbian Human Rights Commision), einer internationalen Homosexuellenorganisation. Die IGLHR ist eine von der UN akkreditierte NGO und war aktiv in der Vorbereitung für die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking beteiligt.



Von der Theorie zur Praxis

Mann und Frau – nur „Scheinwesen“?

Judith Butlers Theorien – so weit entfernt sie von der alltäglichen Realität sein mögen – haben längst Eingang in Politik und Strategie der UN gefunden. So heißt es in einem Buch zum Thema Gender und UN:

„Das Konzept von ’Gender als Macht’ ermöglicht es uns, einen Schritt weiterzugehen: Vorzuschlagen, dass unsere gesamte Art, über menschliche Wesen zu denken und zu sprechen, auf Macht beruht. Gerade die Worte ‚Frauen‘ und ‚Männer‘ sind Ausdruck dieser Macht. Individuen als ‚Frauen‘ oder ‚Männer‘ zu bezeichnen, ist die Ausübung von Macht, denn die Bezeichnung ruft eine Reihe von Erwartungen hervor darüber, wer jemand ist, wer er nicht ist und welchen Spielraum er in Bezug auf seine Wahlmöglichkeiten hat.

’Gender als Macht’ argumentiert, dass Frauen und Männer gemacht, nicht geboren sind. Sie werden durch genau diese Labels geschaffen – es sind Labels, die einige Türen öffnen und andere schließen. Das Labeling erzeugt ein Scheinwesen [fictitious being]... und setzt die Ungleichheit weiter fort, weil jenes menschliche Wesen, das die eine Bezeichnung hat, mehr Rechte und Privilegien hat als das andere, das eine andere Bezeichnung hat.“20

Die neue Gender Gleichheit

Das Ziel heißt: Gender Gleichheit. Wer könnte gegen Gleichheit sein? Schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heißt es, dass alle Menschen gleich geschaffen sind. Doch den Vertretern der Gender-Perspektive geht es nicht um gleiche Würde, gleiche Rechte, gleiche Menschlichkeit. Sie haben Gleichheit, ohne dass man es bemerkt hätte, neu definiert. Es geht ihnen um statistische Gleichheit, um statistisch gleiche Quoten von Männern und Frauen in allen Sparten des öffentlichen und privaten Lebens.

Die Feministin Susan Okin schreibt über die Charakteristika der „gerechten Gesellschaft“: „Geschlecht hätte nicht mehr gesellschaftliche Relevanz als die Augenfarbe oder die Länge der Zehen. Es würden keine Annahmen über „männliche“ und „weibliche“ Rollen gemacht. Das Gebären von Kindern wäre konzeptuell so völlig vom Aufziehen der Kinder und von anderen familiären Verantwortungen getrennt, dass es ein Grund zur Überraschung und Anlass zur Sorge wäre, wenn Männer und Frauen nicht im gleichem Maße verantwortlich für das häusliche Leben wären, oder wenn die Kinder mehr Zeit mit einem Elternteil verbringen würden als mit dem anderen. Es wäre eine Zukunft, in der mehr oder weniger dieselbe Anzahl von Männern und Frauen an allen Bereich des Lebens, von der Säuglingspflege über die verschiedenen Arten bezahlter Arbeit bis zur hohen Politik teilnehmen würden.21


Abwertend bezeichnet die Gender-Perspektive Unterschiede zwischen Mann und Frau als „Geschlechterstereotype“, die abgeschafft werden müssten. Die „Pekinger Aktionsplattform verurteilt es ausdrücklich, wenn Schulbücher Frauen und Männer „in traditionellen Rollen“ zeigen.

Alle „traditionellen Vorstellungen“ sollen aus Cartoons, Fernseh-Serien, Werbespots und Spielfilmen verschwinden. Stattdessen soll nur noch die angestrebte 50/50 Quotenregelung gezeigt werden: Männer und Frauen, die in gleicher Anzahl als Soldaten, Wissenschaftler, Feuerwehrleute und LKW-Fahrer arbeiten. Aktionen, die nur Männer zeigen, sind „diskriminierend“. Als Hausfrau soll eine Frau nur gezeigt werden, wenn sie ein Misshandlungsopfer ist oder ihr Ehemann ein religiöser Fanatiker.

Okin räumt zwar ein, dass es vielen Frauen Freude bereitet, sich um ein Kind zu kümmern. Aber da es Frauen wirtschaftlich verwundbar mache, wenn sie die Hauptrolle in der Säuglings- und Kinderpflege übernehme, müsse diese Rolle abgeschafft werden.

Es ist richtig, dass Frauen durch Schwangerschaft, Säuglings- und Kinderpflege verwundbar werden. Doch was ist eine angemessene Antwort darauf, eine Antwort, die auch die Bedürfnisse der Kinder miteinbezieht? Bisher haben Staat und Gesellschaft den Frauen verschiedene Formen des Schutzes angeboten, z.B. die Institution der Ehe. Okin ist nicht bereit, ein legitimes Bedürfnis der Frau nach Schutz anzuerkennen.

Die einzige Lösung für Susan Okin ist, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu leugnen: „Eine gerechte und faire Lösung für das dringende Problem der Verwundbarkeit von Frauen und Kindern muss die gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter, von produktiver und reproduktiver Arbeit zwischen Männern und Frauen stärken und ermöglichen. Wir müssen auf eine Zukunft hinarbeiten, in der sich alle mit großer Wahrscheinlichkeit für diesen Lebensstil entscheiden.“22

Auf diese Zukunft arbeiten heute schon viele Gender Feministinnen hin.




Die Abschaffung geschlechtlicher Verschiedenheiten um jeden Preis

Solche Theorien sind meilenweit von der alltäglichen Realität vieler Frauen in der ganzen Welt entfernt. Doch sind sie eng mit dem verbunden, was in der UN geschieht.

Die für Frauenforschung in der UN verantwortlich Behörde, INSTRAW, hat sich der gender-feministischen Auffassung angeschlossen. Auch für sie sind geschlechtliche Verschiedenheiten nur „geschlechtsstereotype Rollen“. Diese in Frage zu stellen scheint wichtiger als den konkreten Bedürfnissen von Frauen zu begegnen:

„Die praktischen Bedürfnisse von Frauen hängen in der Regel zusammen mit existierenden Geschlechterrollen, die den Frauen durch traditionelle Arbeitsteilung zugewiesen wurden. (...) Nur die praktischen Bedürfnisse zu befriedigen reproduziert lediglich diese Arbeitsteilung und die Machtverhältnisse, die den Status quo aufrechterhalten.“ 23

Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist für INSTRAW eine „institutionalisierte Form der Diskriminierung“:

„Strategische Ziele dagegen stellen bestehende geschlechtsspezifische Rollen und Stereotype, die auf der Prämisse beruhen, dass Frauen sich gegenüber Männern als Folge ihrer gesellschaftlichen und institutionellen Diskriminierung in einer untergeordneten Position befinden, in Frage. (...) Strategische Gender-Interessen suchen nach Zielsetzungen wie der politischen Gleichstellung von Frauen und Männern, der Beseitigung von institutionalisierten Formen der Diskriminierung von Frauen, der Abschaffung geschlechtsbezogener Arbeitsteilung, der Freiheit der reproduktiven Wahl und der Verhütung von Gewalt gegen Frauen.“ 24

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass INSTRAW die Frauen in den ärmeren Ländern jemals gefragt hat, ob sie ihre geschlechtsspezifische Arbeitsteilung aufgeben oder lieber praktische Hilfe möchten.

INSTRAW hat die Gender-Perspektive übernommen, wie sie schon Simone de Beauvoir vertrat: „Keine Frau soll das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu erziehen. (...) Frauen sollten diese Wahlfreiheit nicht haben, denn wenn sie sie haben, werden zu viele Frauen sie wählen.“25

Im Klartext heißt das: Frauen sollte nicht erlaubt werden, selbst zu entscheiden, was sie wollen, denn sie sind ja nur von den gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen beeinflusst und wollen deshalb das Falsche: Schwangerschaft, stillen, sich um Säuglinge und kleine Kinder kümmern.

Die Gender Agenda redet davon, dass sie das Leben von Frauen verbessern möchte. Aber sie greift Frauen an, die zu Hause bei ihren Kindern bleiben möchten. Sie greift Frauen an, die ihre Kinder und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung schützen möchten. Sie verurteilt Frauen, die „traditionellen“ Berufen nachgehen möchten.


Die 50/50 Quotenregelung

In zahlreichen Dokumenten wird immer wieder darauf hingewiesen, dass eine wirkliche Demokratie erst erreicht werden könne, wenn die absolute statistische Gleichheit in allen Bereichen öffentlichen und privaten Lebens verwirklicht ist.

In der „Pekinger Aktionsplattform“ geht es um: „die Verpflichtung, folgendes einzuführen: das Ziel, einen gleichen Anteil von Frauen und Männern in Regierungsorganen und Regierungsausschüssen sowie in der öffentlichen Verwaltung und Justiz zu haben; u.a. spezifische Zielwerte festzulegen und Maßnahmen zur substantiellen Erhöhung des Frauenanteils durchzuführen, mit dem Ziel – erforderlichenfalls durch Fördermaßnahmen – eine gleiche Repräsentation von Frauen und Männern in allen Regierungs- und Verwaltungspositionen zu erreichen;... das Ergreifen von Maßnahmen – gegebenenfalls auch in den Wahlsystemen – die die politischen Parteien ermutigen, Frauen in öffentliche Wahlämter und Nichtwahlämter im gleichen Prozentsatz und gleichen Rang zu integrieren wie Männer; ... das Überwachen und Evaluieren der Fortschritte bezüglich der Vertretung von Frauen.“26

Es ist erstaunlich, wie eloquent man eine 50/50 Quotenregelung fordern kann, ohne das Wort fünfzig zu benutzen

Gender-spezifische Statistiken

Wenn das Ziel statistische Gleichheit ist, muss diese gemessen werden. Die Pekinger Aktionsplattform fordert wiederholt gender-spezifische Statistiken. „Ungleichheit“ in der Beteiligung an bestimmten Ämtern und Positionen oder an gemessener Leistung wird als Beweis für „Diskriminierung“ herangezogen, nicht als Hinweis darauf, dass Männer und Frauen verschieden sind und möglicherweise Verschiedenes wollen.

Ziel der Gender-Agenda ist ein Meinungsklima, in dem Gleichstellung nicht mehr als Rechts- und Chancengleichheit gesehen wird, sondern als „statistisch gleicher Anteil“. Wird die statistische Gleichheit nicht erreicht, leitet die Politik des Gender Mainstreaming aktive Fördermaßnahmen zur Beendigung der „Diskriminierung“ ein.

Die Befürworter statistischer Gleichstellung können keine Belege dafür anführen, dass Männer und Frauen sich eine statistisch gleiche Beteiligung in allen Berufs- und Lebensbereichen wünschen. Für die Gender Aktivisten beweist der mangelnde Wunsch nach statistischer Gleichstellung nur, dass die Frauen durch „Geschlechtsstereotype“ sozialisiert wurden – und diese müssten abgeschafft werden.



Mehr Bürokratie

Um die Gender Agenda durchzusetzen, braucht es nicht nur neue Behörden zur Aufstellung geschlechts- bzw. gender-spezifischer Statistiken. Es braucht Experten für Gender-Analysen, Schulungen für Gender-Sensibilität und neue Ausbildungszweige für Gender Gleichstellungsbeauftragte. Kurz: Es braucht eine wachsende Bürokratie. Je mehr die Gender Agenda umgesetzt wird, desto mehr gibt das den Studienabgängern für Gender Studies sowie den Gender-Feministen eine faktische Kontrolle über die gesellschaftlichen Institutionen.
Die Familienbefürworter setzen sich für Gerechtigkeit ein, unbedingt für Chancen- und Rechtsgleichheit für die Frau, nicht aber für statistische Gleichheit. In Wirklichkeit ist die Gender Agenda ein Angriff auf die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau und auf persönliche Entscheidungen.
Die Familienbefürworter sind der Auffassung: Kein Mädchen sollte entmutigt werden, eine Karriere in einem „nicht-traditionellen“ Beruf zu wählen, aber ebenso wenig sollte ein Mädchen dazu gezwungen werden. Einige Frauen genießen zu Recht die Herausforderung, sich in einem früher von Männern dominierten Feld zu behaupten. Künstliche Barrieren, die Frauen in der Vergangenheit von bestimmten Feldern abhielten, sollten abgebaut werden. Aber eine durch Schaffung bestimmter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen mehr oder weniger erzwungene statistische Gleichheit ist ein direkter Angriff auf die Würde und Freiheit jedes einzelnen Menschen.
Werden künstliche Barrieren abgebaut, ändert sich tatsächlich die Verteilungsquote von Frauen und Männern in einigen Berufen. In einer Studie wurde die prozentuale Beteiligung von Frauen (18-65 Jahre) in ausgewählten Berufen im Jahre 1970 mit der im Jahr 1990 verglichen. In einigen Bereichen gab es einen signifikanten Anstieg der Beschäftigung von Frauen: Der Anteil der weiblichen Barkeeper stieg von 26 auf 52 Prozent; der Anteil der Busfahrerinnen von 32 auf 50 Prozent, der Anteil der Anwältinnen und Richterinnen von 6  auf 26 Prozent. In anderen Bereichen aber (Soldat, Automechaniker, Bibliothekar, Krankenpflegerin, Pilot, Sekretärin, Lehrerin) blieb das prozentuale Verhältnis praktisch unverändert.27
Es ist sogar möglich, dass der Abbau künstlicher Barrieren langfristig zeigen wird, dass sogenannte „Geschlechterstereotype“ in Wirklichkeit tatsächliche Unterschiede in den besonderen Interessen und Begabungen vieler Männer und Frauen widerspiegeln.
Feministen wollen, dass Frauen 50 Prozent aller „Entscheidungsträger-Positionen“ und wichtigen öffentlichen Ämter einnehmen. Aber Frauen fühlen sich nicht automatisch dadurch befreit, dass die Leitung in einer gigantischen Bürokratie jetzt eine Frau innehat. Frauen wollen selbst Entscheidungen treffen, unabhängig von politischen Zwängen. Wenn es nach der „Pekinger Aktionsplattform“ geht, werden den Frauen im Alltag mehr Entscheidungsspielräume entzogen und bürokratische Apparate erhalten zunehmend Macht und Einfluss.



Umgekehrte Diskriminierung

Die Forderung nach einer gleichen Quote von Männern und Frauen in politischen Ämtern führt auch nicht zu mehr Gerechtigkeit, sondern zu neuen Ungerechtigkeiten. Eine Quotenregelung würde weiblichen Bewerbern einen unfairen Vorteil verschaffen, da weniger Frauen politische Ämter anstreben als Männer aus dem einfachen Grund: Es wird immer einen Teil von Frauen geben, auch unter den klügsten und talentiertesten, die Mutterschaft als ihre primäre Aufgabe sehen, und die deshalb auf ein zeitaufreibendes politisches Amt verzichten.

Die Durchsetzung einer 50/50-Quotenregelung nimmt außer-dem Frauen und Männern die individuelle Freiheit, denjenigen Kandidaten zu wählen, den sie möchten. Nicht alle Frauen sind z.B. der Auffassung, dass ihre Interessen besser von Frauen vertreten werden. Umgekehrt gilt auch: Wenn Frauen möchten, können sie zu 100 Prozent Frauen wählen. Wenn aber von vornherein festgelegt ist, dass 50 Prozent der Wahlämter mit Frauen besetzt werden müssen, ist das ein Angriff auf die Wahlfreiheit des Einzelnen.


Krieg gegen die Mutterschaft

Es gibt ein Haupthindernis auf dem Weg zur statistischen Gleichheit: die Mutterschaft – die besondere Begabung der Frau, schwanger zu werden, Kinder zur Welt zu bringen, zu stillen und primäre Bindungssperson für den Säugling und das Kleinkind zu sein. Wenn auch nur ein bestimmter Prozentsatz von Frauen Mutterschaft als ihre wichtigste Bestimmung wählt, wird statistische Gleichheit zur statistischen Unmöglichkeit. Das wichtigste konkrete Ziel der Gender Agenda und des Gender Mainstreaming heißt deshalb: Krieg gegen die Mutterschaft.

Eine Übersicht über die feministischen Bücher zeigt: Neben Ehe und Familie stellen sie die Mutterschaft als Hauptquelle der Unterdrückung der Frau dar. Der Wunsch der Frau, „mütterlich“ zu agieren, d.h. in einer intimen, tagtäglichen, nahen Verbindung mit den Kindern zu stehen, wird als etwas gesehen, das der Frau von der „patriarchalischen Gesellschaft“ aufgezwungen wurde.

So glaubt die Feministin Nancy Chodorow: In einer Familie, in der der Vater arbeiten geht und die Mutter zuhause ist, lernt das Kind anzunehmen, dass Mann und Frau verschieden sind. Mädchen identifizieren sich mit den Müttern. Jungen lernen, dass sie nicht wie ihre Mütter sind. Hat der Gedanke von der Verschiedenheit der Geschlechter einmal Fuß gefasst, werden die Kinder auch später immer in Unterscheidungen denken – und so das Übel des Klassendenkens weitertragen.28


Die „Pekinger Aktionsplattform“ enthält kein einziges positives Statement über Frauen, die ganztägig zu Hause als Mutter und Ehefrau arbeiten.

Als Lösungen für das Problem bietet die Gender Agenda u.a. an: „Ein verändertes soziales Bewusstsein“; „Retortenbabys“; die Verteilung der „Verantwortung für die Kindererziehung auf zahlreiche Haushalte“ und die „umfassende Beteiligung des Vaters an den Elternpflichten.“29

Die Familienbefürworter setzen sich sehr wohl dafür ein, dass Väter eine aktive Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielen. Kinder brauchen Mutter und Vater, aber das heißt nicht, dass jeder von ihnen genau gleich viel Zeit zu Hause und außer Haus verbringen muss. Mütterliche und väterliche Aufgaben sind nicht identisch.

Familienbefürworter sagen auch nicht, dass jede Mutter zu Hause bleiben solle oder dass Väter sich nicht an der Arbeit im Haushalt beteiligen sollten. Sie sind der Auffassung, dass jedes Paar das Recht hat, selbst zu entscheiden, wie sie Familienarbeit und Erwerbstätigkeit aufteilen möchten. Wenn Mann und Frau sich jeder zu gleichen Teilen an der Familienarbeit und der Erwerbstätigkeit beteiligen wollen, muss das möglich sein. Wenn aber z.B. die Mutter ganz zu Hause bei den Kindern bleiben möchte und nur der Vater außer Haus arbeitet, sollte sich keine Regierung einmischen und diese Familie in irgendeiner Weise finanziell oder ideell bestrafen.

Kinder brauchen eine eins-zu-eins-Beziehung

Die neue Hirnforschung zeigt: Die ersten fünf Jahre eines Kindes sind die wichtigsten für die Entwicklung des Gehirns. Das Kind braucht in dieser Zeit intensive „eins-zu-eins“- Beziehungen. Kinder sind von Geburt an ausgestattet mit einer Person, die die „eins-zu-eins“-Beziehung geben kann: mit der Mutter.
Selbst eine Mutter, die sehr gut verdient, kann sich nur in seltenen Fällen eine Ersatzmutter leisten, die die notwendige intensive Dauer-Bindungsarbeit übernimmt. Eine Mutter, die nur durchschnittlich verdient, kann ihre Kinder nur in Kinderkrippen geben, wo immer mehrere Kinder auf eine Bezugsperson kommen und es immer eine Fluktuation der Betreuerinnen geben wird wird.

Feministen sagen, dass die Gesellschaft Müttern ein schlechtes Gewissen mache, wenn sie bald nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Aber wahrscheinlich ist es umgekehrt: Die Mütter haben von sich aus ein schlechtes Gewissen, weil sie spüren, dass auch der beste Krippenplatz nur zweite Wahl ist.

Die Auffassung der Gender Aktivisten ist, dass es „Frauen Power“ nur gibt, wenn jede Frau berufstätig und damit finanziell autonom ist. Doch wo bleiben Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege? Wo bleiben die Bindungsbedürfnisse des Kindes? Die Gender Agenda fragt nicht zuerst nach dem, was Kinder brauchen; sie hat nur ein kurzsichtiges Ziel im Auge: um jeden Preis die Geschlechterdifferenzen einzuebnen.


Wenn eine Frau nicht erwerbstätig ist, weil sie für die Familie da sein möchte, ist sie abhängig davon, dass der Vater die gesamte finanzielle Verantwortung übernimmt. Solche ökonomische „Abhängigkeit“ bringt aber Frauen die „Power“, sich frei für das Muttersein entscheiden zu können. Die Familienbefürworter sind der Auffassung, dass eine Frau das Recht haben muss, ohne finanzielle oder gesellschaftliche Zwänge selbst entscheiden zu können, ob sie vollzeitig berufstätig sein möchte oder vollzeitig Mutter oder Teilzeit erwerbstätig.

Feministen bestehen darauf, dass nur erwerbstätige Frauen autonom sind. Doch wenn der größte Teil des Einkommens der Frau durch höhere Steuern, für Krippenplätze und andere Dienstleistungen, die die Frau vermehrt aufgrund ihrer Berufstätigkeit braucht, schon aufgefressen werden, wo liegt der Vorteil? Einige Frauen sagen, dass sie zu Hause wirkliche Autonomie erleben. Sie können sich den Tag einteilen, selbst Entscheidungen treffen. Oft sind sie für das Management des Familieneinkommens zuständig und machen das Beste daraus.

Ein Argument, Frauen in die Erwerbsarbeit zu locken, heißt: Die Gesellschaft braucht die Talente und Gaben aller Bürger und Bürgerinnen. Für Mütter, die zu Hause sind, ist das eine Beleidigung. Sie besagt, dass Mütter, die sich zu Hause ihren Kindern widmen, ihre Talente vergeuden. Einem Kind zu helfen, zur Welt zu kommen und emotional sicher und mit guten Bindungsfähigkeiten aufzuwachsen, ist aber die wichtigste Arbeit, die in einer Gesellschaft getan werden kann.

Vollzeit-Mütter wehren sich dagegen, dass sie nur Bürger zweiter Klasse sein sollen, gefangen in „niederen, unterwürfigen“ Rollen, die nur darauf warten, durch Vollzeit-Erwerbstätigkeit befreit zu werden, so dass sich endlich die Gesellschaft ihrer Gaben und Talente bedienen kann. Auf der Weltfrauenkonferenz bemerkte eine Amerikanerin, die zur Familienkoalition gehörte: „Uns sind keine Chancen genommen worden. Feministinnen scheinen zu denken, dass Vollzeit-Mütter das Haus nicht verlassen. Wir sind hier, in Peking!“ Unter den Müttern der Familienkoalition war eine Frau mit acht Kindern, die das Institut „National Institute of Womanhood“ („Nationales Institut für die Frau“) gegründet hatte. Eine andere Vollzeit-Mutter in Peking war Herausgeberin einer Frauenzeitschrift. Wieder eine andere leitete eine ehrenamtliche Initiative gegen die Ausbreitung der Prostitution.

Vorbedingung einer echten Partnerschaft zwischen Frau und Mann ist nicht, dass beide statistisch gleich viel Haus- und Erwerbsarbeit übernehmen. Vollzeitige Mutterschaft gibt Frauen Zeit- und Energie-Freiräume, die erwerbstätige Mütter oft nicht haben. Damit können sich Vollzeit-Mütter in vielerlei Weise in der Gesellschaft engagieren. Viele Frauen würden gerne zu Hause bleiben, müssen aber aus finanziellen Gründen erwerbstätig sein. Wovon werden die Kinderkrippen bezahlt? Von Steuern – und hohe Steuern führen dazu, dass die Mutter erwerbstätig sein muss, weil sonst das Familieneinkommen nicht reicht.

Die finanziellen Zwangslagen kommen aber oft nicht von unsichtbaren „unausweichlichen“ ökonomischen Kräften, sondern sind von anderen geplant und gemacht. Die Gender Feministen sagen: „Heutzutage müssen die Frauen arbeiten gehen“. Was sie nicht sagen, ist, dass sie dafür gearbeitet haben, dass heutzutage die Frauen arbeiten gehen müssen.

Die Vertreter von Ehe und Familie sind gegen die Gender-Perspektive – nicht weil sie gegen Fortschritt in Frauenfragen wären, sondern gerade weil sie für die Frauen sind. Sollte die erträumte Zukunft der Feministinnen je wahr werden, wird die Welt weniger gerecht, weniger frei und weniger menschlich sein.



Anmerkungen:

Alle Zitate aus Fremdquellen sind nach dem Buch von Dale O’Leary direkt aus dem englischen übersetzt mit Ausnahme der Zitate von Friedrich Engels und Judith Butler.

Auch die Zitate aus der „Pekinger Aktionsplattform“ sind direkt aus dem Englischen übersetzt. Im Internet ist einzusehen: Bericht der Vierten Weltfrauenkonferenz, Anlage II, Aktionsplattform, auszugsweise Übersetzung des Dokuments A/CONF.177/20 vom 17. 10. 1995, www.un.org/Depts/german/conf/beijing/beij_bericht.html

1 Zum Begriff siehe Teil I.

2 Jagger, A., Political Philosophies of Women‘s Liberation, Totowa 1977, S. 9.

3 Millett, K., Sexual Politics, New York 1971, S. 167, 169.

4 Engels, Friedrich - „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ in: Karl Marx/Friedrich Engels-Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 21, 1962, S. 68.

5 Engels, F., ebd., S.61.

6 Engels, F., ebd., S. 75.

7 Engels, F. ebd., S. 73.

8 Engels, F. ebd., S. 76, 77.

9 Firestone, S., The Dialectic of Sex, New York 1972, S. 9 (dt.: Frauenbefreiung und sexuelle Revolution, Frankfurt, 1978).

10 Firestone, S., ebd., S. 10.

11 Firestone, S., ebd., S. 10.

12 Firestone, S., ebd., S.12.

13 Riddiough, C., Socialism, Feminism and Gay/Lesbian Liberation, in: Women and Revolution, hg. Lydia Sargent, Boston, 1981, S. 87.

14 Herman, E., Still Married After All These Years, Sojourner: The Women’s Forum, Sept 1990, S. 14.

15 Jagger, A., a.a.O., S. 15.

16 Firestone, S., a.a.O., S. 59.

17 Siehe z.B. www.anwalt.de/presse/pdf/anw_presse_20070307_19.pdf

18 Firestone, S., a.a.O., S. 240.

19 Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt 1991, (englische Originalausgabe: Gender Trouble, Routledge 1990), S. 22-23. Zum besseren Verständnis für den heutigen Leser, der mit dem Wort Gender vertraut ist, wurden die englischen Originalworte sex und gender jeweils an den entsprechenden Stellen in Klammern eingefügt. An einer Stelle weicht der Text geringfügig von der deutschen Übersetzung ab. Anm. d. Hg.

20 Beckman, P. R., D’Amico, F., Women, Gender, and World Politics, Westport, CT: Bergin u.Garvey, 1994, S. 7.

21 Okin, S., Justice, Gender, and the Family, New York, 1989, S. 170.

22 Okin,S., ebd., S. 170.

23 INSTRAW, Gender Concepts in Development Planning, Basic Approach, 1995, S. 27.

24 INSTRAW, ebd., S. 28.

25 Beauvoir, Simone de, zitiert in: Hoff Sommers, Ch., Who Stole Feminism, New York 1994, S. 256.

26 Platform for Action 192 (190). Kursivsetzung nach O‘Leary.
27 Applied Social Research Program, Queens College, CUNY, zitiert in: Ms., Nov-Dez. 1995, S. 40.
28 Chodorow, N., The Reproduction of Mothering, Berkeley 1978 (dt.: Das Erbe der Mütter, München 1985.)
29 Pogrebin, C., Family Politics, New York, 1983, S. 22-24."

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/o-leary-agenda-begriff-pekinger-aktionsplattform/)





"Gender und Empirie
Eine Einführung

Der Anthropologe und Psychoanalytiker Melford E. Spiro führte die Langzeitstudie Gender and Culture über Entwicklungen in der israelischen Kibbuzbewegung durch. Zu Anfang seiner Studie, so Spiro, sei er selbst von einigen Thesen der Gender-Theorien ausgegangen, doch seine langjährigen Beobachtungen hätten eine „kopernikanische Wende“ in seinem Denken bewirkt. Spiro beschreibt die feministische Ideologie der Kibbuzgründer, ihr absolutes Gleichheitsideal von Frau und Mann und warum die nächste Generation, die im Kibbuz geborenen Sabra-Frauen, dieses Gleichheitsideal ablehnten. Die Kibbuzgründer bestanden auf Quotengleichheit, doch die nächste Generation kehrte zu einer auf Geschlecht basierenden „ungleichen“ Arbeitsteilung zurück. Spiro geht der Frage nach, warum für viele Sabra-Frauen Mutterschaft so sinnstiftend war.

In seinem Artikel Gender und Gesellschaft kritisiert Spiro, dass zentrale Thesen der Gender-Theorien nie empirisch überprüft oder verifiziert worden seien und begründet ausführlich, warum seine Studie diese Thesen in Frage stellt. Er setzt sich mit Aussagen von Gender-Feministinnen auseinander, wonach Mutterschaft nur ein kulturell konstruiertes Bedürfnis zur Unterdrückung der Frau ist. Doch die Sabra-Frauen, so Spiros Beobachtungen im Kibbuz, wollten Mutter sein und sich mütterlich-fürsorglich verhalten, nicht weil eine Gesellschaft ihnen das aufzwang, sondern weil sie darin eine „Quelle tiefer Selbsterfüllung“ fanden.

Gender und Gesellschaft

Melford E. Spiro1

Die vorliegende Studie zum Thema Frauen und Gender in der israelischen Kibbuzbewegung wurde erstmals 1979 veröffentlicht. Sie genießt den zweifelhaften Ruhm, in der riesigen Fülle der seither erschienenen Bücher, Artikel, Zusammenstellungen, Bibliografien und Rezensionen, die sich mit vergleichenden Studien zum Thema Frauen und Gender befassen, so gut wie niemals zitiert worden zu sein. Das ist bedauerlich und auch ungewöhnlich.

Es ist bedauerlich, weil die Studie wichtige Fragen zu den derzeitigen Kernthemen der Gender-Debatte aufwirft. Es sind Fragen über die Unterschiede zwischen Mann und Frau, wo solche Unterschiede herkommen, wie sie sich entwickeln, welche Rolle das biologische Geschlecht spielt, wie wichtig oder unwichtig biologische und kulturelle Determinanten überhaupt sind usw. Aber da die Studie unbekannt ist, kann sie keinen Beitrag zu den einschlägigen Diskussionen leisten.

Es ist auch ungewöhnlich, denn es handelt sich um eine der wenigen Langzeitstudien, die es gibt. Ihre historische Dokumentation erstreckt sich über siebzig Jahre, ihre ethnografischen Beobachtungen über fünfundzwanzig. Zudem gibt es eine frühere Studie über Kibbuz-Frauen mit praktisch denselben Ergebnissen (Tiger/Shepher 1975), die ebenso wenig zitiert wird.2


Die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Untersuchung (ebenso wie die der Tiger/Shepher-Studie) sind einwandfrei. Einige meiner Schlussfolgerungen sind zwar scharf kritisiert worden, doch keiner der Kritiker hat jemals die Stimmigkeit meiner Ergebnisse angezweifelt. Warum wird die Studie dennoch ignoriert? Meines Erachtens deshalb, weil ihre Ergebnisse (ebenso wie die der Tiger/Shepher-Studie) zentrale Aussagen der Frauen- und Gender-Studies in Frage stellen.

Es geht dabei um folgende Aussagen der Gender-Studies:

Das soziale Geschlecht (Gender) und die Unterschiede in den Geschlechtsrollen von Mann und Frau sind gesellschaftlich konstruiert.
Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist kulturbedingt, nicht naturbedingt.
Die Befreiung der Frau kann nur gelingen, wenn Familie und Kindererziehung nicht mehr im Mittelpunkt weiblicher Interessen stehen.
Die Abschaffung jeglicher Geschlechtsrollen-unterschiede ist unabdingbare Voraussetzung für die Gleichstellung von Frau und Mann.

Da diese Aussagen als Axiome gelten, wurden sie, soweit ich weiß, nie einer gründlichen Prüfung unterzogen. Sie wurden auch kaum jemals hinterfragt, wenn man von den Auffassungen einiger weniger feministischer Theoretikerinnen mit abweichender Meinung absieht.3 Obwohl die vorliegende Studie keine solche Überprüfung sein kann – eine Einzelstudie kann das nie – stellt sie doch die genannten Grundaussagen in Frage.

Meine Studie liefert wichtige Hinweise dafür, dass möglicherweise

die soziale Geschlechtsrolle (Gender) und damit verbundene Unterschiede zwischen Mann und Frau nicht einfach kulturbedingte Konstrukte sind;
die Bindung zwischen Mutter und Kind nicht einfach sozial konstruiert ist;
die Befreiung der Frau nicht voraussetzt, Familie und Kindererziehung aus dem Mittelpunkt weiblicher Interessen rücken zu müssen;
die Gleichstellung von Frau und Mann gelingen kann (normativ und in der Praxis), auch wenn das gesellschaftliche System Geschlechtsrollenunterschiede berücksichtigt.

Da diese vorsichtigen Schlussfolgerungen aus einer Langzeitstudie hervorgegangen sind, in der natürliche Veränderungen (historische Veränderungen, Generationenwechsel) die Basis bilden, hätten die Grundprinzipien wissenschaftlicher Streitkultur eigentlich erwarten lassen, dass die aus dieser Studie resultierenden Herausforderungen nicht ignoriert werden. Man hätte annehmen müssen, dass zumindest die stichhaltige Relevanz der empirischen Ergebnisse oder die Gültigkeit der theoretischen Schlussfolgerungen in Frage gestellt worden wäre. Stattdessen wurde die Existenz dieser Studie (wie auch der von Tiger/Shepher) schlichtweg ignoriert. Ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen wurden unter den Teppich gekehrt. Auf diese Weise braucht sich niemand der Herausforderung zu stellen.

Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über das Ausmaß dieser Herausforderung geben.

Die feministische Ideologie der Kibbuzgründer4 im Vergleich zur Ideologie der zweiten Feminismuswelle

Meine Untersuchungen im Kibbuz Kirjat Yedidim (Pseudonym) begann ich 1951. Der Kibbuz Kirjat Yedidim wurde als landwirtschaftliches Kollektiv israelischer Siedler 1921 in Nordisrael gegründet.

Wie bei nahezu allen nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Kibbuzim hatten sich auch die Gründer (Frauen und Männer) dieses Kibbuz einer feministischen Ideologie verschrieben. Sie beinhaltete Elemente der ersten Feminismuswelle, die ca. 100 Jahre vor Entstehen der Kibbuz-Bewegung aufkam, aber auch schon Elemente der zweiten Feminismuswelle, die erst in den 1960er Jahren begann.
Im Einklang mit der ersten Feminismuswelle (Gleichstellungs-Feminismus) verfolgten die Gründer u.a. die Gleichstellung der Frau, d.h. die Schaffung eines Umfelds, in dem die Frauen gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und im Hinblick auf Bildung dieselben Rechte und Möglichkeiten hatten wie die Männer.
Doch wie die zweite Feminismuswelle (Gender-Feminismus) verfolgten auch die Gründer noch weiter gehende Ziele. Dazu gehörten die Zerstörung des „Patriarchats” und die Abschaffung sämtlicher gesellschaftlicher Unterschiede zwischen Frauen und Männern, einschließlich (aber nicht beschränkt darauf) der Abschaffung sämtlicher Geschlechtsrollenunterschiede.

Letzteres hatte für die Kibbuzgründer, ebenso wie für die zweite Feminismuswelle, entscheidende Bedeutung. Sie waren davon überzeugt, dass eine wirkliche Gleichheit zwischen Mann und Frau nicht erreicht werden kann, solange Männer und Frauen noch verschieden sind – selbst wenn dieser Verschiedenheit der gleiche Wert beigemessen wird. Wirkliche Gleichheit, so meinten sie, kann nur erreicht werden, wenn Männer und Frauen dieselben gesellschaftlichen Rollen innehaben und sie auch in nahezu jeder anderen Hinsicht „unterschiedslos” sind.

Die Gründer waren der Auffassung, dass alle gesellschaftlichen und psychischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, also die Genderunterschiede, kulturell konstruiert seien. Sie gingen davon aus, dass diese Unterschiede Folge von Geschichte und Tradition seien sowie das Ergebnis ungleicher Sozialisation im Kindesalter.

Auch wenn die Kibbuzgründer es nicht so unverblümt ausgedrückt hätten, so hätten sie wohl doch den heutigen Feministinnen zugestimmt, wenn diese sagen: „[D]ie einzigen nennenswerten Geschlechtsunterschiede, die sich nicht kulturell erklären lassen, sind die Fähigkeiten der Frau, zu menstruieren, ein Kind zu gebären und zu stillen.”5 Da diese biologischen Variablen aber, so die Argumentation weiter, kaum oder keinerlei verhaltensbedingte oder psychische Relevanz haben, so folgt daraus: „[W]enn Jungen und Mädchen sich [psychisch und in ihrem Verhalten] voneinander unterscheiden, dann werden sie nicht so geboren, sondern so gemacht.”6 Daraus folgt: „Was immer durch historische oder gesellschaftliche Verhältnisse entstanden ist, kann der menschliche Wille rückgängig machen.”7

Diese Auffassung wirft natürlich eine Reihe von Fragen auf, etwa: Wenn Unterschiede in den sozialen Geschlechtsrollen und dem damit verbundenen Verhalten lediglich kulturabhängig konstruiert sind, warum kommen sie dann in allen bekannten menschlichen Kulturen vor? Und falls es sich um kulturelle Konstrukte handelt und diese vom menschlichen Willen rückgängig gemacht werden können, warum existieren sie dann so hartnäckig?

An dieser Stelle gehen die Ansichten der Kibbuzgründer und der heutigen Feministinnen weit auseinander, sowohl was ihre Diagnose über die Ursache der Probleme als auch ihre Lösungsvorschläge anbetrifft.

Nach Auffassung heutiger Feministinnen sind die Unterschiede in den Geschlechtsrollen und im damit verbundenen Verhalten deshalb so universal und hartnäckig, weil sie in allen Gesellschaften einer patriarchalen politischen Struktur dienen, mit deren Hilfe die dominanten Männer die abhängigen Frauen unterdrücken.

In kapitalistischen Gesellschaften unterdrücken die wirtschaftlich privilegierten Männer die wirtschaftlich benachteiligten Frauen, und in multi-ethnischen Gesellschaften unterdrücken die Männer übergeordneter ethnischer Gruppen die Frauen untergeordneter ethnischer Gruppen.8 Ausgehend von dieser Sichtweise ist verständlich, dass – was immer es sonst für Unterschiede in den Theorien geben mag – „es jeder [zeitgenössischen] feministischen Theorie oder Perspektive darum geht, die Unterdrückung der Frau zu beschreiben, ihre Ursachen und Auswirkungen zu erklären und Strategien zur Befreiung der Frau zu unterbreiten.”9

Zwar bieten die Feministinnen verschiedene Erklärungen dafür an, warum Männer Frauen unterdrücken, aber eine weit verbreitete Auffassung ist, dass Männer Frauen hassen. Germaine Greer schreibt explizit: „Die Feindseligkeit der Männer gegenüber den Frauen ist eine konstante Größe. Alle Männer hassen gelegentlich alle Frauen, einige Männer hassen beständig alle Frauen, einige Männer hassen beständig einige Frauen.”10

Die radikalen Feministinnen wie etwa Catharine MacKinnon und Andrea Dworkin gehen am Weitesten in ihren Erklärungen, warum Männer Frauen unterdrücken. Für sie ist Aggression der Kern männlicher Sexualität. Nach ihrer Auffassung tritt in der Sexualität die Feindseligkeit des Mannes gegenüber der Frau am offensichtlichsten zutage. Catherine MacKinnon schreibt: „Männliche Sexualität hat als Zentrum den aggressiven Übergriff auf die, die weniger mächtig sind [d.h. die Frauen].”11

Und da „Gender-Ungleichheit ein entscheidender Begriff für die gesellschaftliche Hierarchie ist, dafür, dass Männer den Frauen übergeordnet sind,” folgt daraus, dass „eine Theorie der Sexualität in dem Maße feministisch ist, wie sie Sexualität als Konstrukt männlicher Macht behandelt – von Männern definiert, den Frauen aufgedrängt und konstitutiv für die Bedeutung von Gender.”12


MacKinnon weiter:

„Erotisierte Vorherrschaft ist das zwingende Kennzeichen von Männlichkeit, erotisierte Unterwerfung Kennzeichen von Weiblichkeit. So viele unverkennbare Merkmale, die den Status der Frau als zweitklassig ausweisen, werden in den Kontext weiblicher Sexualität übertragen: Einschränkung, Zwänge und Verkrümmung, Unterwürfigkeit und Zurschaustellung, Selbstverstümmelung, die Forderung, sich selbst als schönes Objekt darzustellen, auferlegte Passivität, Erniedrigung. Damit erweist sich... Sexualität als die Dynamik der Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Dies spricht für eine Theorie der Sexualität, wonach diese Ausdruck sozialer Machtverteilung entlang der Kategorie Gender ist. Diese Sexualität ist im Wesentlichen das, was die Gender-Unterscheidung ausmacht: männliche Vorherrschaft – und zwar, wo immer sie vorkommt, und das ist fast überall.”13

An dieser Stelle muss betont werden, dass die abstrakte Bezeichnung „männliche Vorherrschaft” ein Euphemismus für Aggressionen von Männern gegen Frauen auf der Verhaltensebene ist ebenso wie ein Euphemismus für den Hass von Männern auf Frauen auf der Gefühlsebene.

Dazu noch einmal MacKinnon:
„Die Gewalt [der Männer] ist der Sex... Feindseligkeit und Verachtung, die Erregung des Meisters gegenüber der Sklavin; Ehrfurcht und Verwundbarkeit, die Erregung der Sklavin gegenüber dem Meister: Dies sind die Gefühle, aus denen sich der Reiz der Sexualität speist... Gewaltanwendung, üblicherweise durch Penetration und Geschlechtsakt, ist das Paradigma der sexuellen Begegnung... Daraus folgt: Was Sexualität genannt wird, ist ein Kontrollmechanismus, mit dessen Hilfe eine männliche Vorherrschaft... [auch] das politische System einer männlichen Überlegenheit definiert und aufrecht erhält... [Pornographie] ist die ‘Wahrheit [der Männer] über Sex’. Nach dem, was die Pornographie zeigt, wollen Männer, dass Frauen gefesselt, Frauen verprügelt, Frauen gefoltert, Frauen erniedrigt, Frauen herabgewürdigt und geschändet, Frauen getötet werden.”14

Diese politische Erklärung für die Universalität und das Fortdauern der Geschlechtsrollen-unterschiede und unterschiedlichen Verhaltensweisen von Mann und Frau ist eine ganz andere Erklärung als diejenige, die die Kibbuzgründer gaben.
Die Gründer sahen die Unterschiede und die dadurch geförderte Ungleichheit zwischen Mann und Frau als eine gesellschaftliche Konsequenz, die sich aus dem weiblichen Fortpflanzungssystem ergibt. Ihre Argumentation lässt sich so zusammenfassen: Da es die Frauen sind, die schwanger werden, und da es in der traditionellen Familie ebenso die Frauen sind, die die Kinder großziehen, bringt diese Kombination aus biologischen und sozialen Faktoren ein Ehesystem hervor, in dem Frauen für ihr eigenes Überleben und das ihrer Kinder gesellschaftlich und finanziell von ihrem Ehemann abhängig sind. Als Folge davon wird der Horizont der Frau auf die private Familienwelt begrenzt. Ihre Energien bleiben auf diesen Bereich beschränkt. Ihr Interesse, geschweige denn Beteiligung, an der öffentlichen Sphäre von Arbeit, Politik, Wissenschaft und Kunst wird so von vornherein verhindert.


Für die Kibbuzgründer waren also die psychischen und verhaltensbezogenen Auswirkungen der Mutterschaft (in ihrer biologischen wie in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung) die entscheidenden Faktoren für die Unterschiede in den Geschlechtsrollen von Mann und Frau.
Dies ist natürlich auch ein wichtiges Thema in den heutigen feministischen Theorien. Da aber die Gender-Feministinnen der Auffassung sind, dass Geschlechtsrollenunterschiede kulturell konstruiert sind, um die Frau zu unterdrücken, ist für viele (nicht alle) Feministinnen Mutterschaft lediglich ein Element des Patriarchats.
Für Ann Oakley beruht das Konzept der Mutterschaft auf folgenden drei Auffassungen: „Alle Frauen haben das Bedürfnis, Mutter zu sein; alle Mütter brauchen ihre Kinder; alle Kinder brauchen ihre Mütter.”15
Da diese Bedürfnisse aber nach Auffassung der Feministinnen nicht (biologisch) angelegt, sondern kulturell konstruiert sind, haben sie „nichts mit dem Besitz von Eierstöcken und Gebärmutter zu tun”, sondern sind „Folge gesellschaftlicher und kultureller Konditionierung.”16 Aus diesem Grund ist Mutterschaft für sie ein „Mythos” mit dem Zweck, Frauen zu unterdrücken. Dieser Mythos, so heißt es, hält u.a. „Frauen in der biologischen Fortpflanzung gefangen und versagt ihnen eine Identität und eigene Persönlichkeit jenseits der Mutterrolle.”17

Wenn Mutterschaft gesellschaftlich konstruiert ist, so folgt daraus, dass sie auch dekonstruiert werden kann. Und wenn sie der Unterdrückung dient, so ist es nur ein kleiner theoretischer Schritt bis zu der Schlussfolgerung, dass es für die Befreiung der Frau erforderlich ist, Mutterschaft abzulehnen. Diesen Schritt sind einige Feministinnen, etwa Jeffner Allen, gegangen:

„Ich möchte die Ablehnung der Mutterschaft bekräftigen, weil Mutterschaft für Frauen gefährlich ist. Wenn die Frau im Patriarchat als Ehefrau und Gebärmutter des Mannes existiert... so ist es die Mutter, deren Körper als Ressource zur Reproduktion von Männern und der männlichen Welt, d.h. von biologischen Kindern des Patriarchats und von Ideen und Gütern der patriarchalischen Kultur, benutzt wird. Mutterschaft ist gefährlich für Frauen, da sie die Strukturen aufrecht erhält, in denen die weiblichen Wesen Frau und Mutter sein müssen, und umgekehrt, weil sie damit den weiblichen Wesen die Schaffung einer Subjektivität sowie einer offenen und freien Welt versagt.”18

Da also Mutterschaft „die männliche Aneignung des weiblichen Körpers als Ressource zur Reproduktion des Patriarchats ist,”19 gilt:

„[In] der Produktion des Sohnes für den Vater, in der Produktion von Gütern für den Vater, zum Wohle des Sohnes, sind wir nicht unser eigener Körper, sind wir nicht wir selbst. Wir sind Mittel zum Zweck des Mannes, niemals unser eigener Zweck, wir sind ohne Selbst, heimatlos, ausgelöscht. Die Knechtschaft am eigenen Leib zu erfahren, sorgt dafür, dass wir unsere Gefahr ernstnehmen, und stärkt uns in der festen Überzeugung, dass wir uns gemeinsam aus der Mutterschaft befreien müssen.”20

Dies sind nicht die Theorien, die die Kibbuzgründer hatten. Zwar sahen auch sie die Ursachen für Geschlechterungleichheit in den Zwängen, die die Mutterschaft den Frauen auferlegt. Doch waren sie nicht der Auffassung, Mutterschaft sei ein Mythos, der Wunsch nach Kindern sei sozial konstruiert und die biologische Fortpflanzung sei ein Instrument zur Aufrechterhaltung des Patriarchats.
Anstatt also die Ablehnung der Mutterschaft vorzuschlagen, schlugen die Gründer die Ablehnung der Ehe (als rechtliche und wirtschaftliche Gemeinschaft) und der Familie (als Wohngemeinschaft) vor. Stattdessen sollte ein radikal anderes Ehe- und Familiensystem eingeführt werden. Die Umsetzung dieser Vorschläge ist das, was ich die feministische Revolution der Gründer (Frauen und Männer) genannt habe.

Die feministische Revolution der Kibbuzgründer

Zur Verwirklichung ihrer Ideen führten die Gründer ein Heiratssystem ein, bei dem jeder Ehepartner ein vom anderen völlig unabhängiger Akteur war. Sie etablierten ein Kindererziehungssystem, in dem die Kinder von Geburt an nicht bei den Eltern wohnten, aßen und schliefen, sondern in Kinderhäusern. Die Kinderhäuser waren nach Altersgruppen gegliedert, die Kinder wurden dort von ausgebildeten Betreuern, Pädagogen und Erzieherinnen erzogen.

Ziel dieser revolutionären Neuerungen war es, die Frauen von der Last der Kinderpflege zu befreien und ihnen somit die Übernahme derjenigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rollen zu ermöglichen, die bis dahin Männern vorbehalten waren. Die revolutionäre Veränderung der Ehe sollte Frauen aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von ihren Männern lösen, damit sie den Männern in wirtschaftlicher wie in gesellschaftlicher Hinsicht ebenbürtig sein konnten. Kurz gesagt: Die Innovationen sollten die Gleichheit der Geschlechter fördern.

Die Neuerungen in der Kindererziehung wurden aber nicht nur zum Wohl der Frau, sondern auch zum Wohl des Kindes konzipiert. Mit der Kollektiverziehung sollten zwei pädagogische Ziele erreicht werden: Das neue System sollte die Kinder vor emotionalen Problemen schützen, die, so glaubten die Gründer, unweigerlich als Folge des Familienlebens auftreten. Zudem war die gemeinschaftliche Erziehung aus ihrer Sicht die wirksamste Methode, den Kindern die Kibbuz-Ideologie, insbesondere die feministische Ideologie, zu vermitteln.

Die Jungen und Mädchen in den Kinderhäusern wuchsen in einer im Wesentlichen geschlechtsneutralen Umgebung auf.21 Dadurch sollten sie die feministische Ideologie des Kibbuz verinnerlichen. Die Pioniere gingen davon aus, dass sich bei diesen Kindern im Erwachsenenalter dann nur wenige oder gar keine geschlechtsabhängigen Rollenunterschiede zeigen würden, weder psychisch noch im Verhalten.

Doch diese Erwartung erfüllte sich nicht. Als aus diesen Kindern – den Sabras, wie die im Land geborenen Israelis genannt werden – Erwachsene wurden, verwarfen sie die feministische Ideologie ihrer Mütter und Großmütter. Zwar fühlten sie sich nach wie vor einer Gleichstellung von Mann und Frau im Sinne von „Gleichwertigkeit” verpflichtet und setzten dies auch in der Praxis um. Eine Gleichheit im Sinne von „Unterschiedslosigkeit”, wie die Gründer es vorhatten, lehnten sie aber ab, sowohl in ihren Idealen als auch in der Praxis.


Die radikale Reformbewegung der Sabra-Frauen

Wenn die Umsetzung der Gender-Ideologie durch die Kibbuzgründer (Frauen und Männer) eine feministische Revolution war, so war die Ablehnung dieser Ideologie durch die erste Generation, die im Kibbuz geboren wurde, eine weibliche „Gegenrevolution“22. Sie war in doppelter Hinsicht „weiblich”:

Sie wurde größtenteils von den Sabra-Frauen, nicht den Sabra-Männern, initiiert.

Die radikale Reformbewegung war durch den Wunsch motiviert, den geschlechtlichen Dimorphismus (vom äußeren Erscheinungsbild bis zu den gesellschaftlichen Rollen), den die Kibbuzgründer abzuschaffen versucht hatten, wiederherzustellen. Außerdem bestanden die Sabras darauf, dass die revolutionären Einrichtungen der Kibbuzgründer ihren Bedürfnissen als Frauen zuwiderliefen.

Im Folgenden bezieht sich der Begriff „Sabra” deshalb, wenn nicht anders erwähnt, ausschließlich auf die Sabra-Frauen.

Mittlerweile haben die Sabras der zweiten und schon der dritten Generation das Erwachsenenalter erreicht. Sie haben nicht nur die radikalen Änderungen, die die erste Sabra-Generation angestoßen hatte, übernommen, sondern sie weiter ausgebaut. Sowohl ideologisch als auch institutionell hat die Reform an Fahrt zugenommen. Ideologisch manifestiert sie sich in der Ablehnung eines Gleichheitsbegriffs im Sinne von „unterschiedslos”, wonach Frauen den Männern nur ebenbürtig sein können, wenn sie werden wie die Männer und tun, was die Männer tun.

Lange vor Carol Gilligan23 und dem Aufkommen des „Differenzfeminismus” beharrten die Sabras (die sich weiterhin als Feministinnen bezeichnen) darauf, dass es bedeutsame, angeborene Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt, vor allem im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Männer, so die Sabras, sind mehr an Leistung und Dominanz interessiert, Frauen mehr an Zugehörigkeit und Fürsorge.

Diese Auffassung von Sabra-Frauen wurde nicht nur in meiner eigenen repräsentativen Studie gefunden. Eine andere Studie, die wenige Jahre später durchgeführt wurde, kommt zu demselben Ergebnis. Aus dieser Studie einige Auszüge aus den Interviews:

Gesprächspartnerin A

Interviewerin: „[Hinsichtlich der Unterschiede zwischen Mann und Frau] scheinen Sie der Auffassung zu sein, dass die Natur wesentlich stärker ist als unsere bewussten Anstrengungen [d.h. die Anstrengungen der Kibbuzgründer], eine andere soziale Konditionierung zu erreichen. Ihre Generation scheint das Konzept der Gleichheit, unter deren Vorzeichen sie erzogen wurde, abzulehnen.”

A: „Das Word ‘Gleichheit’ ist hier nicht angebracht. Der Kibbuz hat ein Problem mit dem Konzept der Gleichheit. Es will zwei Dinge gleichzeitig: Vielfalt entwickeln und Gleichheit erzwingen... Wollen wir nun Gleichstellung oder Unterschiedslosigkeit?”


Interviewerin: „Was meinen Sie damit?”

A: „Wir wollen doch, dass alle den gleichen Wert haben. Das bedeutet nicht ‘gleich’ im Sinne von ähnlich, sondern: ‘Jeder gibt nach seinen Fähigkeiten und erhält nach seinen Bedürfnissen.’ (...) Man kann nicht gleiche Rechte in jeder Hinsicht haben und parallel dazu der Frau das Recht verweigern, ihre eigenen grundlegenden Bedürfnisse anzuerkennen... Wenn der Kibbuz an seinen Kernwerten festhält, dass jeder nach seinen Fähigkeiten gibt und nach seinen Bedürfnissen erhält, werden wir herausfinden, was die wirklichen Bedürfnisse [der Frauen] sind, und zwar die naturgegebenen ebenso wie die von der Gesellschaft auferlegten... Es war die anerkannte Sichtweise, dass Frauen für die Arbeit in der Landwirtschaft und anderen männlichen Berufen ausgebildet werden sollten. Für mich war das immer ein Albtraum... Warum soll ich in einer Branche arbeiten, die mich nicht interessiert? Ich interessiere mich für [eine Arbeit im] Erziehungsbereich. Es macht mir Spaß, mit Menschen zu arbeiten.”24

Gesprächspartnerin B

Interviewerin: „[Warum sind Sie eine der wenigen Frauen, die nicht nur in einem landwirtschaftlichen Bereich gearbeitet haben, sondern darin auch eine leitende Position hatten?]”

B: „Wie ich schon sagte: Es ist eine sehr harte Arbeit. Außerdem ist man immer wieder lange Zeit von zu Hause weg. Daher ist diese Arbeit für Frauen mit Kindern ungeeignet. Man kann die Tatsache nicht ignorieren, dass es zwischen Männern und Frauen einen Unterschied gibt. Das gibt es auch im Tierreich. Es handelt sich um einen Unterschied, der von der Natur bestimmt ist.”

Interviewerin: „Sind Sie bereit, das zu akzeptieren?”

B: „Ja, ich akzeptiere das.”

Interviewerin: „Macht es Ihnen persönlich nichts aus?”

B: „Nein. Ich finde, es hat viele Vorteile, eine Frau zu sein. Die Geburt eines Kindes und alles, was damit zusammenhängt, hat eine Tiefe, die Männer in dieser Form niemals erfahren können. Ich hatte niemals das Gefühl, mein Geschlecht sei unterlegen, nicht ein einziges Mal.”25

Gesprächspartnerin C

Interviewerin: „Haben wir im Kibbuz die Gleichheit der Geschlechter?”

C: „Meiner Ansicht nach gibt es Unterschiede. Es gibt physiologische, biologische und psychische Unterschiede. Damit sage ich nicht, dass Frauen nicht Premierministerin oder Firmenchefin sein können. Es gibt Frauen, wenn auch nicht viele, die die höchsten Positionen erreichen und sie auch erfolgreich ausfüllen. Doch in der Regel sind Frauen nicht dazu ausgerüstet, sich so zu entwickeln, wie Männer es tun... Es ist die Frau, die die Kinder austrägt, und sie hat eine stärkere Bindung zu ihnen. Selbst wenn der Mann zu Hause kocht, wäscht, bügelt, so ist es doch immer noch die Frau, die Mutter, die die Bürde trägt und die Bindung herstellt.”26
Die radikale Reformbewegung der Sabras fand nicht nur in ihrer Ideologie statt, sondern vollzog sich ganz praktisch. Das wird besonders an den von ihnen eingeführten und in meiner Studie beschriebenen institutionellen und verhaltensmäßigen Veränderungen deutlich. Dazu gehören u.a. Veränderungen in folgenden Bereichen:

Äußeres Erscheinungsbild: Von der Ablehnung „femininer” Kleidung durch die Gründerinnen hin zur Betonung weiblichen Outfits durch die Sabras.
Berufliche Präferenzen: Von der offensiven Förderung „männlicher” Arbeit durch die Gründer (Männer und Frauen) hin zum Wunsch der Sabras nach „weiblicher” Beschäftigung.
Öffentlicher Bereich: Von der Forderung der Gründer nach Führungspositionen in Politik und Wirtschaft für die Frauen hin zur Vermeidung dieser Positionen durch die Sabras.
Familiäre Einstellung: Von der Abwertung der Familie durch die Gründer (auch in Bezug auf Ehe und Haushalt) hin zur Betonung der besonderen Wichtigkeit von Ehe und einem Zuhause durch die Sabras.
Kindererziehung: Von der Abwertung der Mutterrolle durch die Gründer hin zur Aufwertung der Mutterrolle als einer Rolle mit zentraler Bedeutung für die Sabras.

Die Veränderungen nach 1975

Diese Veränderungen wurden schon vor 1975 durchgeführt, doch nach Beendigung meiner Studie (nach 1975) gingen die Veränderungen noch wesentlich weiter, vor allem im Bereich der Mutterrolle und Familie. Ich sah die Ergebnisse 1994. Sie sind die wichtigsten Kennzeichen dafür, dass wirklich eine radikale Reformbewegung der Sabras stattgefunden hat.

Einer der Gründe für die Einführung der Kinder-Kollektiverziehung bestand darin, auf diese Weise die Weitergabe der feministischen Ideologie an die Kinder sicherzustellen. Die Kinder lebten in Kinderhäusern und verbrachten an den Werktagen jeweils zwei Stunden gemeinsam mit den Eltern. An den Sonnabenden und Feiertagen nahmen die Eltern ihre Kinder für längere Besuche mit zu sich nach Hause. Für die Kibbuzgründer war die Kollektiverziehung das Fundament der Kibbuz-Gemeinschaft. „Der Kibbuz wird vielleicht zahlreichen Veränderungen unterliegen und doch bleibt er ein Kibbuz,” hörte ich 1950 häufig, „sollte aber jemals die Kollektiverziehung abgeschafft werden, so wäre es das Ende des Kibbuz.”


Dennoch wurden ab Mitte der 1960er Jahre die ersten Veränderungen in der Kollektiverziehung durchgeführt: Der Arbeitstag der Mütter (nicht der Väter) wurde von acht auf sieben Stunden gekürzt, um den Forderungen der Mütter nachzukommen, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Doch reichte das den Müttern nicht. Sie wollten ihre kleinen Kinder auch während des Tages besuchen. Die Kibbuzim richteten deshalb die später so genannte „Stunde der Liebe” ein: Mütter mit Kindern unter einem Jahr nahmen vormittags eine Arbeitspause in Anspruch, um ihre Kinder für eine halbe Stunde zu besuchen. Allmählich wurde diese Zeit auf eine ganze Stunde und auf alle Kinder im Vorschulalter ausgedehnt. Etwa zur selben Zeit wurde, wiederum auf Drängen der Frauen, auch der Mutterschaftsurlaub verlängert. Und auch nach Beendigung dieses Urlaubs arbeitete die Mutter nur eine begrenzte Stundenzahl, damit sie selbst (und nicht die Erzieherinnen) ihre Kinder auch nach dem Abstillen füttern konnte. Ende der 1980er Jahre kehrten die Mütter erst wieder zur vollen Arbeitszeit zurück, wenn ihre Kinder zweieinhalb Jahre alt waren.
Doch immer noch gingen diese Veränderungen den meisten Sabras nicht weit genug. Kollektiverziehung, so meinten sie, sei gut für die Betreuung tagsüber, aber als Mutter sei es ihr Wunsch und ihr Recht, die Kinder nachts bei sich zu Hause zu haben. Es sei „nur natürlich”, so ihr Standpunkt, dass sich Mütter ein solches Arrangement wünschten, denn das gegenwärtige Arrangement laufe ihren „mütterlichen Instinkten” zuwider. Da diese Forderungen anhielten, begannen einige Kibbuzim schon in den 1960er Jahren das Familien-Schlafen anstelle des Gemeinschafts-Schlafens einzuführen. Kurz: Die Kibbuz-Frauen hatten begonnen, ihre Kinder nach Hause zu holen.

In Kirjat Yedidim sowie in den anderen Kibbuzim dieser Föderation wurde das Familien-Schlafen allerdings noch lange abgelehnt. 1975 wurde das Schlafen in Gemeinschaft dort noch durchgängig praktiziert. Es sollten weitere fünfzehn Jahre vergehen, bevor ein Kibbuz aus dieser Föderation den Übergang zum Familien-Schlafen vollzog.

Es gab zahlreiche Gründe für den Widerstand gegen das Familien-Schlafen. Erstens hatte sich diese Kibbuz-Föderation historisch gesehen immer schon am stärksten der Kibbuz-Ideologie verpflichtet gefühlt. Obwohl auch hier die meisten Sabra-Mütter der ersten Generation und sogar einige der Pionier-Mütter mit dem gemeinschaftlichen Schlafsystem äußerst unzufrieden waren, war ihre ideologische Verpflichtung doch so stark, dass sie sich über ihre Wünsche nach dem Familien-Schlafen hinwegsetzten.

Zweitens wurde der Veränderungswunsch der Mütter (und einiger Väter) von einer einfachen wirtschaftlichen Realität durchkreuzt: vom Geld. Obwohl verheiratete Paare 1975 nicht mehr in den engen Einzimmerwohnungen wohnten, sondern in komfortablen Zweizimmer-Appartements, so waren doch auch diese Appartements zu klein, um zwei bis fünf Kinder zu beherbergen. Die Sabra-Mütter hatten nämlich durchschnittlich doppelt so viele Kinder wie ihre Mütter, auch das ein Kennzeichen ihrer Gegenrevolution. Die Kinder nach Hause zu holen, bedeutete also den Bau neuer Appartements oder zumindest den Ausbau der bestehenden und das überstieg den finanziellen Spielraum selbst der wohlhabendsten Kibbuzim bei weitem.


Zusätzlich hatten Untersuchungen in Kibbuzim, in denen das Familien-Schlafen eingeführt wurde, gezeigt, dass dieses neue Arrangement bedeutsame nachteilige Konsequenzen für die Mütter hatte. In diesen Kibbuzim waren die Mütter im kulturellen und politischen Leben ihres Kibbuz weniger aktiv, und beteiligten sich auch weniger an der Selbstverwaltung.27 Da die Abende (wenn die genannten Aktivitäten stattfanden) von den Kindern in Anspruch genommen waren, waren diese Ergebnisse nicht überraschend.

Doch das Familien-Schlafen, so hoben die Gegner hervor, hatte noch andere nachteilige Konsequenzen für die Mütter. Während die Kinder beim Schlafen in Gemeinschaft alle Mahlzeiten im Kinderhaus einnahmen, war es beim Familien-Schlafen so, dass die Kinder nach Schulschluss nach Hause kamen und die Mütter für das Abendessen sorgen mussten. Zudem mussten die Mütter früher aufstehen, um den Kindern beim Anziehen zu helfen, ihnen das Frühstück zu bereiten und sie zur Schule bringen. Mit den Kindern im Haus war es für die Mütter schwieriger, im Urlaub oder an freien Tagen den Kibbuz zu verlassen, geschweige denn längere Auszeiten für Hochschulstudien oder Fortbildungskurse zu nehmen – alles Einschränkungen, die sich erheblich auf die berufliche Laufbahn der Mütter auswirkten.


Doch der Wunsch der Mütter nach dem Familien-Schlafen blieb von all dem unberührt.

In der Öffentlichkeit behaupteten zwar viele Mütter, ihr Wunsch sei von der Sorge um das Wohl ihrer Kinder bestimmt, doch in Wirklichkeit ging es um ihre eigenen, mütterlichen Bedürfnisse.28 Das zeigen alle verfügbaren Belege.

Interviews mit Müttern von kleinen Kindern und von Erwachsenen zeigen zweifelsfrei, dass der Wunsch, die Kinder möchten zu Hause übernachten, weniger von den Bedürfnissen der Kinder herrührte als vielmehr von den Bedürfnissen der Mütter. Das ergab sich nicht nur aus meinen Interviews, die ich 1975 in Kirjat Yedidim und fünf anderen Kibbuzim führte, sondern auch aus Interviews, die einige Jahre später von anderen Wissenschaftlern in anderen Kibbuzim durchgeführt wurden.

Aus diesen späteren Interviews hier das Beispiel einer Mutter, deren Kinder bereits erwachsen waren:

„Für mich ist eines klar: Der größte Verlust für mich als Mutter bestand darin, nicht das Vorrecht gehabt zu haben, meine Kinder in größerer Nähe zu mir großzuziehen, nicht das Vorrecht gehabt zu haben, im Guten wie im Schlechten stärker [an ihrem Leben] beteiligt zu sein, dem gewachsen zu sein, Scheitern und Gelingen zu erleben. Denn das ist es doch, worauf es beim Erziehen von Kindern wirklich ankommt. Wir haben einen wunderbaren Rahmen geschaffen, aber manchmal läuft er den Gesetzen der Natur zuwider.”29


Ein anderes Beispiel einer Mutter mit kleinen Kindern:

„Obwohl ich als Kind nie [unter dem Gemeinschafts-Schlafen] gelitten habe, bin ich als Mutter jetzt doch dafür, dass... die Kinder zu Hause schlafen. Die gemeinschaftlichen Arrangements scheinen mir ziemlich unnatürlich zu sein. Es gibt einen Konflikt zwischen der Ideologie und den Gefühlen... Als Mutter will ich unbedingt, dass mein kleines Kind nachts zu Hause ist; ich will es morgens aufwachen sehen. Aus ideologischer Sicht habe ich Bedenken,... denn mein Wunsch, das bestehende Arrangement zugunsten des Familien-Schlafens zu ändern, bedeutet, die Prägung des Kibbuz zu verändern... Das sagt mir mein Verstand, aber meine Gefühle sind für die Veränderung. Diese Gefühle sind so stark, dass sie schon meinen Mann beeinflusst haben, [für die Veränderung zu stimmen, obwohl er eigentlich dagegen war].”30

In Anbetracht dieses Bedürfnisses überrascht es nicht, dass in den frühen 1990er Jahren die meisten Kibbuzim auch der Föderation, zu der Kirjat Yedidim gehört, den Wechsel zum Familien-Schlafen vollzogen hatten. Bei einigen war diese Änderung durch eine Abstimmung der Mitglieder zustande gekommen, in anderen (auch in Kirjat Yedidim) durch die ausschließliche Initiative der Mütter. Von einer einzigen Ausnahme abgesehen, wohnen heute in allen Kibbuzim die Kinder zuhause und aus meinen 1994 geführten Interviews schließe ich, dass diese Ausnahme nicht mehr lange bestehen wird.

So haben die Sabra-Frauen der zweiten Generation etwas getan, was viele (oder sogar die meisten) ihrer Sabra-Mütter und Pionier-Großmütter auch gern getan hätten, was sie aber aus ideologischen Gründen nicht tun konnten. Ich habe ausdrücklich auf die „Sabra-Frauen” Bezug genommen, denn obwohl einige Sabra-Männer den Wechsel zum Familien-Schlafen befürworteten, waren ebenso viele dagegen. Die meisten Männer waren indifferent, stimmten aber dem Wechsel dann zu, weil sie ihre Frauen unterstützen wollten. Einer dieser Männer, ein Sabra-Vater der ersten Generation und prominentes Mitglied von Kirjat Yedidim, drückte es so aus: „Für unsere Eltern war der Kibbuz, nicht die Familie, der Mittelpunkt. Dem Kibbuz widmeten sie ihr Leben, aber glücklich waren sie dabei nicht.”

Obschon also viele Männer den Wechsel zum Familien-Schlafen unterstützten, waren es doch die Frauen, die nachdrücklich darauf bestanden. Die Frauen wollten es, obwohl sie sich der Nachteile, die ihnen das neue Arrangement bringen würde, voll bewusst waren. 1994, drei Jahre nach dem Wechsel zum Familien-Schlafen, war für jede Familie mit jungen Kindern ein zusätzlicher Raum an das Appartement angebaut worden. In meinen Augen war die Enge dennoch bedrückend. Doch trotz dieser beengten Wohnsituation, der eingestandenen Einschränkungen für ihr Liebesleben und der Abstriche, die die Frauen bezüglich außerhäuslicher Tätigkeiten machen mussten, äußerte keine einzige Frau Bedauern darüber, den Wechsel vollzogen zu haben.
Unterschiedslos oder gleichwertig?

Sieht man die Gleichheit der Geschlechter unter dem Aspekt der „Unterschiedslosigkeit”, war die Gegenrevolution das Ende dieser Gleichheit, deskriptiv und normativ. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Im Gegensatz zu den Kibbuzgründern hat die Familie für die meisten Sabra-Frauen einen ebenso hohen oder höheren Stellenwert wie ihr Beruf. Im Hinblick auf den Beruf ziehen die meisten Frauen traditionell „weibliche” Berufe den „männlichen” vor.

Nicht zuletzt deshalb haben israelische Feministinnen die Reformbewegung ausnahmslos angeprangert.31 Aus ihrer Sicht ist damit das Bemühen der Kibbuz-Bewegung um die Befreiung der Frau zu Ende gegangen. Doch stimmt das nur, wenn man Gleichheit als „Unterschiedslosigkeit” sieht. Das ist aber nicht das Gleichheitskonzept der Sabras; die meisten von ihnen haben es immer abgelehnt. Wenn die Aufwertung von Beruf und beruflicher Karriere die Abwertung des privaten Bereichs von Familie und Kindern erforderlich macht, dann, so die Sabra-Frauen, ist das für sie nicht gleichbedeutend mit Befreiung und Emanzipation, sondern bedeutet die Verleugnung ihrer tiefsten Bedürfnisse als Frau.

Die Ablehnung der „Unterschiedslosigkeit” bedeutet für die Sabra-Frauen aber nicht, dass sie eine Gleichstellung der Geschlechter oder den Feminismus als solchen ablehnen würden. Vielmehr haben sie sich für das Konzept „Gleichwertigkeit” entschieden, mehr noch, sie haben es verwirklicht.

Sie haben also auf das jetzt als „Differenzfeminismus” bezeichnete Konzept gesetzt. Dieses Konzept besagt, dass Frauen sich in einer Reihe bedeutsamer psychischer Aspekte von Männern unterscheiden und dass diese psychischen Unterschiede in nicht geringem Umfang auch Unterschiede in gesellschaftlicher Hinsicht und im Verhalten nach sich ziehen. Die Sabra-Frauen sehen sich als von Männern verschieden an, doch gleichzeitig als in jeder Hinsicht den Männern ebenbürtig.

Eine Sabra-Frau, die ich 1994 interviewte, drückte es so aus:

„Aus meiner Sicht gibt es natürliche Unterschiede zwischen Mann und Frau, und ich sehe keinen Sinn darin, sie zu leugnen. Aber im Kibbuz bedeutet das nicht, dass Männer und Frauen nicht gleichberechtigt wären, ganz im Gegenteil. Denn hier haben Mann und Frau die gleiche Wertschätzung füreinander... Obwohl mein Mann in der Produktion und ich im Dienstleistungsbereich arbeite, habe ich nie das Gefühl, er habe einen höheren Status inne, nur weil seine Arbeit [wirtschaftlich] profitabel ist und meine nicht... Natürlich bin ich gegen die Diskriminierung von Frauen, vor allem wenn sie uns vom religiösen Establishment auferlegt wird, und dasselbe gilt für Diskriminierung auf Grund des Geschlechts im Kibbuz. Wenn ich glauben würde, dass es hier so etwas gäbe, würde ich dagegen kämpfen... Aber so etwas spüre ich hier nicht... Im Gegenteil, ich fühle mich jedem Mann gegenüber ebenbürtig.”32


Diese Ansichten sind nahezu ein Echo dessen, was eine andere Sabra aus einem anderen Kibbuz 1986 äußerte, als sie nach Diskriminierungen bei der Arbeit in ihrem Kibbuz gefragt wurde:

„Im Kibbuz gibt es dieses Problem nicht. Wenn eine Frau den Wunsch hätte, Produktionsmanagement zu studieren, so stünden ihr alle Türen offen... Es ist ja nicht so, dass sich Frauen verzweifelt bemühen würden, bestimmte Positionen zu erreichen, die ihnen dann auf Grund ihres Geschlechts verweigert würden. Man sucht nach geeigneten weiblichen Kandidaten und versucht, sie in bestimmte Positionen zu drängen, die sie aber gar nicht wollen... In der Stadt kann es vorkommen, dass ein Mann für dieselbe Arbeit mehr Geld bekommt als eine Frau. Das ist meiner Ansicht nach ein Skandal. Gleiche Entlohnung ist etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt.”33

Nun behaupten einige, solche Ansichten spiegelten ein „falsches Bewusstsein” dieser Frauen wider. Doch aufgrund meiner jahrelangen Beobachtung von Sabra-Frauen – ich habe sie als Auskunftspersonen und Freundinnen kennengelernt und ihre Beziehungen zu Männern und zu Frauen gesehen – würde ich diese Hypothese zurückweisen. Im Gegenteil, nach meiner Ansicht sind ihre subjektiven Empfindungen, den Männern gegenüber ebenbürtig zu sein und so auch von den Männern gesehen zu werden, in der Realität gegründet.


Anmerkungen

1 Die anthropologische Studie von Melford E. Spiro „Gender and Culture” wurde zuerst 1979 veröffentlicht. Zur zweiten Veröffentlichung 1996 schrieb Spiro eine komplett neue Einleitung, in der er die Ergebnisse seiner Studie in den Kontext der aktuellen Gender-Debatte stellt. Diese Einleitung ist hier gekürzt wiedergegeben.

2 Tiger, Lionel, and Joseph Shepher, Women in the Kibbutz, New York, Harcourt-Brace-Jovanovich 1975.

3 Z. B. Dinnerstein, Dorothy, The Mermaid and the Minotaur, New York Harper and Row 1976; Elshtain, Jean Bethke, Moral Women and Immoral Men, Politics and Society, 1974, 4, S. 453-473; Elshtain, Jean Bethke, Against Androgeny, Telos, 1981, 47, S. 5-22; Elshtain, Jean Bethke, Public Man, Private Woman: Women in Social and Political Thought, Princeton University Press 1981; Elshtain, Jean Bethke, Symmetry and Soporifics: A Critique of Feminist Accounts of Gender Development, in: Barry Richards (ed.), Capitalism and Infancy, London Free Association Books 1984); Rossi, Alice S., The Biosocial Basis for Parenting, Daedalus, 1977, 106, S. 1-31; Rossi, Alice S., The Biosocial Side of Parenting., Human Nature, 1978, 1, S. 72-79; Rossi, Alice S., Gender and Parenthood, American Sociological Review, 1984, 49, S. 1-19; Sommers, Christina Hoff, Sister Soldiers, The New Republic, 1992, 207, S. 29-33; Sommers, Christina Hoff, Who Stole Feminism? How Women Have Betrayed Women, New York Simon and Schuster, 1994.

4 Gründer: Frauen und Männer.

5 Rossi, Alice S., Reply by Alice Rossi, in: Harriet Engel Gross et al, Considering “A Biosocial Perspective on Parenting”, 1979, Signs 3, 695-717, S. 715. Siehe dazu auch Elshtain, Jean Bethke, Against Androgeny, 1981, Telos 47, 5-22, und Popenoe, David, Parental Androgeny, 1993, Society 30, 5-11, S. 7.

6 Thorne, Barrie, Gender Play: Girls and Boys in School, New Brunswick Rutgers University Press 1993, S. 2, kursiv im Original; siehe auch Fausto-Sterling, Anne, Myths of Gender: Biological Theories about Women and Men, New York Basic Books 1985.

7 Degler, Carl. N., Darwinians Confront Gender, in: Deborah L. Rhode (ed.), Theoretical Perspectives on Sexual Differences, S. 36, New Haven Yale University Press 1990.

8 Siehe Glen, Evelyn Nakano, Social Constructions of Mothering: A Thematic Overview, in: Evelyn Nakano Glen, Grace Chang, and Linda Rennie Forcey (eds.), Mothering: Ideology, Experience, and Agency, New York, Routledge 1994.

9 Tong, Rosemarie, Feminist Thought: A Comprehensive Introduction, Boulder Westview Press 1989, S. 1; siehe auch Butler 1990, Lorber 1934, Rieh 1980, Shulman 1980, Wallston 1985.

10 Greer, Germaine, The Backlash Myth, The New Republic, 1992, 207, 20-22, S. 21.

11 MacKinnon, Catharine A., A Feminist/Political Approach: Pleasure Under Patriarchy, in: James H. Geer and William T. O’Donohue (eds.), Theories of Human Sexuality, New York, Plenum Press, 1987, S. 66.

12 MacKinnon, C., ebd., S. 67.

13 Mac Kinnon, ebd., S. 69.

14 MacKinnon, ebd., S. 75-76.

15 Oakley, Ann, Woman’s Work: The Housewife, Past and Present, New York, Pantheon Books 1974, S. 186.

16 Oakley, ebd., S. 186.

17 Glen, Evelyn Nakamo, Social Construction of Mothering: A Thematic Overview, in: Evelyn Nakamo Glen, Grace Chang, and Linda Rennie Forcey (eds.), Mothering: Ideology, Experience, and Agency, New York, Routledge 1994, S. 9. Siehe auch Firestone, Shulamith, The Dialectic of Sex, New York Bantam Books 1970, Lorber, Judith, Comment, in: Harriet Engel Gross et al., Considering A Biosocial Perspective on Parenting, Signs 3, 1979, S. 695-717 und, themenverwandt, Eyer, Diane E., Mother-Infant Bonding: A Scientific Fiction, New Haven Yale University Press 1992.

18 Allen, Jeffner, Motherhood: The Annihilation of Women, in: Joyce Trebilcot (ed.), Mothering: Essays in Feminist Theory, Totowa N.J. Rowman and Allanheld 1984, S. 316.

19 Allen, ebd., S. 317.

20 Allen, ebd., S. 325.

21 Spiro, Melford E., Children of the Kibbutz, Cambridge Harvard University Press 1958.

22 Spiro benutzt die Begriffe „Revolution“ (Kibbuzgründer) und „Gegenrevolution“ (counterrevolution, Sabra-Frauen). Genaugenommen handelt es sich aber bei den Sabra-Frauen um eine radikale Reformbewegung, nicht eine „Gegenrevolution“ im eigentlichen Sinne. In der deutschen Übersetzung ist deshalb der Begriff counterrevolution als „radikale Reformbewegung“ oder „Reform“ wiedergegeben.

23 Gilligan, Carol, In a Different Voice: Psychological Theory and Women’s Development, Cambridge Harvard University Press 1982.

24 Zamir, Aviva, Mothers and Daughters: Interviews With Kibbutz Women, Norwood Penn. Norwood Editions, 1986, S. 91-93. Eckige Klammern im Original.

25 Zamir, ebd., S. 105. Eckige Klammern im Original.

26 Zamir, ebd., S. 115.

27 Rosner, Menahem, V’adayin hareshut Netuna, Hachi­nuh Hameshutaf, 1983, 112, S. 21-26.

28 Shadmi, Menachem, Nesiga Oh Shinui, Vikuach Al Goralo Shel Hakamuna, Hachinuh Hameshutaf, 1984, 112, 54-59, S. 58.

29 Rimon, Lurit, Symposium Bichtav Likrat Moetzet NKBH A., Hachinuh Hameshutaf, 1984, 112, 71-72, S. 72.

30 Zamir, a.a.O., S. 41.

31 Z. B. Agassi, Judith Buber, Theories of Gender Equality: Lessons from the Israeli Kibbutz, in: Yael Azmon and Dafna N. Izraeli (eds.), Women in Israel: Studies of Israeli Society, 1993, Vol. VI, New Brunswick N.J. Transaction Publishers; Ben-Rafael, Eliezer, Status, Power, and Conflict in the Kibbutz, Avebury Addershot Cucchiara Salvatore 1988, Kap. 12; Fogiel-Bijaoui, Sylvie, From Revolution to Motherhood: The Case of Women in the Kibbutz, in: Deborah S. Bernstein (ed.), Pioneers and Homemakers: Jewish Women in Pre-State Israel, Albany State University of New York 1992; Palgi, Michal, Motherhood in the Kibbutz, in: Barbara Swirski and Marily P. Safir (eds.), Calling the Equality Bluff: Women in Israel, New York Pergamon Press 1991: Palgi et al., Sexual Equality: The Israeli Kibbutz Tests the Theories. Norwood Penn. Norwood Editions 1983; Safir, Marilyn P., Was the Kibbutz an Experiment in Social and Sex Equality? in: Barbara Swirski and Marilyn P. Safir (eds.), Calling the Equality Bluff: Women in Israel, New York Pergamon Press 1991; Silver, Vivian, Male and Female Created He Them, in: Barbara Swirski and Marilyn P. Safir (eds.), Calling the Equality Bluff: Women in Israel, New York Pergamon Press 1991.

32 Spiro, M., a.a.O., S. XXV.

33 Zamir, a.a.O., S. 127.
Von

Melford Elliot Spiro

Ph.D, amerikanischer Kulturanthropologe und Psychoanalytiker. Er hat das Department of Anthropology (University of California, San Diego) gegründet und unterrichtet dort als Professor Emeritus. Außerdem hat er anthropologische Forschungen in Mikronesien, Israel und Burma (Myanmar) durchgeführt und ist Mitglied der National Academy of Sciences (USA).
Alle Artikel von Melford Elliot Spiro"

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/spiro-gesellschaft-geschlecht-gleichheit/)


Mann & Frau aus biblischer Sicht
- Skript einer Predigt -

(Quellen: siehe unten)

Brauchen wir so eine Lektion? Ja – aus folgenden Gründen:

- Es gibt auch in unseren Gemeinden viele unterschiedliche Standpunkte und auch eine große Unsicherheit.
- Einige verlassen sogar ihre Gemeinde – u.a. weil sie sich als Frauen diskriminiert gefühlt haben.
- Wir brauchen ein klares Verständnis davon, was einen christlichen Mann und eine christliche Frau ausmacht.
- Nur wenige Männer etwa haben eine klare Vorstellung davon, was einen Mann ausmacht. Sie sind sehr verwirrt, was ihr Selbstverständnis betrifft. Und verwirrte Männer können eine Menge Ärger verursachen.


Ich will euch verschiedene Standpunkte darlegen. Einen Denkprozess in der Gemeinde anregen. Ich will nicht meine eigene Meinung als die einzig wahre darstellen. Und ich werde mich auf einige wenige Punkte beschränken.

Let’s Go:
 

Wenn du wissen willst, was es mit dieser ganzen Mann/Frau-Sache auf sich hat, was einen christlichen Mann oder eine christliche Frau ausmacht, wo würdest du nachschauen?
 

Im 1. Korintherbrief? In Timotheus?



Als Jesus in Matthäus 19:1-9 gefragt wurde, ob es denn erlaubt sei, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheiden lässt, hat Er nicht einfach nur mit ja oder nein geantwortet. Er ist weit zurückgegangen und hat die Schöpfungsabsicht Gottes zitiert – den Standard aus Genesis (2:24). Wir sind ein Fleisch – und was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden!

 

Gehen wir als zurück an den Anfang. Wenn wir wissen wollen, wer wir sind, müssen wir zu unseren Wurzeln zurück, zu Gottes Plan für uns.

 

Jedes Wort in Genesis ist reich an Bedeutung. Unglaublich reich.

 
Genesis 1:26 - 28

Genesis 2:15 – 3:24


 

Genesis 1
 

Verse 26-27 („Als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“)

 

A. Diese Verse sprechen vom Wert, den Mann und Frau haben.

1. Wir sind beide ein Abbild Gottes.

2. Wir sind beide wertvoll.

3. Wir sind beide einzigartig und etwas ganz Besonderes.

 

B. Diese Verse sprechen von der Berufung von Mann und Frau.

Vers 1:28

1. Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde.

2. Unterwerft sie euch.

3. Herrscht über sie.

 

C. Diese Verse weisen auf eine wichtige soziale Struktur hin.

1. Gott nennt sowohl Mann als auch Frau absichtlich „Mann“ („ish“) – auch wenn dies meist mit „Mensch“ übersetzt wird. Siehe auch Genesis 5:2.

2. Merke: Jedes Wort in Genesis ist reich an Bedeutung!

3. Warum tut Er das? Aus demselben Grund, warum nach einer traditionellen Heirat die Eheleute den Namen des Mannes tragen. Hier weist man schon für die Zukunft auf eine bestimmte soziale Struktur sowie die Führungsrolle darin hin. Wenn sich die beiden einen Doppelnamen zulegen (Schmidt-Hinterhuber), hat dies ebenso eine gewisse Aussagekraft: Hier führt niemand. Hier sind beide dasselbe.

 
 

Erinnern wir uns: Gott sprach: es werde Licht. Und es wurde Licht. Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser. So geschah es. Er erschuf die Tiere usw. Als er aber den Menschen erschuf, tat Er etwas, was Er mit keinem Seiner Geschöpfe getan hat: Er spricht mit ihm persönlich. Das ist etwas Unglaubliches – und genau deshalb ist jeder Satz in Genesis so wichtig.

 

Adam war also ein Teil der Schöpfung, der geschaffen wurde, um in Beziehung mit dem lebenden Gott zu treten!

 

Merke auch: Mann und Frau sind gleich - in dem Sinne, als beide in gleichem Maße Gottes Ebenbild tragen. Sie sind aber nicht gleichartig im Sinne von identisch; ohne jeglichen Unterschied.

 

 

 Genesis 2

 

A. Merke: Adam wurde zuerst geschaffen. (Genesis 2:7). Gott hätte leicht Mann und Frau zur selben Zeit schaffen können. Warum hat er das nicht getan?

 

Tausende Jahre später. Paulus spricht darüber, dass eine Frau nicht lehren darf. Wollt ihr wissen weshalb?

 

„Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva“. (1. Timotheus 2:12-13).

 

Gott hatte also einen Plan im Kopf, als Er uns geschaffen hat!

 

B. Merke: Adam erhält eine Beschäftigung und Verantwortung, bevor Eva geschaffen wurde!

Man hat hier fast den Eindruck, als wenn Adam hier eine Art Trainingsprogramm für Führungskräfte durchläuft, bevor Eva die Szene betritt.

 

C. Merke: Adam wurde von Gott in der Verantwortung unterrichtet, mit Seinem Wort zu führen. (Genesis 2:16-17). Zu dieser Zeit, war selbstverständlich die einzige Bibel, die es gab, das Wort, das Gott wörtlich an Adam richtete (siehe auch: Epheser 5:25-26). In anderen Worten: ein Mann sollte mit geistiger Wahrheit führen, wenn er eine Beziehung zu einer Frau hat. Und er sollte führen.

 

D. Merke: Adam gibt den Tieren einen Namen, ein Zeichen seiner Leitung über die Schöpfung (Genesis 2:19). Das Namen geben ist in der Bibel immer von Bedeutung! Gott nennt Abram z.B. künftig Abraham, weil er ihm eine Führungsrolle überträgt und ihn zum Gründer des Volkes Israel erhebt.

 

E. Merke: Adam wird eine Hilfe zur Seite gestellt, die ihm entspricht. Diese Bezeichnung zeigt, welche Absicht Gott hinsichtlich der sozialen Struktur unserer der Beziehungen von Männern und Frauen hatte (Genesis 2:18).

 

 

Die tiefsten Unterschiede von Mann und Frau sind im Übrigen nicht körperlicher Art. Sie sind soziologisch.

 

Drücken wir es einmal so aus: es findet eine Art Tanz der beiden Geschlechter statt. Die Frage ist nur: wer führt, und wer lässt sich führen? Ist das nicht die Frage des 21. Jahrhunderts? Wenn beide zur selben Zeit tanzen und führen wollen, was bekommt man dann? Chaos – und schmerzende Zehen!

 

Adam entdeckt also eine soziale Ergänzung, die ihm nicht nur Hilfe anbietet, sondern auch zu ihm aufblickt und von ihm erwartet, sie in liebevoller Weise zu führen und ihr so Erfüllung zu schenken.

 
 

Gott nennt Eva also „Hilfe“ oder „Gehilfin“. Wenn sie also die Hilfe ist, was ist dann der Mann?

 

„Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.“ (1. Korinther 11:3)

 

Männer sind also von Anfang an dazu bestimmt, in sozialer wie geistiger Hinsicht zu leiten, was auch den Kern jeder wahren Männlichkeit ausmacht.

 

Heutzutage erschreckt man oft Frauen, wenn man Männer und Führung nur in einem Atemzug erwähnt. Dazu folgendes:

 

 

Männliche Dominanz ist ein persönliches moralisches Versagen, keine biblische Lehre!

 

Männer, die Frauen dominieren wollen, sind in Wahrheit Jungs, die gerne so tun, als wären sie wahre Männer!

 

 

Der Mann, wurde ursprünglich als jemand geschaffen, der führt und leitet. Es war eine Führung, die edel war, ehrbar - und zum Besten einer Frau.

 

Der Ausdruck „Hilfe“ kommt nur drei weitere Male in der Bibel vor: für Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist!

 

F. Merke: Adam gibt seiner Hilfe einen Namen (Genesis 2:23): Frau („isha“). Und Gott erlaubt, dass er ihr einen Namen gibt! Das zeigt einiges über ihre Beziehung und über die Führungsrolle in dieser Beziehung.

 

 

Was bedeutet es, dass der Mann das Haupt ist?


Der Mann übernimmt die Verantwortung, seiner Frau und seiner Familie zu dienen und die Leitung zu übernehmen, die Gott zum Ruhme gereichen und zum Wohle aller sein wird - ohne Rücksicht auf den Preis, den er vielleicht hierfür zahlen muss. Wir Männer müssen unsere Leben für unsere Familien nieder legen.

 

 
Die Tatsache, dass ein Mann das Haupt ist, ist per se nichts Schlechtes. Natürlich kann diese Form von Autorität falsch ausgeübt werden - genauso wie Eltern ihre Autorität Kindern gegenüber missbrauchen können, oder Älteste bzw. Pastoren/Pfarrer der Gemeinde gegenüber. Aber NIEMALS, wenn Jesus das Haupt der Kirche ist. Also ist die Tatsache, dass man Haupt ist, grundsätzlich etwas Gutes! Jesus als Haupt der Kirche ist unsere Errettung!

Das Schlechte in anderen Formen der Ausübung von Autorität liegt nicht an der Autorität selbst, sondern am sündigen Missbrauch einer rechtmäßigen Autorität!

 

 Gehen wir einige Tausend Jahre weiter zu Jesus:


Jesus schätzte und achtete Frauen sehr - und Er machte auch Unterschiede hinsichtlich ihrer Rollen und Aufgaben. Jesus achtete die spirituelle Gleichheit von Männern und Frauen. Es ist auch interessant, zu lesen, wie Er mit Frauen umging und wie liebe- und respektvoll Er sie behandelte und welche Würde Er ihnen beimaß.


Als Apostel aber wählte Er nur Männer aus und machte hiermit eine klare Rollenteilung. Ebenso bei den Hauptaufgaben der Apostel: Predigen, Lehren und Leiten. Frauen hingegen dienten in ebenso wichtigen Bereichen: sie beteten, sie gaben Geld, sie sorgten sich um körperliche Bedürfnisse, sie äußerten ihr theologisches Verständnis und zeugten von Seiner Auferstehung.

 

 

Jesus hat Frauen auch öffentlich direkt angesprochen - was damals außerordentlich unüblich war (siehe Johannes 4:27). Seine Jünger wunderten sich, dass Er mit der samaritischen Frau am Brunnen von Sychar  sprach (Johannes 4:7-26).



Ein wichtiger Aspekt ist auch, wie Jesus mit Frauen sprach. Er sprach mit Bedacht und Liebe. Die Frau mit den Blutungen etwa nennt Er zärtlich "Meine Tochter". Die Frau mit dem Krankheitsgeist nennt Er "Tochter Abrahams" (Lukas 13:16).


Jesus hat auch die Sünden von Frauen nicht beschönigt. Er hat Frauen immer voll für ihre Sünden verantwortlich gemacht - so etwa die frau am Brunnen von Sychar (Johannes 4:16-18), die beim Ehebruch ertappte Frau (Johannes 8:10-11) und die Frau, die Seine Füße gesalbt hat (Lukas 7:44-50). Er hat sie mit ihren Sünden konfrontiert.

 


Jesus hat Frauen und Männer als gleichwertig gesehen.

 

Eine andere Art und Weise, wie Jesus Seine hohe Wertschätzung Frauen gegenüber ausdrückte: Er diente ihnen sowohl körperlich als auch geistig. Zahlreiche Heilungen und das Austreiben von Dämonen zeigen Jesu Sorge und Zuneigung Frauen gegenüber.



Jesus zeigte Seine hohe Wertschätzung von Frauen dadurch, indem Er ihnen in Seinem Dienst Würde zusprach.


Er  verwendete Frauen als Beispiele in Seiner Lehre, Er lehrte Frauen theologische Wahrheiten und Er ließ Frauen sowohl an Seinem Leben als auch an seinem Dienst teilhaben.

Jesus lehrte Frauen mehrmals auch persönlich (Lukas 10:38-42; Johannes 11:20; Johannes 11:25-27; Lukas 23:27-31; Johannes 20:17-18).

 

Frauen, die an Jesu' Leben teil nahmen, passten in eine dieser beiden Gruppen:


- Die, die Ihm in irgendeiner Art und Weise dienten (Lukas 7:36-50; Matthäus 26:6-13; Markus 14:3-9; Johannes 12:2-8; Lukas 8:2-3; Matthäus 27:56, Markus 15:41).


- Die, die zu Zeugen seiner Wiederauferstehung wurden (Matthäus 28:5-8; Markus 16:5-8; Lukas 24:2-9; Johannes 20:1-2).


Jesus anerkannte auch die verschiedenen Rollen, die Männer und Frauen haben.  Er wählte etwa nur Männer als Apostel aus!
 

 

Gehen wir nochmals auf den Begriff „Haupt“ ein:

 

Das Haupt jedes Mannes ist Christus und das Haupt jeder Frau ist der Mann - und das Haupt von Christus ist Gott.


Paulus verwendete den Begriff "Haupt" in der Bedeutung von "Autorität".

 

Manche Menschen wenden ein, dass, indem man Gott zum Haupt über Jesus macht, begeht man Ketzerei und ordnet Jesu gleichsam Gott unter. Dies aber wäre nur der Fall, wenn man davon ausginge, dass Vater und Sohn in der Natur oder im Wesen unterschiedlich sind. Jesus ist dem Vater nicht vom Wesen her untergeordnet.  Er ordnet sich nur bereitwillig der Autorität des Vaters unter. Der Unterschied zwischen Vater und Sohn ist ein funktioneller, nicht ein wesentlicher.


Solch eine Interpretation wird auch vom 1. Korinther 15:28 unterstützt.


Man kann also durchaus eine andere Funktion haben und trotzdem gleichwertig in Wert und Wesen sein. Frauen sind Männern somit spirituell gleichartig in Wert und Wesen - jedoch haben sie eine andere Funktion oder Rolle in der Kirche und in der Familie.


Wenn es in der Bibel heißt, dass Gott den Sohn in die Welt gesandt hat (etwa in Johannes 3:17), ordnet sich Jesus nur unter, was die Rolle betrifft: der Vater bestimmt und sendet; der Sohn gehorcht und kommt in die Welt um für unsere Sünden zu sterben.

 
 

Zurück zu Genesis:

 

G. Merke: Dem Mann wird gesagt, er solle Mutter und Vater verlassen und eine neue Familie gründen. Er tut dies – nicht die Frau. Auch heute noch warten die meisten Frauen darauf, dass der Mann dies tut. Einen besonderen Moment schafft, auf seine Knie geht und fragt: „Willst du mich heiraten?“. Er will also die Führung übernehmen; im gemeinsamen Tanz führen!

 
 
 

Genesis 3

 

A. Merke: Die Versuchung der Schlange in Genesis will Gottes soziale und geistige Ordnung umkehren (Genesis 3:1-6).

Wo ist Adam in diesem Moment? Warum greift er nicht ein? Er ist anwesend, bleibt aber passiv.

In einer seltsamen Art und Weise übernimmt Eva die Führung. In diesem Moment geht es um Gleichheit – Gleichheit mit Gott.

Nachdem Eva gesündigt hat, dreht sie sich zu ihrem Gatten um – und er isst ebenso. Er hat aufgehört, zu führen.

 

 

Und das findet auch heute noch immer wieder statt. Jeden Tag stehen Männer herum und tun nichts, wenn sie doch eingreifen sollten.

 

 

Adam steht offensichtlich völlig passiv daneben und hat es zugelassen, dass die Lüge (dass Gehorsam, Demut und Dienen etwas Schlechtes seien) sich ausbreitet.

 

Ist es nicht interessant, dass es hier gerade um einen Tausch der Geschlechterrollen geht? Sollen wir diese Verwirrung in alle Ewigkeit fortsetzen?

 

 

B. Merke: Gott zieht Adam, nicht Eva zur Rechenschaft („Wo bist du?“). Er hat versagt, nicht sie. Es ist wie in einer Fußballmannschaft: wenn die Mannschaft schlecht ist, wird der Trainer gefeuert!

 

Was mit Adam und Eva geschehen ist, wird eines Tages jedem verheirateten Mann bevor stehen. Gott wird uns fragen: Wo warst du?

 

Wenn aber Adam und Eva zusammen gefallen sind, warum gibt Paulus dann Adam die Schuld (Römer 5:12-21)? Warum nicht beiden? Warum heißt es in Genesis 3:7, dass erst beiden die Augen aufgingen, nachdem Adam von der Frucht gegessen hatte? Warum ruft Gott nach Adam (Wo bist du? - Genesis 3:9)? Weil Adam das von Gott ernannte Haupt der beiden war und als solches die Verantwortung hatte, die Partnerschaft in eine Richtung zu lenken, die Gott preisen würde.

Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sich Satan zuerst an Eva gewendet hat. Wenn die Rollen vertauscht gewesen wären und Eva zuerst geschaffen worden wäre, hätte sich Satan zweifellos zuerst an Adam gewendet. Eva war also nicht etwa moralisch schwächer als Adam - Satan wollte nur die Tatsache angreifen, dass Adam das Haupt war. Eva sollte in der Versuchung die Verantwortung übernehmen, entscheiden und führen. Wahrscheinlich hat sie gedacht, sie könnte ds schon zum Besten der beiden hin bekommen, wenn sie sich nur behaupten würde. Adam hingegen hat Gott mit offenen Augen heraus gefordert.

 

 

In Genesis 3:17-19 erklärt Gott Sein Urteil über Adam. Man bemerke aber, dass Arbeit nicht Adams Bestrafung ist, ebenso wenig wie das Gebären von Kindern Evas Bestrafung war. Der bestrafende Teil liegt darin, dass Arbeit mit Mühe und Geburt mit Schmerzen verbunden ist.

Wichtig auch: Gott sagt nicht zu Adam, all das geschehe, weil er von dem Baum gegessen hat, von dem er eigentlich nicht hätte essen dürfen. Er sagt zu ihm, weil er auf seine Frau gehört hat und von dem Baum gegessen hat, werden sie nun bestraft!

 

 
Adam hat also in zweifacher Weise gesündigt: Er hat gegen Gottes Gebot verstoßen (2:17) und er hat gesündigt, indem er seinen Job als Haupt der Partnerschaft aufgegeben und auf seine Frau gehört hat.

 

 
C. Merke: An Adams Sünde klebt eine unakzeptable Passivität (Genesis 3:11-12).

Wie hat Adam reagiert, als Gott ihn verantwortlich gemacht hat? Sagte er: „Ja, ich hab’s getan“? NEIN! Er schiebt die Schuld auf andere. Es war die Frau, die Gott ihm gegeben hat.

 

„Ich bin ein Opfer“: jeder Mann, der die Opferkarte zieht, hat die Karte der Männlichkeit zerrissen, weil er es ganz einfach nicht drauf hat, ein Mann zu sein!

 

Warum wurde er so passiv?

 

Sie waren in diesem Garten und es wurde ihnen gesagt, nicht von dieser Frucht zu essen. Adam sah, wie sich Eva mit dem Feind unterhielt und dabei war, die Frucht zu essen. In seiner Selbstsucht und in seinem Blick alleine auf sich selbst hat er wohl gedacht: „lass’ sie doch von dem Zeug essen. Wenn sie stirbt, na ja, aber ich bin in Ordnung! Und wenn Gott nicht soviel Macht hat, bekomme ich, was ich will!“ Und sie aß und ist nicht gestorben und er aß und dann – ganz plötzlich – war die Hölle los und es wurde ihm klar, er ist getäuscht worden!

 

Wenn so etwas in seinem Kopf vorging, hat er gesündigt, lang bevor Eva die Frucht gegessen hat!

 

D. Merke: Adams Verfluchung basiert auf dem Umkehren der ursprünglichen Schöpfungsordnung: er hat als Führer versagt – Evas Verfluchung basiert ebenfalls darauf: sie beanspruchte die Führung (Genesis 3:17). Adam wurde verflucht, weil er auf seine Frau gehört hat! Sie führte – er folgte! Er hat zugehört anstatt die Initiative zu ergreifen – und damit das Wesen der Männlichkeit verraten!

 
 

E. Merke: Adams Sünde entfesselt die zerstörerische Kraft männlicher Dominanz (Genesis 3:16b).

Männer sollten von Anfang an leiten – aber nicht so!

Anstatt seine Frau zu leiten, wird er über sie herrschen.

Männer können hiervon nur befreit werden, wenn sie eine neue Führung im Angesicht von Jesus Christus finden.

 

 

F. Merke: Adam stirbt – und alles, dem er Leben schenkt, stirbt ebenso. Und am meisten ist seine Männlichkeit dabei gestorben. Sehen wir Römer 5:19 an: „Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.“

 

 

G. Merke: Adam gibt seiner Frau nach dem Sündenfall erneut einen Namen: Eva – ein Zeichen seiner Leitungsrolle auch über dem Sündenfall hinaus (Genesis 3:20). Als Männer sind wir immer noch gerufen, zu leiten. Solange ein Mann dies nicht begriffen hat, ist und bleibt er – ein Junge. („Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.“)

 

 

4)   Kurze Erörterung der kontroversen Themen wie das Beten oder Bibellesen von Frauen in der Versammlung (die Gegner verweisen darauf, dass es in der Bibel heißt, Frauen sollen schweigen. Die Befürworter sagen, Paulus hat den Frauen auch erlaubt, zu beten und prophezeien, und da die Bibel sich nicht widerspricht, ist es Frauen sehr wohl erlaubt, dies in der Versammlung zu tun, solange sie die grundsätzliche Autorität der Männer dabei akzeptieren. Wobei die Gegenseite wiederum sagt, dass dieses erlaubte Beten und Prophezeien sich nur auf das private Umfeld bezog. Hierauf die Befürworter: die Christen trafen sich damals v.a. in privaten Häusern, somit waren diese privaten Versammlungen die „offizielle“ Gemeinde. Außerdem war das Beten und Prophezeien immer zur Erbauung aller gedacht).

 

(An dieser Stelle soll nicht Partei für die eine oder andere Seite ergriffen werden soll. Hier soll nur eine fruchtbare Diskussion angeregt werden, die in weiteren Bibelstunden fortgesetzt werden soll).

 

(Quellen: „Recovering Biblical Manhood & Womanhood“ – Grudem/Piper. Crossway Books, 2006.

 “The Quest For Authentic Manhood” – Dr. Robert Lewis, Men’s Fraternity, www.mensfraternity.com) – Go and get them!
Warum sollten wir uns überhaupt mit "Gender Mainstreaming" beschäftigen? Was geht uns das an?

"Gender Mainstreaming" wird immer mehr in öffentlichen Behörden als allgemein verbindliche Richtlinie eingeführt und findet offensichtlich auch in der EU-weiten Gesetzgebung Einfluss. Mit dem Ergebnis, dass man sich unter Umständen schon bald strafbar macht, wenn man gegen diese Richtlinien verstößt. "Gender Mainstreaming" geht noch weit über hinlänglich bekannte Antidiskriminierungsgesetze hinaus, da es auch eine völlig neue Definition der Geschlechterrollen beinhaltet. Eine Definition, die erheblich von dem abweicht, was viele gläubige Christinnen und Christen als biblische Standards vertreten.

Vieles, was uns im Zuge von "Gender Mainstreaming" angeboten wird, scheint auf den ersten Blick als ganz in Ordnung - und wir denken durchaus, dass Menschen, die diese Theorie vertreten, durchaus der festen Überzeugung sind, sie tun damit etwas Gutes für Männer und Frauen. Für die gesamte Menschheit sozusagen.

Man denkt vielleicht, man bietet Kindern und Jugendlichen eine besonders fortschrittliche und gerechte Form der Erziehung, wenn man ihnen erzählt, im Grunde unterscheide Jungs und Mädchen nichts. Beide seien gleich und eine feste Geschlechterrolle gebe es nicht.

Was uns dabei zu denken gibt, ist, mit welcher Konsequenz im selben Atemzug andere Meinungen und Glaubensüberzeugungen ausgeklammert und vielleicht bald sogar radikalisiert und kriminalisiert werden. Es wird Menschen, die hier eine andere Auffassung vertreten, schwer bis unmöglich gemacht, diese auch weiterhin offen zu verkünden - geschweige denn an unsere Kinder weiter zu geben.

"Gender Mainstreaming" soll ein Mittel zu echter Gleichberechtigung von Mann und Frau sein. Unserer Meinung nach ist etwas, dass die Grenzen von Mann und Frau verwischt oder gar aufhebt und derart vom biblischen Menschenbild abweicht, nicht vertretbar. Ganz zu schweigen von den Konsequenzen, die das nach sich ziehen kann - ob nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Wir denken nicht, dass es Aufgabe des Staates sein kann, Geschlechterrollen neu zu definieren. Und um bestehende Ungerechtigkeiten hinsichtlich der Rechte von Männern und Frauen zu beseitigen, gibt es bestimmt andere und weitaus bessere Mittel.Wenn es aber darum geht, bereits Kindern und Jugendlichen eine derartige Auffassung einzuimpfen, haben wir allerdings schon etwas dagegen.

Es scheint immer mehr um sich zu greifen, dass nicht mehr die Eltern bestimmen dürfen, welche Moralvorstellungen und welche Glaubenswerte sie ihren Kindern vermitteln möchten, sondern der Staat dies übernimmt. Mit welchem Recht? Wir denken nicht, dass dies dem Wohl unserer Kinder dient oder gar der Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Manche möchten uns sogar einreden, dass uns das heterosexuelle biblische Menschenbild nur aufgezwungen wurde. Als Christinnen und Christen wissen wir jedoch, dass unser Vater uns liebt. Er, der uns erschaffen hat, dürfte wohl besser wissen als Professor XY, was gut und richtig und wahr für uns ist!

Erschreckend auch, dass es bereits Kindergärten gibt, in denen diese Ideologie Einzug findet.

Erschreckend weiterhin, dass für die Umsetzung des "Gender Mainstreaming" Unsummen an Geld ausgegeben werden. Wir denken, dass diese finanziellen Mittel weitaus besser eingesetzt werden könnten.

Außerdem glauben wir nicht, dass es Aufgabe des Staates ist, sich derart in das Privatleben seiner Bürgerinnen und Bürger einzumischen.

An der momentanen Regierung sind auch CDU und CSU beteiligt. Beide tragen das "C" für "christlich" in ihrem Namen.

Wir fordern die Politikerinnen und Politiker auf, sich wieder darauf zu besinnen und für ein christliches Bild von Mann und Frau einzutreten.







"The correct Catholic response to “Gay Pride” events

In recent decades, “gay pride” parades started spreading through cities of the Western world. The clear objective of this constantly growing phenomenon is to take over the town squares of all the cities of the western world and, in the long term, the cities of the entire world, with the exception of Islamic countries because of fear of predictable violent counter-reactions.

These demonstrations are carried out with enormous financial and logistical commitments, accompanied by propaganda supported by the most influential powers of public life, namely political elites, social media and powerful economic and financial bodies. Such unanimous support on the part of these public bodies was typical of historical totalitarian systems in order to impose a certain ideology on society. The so-called “gay pride” demonstrations unmistakably resemble the propaganda marches of various totalitarian political regimes of the past.

However, there is one very important voice in public life that has not yet officially, or to a large extent, joined this unanimous chorus of support for so-called “gay pride” parades. This voice is that of the Catholic Church. The totalitarianism of homosexualist gender ideology is pursuing its most ambitious goal, which is to conquer the last bastion of resistance, i.e. the Catholic Church.

In the meantime, this goal has unfortunately been in some way achieved, since it has been observed that an increasing number of priests, and even some bishops and cardinals, publicly express in various ways their support for these totalitarian marches, called “gay pride.” These priests, bishops and cardinals thereby become agents and promoters of an ideology that represents a direct offense to God and to the dignity of the human person, created male and female, created in the image and likeness of God.

Gender ideology, or the ideology of homosexuality, represents a revolt against the creative work of God, which is so admirably wise and loving. It is a revolt against the creation of the human being in both sexes — male and female — which are necessarily and wonderfully complementary. Homosexual or lesbian acts profane the male or female body, which is the temple of God. In fact, the Holy Spirit says, “If anyone destroys God’s temple, God will destroy him. For God’s temple is holy, and that temple you are” (1 Cor 3:17). The Holy Spirit declares in Sacred Scripture that homosexual acts are ignominious, since they are contrary to nature as it was created by God: “For this reason God gave them up to dishonorable passions. Their women exchanged natural relations for unnatural, and the men likewise gave up natural relations with women and were consumed with passion for one another, men committing shameless acts with men and receiving in their own persons the due penalty for their error. And since they did not see fit to acknowledge God, God gave them up to a base mind and to improper conduct” (Rom 1:26-28). The Holy Spirit then declares that persons who commit gravely sinful acts, including homosexual acts, will not inherit eternal life: “Do not be deceived: neither the immoral, nor idolaters, nor adulterers, nor homosexuals, nor thieves, nor the greedy, nor drunkards, nor revilers, nor robbers will inherit the kingdom of God” (1 Cor 6:9-10).

Yet the grace of Christ has such a power that it transforms an idolater, an adulterer, or a practicing homosexual into a new man. The quoted text from the Word of God goes on to say: “And such were some of you [idolaters, adulterers, sodomites]! But you were washed, you were sanctified, you were justified in the name of the Lord Jesus Christ and in the Spirit of our God" (1 Cor 6:11). Faced with this truth and reality about grace, the light of hope and true progress shines brightly on the anti-Divine and anti-human scene of the ideology and practice of homosexuality; that is, the hope and real possibility that a person who performs homosexual acts can be transformed into a new man, created in the truth of holiness: “You did not so learn Christ! —assuming that you have heard about him and were taught in him, as the truth is in Jesus. Put off your old nature which belongs to your former manner of life and is corrupt through deceitful lusts, and be renewed in the spirit of your minds, and put on the new nature, created after the likeness of God in true righteousness and holiness” (Eph 4:20-24). These words of God are the only message worthy of hope and liberation that a Christian, and even more so a priest and a bishop, should offer people who perform homosexual acts or propagate gender ideology.

The totalitarianism and intolerance of gender ideology, by their own logic, also requires totalitarian adherence. All sectors of society, including the Catholic Church, must therefore be obliged to express somehow their acceptance of this ideology. One of the most widespread and concrete public means for imposing this ideology lies in the so-called “gay pride” parades.

It cannot be ruled out that the Catholic Church, in the not too distant future, will be faced with a situation similar to the situation of persecution by the Roman Empire in the first three centuries, when adherence to the totalitarian ideology of idolatry was also obligatory for Christians. At that time, the test or verification of such adherence consisted in the civil and politically correct act of burning several grains of incense in front of the statue of an idol or of the emperor.

Today, instead of burning several grains of incense, the gesture of solidarity with the “gay pride” parades is offered through a warm welcome from clergy and even through a special prayer service in support of the alleged rights to homosexual activities and to the spread of their ideology. We are witnessing an incredible scenario, in which some priests and even bishops and cardinals, without blushing, are already offering grains of incense to the idol of homosexuality or gender ideology, to the applause of the powerful ones of this world, that is, to the applause of politicians, social media giants and powerful international organizations.

What is the correct response of a Christian, a Catholic, a priest and a bishop to the so-called “gay pride” phenomenon?

In the first place, one must proclaim with charity the Divine truth about the creation of the human person, proclaim the truth of the objective psychological and sexual disorder of homosexual tendencies, and then talk about the truth concerning needed and discreet help for people with homosexual tendencies, so that they receive care and liberation from their psychological disability.

Then one must also proclaim the Divine truth about the gravely sinful character of homosexual acts and of the homosexual lifestyle, since they are offensive to God’s will. One must proclaim with truly fraternal concern the Divine truth about the danger of the eternal loss of the souls of practicing and unrepentant homosexuals.

In addition, by showing civil courage and using all peaceful and democratic means available, one must protest against contempt for Christian convictions and against the public display of degrading obscenities. One must protest against the imposition — on the populations of entire cities and towns — of marches characterized by political-ideological militancy.

The most important thing, however, lies in the spiritual means. The most powerful and precious response is expressed in public and private acts of reparation to the Divine holiness and majesty, so gravely and publicly offended by so-called “gay pride” parades.

Inseparable from acts of reparation is fervent prayer for the conversion and eternal salvation of the souls of the promoters and activists of homosexual ideology, and especially of the souls of the pitiable people who practice homosexuality.

May the following words of the Supreme Pontiffs strengthen the correct Catholic response to the so-called “gay pride” phenomenon.

Pope John Paul II protested against the “gay pride” parade in Rome, in 2000, saying:

I feel obliged, now, to mention the well-known [gay pride] demonstrations held in Rome in the past few days. In the name of the Church of Rome I can only express my deep sadness at … the offense to the Christian values of a city that is so dear to the hearts of Catholics throughout the world. The Church cannot be silent about the truth, because she would fail in her fidelity to God the Creator and would not help to distinguish good from evil. (Angelus address, July 9, 2000)

The reigning Pontiff, Pope Francis, has on various occasions warned of the danger of gender ideology, when for example, he said:

You, Irina, mentioned a great enemy to marriage today: the theory of gender. Today there is a world war to destroy marriage. Today there are ideological colonizations which destroy, not with weapons, but with ideas. Therefore, there is a need to defend ourselves from ideological colonizations. (Meeting with priests, religious, seminarians and pastoral workers, Tbilisi, October 1, 2016)

On another occasion, he said:

We are experiencing a moment of the annihilation of man as the image of God. I would like to conclude with this aspect, since behind all this there are ideologies. In Europe, America, Latin America, Africa, and in some countries of Asia, there are genuine forms of ideological colonization taking place. And one of these – I will call it clearly by its name – is [the ideology of] ‘gender’. Today children – children! – are taught in school that everyone can choose his or her sex. Why are they teaching this? Because the books are provided by the persons and institutions that give you money. These forms of ideological colonization are also supported by influential countries. And this is terrible! In a conversation with Pope Benedict, who is in good health and very perceptive, he said to me: ‘Holiness, this is the age of sin against God the Creator’. He is very perceptive. God created man and woman; God created the world in a certain way… and we are doing the exact opposite. God gave us things in a ‘raw’ state, so that we could shape a culture; and then with this culture, we are shaping things that bring us back to the ‘raw’ state! Pope Benedict’s observation should make us think. ‘This is the age of sin against God the Creator’. (Meeting with the Polish Bishops on the occasion of the XXXI World Youth Day, Krakow, July 27, 2016)

The true friends of people who promote and perform degrading actions during so-called “gay pride” parades are Christians who say:

I will not burn even one grain of incense before the idol of homosexuality and gender theory, even if — God forbid! — my parish priest or my bishop should do so.

I will make private and public acts of reparation and offer intercessory prayers for the eternal salvation of the souls of all those who promote and practice homosexuality.


I will not be afraid of the new ideological-political totalitarianism of gender theory, for Christ is with me. And since Christ has conquered all the totalitarian systems of the past, He will also conquer the totalitarianism of gender ideology in our own day.

Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

July 28, 2018

+ Athanasius Schneider, Auxiliary Bishop of the Archdiocese of Mary Most Holy in Astana

Translation from the Italian by Diane Montagna"

(Source: https://www.lifesitenews.com/news/bishops-athanasius-schneider-on-the-correct-catholic-response-to-gay-pride)

Diversity



 

Was heißt das eigentlich - "Diversity"?

Es klingt ja erstmal wunderbar. "Verschiedenheit". Und mittlerweile bekennen sich viele Betriebe zu diesem Leitsatz der "Diversity".

Was heißt das nun, wenn man sich der "Diversity" verschreibt - wenn man sie im Betrieb akzeptiert?

Will man hiermit Menschen aus anderen Ländern unterstützen? Oder Männer und Frauen in gleicher Weise? Verschiedene Kulturen oder Religionen? Menschen mit langen oder kurzen Nasen?

Wenn man jedoch einen Blick auf die heutige Gesellschaft wirft - vor allem auch die Geschäftswelt - sieht man, dass das Wort "Diversity" vor allem in der Bedeutung verwendet wird, die eine völlige Akzeptanz von Homosexualität einschließt. Der Ausdruck klingt nicht aggressiv und wird oft als anderes Wort (eine Art "Code") für "Homosexualität" verwendet. So wird das, was man mit dem Wort "Diversity" eigentlich sagen will, geschickt verschleiert (wenn vielleicht die Absicht derjenigen, die das tun, nicht unbedingt schlecht sein muss. Manche mögen sich dessen auch gar nicht bewusst sein).

"Diversity" - wer würde das nicht sofort unterschreiben? Höchstens altmodische, radikale, verklemmte, oder engstirnige Menschen. Menschen voller Hass und Menschen mit wenig Hirn. Die Art von Menschen, die auch Hexen verbrennen würden (vergleiche auch die "Human Rights Campaign!). Alle anderen würden aber "Diversity" unterstützen.

Wenn man das Ganze aber anders - mit eindeutig homosexuellem Hintergrund - ausdrücken würde, ergäbe sich wohl eine andere Antwort.

"Diversity" steht also meist für alle möglichen Arten von Homosexualität - wie wir sie heute in der Gesellschaft vorfinden und wie sie sich in verschiedenster Art und Weise darstellt.

Eine Akzeptanz von "Diversity" heißt also meist nichts anderes als eine Akzeptanz von Homosexualität in all ihren Ausdrucksformen.

Dies sollte man also immer im Hinterkopf haben, wenn im Betrieb, in der Schule oder sonstwo "Diversity" propagiert wird.

Ein Beispiel unter vielen:

Als am 27. August 2005 zum ersten Mal britische Soldaten an einer Gay Pride Parade in Manchester teilnahmen, brachte dies zum Ausdruck, "dass die Armee Veränderung akzeptiert und sehr fortschrittlich und aufgeschlossen ist, was die Akzeptanz von Diversity betrifft, und damit ein höheres Level an Toleranz zeigt".


Das Problem dabei: im Gegensatz zur Nationalität etwa ist bei der Homosexualität - unabhängig von deren Ursachen - doch ein gewisses Maß an freier Entscheidung möglich (zumindest was das Ausleben der Neigungen betrifft). Man darf sich schon fragen, wie es so weit kommen konnte, dass sexuelle Vorlieben oder Orientierungen hier Einzug gehalten haben und Teil des "politisch korrektem" geworden sind.



(Fortsetzung folgt)


(Quelle: ICN Ministries: http://www.icnministries.org/resources/video.htm)

 

 

Divine Diversity?

By Tim Wilkins

What do you say when an Iowa county judge declares its state’s 1998 Defense of Marriage Act “must be nullified, severed and stricken from the books”- all in the name of diversity?

You remind him that ‘same-sex marriage’ lacks the very diversity it seeks to promote.

A same-sex marriage is characterized by “sameness” whereas a husband-wife relationship is characterized by “difference”.

The prefix “homo” means “same” while diversity means different.

Readers may be astonished to read several definitions of diverse or diversity.

Definitions include “differing from one another” (Merriam Webster) “The fact or quality of being different” (American Heritage Dictionary) and “noticeable heterogeneity” (www.online-thesaurus.net)

Did you notice that last word “heterogeneity”? It comes from the same root word from which we get the word “heterosexual”.

Diversity, in its purest form, is marked by difference, which is found in the union of a man and a woman. To define diversity any other way is to dilute its meaning.

Synonyms of diversity are also of interest: “varied, different, distinct, unlike, dissimilar, heterogeneous”

Those advocating for ‘same-sex marriage’ will say that when they use the word diversity they are speaking of marriage “as a whole” that is - the entire sum of all marriages. They would say that marriages, as a group, should include all types of unions, i.e. a man and a woman, a man and a man or a woman and a woman.

But diversity must be used as it relates to every particular marriage. In other words, true diversity must characterize every single marriage in and of itself - which, of course, a same –sex marriage does not do.

God holds the patent on marriage and as such, we have no liberty to redefine it.

My friends who support homosexual partnerships might say the Bible is a compilation of scare tactics. But let’s look at that. A road sign that reads “Landslide Ahead” is not meant to scare motorists but warn them and, I might add, to direct them in the appropriate direction. Whoever wrote the caution sign did so as to warn and protect motorists.

God wrote His caution sign - the Bible, not to scare, but to warn us. A person can disregard the Bible as well as a road sign, but there are consequences to each.

And those of us who hold to a traditional view of marriage need to remember our responsibility to proclaim His message with love, not any scare tactics.

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Forum Deutscher Katholiken

Der Kongress des "Forums Deutscher Katholiken" gibt zu den Thema "Christen müssen Europa gestalten" folgende Erklärung ab:


"Gender-Mainstreaming" löst die Geschlechtsidentität von Mann und Frau auf


"Gender-Mainstreaming" ist seit 1999 "Leitprinzip und Querschnittsaufgabe" der Bundesregierung Deutschland. Über diese verbindliche Zielvorgabe hat es weder eine öffentliche Debatte noch eine parlamentarische Entscheidung gegeben. Der Begriff "gender" ist den Wählern so gut wie unbekannt.

"Die Gender-Perspektive" behauptet, das "soziale Geschlecht" (gender) sei unabhängig vom biologischen Geschlecht. Es gehöre zur Freiheit des Menschen, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung zu wählen, also selbst zu bestimmen, ob er Mann oder Frau sein und hetero-, homo-, bi- oder transsexuell leben wolle. Unter dem Deckmantel der "Gleichstellungspolitik" wird die Geschlechtsidentität von Mann und Frau aufgelöst. Das Fach "Gender-Studies" wird an fast allen Universitäten gelehrt und zunehmend zum Pflichtfach für alle Studiengänge. Die Gender-Ideologie ist bereits in die Lehrpläne der Schulen und Kindergärten eingedrungen. Ihr sozialrevolutionärer Kern ist die Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen durch den staatlichen Sexualkundeunterricht.

Es handelt sich um eine kulturelle Revolution der internationalen Homo- und Lesbenorganisationen zur Schaffung des neuen Gender-Menschen. Sie wird von der UN, der EU und dem Staat mit aller Macht durchgesetzt. Zunehmend wird Widerstand ausgeschaltet und international durch Antidiskriminierungsgesetze als "Homophobie" kriminalisiert. Gender-Mainstreaming steht in Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie, Neurologie und Psychologie über die natürliche Geschlechtsdifferenz von Mann und Frau. Der Versuch des Staates, über Erziehung und Ausbildung die Geschlechtsidentität der Kinder und Jugendlichen zu verändern, ist ein illegitimer Missbrauch staatlicher Macht. Zu diesem Missbrauch gehört auch die strategische Veränderung der Sprache.

Gender-Mainstreaming

• zielt auf die Zerstörung der Familie an der Wurzel, denn die Familie beruht auf der Ergänzung von Mann und Frau in der Ehe und auf deren Bereitschaft, Kinder zu bekommen und sie als Vater und Mutter zu verantwortungsvollen und leistungsfähigen Menschen zu erziehen.
• ist eine schleichende Aushöhlung des Verfassungsauftrages, welcher den Staat zum besonderen Schutz von Ehe und Familie verpflichtet.
• richtet sich gegen die Frau, weil es das feministische, am Mann orientierte Frauenbild durchsetzt und die Mutter materiell und ideell entwertet.
• richtet sich gegen den Mann, weil es Mädchen und Frauen systematisch bevorzugt und dem Mann Autorität und Einfluss nimmt, indem es ihn verweiblichen will.
• richtet sich gegen das Kind, weil es die Abtreibung zum "Menschenrecht" erklärt und die Auflösung der Familie betreibt.
• ist die atheistische Ideologie unserer Zeit. Sie rebelliert gegen die Schöpfungsordnung und bekämpft das Christentum.
• beschleunigt die demographische Krise und den kulturellen Verfall.


Wir fordern jeden Bürger zum Widerstand gegen Gender-Mainstreaming auf, insbesondere gegen die Vermittlung im Sexualkundeunterricht.

Wir fordern die Politiker auf, statt Gender-Mainstreaming die reale Stärkung der Familie zum Leitprinzip und zur Querschnittsaufgabe der Politik zu machen, damit der kulturelle Niedergang und die demographische Krise langfristig überwunden werden können.

Wir fordern die Bischöfe auf, ihrer Hirtenpflicht nachzukommen und das Volk vor den Versuchen, einen neuen geschlechtsvariablen Menschen zu schaffen, zu schützen.

Fulda, am 13. September 2008

Forum Deutscher Katholiken

(Quelle: http://www.forum-deutscher-katholiken.de/index.php?item=declarations/decl-20080913-gender)

Aber Gott hat doch Adam UND Eva den Schöpfungsauftrag gegeben!

Ja, aber das heißt nicht, dass beide dieselben Aufgaben haben! Gott hat ihnen auch gesagt, sie sollten fruchtbar sein und sich vermehren. Heißt das nun, dass auch Männer Kinder bekommen sollten? Wohl kaum. Der Mann hat bei der Zeugung und Erziehung eine Aufgabe und die Frau eine andere - körperlich wie vom Rollenverständnis her.

Männer und Frauen sind in jeder Hinsicht anders - und das ist gut so und von Gott gewollt. Sie sind vom Wesen her gleich, also auch gleich viel wert - aber haben beide grundverschiedene Aufgaben und Rollen.

Daran etwas rütteln zu wollen, hieße, Gottes Schöpfungsauftrag zu missachten und an Seiner Schöpfung herumzudoktern - also selbst Gott sein zu wollen!

 

Informationen

Nützliche Informationen: siehe "Der Spiegel", 1/2007

Wir danken dem Spiegel für einen ausgezeichneten Artikel!





INTO THE BREACH

An Apostolic Exhortation to Catholic Men, my Spiritual Sons in the Diocese of Phoenix
Thomas J. Olmsted
Bishop of Phoenix

“And I sought for a man among them who should build up the wall
and stand in the breach before me for the land…”
Ezekiel 22:30

A Call to Battle

I begin this letter with a clarion call and clear charge to you, my sons and brothers in Christ: Men, do not hesitate to engage in the battle that is raging around you, the battle that is wounding our children and families, the battle that is distorting the dignity of both women and men. This battle is often hidden, but the battle is real. It is primarily spiritual, but it is progressively killing the remaining Christian ethos in our society and culture, and even in our own homes.

The world is under attack by Satan, as our Lord said it would be (1 Peter 5:8-14). This battle is occurring in the Church herself, and the devastation is all too evident. Since AD 2000, 14 million Catholics have left the faith, parish religious education of children has dropped by 24%, Catholic school attendance has dropped by 19%, infant baptism has dropped by 28%, adult baptism has dropped by 31%, and sacramental Catholic marriages have dropped by 41%.1 This is a serious breach, a gaping hole in Christ’s battle lines. While the Diocese of Phoenix has fared better than these national statistics, the losses are staggering.

One of the key reasons that the Church is faltering under the attacks of Satan is that many Catholic men have not been willing to “step into the breach” – to fill this gap that lies open and vulnerable to further attack. A large number have left the faith, and many who remain “Catholic” practice the faith timidly and are only minimally committed to passing the faith on to their children. Recent research shows that large numbers of young Catholic men are leaving the faith to become “nones” – men who have no religious affiliation. The growing losses of young Catholic men will have a devastating impact on the Church in America in the coming decades, as older men pass away and young men fail to remain and marry in the Church, accelerating the losses that have already occurred.

These facts are devastating. As our fathers, brothers, uncles, sons, and friends fall away from the Church, they fall deeper and deeper into sin, breaking their bonds with God and leaving them vulnerable to the fires of Hell. While we know that Christ welcomes back every repentant sinner, the truth is that large numbers of Catholic men are failing to keep the promises they made at their children’s baptisms – promises to bring them to Christ and to raise them in the faith of the Church.

This crisis is evident in the discouragement and disengagement of Catholic men like you and me. In fact, this is precisely why I believe this Exhortation is needed, and it is also the reason for my hope, for God constantly overcomes evil with good. The joy of the Gospel is stronger than the sadness wrought by sin! A throw-away culture cannot withstand the new life and light that constantly radiates from Christ. So I call upon you to open your minds and hearts to Him, the Savior who strengthens you to step into the breach!

Purpose of this Exhortation

I offer this Exhortation as an encouragement, a challenge, and a calling forth to mission for every willing man in the Diocese of Phoenix: priests and deacons, husbands, fathers and sons, grandfathers and widowers, young men in preparation for your vocation – that is, each and every man. With this Exhortation, I want to clarify for you the nature of this mission from Christ, for which I will rely on the clear guidance of the Holy Scriptures, the Magisterium of the Church, and the example of the saints.
In this Exhortation, I will address three primary questions:

1. What does it mean to be a Christian man?

2. How does a Catholic man love?

3. Why is fatherhood, fully understood, so crucial for every man?

Before addressing these three basic questions, it is important to put them into proper context. In the following section, I will explain three important contexts that help us understand the main questions.

Context #1: A New Apostolic Moment – The “New Evangelization”
First, a new apostolic moment is upon us at this time in the history of the Church. The Holy Spirit is bringing about what recent popes have termed the “New Evangelization.” By evangelization, we mean the sharing of the Gospel of Jesus Christ by all means available, such as preaching, teaching, witnessing a fruitful and faithful family life, living celibacy for the sake of God’s Kingdom, employing media and other arts placed at the service of the Gospel. And what is new? The newness of our times is this: in the West, we find ourselves in the midst of competing cultures, particularly in cities and neighborhoods where the Gospel once permeated quite deeply. Jesus Christ’s Great Commission (Matthew 28: 16-20) to go out to the whole world and share the Good News has already happened where we live! This permeation of Western culture was once so deep that in a sense, it became part of the soil, and we still stand on that soil in certain ways. It is evident in current assumptions about life, which come directly from the Greco-Roman-Judeo-Christian framework; assumptions regarding “fairness”, “equality”, “virtue”, “human dignity”, “compassion”, “representative government”, “the Golden Rule”, the “Ten Commandments”, the “hospital”, the “university”, and other clearly positive developments in the history of civilization. All this is our patrimony and inheritance from our spiritual ancestors. We find ourselves standing on this rich soil, where blessings are many because the Gospel has been taught here, received in faith, and put into practice.

Yet, at the same time, termites are hard at work in this soil. Here, in the developed desert of Arizona, we know termites well. Homebuilders know that no home built in our climate is entirely immune from these hungry, subterranean insects. Likewise, no culture – deeply Christian though it may be – is immune to the corruption of half-truths and hidden sin. Many fruits of our Christian heritage still exist, but the roots below the soil are under siege. Much about our culture remains good and must be preserved, but it would be foolish to ignore the current and growing trends that threaten the remaining good, and dangerous to risk squandering the patrimony with which we have been blessed.

The answer and only ultimate solution is the New Evangelization of which we speak. Pope St. John Paul II, with whom I was blessed to work closely for nine years and who has inspired many men, reminds us of this needed response: “There is no solution to the social question apart from the Gospel.”2 With this Exhortation, I gladly make his words my own; there is no solution to our cultural decline apart from the Gospel of Jesus.

This is daunting, perhaps, but surely an adventure. In the Book of Revelation, the Lord Jesus tells us, “Behold, I make all things new” (21:5) – that all things old and tired, sinful and broken, are renewed in his Incarnation, death, and Resurrection. Could this possibly be true? The answer is a resounding Yes! A true Catholic man stakes his whole life on this proposition – that all is made new in Jesus Christ. Our Lord has promised that He is and will always be with us. Thus, Catholic men across the centuries have responded to the call to enter the battle, ever ancient and ever new, and I have confidence that you will respond alike to fill the breach in our time. Be confident! Be bold! Forward, into the breach!

Context #2: A Field Hospital and a Battle College

In his homilies, Pope Francis has described the Church today as “a field hospital after battle” – a constant source of mercy in order to endure and overcome wounds that we all bear. The Church is also the powerful source of Truth to heal men and prepare them to battle another day for Christ. Here in Phoenix as elsewhere, the Church is finding – though must redouble its efforts to find – the paths to healing for ourselves and the means to care for others who, like us, bear the mark of the Fall in debilitating ways, whether these wounds be physical or spiritual (addiction to pornography, alcohol, drugs, food, broken marriages, fatherlessness, and troubled family life). Our time calls for a renewal of the Church’s genius for physical and spiritual healing, given to her by the Holy Spirit. As Pope Francis says, the wounded are all around us, and “it is useless to ask a seriously injured person if he has high cholesterol and about the level of his blood sugars. You have to heal the wounds.”3 At the same time, the proclamation of the fullness of truth found in the Catholic Church is essential. This leads you, men, to live lives where sins do not cause festering wounds. Through Christ’s mercy and truth, we are healed and revitalized for battle. In Christ’s mercy and truth, we become strong in his strength, courageous with his courage, and can actually experience the joie de guerre of being soldiers for Christ.

Since the Church as “field hospital” after battle is an appropriate analogy, then another complementary image is appropriate for our day: the Spiritual Battle College. The Church is, and has always been, a school that prepares us for spiritual battle, where Christians are called to “fight the good fight of faith” (1 Timothy 6), to “put on the armor of God”, and “to be able to stand firm against the tactics of the devil” (Ephesians 6:11).

Ever since Jesus chose the Twelve Apostles, formed them in his presence, and sent them out in his Name, He has continued to choose and form men through his Church and to send them out to the wounded. This is the meaning of the word apostle – men who are sent. With this letter, then, my sons and brothers, I urge you to heed Jesus’ call and to let him form your mind and heart with the light of the Gospel for the purpose of being sent. That is why this letter is an apostolic exhortation. I am hereby exhorting you to step into the breach – to do the work of Christ’s soldiers in the world today.


Context #3: Man and Woman are Complementary, not Competitors

The complementarity of masculinity and femininity is key to understanding how human persons image God. Without knowing and appreciating this, we cannot know ourselves or our mission as men, nor can women embrace their own vocations, confident in the Father’s love.

Men and women are certainly different. Science increasingly deepens our understanding of this difference. Up until recently, we had little idea of the complex workings of hormones, chemical reactions, and the brain differences present in boys and girls, men and women, all in response to the presence of the XX or XY combination of chromosomes present at conception. For example, the significantly greater amount of corpus callosum (the connective nerve fibers between the two sides of the brain) in the average woman is a fascinating discovery, as is the way the male brain is typically more segmented in its functions. Studies show that on average, infant girls will look at the face of a silent adult twice as long as infant boys, more interested in the person by God’s design.4 All these biological facts discovered by science add to our knowledge of the symphony of complementarity between man and woman, something at which we rightly wonder and in which we rejoice when we encounter the beauty of the sexual difference.
This difference is also a challenge, since misunderstanding can creep in and sin can cause us to lose respect for one another, robbing us of our hope for peaceful and fruitful collaboration between men and women. But this struggle between the sexes is not the fault of God’s creation; it is the result of sin. Pope Francis puts it this way:

4 There are, of course, rare exceptions to the genetic rule. We are aware of the exceptions due to genetic defect or insufficient hormonal development. For example, Turner’s Syndrome in girls and Androgen Insensitivity Syndrome or XXY Syndrome in boys cause situations which are very painful in the individual lives of these young men and women and their families. I pray that Catholic researchers, psychologists, and physicians would be at the forefront of studying these phenomena and providing ethical counsel, care, and support to these individuals and families.

Man and woman are the image and likeness of God. This tells us that not only is man taken in himself the image of God, not only is woman taken in herself the image of God, but also man and woman, as a couple, are the image of God. The difference between man and woman is not for opposition, or for subordination, but for communion and procreation, always in the image and likeness of God.5

Alongside this struggle, the rapid advance of a “gender ideology” has infected societies around the world. This ideology seeks to set aside the sexual difference created by God, to remove male and female as the normative way of understanding the human person, and in its place, to add various other “categories” of sexuality. This ideology is destructive for individuals and society, and it is a lie. It is harmful to the human person, and therefore, a false concept that we must oppose as Christians. At the same time, however, we are called to show compassion and provide help for those who experience confusion about their sexual identity. This confusion is not unexpected when the poison of secularism reaches such critical levels: “When God is forgotten, the creature itself becomes unintelligible.”6

The damaging impact of this “gender ideology” on individuals and society was addressed at length this year by Pope Francis: I ask myself, if the so-called gender theory is not… an expression of frustration and resignation, which seeks to cancel out sexual difference because it no longer knows how to confront it. Yes, we risk taking a step backwards. The removal of difference in fact creates a problem, not a solution. In order to resolve the problems in their relationships, men and women need to speak to one another more, listen to each other more, get to know one another better, love one another more. They must treat each other with respect and cooperate in friendship.7 As Pope Francis reminds us all to “love one another more,” I exhort you, my sons and brothers in Jesus Christ, to embrace more deeply the beauty and richness of the sexual difference and to defend it against false ideologies. Having now established the contexts in which to understand the questions addressed in this Exhortation, I will now respond to the above-stated questions themselves.

Question 1: What does it mean to be a Catholic Man?

Ecce Homo – Behold the Man

Every man, particularly today, must come to a mature acceptance and understanding of what it means to be a man. This may seem obvious, but in our world, there are many distorted images and much evidence of confusion regarding what is true masculinity. We can say that for the first time in history, people have become either so confused or so arrogant as to attempt to dictate their masculinity or femininity according to their own definitions.

At one striking moment of Jesus’ trial, Pontius Pilate, with all his worldly power, presented Jesus to the crowd with the words, Ecce homo – Latin meaning “Here is the man!” Thinking he was merely pointing to a man from Nazareth, he failed to recognize that he was pointing to God made man – the Word made flesh, Jesus of Nazareth – who at once is fully God and fully man, and the perfection of masculinity. Every moment of his life on earth is a revelation of the mystery of what it means to be man – that is, to be fully human and also, the model of masculinity. Nowhere else can we find the fullness of masculinity as we do in the Son of God. Only in Jesus Christ can we find the highest display of masculine virtue and strength that we need in our personal lives and in society itself. What was visible in Christ’s earthly life leads to the invisible mystery of his divine Sonship and redemptive mission. The Father sent his Son to reveal what it means to be a man, and the fullness of this revelation becomes evident on the Cross. He tells us that it was for this reason that He came into the world, that it is his earnest desire to give himself totally to us.8 Herein lies the fullness of masculinity; each Catholic man must be prepared to give himself completely, to charge into the breach, to engage in spiritual combat, to defend women, children, and others against the wickedness and snares of the devil!

Looking to what the secular world holds up as “manly” is in fact to look at shadows – or even at outright counterfeits – of masculinity. No athlete, no matter how many awards; no political leader, no matter the power he wields; no performer, business man, or celebrity, no matter how much adored; no physical attribute or muscle mass; no intelligence or talent; no prizes or achievements can bestow masculinity on a man. The idolatry of celebrities at this time is a particular temptation, but to build one’s masculine identity on such fleeting models is to build an identity on sand. My Catholic sons and brothers, we can only build a certain foundation for masculinity on the rock, Jesus Christ. We look to our Savior to be transformed in Him, to be the men we are called to be, and to let others see Him in us.

Yet we do not merely look to Jesus. We truly encounter Christ at Mass when we receive the very gift of Himself in the Eucharist. For this reason, I call upon my brother priests to awaken the sense of transcendence in the hearts of men through reverent and beautiful liturgy, helping men to rediscover Jesus in the Eucharist each and every Sunday. I ask my brother priests to teach the faithful about the powerful truth of the liturgy, especially in ways to which men can relate. Teaching men to understand the fullness and power of the Mass must be a top priority. What a joy it is for men of God when they are led by priests who have a confident sense of their own masculinity, their call to participate in Christ’s spousal love, and their generous, life-giving fatherhood!


Saints, our Heroes of Faith

This is what our forefathers, the saints, have done for two millennia. As the Gospel reveals the reality of masculinity, we can also find it lived out in the heroic witness of the saints.
Saints are a kind of continuation of the Gospels and so give us examples of the varied paths of holiness. Thus, as Jesus shows us the perfection of masculinity, so we can also find it lived by the saints who were led by Christ. Just as an aspiring baseball player is inspired at the Baseball Hall of Fame, so must we men look to those who have gone before us, to look to them for inspiration and encouragement in fighting the good fight.

Think of the varied skills and talents of baseball players. A young person may dream to hit like Babe Ruth, catch and throw like Willie Mays, have the agility of Henry Aaron, the consistency and hard work of Lou Gehrig and Jackie Robinson. Young pitchers would dream of pitching like Cy Young and Randy Johnson. As they see each of these players play the game in different ways, they are inspired to a love of baseball.

Yet far greater than a ball game is what Catholic men seek. We look to the saints as to heroes, striving to live like Christ, united to Him and learning from Him at the same time. In a dramatic way to which we can relate, the saint’s life says Ecce homo!, “Here is the man!” This is what St. Paul implies when he writes, “It is not I who live, but Christ who lives in me” (Galatians 2:20).

Each man should make a decision to have a patron Saint. While there are many more, I offer the names of ten saints with whom each and every Catholic man should become familiar. Next to each saint’s name is is listed the virtue with which he is associated, as well as the sin which opposes that virtue. When we identify our sin and the needed virtue, we can identify which saint’s intercession will be particularly helpful:

- St. Joseph (Trust in God – selfishness)
- St. John the Baptist (Humility – arrogance)
- St. Paul (Adherence to Truth – mediocrity)
- St. Michael the Archangel (Obedience to God – licentiousness and rebelliousness)
- St. Benedict (Prayer and Devotion to God – sloth)
- St. Francis of Assisi (Happiness – moralism)
- St. Thomas More (Integrity – double-mindedness)
- Blessed Pier Giorgio Frassati (Chastity – lust)
- St. Josemaría Escrivá (Boldness – worldly fear)
- Pope St. John Paul II (Defending the Weak – passivity)

We don’t even need to look to the distant past to find heroes of the faith. We witnessed St. John Paul II forgive his would-be assassin, and after recovering his health, continue tirelessly to call the world to “open wide the doors to Christ.”9 Time and again, he exhorted us, “Be not afraid!” Today in parts of the world where persecution rages, we are seeing courageous witnesses of truth in the recent martyrs of Syria, Nigeria, Iraq, and other war-torn countries. We remember our twenty-one Coptic brothers who, just this past winter, were beheaded on a beach in Egypt, and as Pope Francis noted, “only because they confessed Christ.”10

Men, we must never believe that holiness and courage are things of the past! You and I are called to a holiness that shows Christ to the world as our forefathers have done countless times throughout history, following the inspiration of the Holy Spirit. Indeed, in this time of evil’s growing boldness, each man must prepare himself for nothing less than martyrdom, whatever form this may take, and to instill in his children and grandchildren the willingness to do the same.

Will the Lord not continue to inspire men? Of course He will, and He continues to do so! Our concern is not if the Lord will give us the required strength, but how He is doing so right now. How is His Spirit moving us to rise up and reject passivity in a culture of fatherlessness? How is He now giving us interior strength in a culture of pornography? How is He now inspiring us to look beyond ourselves and our technology to the peripheries where Christ is needed? How is the Lord inspiring you and me, right now, to cast aside concerns for our own comfort, to serve our fellow man, to put out into the deep, to step into the breach?

I strongly encourage your familiarity with the lives of the saints. Just as a young baseball player would lack much having never studied the greats enshrined in Cooperstown, so we lack much if we are ignorant of the saints who have preceded us to the infinitely more glorious Halls of Heaven.


The Catholic Man’s Identity

I wish now to speak to you about our identity in Christ. Most of the holy men I mentioned above lived in times quite different than our own. They had different challenges and different callings, but all had one thing in common: Jesus Christ, who gave them their true identity! Here we recall the wisdom of the Second Vatican Council: “Jesus Christ reveals man to himself and makes his supreme calling clear.”11

In subtle ways, we are tempted to look elsewhere for our identity. The opinions of others, the success of our careers, the number of possessions, toys, sports, hobbies, clothing, tattoos, homes, and cars – these are all ways that tempt us to label or identify ourselves in ways outside of Christ. While some of these must be a part of life to an extent, they are not the core of our being. Having been purchased by the blood of the Lamb, “our citizenship is in Heaven” (Phil. 3:20). The world cannot possibly give us our true identity; “Whether we live or whether we die, we are the Lord’s” (Romans 14:8). We must be aware of being distracted by false identities and remain grounded in Jesus Christ.
Simply put, our identity is caught up in the identity of the eternal Son of God. It is received at our baptism as it was clearly exclaimed at the baptism of Jesus in the Jordan River: “You are my beloved son in whom I am well pleased” (Mark 1:11). When we speak of conversion, we are speaking about an acceptance of and growth into this identity. When we speak about sin, we are speaking of all that takes us away from our identity as beloved sons of the Father. Since this is our identity – being beloved sons of God the Father – is it surprising that the devil is waging a fierce battle on masculinity and fatherhood in our day? The process of Christian conversion includes coming to know God’s love and experiencing brotherhood with Christ who deepens our identity as sons of the Father in the Holy Spirit. This is our lifelong goal and our spiritual battle.


Beloved and Free Sons, Called to the Battle Within

Let us look to John the Apostle and Beloved Disciple for insights into this battle. In his first Letter to the Church, St. John speaks of the three-fold temptation faced by all of us: temptations to the passions of the flesh, to possessiveness, and to pride (1 John 2: 16-17). Are not all sins tied to these three temptations? John puts his finger on the battles that each of us must fight within ourselves. In fact, Christ fights specifically against these temptations during His encounter with Satan in the desert (Matthew 4), and then gives us instruction in the Sermon on the Mount (Matthew 6) on how we are to fight against them.

Turning away from the passions of the flesh, Jesus rejected Satan’s offering of bread in the desert, and in the Sermon on the Mount, twice He instructs us to fast (Matthew 6:16). Notice that the Lord does not say “if you fast” but rather “when you fast.” Fasting is training in self-knowledge, a key weapon for mastery over oneself. If we do not have dominion over our passions, especially those for food and sex, we cannot possess ourselves and put the interests of others in front of our own.

Tempting Jesus to possessiveness, Satan offered Him “all the kingdoms of the world and the glory of them” (Matthew 4:8), but once again, Jesus refused. This shows us that Christ calls us to freedom from the temptation to gain the world at the cost of our souls. Often, Satan tempts not through persons but through objects like a car, a house, or the latest high-speed technologies. There is no shortage of messages that tempt us to grasp for happiness through possessions. We recall how the Rich Young Man left his encounter with Jesus as “sad” because “he had many possessions” (Luke 18:23). Pope Francis reminds us, “The emptier the person’s heart is, the more he or she needs to buy, own, and consume.”12 With Jesus, we are called to seek out, not to “settle for,” a simplicity of life which frees us for our mission in Christ.
In Satan’s third attack upon Jesus in the desert, the Lord was tempted to pride. Satan enticed our Lord to use his power for selfish purposes, but Jesus rejected this cross-less glory and chose the path of humility. In the Sermon on the Mount, He exhorts us to humility not once but twice when He repeats, “when you pray” (Matthew 6:5). Indeed, the greatest protection from pride and self-reliance is turning humbly to God in prayer. The new technologies of social media where we can constantly display and discuss ourselves can lead to a type of idolatry that consumes us. Honest prayer will keep us grounded and help us to avoid this temptation.

Men, this need for pastors to challenge men to the battle within, to the richness of a committed interior life with God, is nothing new. Listen to the words of St. John Paul II, when as Archbishop of Krakow he spoke to college students in 1962:

“We are quite ready to take, or conquer, in terms of enjoyment, profit, gain and success--and even in the moral order. Then comes the question of giving, and at this point we hang back, because we are not prepared to give. The element which is so characteristic under other forms in the spiritual portrait of women is barely perceptible in men. . . . We have a tendency toward the Nicodemus type of religious attitude, toward the type of devotion which is characterized maybe only by superficial discretion but very often also by fear of what others might think. . . . This male Catholicism is not interior and deep enough; the male believer does not have a true interior life. . . . we men do not have a deep enough interior life.”

The human being is a creature, and therefore in relation to God a receiver of love and courage before he or she can give it away to others. Nemo potest dare quod non habet is the famous term the Church developed in Latin for this fundamental truth. You cannot give what you do not have. Mary our Mother, the great Receiver of God’s love in her very body is the model for us as Catholics, but not only Mary—every great Saint, that is, great lover in the history of our Church. There is no shortcut to holiness, to being the great Catholic men we are called to be. There is no short-cut past the age-old interior fight that each of us must engage!

As we develop in receiving God’s love and mercy in prayer and sacrament, the Lord gives us sure weapons in the “good fight” St. Paul names when he writes:

Put on the armor of God so that you may be able to stand firm against the tactics of the devil. For our struggle is not with flesh and blood but with the principalities, with the powers, with the world rulers of this present darkness, with the evil spirits in the heavens. Therefore, put on the armor of God, that you may be able to resist on the evil day and, having done everything, to hold your ground. So stand fast with your loins girded in truth, clothed with righteousness as a breastplate, and your feet shod in readiness for the Gospel of peace. In all circumstances hold faith as a shield, to quench all the flaming arrows of the evil one. And take the helmet of salvation and the sword of the Spirit, which is the word of God. (Ephesians 6:11-17)

We may be tempted to say, “When I get this three-fold battle behind me, I can start living the life of holiness,” but this is a lie! It is precisely in the course of this fight that we become holy. As Blessed Pier Giorgio Frassati said, “To live without faith, without a patrimony to defend, without a steady struggle for truth – that is not living, but existing.” Are you and I merely existing? Or are we living our Christian faith as men fully alive? Recall the famous words of Pope Emeritus Benedict XVI: “You were not made for comfort; you were made for greatness.” Any greatness that we might merit as Catholic men depends upon this fight for holiness. It is the same fight Jesus Christ fought in the desert and the same fight our Christian forefathers fought in order to hand down the faith. Woe to us if we do not pick up the weapons of the Spirit – offered to us freely – and accept them bravely and gratefully! Courage, confidence, and humble reliance on God’s infinite resources are called for here as we engage. Forward! Into the breach!


The Practices of a Committed Catholic Man

Given these reflections on Catholic manhood, we move to the practical, that is, how to live like a Catholic man. What practices can help us to take up our cross and follow our King?

If we think of soldiers who do not remain in strong physical and mental shape and who fail to practice the essential combat arts, we know they will not be ready for battle and will be a danger to themselves and their comrades in arms. The same is true for Catholic men; those who do not prepare and strengthen themselves for spiritual combat are incapable of filling the breach for Christ.

While there are many habits and devotions that a Catholic man can form, I charge you with keeping these seven basic practices on a daily, weekly, and monthly basis. If these practices are not (yet) part of your life, start now!

DAILY

1. Pray every day. Each Catholic man must start his day with prayer. It is said, “Until you realize that prayer is the most important thing in life, you will never have time for prayer.” Without prayer, a man is like a soldier who lacks food, water, and ammunition. Set aside some time to speak with God first thing each morning. Pray the three prayers essential to the Catholic faith: the Our Father, the Hail Mary, and the Glory Be. Pray also at every meal. Before food or drink touches your lips, make the Sign of the Cross, say the “Bless us, O Lord” prayer, and end with the Sign of the Cross. Do this no matter where you are, with whom or how much you are eating. Never be shy or ashamed about praying over meals. Never deny Christ the gratitude that is due to Him. Praying as a Catholic man before every meal is a simple but powerful way to keep strong and fill the breach.

2. Examine your conscience before going to sleep. Take a few moments to review the day, including both your blessings and sins. Give God thanks for blessings and ask forgiveness for sins. Say an Act of Contrition.

3. Go to Mass. Despite the fact that attending weekly Mass is a Precept of the Church, only about one in three Catholic men attend Sunday Mass. For large numbers of Catholic men, their neglect to attend Mass is a grave sin, a sin that puts them in mortal danger.
The Mass is a refuge in the Spiritual Battle, where Catholic men meet their King, hear His commands, and become strengthened with the Bread of Life. Every Mass is a miracle where Jesus Christ is fully present, a miracle that is the high point not only of the week, but of our entire lives on Earth. In the Mass, a man gives thanks to God for his many blessings and hears Christ send him again into the world to build the Kingdom of God. Fathers who lead their children to Mass are helping in a very real way to ensure their eternal salvation.

4. Read the Bible. As St. Jerome so clearly tells us, “Ignorance of the Sacred Scriptures is ignorance of Christ.” When we read God’s word, Jesus is present. Married men, read with your wife and your children. If a man’s children see him read the Scriptures, they are more likely to remain in the Faith. My brothers in Christ, this I can assure you: men who read the Bible grow in grace, wisdom, and peace.

5. Keep the Sabbath. From the creation of Adam and Eve, God the Father established a weekly cycle ending with the Sabbath. He gave us the Sabbath to ensure that one day out of seven we will give thanks to God, rest, and be refreshed. In the Ten Commandments, God asserts anew the importance of keeping the Sabbath.

With today’s constant barrage of buying and selling and the cacophony of noisy media, the Sabbath is God’s respite from the storm. As Catholic men, you must begin, or deepen, keeping the holiness of the Sabbath. If you are married, you must lead your wives and children to do the same. Dedicate the day to rest and true recreation, and avoid work that is not necessary. Spend time with family, attend Mass, and enjoy the gift of the day.

MONTHLY

6. Go to Confession. At the very start of Christ’s public ministry, Jesus calls on all men to repent. Without repentance from sin, there can be no healing or forgiveness, and there will be no Heaven. Large numbers of Catholic men are in grave mortal danger, particularly given the epidemic levels of pornography consumption and the sin of masturbation. My brothers, get to Confession now! Our Lord Jesus Christ is a merciful King who will forgive those who humbly confess their sins. He will not forgive those who refuse. Open your soul to the gift of our Lord’s mercy!

7. Build fraternity with other Catholic men. Catholic friendship among men has a dramatic impact on their faith lives. Men who have bonds of brotherhood with other Catholic men pray more, go to Mass and Confession more frequently, read the Scriptures more often, and are more active in the Faith.

Proverbs tells us: “As iron sharpens iron, so one man sharpens another” (27:17). I call on each of our priests and deacons to draw men together in their parishes and to begin to rebuild a vibrant and transforming Catholic fraternity. I call on laymen to form small fellowship groups for mutual support and growth in the faith. There is no friendship like having a friend in Christ.

Question 2: How does a Catholic man love?
Now let us consider masculine love. This is not easy to do because the word love has almost lost its meaning in today’s society. It is a word that men have even become uncomfortable using. Why is this? What does the word now imply? A mere feeling? Something passing? A four-letter word useful for marketing and greeting cards but for little else?

Christ makes clear that central to His mission is love. “Love one another as I have loved you” (John 15:12) He says with passion, but without a hint of sentimentality. All of our Lord’s teachings boil down to this command. Love is not a side-job; it is the mission itself. Yet, we can only love as we are created, and therefore, we can only love as men. So, how do men love?

For decades now, a model for manhood has been fashioned in the fictional British spy character named James Bond. Various actors have taken turns portraying this man who, in several adventures, has proposed what it means to be “manly,” yet Bond remains an enigma. Like the women that he uses in the films, the ones who watch him find themselves wanting to know him. He is never a father, nor does he accept responsibility for or love one woman. In him, we see a man whose relationships are shallow and purely utilitarian. Indeed, “James Bond is a male character whose name is the height of irony. He is 40 years old and has no bonds. He is actually pathetic.”13

How different this is from Jesus Christ! Is there fear in Him? Not in the least! Who is more of a man, the one who runs away or the one who can face the responsibilities and challenges of relationships, family, and intimacy? Could a man fearful of self-gift be a true disciple of Christ? In fact, can such a man love at all?
James Bond’s name is the height of irony because he is a man with no bonds. Yet true masculine love will always build bonds! On the Cross and through the Eucharist, Jesus gives his very blood to bind us to Himself in love. At the Last Supper, offering us the Eucharist, His prayer to the Father is “that they may be one even as we are one” (John 17:11). As He proclaims, His committed, binding love will “draw all men to himself” (John 12:32). In its Latin root, the word religion implies “binding together.” Thus, it is no wonder that in a culture of broken bonds, so fearful of commitment, we often hear, “I’m spiritual, but not religious.” Satan is also “spiritual, but not religious”! A man who lives life without a single, self-giving bond in his life deserves our pity, not our admiration.
In this context, I must mention what is called machismo and call Catholic men to rise above this tendency. The display of machismo attempts to seek safety in an image of toughness and emotionless living. However, it is merely a thin outer mask covering a deep inner fear of true bonds with others, bonds that come with true relationship and make one’s life rich and meaningful. Behind the mask, as any mature person can see, is a man stuck in adolescent fear of vulnerability. In most cases, he has himself been badly hurt and is repeating a cycle learned in childhood.

Instead, the true love of Christ is centered on willing the good of the other, on pouring oneself out in charity for others. This is how the Son reveals the Father’s love: “As the Father has loved me, so have I loved you…This is my commandment, that you love one another as I have loved you” (John 15: 9, 12). In Christ, we see that sacrifice is at the heart of love. Only the man who has fought the interior battle of self-mastery against sterility, the man who lays down his life for others, can avoid stagnancy and self-absorption. Never doubt that this sacrifice is worth the suffering! Our Lord encourages men in saying, “greater love has no man than this, that a man lay down his life for his friends” (John 15:13).


Three Masculine Loves: Friend, Husband, Father

1. A Friend in Christ – Bands of Brothers

At the very inception of his ministry here on earth, Jesus called other men to join Him. What was He teaching us here? We see that Jesus called His disciples to Himself in such a way that they would form deep bonds of friendship and brotherhood. At the last supper, He specifically said to them, “No longer do I call you servants. For the servant does not know what the Master is doing; but I have called you friends, for all that I have heard from my Father I have made known to you” (John 15:15). This friendship with God is possible, a true brotherhood with Jesus, because we have the same Father. Do you, my sons, have true brothers in Christ in your life?

Throughout all of history, including the history of Christianity, important movements were spurred on by bands of brothers, friends in Christ. The Early Church Fathers St. Gregory Nazianzen and St. Basil were great friends and co-workers in the defense of Christ as they stood for the truth and defeated early heresies threatening the Church. St. Benedict and his monastic companions established communities of men that preserved and furthered Western culture in the face of barbarian destruction. This veritable fortress protecting truth, goodness, and beauty was built upon the stable and rich life of Christian brotherhood and friendship. St. Francis of Assisi and St. Dominic each started bands of brothers in service to the poor and in defense of the truth. The early founders of the Society of Jesus, St. Ignatius of Loyola and St. Francis Xavier, influenced countless other men, brought about great renewal in the Church, and evangelized to the furthest reaches of the world. In the 20th century, we see the friendship between C.S. Lewis and J.R.R. Tolkien and their brother “Inklings” as indispensable in the growth and flourishing of their own literary and apologetic gifts.

What is friendship? Who is a friend? The Scriptures tell us, “A friend is a friend at all times, and a brother is born for the time of adversity” (Proverbs 17:17). I am convinced that if men will seek true brotherhood, the adversities we face today will solidify bands of brothers who will be lauded in Heaven!

Therefore, men, ask yourself: what are your friends like? Do you have friends with whom you share the mission of holiness? Often young men will go to the seminary and discover the difference made by Christ-centered friendships, and their lives are transformed. This friendship is not limited to religious orders and priests. The renewal of masculinity cannot happen without banding together as brothers and true friends. In my own life, ever since my first year as a priest, I have been richly blessed by brother priests in the Jesus Caritas Fraternity.14 Their commitment to Eucharistic adoration and simplicity of life, their fidelity to Christ in celibacy and daily prayer, their fraternal love, wise counsel, and encouragement have richly influenced and inspired me to persevere in my own mission in Christ. It has been a joy to see how fraternity in our diocese has grown and flourished through your participation in our Men’s Conferences, Knights of Columbus, That Man is You, Cursillo Movement, and other such groups and events. There is room to grow, of course, but already the fruits of the Spirit are evident among these Catholic brothers and friends.

Conversely, we have seen what happens when men, young and old, do not form or sustain healthy friendships. Many, looking in the wrong places, find themselves in the false brotherhood of gangs, or without brotherhood at all, isolated and alone, and lacking these critical formative experiences of accountability and the trusted fellowship that only true friendship provides.

Studies have shown that many men today are living friendless lives.15 This has its effect on marriages where men have no emotional support apart from their wives, as well as on children, who should see true friends in the lives of their parents but often do not. What a blessing to have the presence of good faithful friends to provide the encouragement and accountability we need to be free! Indeed, as the Scriptures tell us, “as iron sharpens iron, so one man must sharpen another” (Proverbs 27:17).


2. Man as Husband – the Purpose of Masculine Erotic Love

Next, let us seek to understand more deeply man’s calling to spousal love. Every man is made to live as a husband and a father in some way: “God assigns the dignity of every woman as a task to every man.”16 Each man is called to commit and give of himself completely. For most men, this call is marriage while for others, this call is to the priesthood or to some other sincere and total self-gift in God’s service. Yet, in our day, such commitment is often seen as settling for something conventional, even boring; something that limits freedom or threatens love. Nothing could be farther from the truth! Instead, I remind you of the words of St. Josemaría Escrivá: “[T]here is a need for a crusade of manliness and purity to counteract and nullify the savage work of those who think man is a beast. And that crusade is your work.”17

Preparation for this sincere and complete spousal gift coincides with a man’s growth into masculinity. The “single years” of a young man’s life are for this formation, not a time of mere passive waiting, much less indulgence of sin. “Youth was not made for pleasure, but for heroism,” says Paul Claudel, the great French Catholic playwright. I urge you, young men, to prepare for marriage even before you meet your (future) bride. Such training in sacrifice is to love your bride before you meet her, so that you may one day say, “Before I knew you, I was faithful to you.”

Through spousal love, men live out a strength that endures, a strength for which the world longs, and a strength that will stabilize a crumbling society. True, this love is not free from periods of difficulties and suffering. No vocation is! However, with St. Paul, we “consider that the sufferings of this present time are as nothing compared with the glory to be revealed” (Romans 8:18). There is glory in man’s calling to be a husband.

When the great St. John Paul II spoke of a “spousal meaning of the body,” he implied that we men are all called in some way to spousal love.18 That is, a committed love, a love that gives life, seeking the good of those to whom the man has committed. When a man is called to spousal love in marriage and family life, the priesthood, or some consecration to the Lord, he is called to a great and meaningful life. Indeed if we run from this battle because of its challenges, we will be left empty. Those who arrive at the judgment seat of God, after this life, without the scars of a sacrificing husband, will “hold their manhoods cheap whilst any speaks who fought with us.”19

Let me now speak specifically to men called to conjugal love in marriage. This is a calling to the dignity and beauty of that union that is symbolic of Christ’s spousal love for the Church. St Paul explains this relationship in his instruction to husbands, saying
Husbands, love your wives, as Christ loved the church and gave Himself up for her, that He might sanctify her, having cleansed her by the washing of water with the word, that He might present the church to Himself in splendor, without spot or wrinkle or any such thing, that she might be holy and without blemish. Even so husbands should love their wives as their own bodies. He who loves his wife loves himself. For no man ever hates his own flesh, but nourishes and cherishes it, as Christ does the church, because we are members of His body. ‘For this reason a man shall leave his father and mother and be joined to his wife, and the two shall become one flesh.’ This is a great mystery, and I mean in reference to Christ and the church. (Ephesians 5: 25-32)

Marriage in Christ is not merely a human endeavor. It is higher; it is a “great mystery.” The human desire for love is, in a way, a longing for infinite and eternal love. In the Sacrament of Marriage, human love is caught up in the infinite and eternal love of God.20 This is the glory, men! Called to marriage, you are called to be as Christ to your bride. Because this love unites you and your spouse sacramentally with the infinite love that Christ has for each of you, your sacramental marriage overcomes the limits of natural marriage and achieves the infinite and eternal character to which every love aspires.

Here we come to the epicenter of the masculine battle in our time, the nexus of life and love that is God’s gift of sexuality. The need to develop chastity in your life, my sons, cannot be emphasized enough.

While much of our culture may not fully understand or encourage this commitment, the grandeur of spousal love to which we are called, we should in no way be discouraged. Rather, consider how blessed we are to be called to proclaim this truth in a time when it is most needed. In doing so, you radiate the light of Christ in an area of society so darkened by what has always threatened spousal love. Our Catechism names them clearly: “discord, a spirit of domination, infidelity, jealousy, and conflicts that can escalate into hatred and separation… self-absorption, egoism, pursuit of one’s own pleasure.”21 We could add here the use of pornography, always toxic to both the participants and the observers, and the consumptive “hook-up” subculture that removes sexual encounters entirely from the spousal relationship.
How did it come about that a culture so steadfast in supporting marriage and spousal commitment two generations ago became a culture that has reduced sexuality to mere pleasure and self-serving ends? The answer is the Sexual Revolution. For many, the Sexual Revolution promised “free love” and liberty from the shackles of old ideas about masculinity and femininity. What resulted was the separation of sexuality from the commitments of marriage and a widespread option for sterility (chemical and surgical sterilizations), amounting to a denial of what is most essentially masculine and feminine in the person. Worse, the Sexual Revolution ushered in the scourge of abortion, pornography, and sexual abuse so rampant in recent decades. Instead of real and authentic love, this false “liberty” offers cheap pleasures that mask a deeper loneliness and pain. Instead of the security of traditional family bonds, it leaves children longing for the stability of a mother’s and a father’s love. Instead of the freedom that comes with accepting the truth of God’s design for human love between a man and woman, the Sexual Revolution has arrogantly rebelled against human nature, a nature that will never thrive in confusion and lack of self-control. Indeed, the “love” promised by the Sexual Revolution has never been found. In its wake is wreckage, countless broken hearts bound by fear of more pain, broken lives, broken homes, broken dreams and broken belief that love is even possible. This is the rotten fruit of the Sexual Revolution.

It stands to reason that if love is our deepest desire and longing, destroying love will cause us the most pain, the deepest wounds. Thus, where do we start? Where do we begin to rebuild? What do we repair first?

My sons and brothers, we must begin with ourselves.

If I may return to the analogy of the athlete, we see that no champion achieves greatness without discipline in practice or without training to pursue greatness in his sport. He must be a master of himself; he must possess self-mastery. For the man called to live conjugal love, this self-mastery finds its culmination in the virtue of chastity. We need to see masculine chastity for what it is, whereas too often, this virtue is seen in negative light, as something weak. Nothing could be more false! Chastity is strength and a rejection of slavery to the passions. Christians have always believed that chastity, whether in marriage or celibacy, is a freedom from the enslavement to sin and our passions.

To understand chastity, we must understand God: “God is love and in Himself He lives a mystery of personal loving communion. Creating the human race in His own image… God inscribed in the humanity of man and woman the vocation, and thus the capacity and responsibility, of love and communion.”22 The love we live as men is a participation in and a demonstration of God’s love. As equal sharers in dignity, women, of course, also demonstrate God’s love, and yet there is a difference in how we do so. For both men and women, “Sexuality affects all aspects of the human person in the unity of his body and soul. It especially concerns affectivity, the capacity to love and to procreate, and in a more general way the aptitude for forming bonds of communion with others.”23 The virtue of chastity is the…

“…integration of sexuality within the person and thus the inner unity of man in his bodily and spiritual being. Sexuality, in which man’s belonging to the bodily and biological world is expressed, becomes personal and truly human when it is integrated into the relationship of one person to another, in the complete and lifelong mutual gift of a man and a woman.”24

Chastity allows us to master and properly live out this calling to be men of authentic communion.

Here, let me recall Jesus’ crucial words regarding “everyone who looks at a woman lustfully”; he has “already committed adultery with her in his heart” (Matthew 5:28). This leads me to call specific attention to those acts that are (wrongly) considered “normal” and even encouraged for men in today’s culture. Here I am speaking of pornography and masturbation. The damaging effects of these hidden and narcissistic habits train the man in a direction that is the exact opposite of love. He learns nothing more than to use others. Instead of life-giving and self-emptying love, he learns to settle for self-absorbed, sterile pleasures. Recall again Jesus’ words: You have heard it said ‘You shall not commit adultery.’ But I say to you that everyone who looks at a woman with lust has already committed adultery with her in his heart. If your right eye causes you to sin, tear it out, and throw it away; it is better for you to lose one of your members than for your whole body to be thrown into hell. And if your right hand causes you to sin, cut it off and throw it away; it is better for you to lose one of your members than for your whole body to go into hell. (Matthew 5:27-30)

With these prophetic words, Jesus foresees modern pornography that feeds the lust of the eyes. He uses hyperbole, strong words, for men to gouge out their eye and cut off their hand in order to drive home that urgent action is needed. Pornography not only leaves a man in danger of Hell, but it also destroys the bonds with his spouse, a destruction wrought like adultery. In other words, think of pornography as just as serious and no less grave than adultery. To attempt to love another person while engaging in this practiced narcissism, without being transformed by mercy, will surely bring grave harm.

When battling pornographic temptations, it is important to consider honestly the factors surrounding the temptation. For most men, these include loneliness, boredom, anger, insecurity, and stress. Simply understanding the context of a temptation prompts us to invite God to send His grace to begin to overcome the devil’s tactics. The Sacrament of Confession is the place of superabundant grace and support. Jesus said, “Blessed are the pure of heart, for they shall see God” (Matthew 5:8). This is not a promise merely to be attained in Heaven! This promise is to begin for us now, in our everyday lives. The saints attest to this truth. Through building purity of heart, men, you will not only see God in the women in your lives but also in yourselves, also the “image of God”! Even if the darkness seems insurmountable, Christ never abandons us. As a priest, I treasure the honest encounter in confession with those who want the Lord’s healing. It is a blessing to work with men in the fight to turn the tide from false to real love.
Imagine with me how different our world would be for our wives, sisters, and daughters if men lived this interior strength of chastity. In our time, we hear of such high rates of sexual assaults in our society, especially on college campuses. Is this not a time for a renewal of masculine chastity? Is this not a time for men to build up the virtue of temperance through fasting and prayer amidst brothers? Is this not a time to consider more deeply St. John Paul II’s proclamation that the “dignity of every woman is a task given to every man?”

Masculine chastity is a “long and exacting work” that we should be proud to undertake!25 Imagine standing before the throne of God on judgment day, where the great saints of ages past, who themselves dealt with preeminent sins in their own day, will say to each other, “We dealt with the trouble of lust in our day, but those 21st century men! These happy few battled the beast up close!” We can help each other and other men around us to strive for self-mastery, as this is best addressed among brothers. I encourage you to put aside your fears and insecurities, those that keep you from engaging head on in the fight for chastity. Christ wants to help men be formed after His own heart in each confessional of the Church and at each Mass where the power of His Blood poured out on the Cross offered in Holy Communion.


3. Fatherhood is Essential

Fatherhood changes history. In the Gospel according to Matthew, where “Abraham was the father of Isaac, and Isaac the father of Jacob, and Jacob the father of Judah and his brothers…” forty-two (42) fathers lead up to Joseph, the adoptive father of Jesus. In the words of St. John Paul II, fatherhood is essential to the flourishing of the world:

In revealing and in reliving on earth the very fatherhood of God (cf. Eph 3:15), a man is called upon to ensure the harmonious and united development of all the members of the family: he will perform this task by exercising generous responsibility for the life conceived under the heart of the mother, by a more solicitous commitment to education, a task he shares with his wife (cf. Gaudium et spes, 52), by work which is never a cause of division in the family but promotes its unity and stability, and by means of the witness he gives of an adult Christian life which effectively introduces the children into the living experience of Christ and the Church.26

All men are called to fatherhood in some way: Becoming mothers and fathers really means to be fully realized, because it is to become similar to God. This is not said in the newspapers, it does not appear, but it is the truth of love. Becoming dad and mom makes us more like God…you are called to remind everyone that all the baptized, even though in a different way, are called to be a father or mother.27

Like masculinity itself, perhaps fatherhood has never been a widely-pondered topic among the philosophers because it has always been presumed, its meaning fairly obvious. This is no longer true. In his book, Crossing the Threshold of Hope, St. John Paul II writes of the attack on fatherhood in modern society: “This is truly the key for interpreting reality […] original sin, then, attempts to abolish fatherhood.”28 The great pontiff of the family points to our first parents’ original act of disobedience, which cost them and us our original innocence and freedom from bodily death, and in original sin, we find a primordial rebellion against God’s fatherhood, a desire to remove fatherhood itself. This is our enemy’s underlying plan: to remove our reliance on God, the benevolent Father. To do this, Satan’s primary strategy is to damage and abolish human fatherhood, in the man and relationship where each of us first glimpses what God’s fatherhood might be like.

Today’s attack on fatherhood, and by extension, motherhood, is multi-pronged and breathtakingly damaging. 41% of children are born into unmarried homes in our day, an increase of 700% from 1950, when the out-of-wedlock birthrate was a mere 6%. These children are not fatherless because of some sweeping physical conflict, like World War II, which caused many wounds of fatherlessness, but rather because, far worse, fathers’ own willed absence is happening on a massive scale. It is not hard to see how men’s fears of fatherhood find a legion of support in today’s culture of self, encouraging men to flee from this beautiful gift in pursuit of their own desires. The child is forced to ask the question: “Where is my Daddy?” What then is the impact on a child’s heart, on his or her understanding of the world, of love, and of the Heavenly Father, when the answer to this question is “He left us,” or “I don’t know,” or “From the sperm bank, and he left no contact address”?

Catholic men also contribute far too regularly to this same scandal that devastates the heart of a child and makes too many women in our culture live as if they were widows! The ache of the fatherless child’s heart cries out to Heaven: “He will not ignore the supplication of the fatherless, nor the widow when she pours out her story…and the Lord will not delay, neither will He be patient with them, till He crushes the loins of the unmerciful and repays vengeance on the nations” (Sirach 35:14, 18). Why do the widows and the fatherless cry out? They have lost their protectors and providers! There is an unnatural void of the one called upon by God “to ensure the harmonious and united development of all the members of the family.”29 It is because of this loss, this void caused by men’s absence, that we have always naturally, traditionally, lamented fatherlessness.

There are those in our culture today, however, who do not want us to see fatherlessness as unnatural or lamentable. Do not be fooled by those voices wishing to erase all distinctions between mothers and fathers, ignoring the complementarity that is inherent in creation itself. Men, your presence and mission in the family is irreplaceable! Step up and lovingly, patiently take up your God-given role as protector, provider, and spiritual leader of your home. A father’s role as spiritual head of the family must never be understood or undertaken as domination over others, but only as a loving leadership and a gentle guidance for those in your care. Your fatherhood, my fatherhood, in its hidden, humble way, reflects imperfectly but surely the Fatherhood of God, the Father to those whom the Lord has given us to father. What does it mean to “father”? In a reflection on fatherhood, Pope Francis explains: “When a man does not have this desire [for fatherhood], something is missing in this man. Something is wrong. All of us, to exist, to become complete, in order to be mature, we need to feel the joy of fatherhood: even those of us who are celibate. Fatherhood is giving life to others, giving life, giving life.”30 This is why fatherhood – living out one’s vocation to fatherhood, whether that fatherhood is bound up in physical marriage or spiritual marriage in the priesthood or religious life – is absolutely essential for a man to live out the fullness of his meaning in life. We speak of the Church Fathers, the Desert Fathers, our pope as Holy Father, and, for good reason, our priests as “Father”.

To fully live, all men must be fathers and live out their fatherhood! We cannot “become like God,” my sons and brothers, without this understanding and this movement of the heart followed by decisive action. If you do not embrace the spousal and fatherly vocation God has planned for you, you will be stuck in the impotence of the “seed” that refuses to die and refuses to give life. Don’t settle for this half-life! The question for every man is not, “Am I called to be a father?” but rather, “What kind of father am I called to be?”


Grandfathers, You Are of Great Importance

I wish to speak a word to you who are grandfathers. Few cultures have ever expected less and shown such indifference to those like you who have battled and who have tested wisdom to offer their children and grandchildren. The world tells you that your time of influence is at an end and that it is time to retire, that is, to resign your post of fatherhood. Don’t believe it! Grandfathers matter greatly.

I have the privilege of being named after my grandfathers: Thomas Tighe Olmsted and P. James Hughes. Each in his own way fathered me alongside my own Dad. Grandpa Jim drew upon his Catholic faith to face with dignity and hope the early death of his wife, my grandmother, from cancer. Without giving into despair or self-pity, he struggled mightily to keep the family of six together and to provide for the children – the youngest of whom was my mother – during the very difficult years of the Great Depression. The memories I treasure most about Grandpa Jim were of his peaceful spirit, his Irish humor, and his sincere devotion to the Church. Grandpa Tom had an even greater impact on my life, even though he was never baptized. Beside him, I learned to care for walnut trees and watermelons, pumpkins and squash, horses and cattle, chickens and hogs. Amidst the many activities needed to make a living on our farm, I learned from Grandpa Tom and my Dad the importance of being a good neighbor, of telling the truth no matter the cost, and of having a deep respect for “Mother Nature.” When I was ordained a priest, I chose a biblical saying for my First Mass card, one that captured what I had learned from my grandfathers: “This is what the Lord asks of you: only this, to act justly, to love tenderly and to walk humbly with your God” (Micah 6:8).

Grandfathers, you are an essential and treasured gift to your families, and I encourage you to continue to be strong for them, to share your wisdom with them, and to fight for them. Remember Jesus’ earthly grandfather, St. Joachim, who lived a life faithful to God. In his advanced years, God the Father blessed St. Joachim and his wife, St. Anne, with the great gift of Mary, our Blessed Mother. Let every grandfather be reminded that even when the routine of daily life may appear to be insignificant, we never know what great plans God has for the last years of our lives.


Hope in the Shadows of Lost Fatherhood

I would now like to say a special word to those of you, my sons, who have suffered the absence of your own father. There are many reasons why men abandon their responsibilities, or even if they remain, stay distant, as a result of the lack of positive experience of fatherhood in their own lives. This wound in your heart may not yet have healed. Certainly fatherlessness is never God’s plan. Do not give in to discouragement, however, and do not lose hope. The Church is always called to reveal God the Father. Allow Christ to show you the Father who never abandons his children, but rather offers his only begotten Son. If you have not already done so, allow Christ to guide you in order to see your father as He sees him. Jesus will not leave you without the grace necessary to forgive and heal your father. This may happen in conjunction with the graces offered to you through your spiritual fathers, your priests, in the Sacrament of Reconciliation. Through your discovery of the Fatherhood of God, our loving, eternal Father, you will be witnesses to the only fatherhood that never fails.31

Finally, I want to offer a special word for those men who know that they have failed in their fatherhood. This is true to a greater or lesser degree in each and every one of us. This can happen through addiction, abandonment, marital conflict, emotional and spiritual detachment, failing to guide the family in faith, abortion, physical and/or emotional abuse, or the countless ways that we obscure the image of God as the loving Father. I stand with you as an imperfect father, asking God the Father to make up for the ways that we fail in this greatest of masculine missions. It is important to acknowledge the enemy’s tactics; Satan will attempt to drag us down into a despair that can lead us to abandon our fatherhood even further because of our sins. Yet we must never give up, my sons! Pray and be renewed in the Sacrament of Reconciliation. Christ strengthens us through Confession and the Holy Eucharist to spend ourselves in rebuilding fatherhood in whatever way possible.


Conclusion: Sent Forth by Christ

The best friend of St. Gregory Nazianzen was St. Basil. When, as young men in their early 20s, their personal search for a deeper understanding of the Christian faith led them by separate paths to Constantinople, they soon developed a deep respect for one another. St. Gregory’s description of this friendship is hopeful: “…if this is not too much for me to say, we were a rule and standard for each by which we learned the distinction between what was right and what was not.”32 Their friendship inspired each to grow in virtue and freedom, to be less concerned for self and more eager to place his life at the service of others. I hope that each man reading this Exhortation will experience, if he has not already done so, the blessing of good friendships like the ones between the saints. I cannot imagine what my own life would be like without the good friends God has given me.

I hope, too, that you will take what is helpful in my message, bring it to the Lord in prayer, and go forward confidently in your vocation as men. Our life in Christ is not one of “do’s and don’ts,” but an adventure in authentic freedom. Embrace that freedom in order to place your life at the service of Christ, beginning in your home and radiating into the world.


Where is the Faith of our Fathers now?

As I write this exhortation, videos are being released documenting the barbaric practice of selling baby body parts by Planned Parenthood. Since this infamous agency receives around half a billion dollars each year from the U.S. Government, funds to carry on their slaughter of innocents, no American citizen, and certainly no man, can remain silent about this travesty of our times. We need to get off the sidelines and stand up for life on the front lines. We need faith like that of our fathers who defended the children of previous generations and who gave up their own lives rather than abandon their faith in Christ. My sons and brothers, men of the Diocese of Phoenix, we need you to step into the breach!


The Catholic martyrs of England inspired Frederick W. Faber to write the hymn “Faith of our Fathers” in AD 1849. As Faber paid tribute to the men who refused to deny Christ “in spite of dungeon, fire, and sword,” he also issued a call to arms for the men of succeeding generations. Join me in praying that we, men of the 21st century, will make the words of this verse our own:

“Our Fathers, chained in prisons dark,
Were still in heart and conscience free:
How sweet would be their children’s fate,
If they, like them, could die for Thee!
Faith of our Fathers! Holy Faith!
We will be true to thee till death.”

Promulgated on the Feast of the Archangels, September 29, 2015

+Thomas J. Olmsted
Bishop of Phoenix


1 Center for Applied Research into the Apostolate. Frequently Requested Church Statistics, 2014
2 Pope St. John Paul II, Ecclesia in America, 3, 5
3 Interview, September 19, 2013
5 Homily, June 14, 2015
6 Gaudium et spes, 32
7 Gaudium et spes, 32.
8 General Audience, April 15, 2015
9 Opening mass, October 22, 1978
10 February 2015
11 Gaudium et spes, 22
12 Laudato Si, 204
13 Dr. Paul Vitz, Lecture, February 21, 2015
14 See Appendix for description and call to form these groups among laymen. 15 Social Isolation in America: Changes in Core Discussion Networks over Two Decades. http://www.jstor.org/stable/30038995
15 Social Isolation in America: Changes in Core Discussion Networks over Two Decades. http://www.jstor.org/stable/30038995
16 Pope St. John Paul II, Catechesis on Human Love, 100:6
17 St. Josemaría Escrivá, The Way
18 Pope St. John Paul II, Catechesis on Human Love, 14:5
19 Shakespeare, Henry V.iv.3
20 Gaudium et spes, 48
21 Catechism of the Catholic Church, 1606
22 Catechism of the Catholic Church, 2331
23 Catechism of the Catholic Church, 2332
24 Catechism of the Catholic Church, 2337
25 Catechism of the Catholic Church, 2342
26 Pope St. John Paul II, Familiaris Consortio, 25
27 Pope Francis, Address, June 15, 2015
28 Pope St. John Paul II, Crossing the Threshold of Hope, New York: Knopf, 1994, 228
29 Familiaris Consortio, 25
30 Homily, June 26, 2013
31 Adapted from Evangelium Vitae, 99
32 “On St. Basil the Great,” Funeral Orations (The Fathers of the Church, Vol. 22), 27


Leider wird auch in kirchlichen Kreisen immer noch der Unsinn verbreitet, "Gender Mainstreaming" diene der Geschlechtergerechtigkeit. Das ist genauso dumm wie falsch.

Allein die Zusammensetzung der Wörter straft diese Auslegung Lügen: "Gender" als das von der Umwelt oder dem eigenen Gusto geprägte Geschlecht, das man/frau (angeblich) auch ändern kann (vs. "sex" - dem englischen Wort für das körperliche Geschlecht, das man mit von Geburt an hat).
"Mainstreaming" als die Zusammenführung verschiedener Geschlechter in einen großen ("main") Strom ("Streaming") undefinierbarer Individuen.
"Gender Mainstreaming" entspricht nicht (!) dem christlichen Weltbild, was nicht zuletzt Papst Franziskus und viele andere Bischöfe und Priester betont haben.
Leider sehen offenbar einige ihre Chance, damit Geld zu machen bzw. diese unselige Ideologie in die Gesellschaft und die Kirche einzuführen.
Ich kann nur jede/n auffordern, hier Widerstand zu leisten!
NO PASARAN! - SIE WERDEN NICHT DURCHKOMMEN!


Für "Geschlechtergerechtigkeit" ist die bisherige Gesetzgebung mehr als ausreichend! Wir brauchen keine "Quoten-Frauen" oder "Quoten-Männer", sondern ein gesundes Verständnis davon, was ein Mann und eine Frau sind!


)


"Die stille Revolution

Marguerite Peeters

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 hat sich eine weltumspannende Kulturrevolution Ereignet: Ein neuer Sprachgebrauch, neue Paradigmen, Normen, Lebensstile, Erziehungsmethoden und Regierungsstile setzen sich seither überall in der Welt mit bemerkenswerter Schnelligkeit durch. Sie beziehen sich alle auf eine neue Ethik, die sich postmodern und in ihren radikalen Ausprägungen post-jüdischchristlich versteht. Die neue Ethik beansprucht für sich, weltweit Norm gebend zu sein.

Und in der Praxis ist sie dies bereits. Die große Mehrheit der Intellektuellen und der Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Medien haben bereits diese neuen Normen und Werte übernommen, ohne sich die notwendige Zeit zu nehmen, sorgfältig zu prüfen, auf welchen Grundlagen sie beruhen und welche Auswirkungen sie haben werden. Lediglich eine verschwindend kleine Minderheit hat bisher auf das Phänomen reagiert. Aber eine ausgewogene Beurteilung und Bewertung hat bisher noch niemand geleistet.

Quelle:
Disputa: Die stille Revolution von Marguerite Peeters aus VATIKAN magazin 10/2007"

(Quelle: https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/kultur-revolution-postmodern-juedisch-christlich/)


 

Zum Widerstand gegen das sogenannte „#Gender-Mainstreaming“ ist bei einem Studientag des Geistlichen Zentrums Hensoltshö...

Posted by idea on Sonntag, 5. Juli 2015

God created the sexual difference between man and woman “not for opposition or subordination, but for communion and procreation,” Pope Francis said Wednesday:

Posted by Aleteia on Donnerstag, 16. April 2015

Remember:

The only reason why people don't find freedom from same-sex attractions is because they don't believe it can be done!

Gender – die tiefe Unwahrheit einer Theorie

Der Genderismus

  1. leugnet die Schöpfungsordnung
  2. leugnet die Vorgabe der Natur
  3. ist wissenschaftlich unhaltbar
  4. zerstört Ehe und Familie
  5. schadet der Frau
  6. schadet dem Mann
  7. schadet dem Kind
  8. nimmt totalitäre Züge an
  9. verdunkelt den göttlichen Sinn der Liebe zwischen Mann und Frau.

Bischof von Chur im Hirtenwort zum Tage der Menschenrechte 2013

www.medrum.de

Is Change Possible?

To make it very clear: Yes, the Jason ministry definitely believes that change is possible. We believe in God and His power to change our hearts and minds.

Matthew 19:26 King James Version (KJV):

"26 But Jesus beheld them, and said unto them, With men this is impossible; but with God all things are possible."

"Whoever says that a person with SSA cannot change does not know my God."

Pastor Paul

Was ist das eigentlich, "Homosexualitaet"?

Kurz gesagt, die Tatsache, dass sich jemand überwiegend und über einen längeren Zeitraum hinweg in sexueller und/oder emotionaler Hinsicht zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Wir bevorzugen aber den Begriff "gleichgeschlechtliche Neigungen". Zum einen ist der Begriff "Homosexualität" (als eigenständige Form der Sexualität) noch gar nicht so alt. In klinischer Hinsicht konzentriert er sich vor allem auf die sexuelle Anziehung, was jedoch zu kurz gegriffen ist, da man hier die emotionale Zuneigung außer Acht lässt. Zum anderen sind wir als Christen der Überzeugung, dass es nur eine Gott-gegebene Form der Sexualität gibt - und das ist die Heterosexualität. Ja, es gibt Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer (und seien sie "genetisch") - gleichgeschlechtlich empfinden, wir sehen dies aber nicht als eine eigenständige Identität, sondern als Teil der Heterosexualität an. Dies bedeutet keine Abwertung von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen oder eine Minder-Bewertung unseres Empfindens - ganz im Gegenteil. Wir sehen uns als Teil von etwas, das größer ist als wir (Gottes heterosexuelle Schöpfung) und sind weder besser noch schlechter als andere Menschen noch sehen wir uns als etwas Besonderes an und blicken auch nicht auf die herab, die ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen ausleben. Auch konzentriert sich unser Leben nicht auf unser sexuelles und/oder emotionales Empfinden, sondern auf den, dem wir nachfolgen und der uns eine teuer erkaufte Freiheit geschenkt hat, damit auch wir frei sein können: Jesus Christus.

Homosexuals Anonymous

Jason is affiliated to Homosexuals Anonymous:

www.homosexuals-anonymous.com

 

"Geschlechtsneutralität" - so wird mittlerweile der Versuch umschrieben, die Grenzen zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Ein "neutrales" Geschlecht kann und darf es aber nicht geben!

Dr. med. R. Febres Landauro

http://dr-richi.com/german/index.php/de/

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The 14 Steps

1. We admitted that we were powerless over our homosexuality and that our emotional lives were unmanageable.

2. We came to believe the love of God, who forgave us and accepted us in spite of all that we are and have done.

3. We learned to see purpose in our suffering, that our failed lives were under God's control, who is able to bring good out of trouble.

4. We came to believe that God had already broken the power of homosexuality and that He could therefore restore our true personhood.

5. We came to perceive that we had accepted a lie about ourselves, an illusion that had trapped us in a false identity.

6. We learned to claim our true reality that as humankind, we are part of God's heterosexual creation and that God calls us to rediscover that identity in Him through Jesus Christ, as our faith perceives Him.

7. We resolved to entrust our lives to our loving God and to live by faith, praising Him for our new unseen identity, confident that it would become visible to us in God's good time.

8. As forgiven people free from condemnation, we made a searching and fearless moral inventory of ourselves, determined to root out fear, hidden hostility, and contempt for the world.

9. We admitted to God, to ourselves, and to another human being the exact nature of our wrongs and humbly asked God to remove our defects of character.

10. We willingly made direct amends wherever wise and possible to all people we had harmed.

11. We determined to live no longer in fear of the world, believing that God's victorious control turns all that is against us into our favor, bringing advantage out of sorrow and order from disaster.

12. We determined to mature in our relationships with men and women, learning the meaning of a partnership of equals, seeking neither dominance over people nor servile dependency on them.

13. We sought through confident praying, and the wisdom of Scripture for an ongoing growth in our relationship with God and a humble acceptance of His guidance for our lives.

14. Having had a spiritual awakening, we tried to carry this message to homosexual people with a love that demands nothing and to practice these steps in all our lives' activities, as far as lies within us.

While the Homosexuals Anonymous Fellowship was inspired by the Twelve Steps of Alcoholics Anonymous, they are not really an adaptation. Rather, they were created specifically for this Fellowship, and should not be construed otherwise. AA, which is a program concerned only with recovery from alcoholism, and is not in any way affiliated with this Fellowship.

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USA

Homosexuals Anonymous is an international organization dedicated to serving the recovery needs of men and women who struggle with unwanted same sex attraction.

This fellowship of men and women, who through their common spiritual, intellectual and emotional experiences have chosen to help each other live in freedom from homosexuality.

Welcome to our website

If you are a person who struggles with unwanted same sex attraction, you are not alone Homosexuals Anonymous and many other related ministries, counselors and therapists provide valuable resources that can be of great use to you.

Remember always that while no one chooses to have same sex attraction, many do choose to diminish and eliminate those feelings of attraction. All people have the right to self determination, the right to choose for themselves the aspects that comprise their identity. Through HA, you will meet many people who see their identity as being rooted in their faith and not in their unwanted desires and behaviors.

If you are a parent, relative or friend of someone who struggles with unwanted same sex attraction, you can find helpful resources they will appreciate.

If you are a parent, friend or relative of someone who embraces and lives a gay lifestyle, you can find support, encouragement and hope in the material you will find available to you in website. If you are interested in online support groups or forming a local parents support group, please contact us and let us know how we can serve you.

If you are a minister, counselor or therapist looking for a support group and other resources to serve the needs of a counselee wanting freedom from homosexuality, then please read through our website. In your exploration you will learn who we are and how we can help you.

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Broken Chains: A journey of recovery from ssa, anger, addiction and child abuse

Dr. Douglas E. McIntyre (Author)

Paperback: 80 pages

Publisher: CreateSpace Independent Publishing Platform (December 19, 2012)

Language: English

ISBN-10: 1481265334

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"Yet another challenge is posed by the various forms of an ideology of gender that “denies the difference and reciprocity in nature of a man and a woman and envisages a society without sexual differences, thereby eliminating the anthropological basis of the family. This ideology leads to educational programmes and legislative enactments that promote a personal identity and emotional intimacy radically separated from the biological difference between male
and female. Consequently, human identity becomes the choice of the individual, one which can also change over time”.
It is a source of concern that some ideologies of this sort, which seek to respond to what are at times understandable aspirations, manage to assert themselves as absolute and unquestionable, even dictating how children should be raised. It needs to be emphasized that “biological sex and the socio-cultural role of sex (gender) can be distinguished but not
separated”.
On the other hand, “the technological revolution in the field of human procreation has introduced the ability to manipulate the
reproductive act, making it independent of the sexual relationship between a man and a woman. In this way, human life and parenthood have become modular and separable realities, subject mainly to the wishes of individuals or couples”.
It is one thing to be understanding of human weakness and the complexities of life, and another to accept ideologies that attempt to sunder what are inseparable aspects of reality. Let us not fall into the sin of trying to replace the Creator. We are creatures, and not omnipotent.
Creation is prior to us and must be received as a gift. At the same time, we are called to protect our humanity, and this means, in the first place, accepting it and respecting it as it was created."
Pope Francis, The Joy of Life

Gender Ideology Harms Children


March 21, 2016 – a temporary statement with references. A full statement will be published in summer 2016.


The American College of Pediatricians urges educators and legislators to reject all policies that condition children to accept as normal a life of chemical and surgical impersonation of the opposite sex. Facts – not ideology – determine reality.


1. Human sexuality is an objective biological binary trait: “XY” and “XX” are genetic markers of health – not genetic markers of a disorder. The norm for human design is to be conceived either male or female. Human sexuality is binary by design with the obvious purpose being the reproduction and flourishing of our species. This principle is self-evident. The exceedingly rare disorders of sex development (DSDs), including but not limited to testicular feminization and congenital adrenal hyperplasia, are all medically identifiable deviations from the sexual binary norm, and are rightly recognized as disorders of human design. Individuals with DSDs do not constitute a third sex.1


2. No one is born with a gender. Everyone is born with a biological sex. Gender (an awareness and sense of oneself as male or female) is a sociological and psychological concept; not an objective biological one. No one is born with an awareness of themselves as male or female; this awareness develops over time and, like all developmental processes, may be derailed by a child’s subjective perceptions, relationships, and adverse experiences from infancy forward. People who identify as “feeling like the opposite sex” or “somewhere in between” do not comprise a third sex. They remain biological men or biological women.2,3,4


3. A person’s belief that he or she is something they are not is, at best, a sign of confused thinking. When an otherwise healthy biological boy believes he is a girl, or an otherwise healthy biological girl believes she is a boy, an objective psychological problem exists that lies in the mind not the body, and it should be treated as such. These children suffer from gender dysphoria. Gender dysphoria (GD), formerly listed as Gender Identity Disorder (GID), is a recognized mental disorder in the most recent edition of the Diagnostic and Statistical Manual of the American Psychiatric Association (DSM-V).5 The psychodynamic and social learning theories of GD/GID have never been disproved.2,4,5


4. Puberty is not a disease and puberty-blocking hormones can be dangerous. Reversible or not, puberty- blocking hormones induce a state of disease – the absence of puberty – and inhibit growth and fertility in a previously biologically healthy child.6


5. According to the DSM-V, as many as 98% of gender confused boys and 88% of gender confused girls eventually accept their biological sex after naturally passing through puberty.5


6. Children who use puberty blockers to impersonate the opposite sex will require cross-sex hormones in late adolescence. Cross-sex hormones (testosterone and estrogen) are associated with dangerous health risks including but not limited to high blood pressure, blood clots, stroke and cancer.7,8,9,10


7. Rates of suicide are twenty times greater among adults who use cross-sex hormones and undergo sex reassignment surgery, even in Sweden which is among the most LGBQT – affirming countries.11 What compassionate and reasonable person would condemn young children to this fate knowing that after puberty as many as 88% of girls and 98% of boys will eventually accept reality and achieve a state of mental and physical health?


8. Conditioning children into believing a lifetime of chemical and surgical impersonation of the opposite sex is normal and healthful is child abuse. Endorsing gender discordance as normal via public education and legal policies will confuse children and parents, leading more children to present to “gender clinics” where they will be given puberty-blocking drugs. This, in turn, virtually ensures that they will “choose” a lifetime of carcinogenic and otherwise toxic cross-sex hormones, and likely consider unnecessary surgical mutilation of their healthy body parts as young adults.


Michelle A. Cretella, M.D.

President of the American College of Pediatricians


Quentin Van Meter, M.D.

Vice President of the American College of Pediatricians

Pediatric Endocrinologist


Paul McHugh, M.D.

University Distinguished Service Professor of Psychiatry at Johns Hopkins Medical School and the former psychiatrist in chief at Johns Hopkins Hospital


References:


1. Consortium on the Management of Disorders of Sex Development, “Clinical Guidelines for the Management of Disorders of Sex Development in Childhood.” Intersex Society of North America, March 25, 2006. Accessed 3/20/16 from http://www.dsdguidelines.org/files/clinical.pdf.


2. Zucker, Kenneth J. and Bradley Susan J. “Gender Identity and Psychosexual Disorders.” FOCUS: The Journal of Lifelong Learning in Psychiatry. Vol. III, No. 4, Fall 2005 (598-617).


3. Whitehead, Neil W. “Is Transsexuality biologically determined?” Triple Helix (UK), Autumn 2000, p6-8. accessed 3/20/16 from http://www.mygenes.co.nz/transsexuality.htm; see also Whitehead, Neil W. “Twin Studies of Transsexuals [Reveals Discordance]” accessed 3/20/16 from http://www.mygenes.co.nz/transs_stats.htm.


4. Jeffreys, Sheila. Gender Hurts: A Feminist Analysis of the Politics of Transgenderism. Routledge, New York, 2014 (pp.1-35).


5. American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Arlington, VA, American Psychiatric Association, 2013 (451-459). See page 455 re: rates of persistence of gender dysphoria.


6. Hembree, WC, et al. Endocrine treatment of transsexual persons: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2009;94:3132-3154.


7. Olson-Kennedy, J and Forcier, M. “Overview of the management of gender nonconformity in children and adolescents.” UpToDate November 4, 2015. Accessed 3.20.16 from www.uptodate.com.


8. Moore, E., Wisniewski, & Dobs, A. “Endocrine treatment of transsexual people: A review of treatment regimens, outcomes, and adverse effects.” The Journal of Endocrinology & Metabolism, 2003; 88(9), pp3467-3473.


9. FDA Drug Safety Communication issued for Testosterone products accessed 3.20.16: http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/PostmarketDrugSafetyInformationforPatientsandProviders/ucm161874.htm.


10. World Health Organization Classification of Estrogen as a Class I Carcinogen: http://www.who.int/reproductivehealth/topics/ageing/cocs_hrt_statement.pdf.


11. Dhejne, C, et.al. “Long-Term Follow-Up of Transsexual Persons Undergoing Sex Reassignment Surgery: Cohort Study in Sweden.” PLoS ONE, 2011; 6(2). Affiliation: Department of Clinical Neuroscience, Division of Psychiatry, Karolinska Institutet, Stockholm, Sweden. Accessed 3.20.16 from http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0016885.


http://www.acpeds.org/the-college-speaks/position-statements/gender-ideology-harms-children?utm_source=email+marketing+Mailigen&utm_campaign=News+3.23.16&utm_medium=email

Freedom from SSA

Guys,

there are many professionals who are able to scientifically explain to you how to find freedom from same-sex attractions.

I am a simple man so I will try to tell you in simple terms.

Imagine a father who wants to teach his son how to ride a bike. He will not give him a lesson on the functioning of each single part, where it came from and what it is made of. Nor will he lecture on how the human body works and how the mind coordinates things. He loves his sonny and wants him to be able to ride that bike on his own.

Of course, he could let him continue to ride with additional wheels, but this is not what the father wants. Daddy knows that his son will likely fall a couple of times. There will be tears and some pain as well. But as a loving father he buys his son a bike and takes him out to teach him how to ride.

Now the son does not expect a big lesson or a manual to start with. Yes, he might be somewhat scared as he does not know what to expect and how to handle this bike without additional wheels that keep it stable. But he knows that he can fully trust his father. He loves his daddy more than anything - and daddy loves him. So he takes a courageous first step and lets daddy show him how to do it.

Daddy will fist be there all the time to hold his son while he rides. However, step by step he will let him run a little bit on his own.

Sonny will ride this first bits all shaky and insecure, but then again he trusts his daddy, so he manages to do it - sort of.

Sometimes he will fall and have his knee scratched. Tears will roll down his cheek, but daddy will hold him im his arms and encourage him to take another effort.

Day by day little sonny will drive a little longer all by himself, until he finally manages to ride that bike completely alone. Daddy will be so proud of his son and his son will come running into his arms, thanking his beloved daddy for keeping his promise to be there all the time when things were getting rough on him. Daddy told him that he will ride that bike and all his little son had to do is to trust him just enough that he goes for it.

Sometimes all that keeps us from succeeding is the lack of belief that it can be done.

Rob

Janelle Hallman

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Gender?

Eine neuer Kritikpunkt homosexueller Aktivisten: der "Zwang" zur Operation, zur "Geschlechtsumwandlung", will man das eigene Geschlecht auf der Geburtsurkunde ändern lassen.

Dies wird nun offensichtlich angegriffen. Es ist davon auszugehen, dass auch dies im Zuge - wenn auch gut gemeinter - der "Entscheidungsfreiheit" und der Ablehnung jeder Form von Diskriminierung kritisiert wird.

JedeR soll nun also dementsprechend frei entscheiden können, wer oder was er/sie ist. Und das auch so auf offiziellen Papieren eintragen lassen (zumindest fordern dies einige). Alles andere wäre ja diskriminierend und ein "Zwang".

Macht man es sich da nicht ein klein wenig zu leicht? Wer gibt uns das recht, einfach so über die Geschlechterrollen bestimmen zu dürfen? Ist man sich wirklich sicher, dass dies nur positive Wirkungen hat? Oder wird durch die allgemeine Verwirrung hinsichtlich der Geschlechtsidentität nicht vielmehr die Gesellschaft in ein heilloses Chaos gestürzt und unseren Kindern die so nötigen Vorbilder genommen?

Die Motive mögen durchaus gute sein - allein das macht das Ganze aber nicht richtig.

Es gibt ja bereits in den USA erste Konsequenzen solcher Vorstellungen: Da gibt es Toiletten für Frauen, Männer und "Gender Non-Specific" (also all die, die meinen, irgendwo dazwischen zu liegen). Andererseits sollen bei Nichtvorhandensein der dritten Variante Männer, die sich als Frauen sehen, auch deren Toiletten benutzen dürfen - ob nun mit oder ohne vorhergehender Operation. Was sagen eigentlich die Frauen dazu?

Menschen, die sich ihrer Geschlechtsidentität nicht sicher sind oder gar meinen, im falschen Körper geboren zu sein, haben oft Schlimmes durchgemacht und verdienen unser ganzes Mitgefühl und unsere Liebe. Die Lösung des Problems kann aber nicht sein, sich auf den Operationstisch zu legen oder die Geburtsurkunde zu ändern. Hier geht es nicht nur um ein persönliches Problem, sondern mittlerweile auch um ein gesellschaftliches.

Gott hat Mann und Frau geschaffen. Beide sind gleich viel wert - aber sie sind nicht dasselbe. Es gibt Unterschiede in ihren Rollen, Aufgaben - und Körpern.

Und das ist gut so.

 

Hintergrund Gender Mainstreaming

Ein wesentlicher Faktor, der zur Entwicklung von Gender Mainstreaming beitrug, war der Feminismus. Gender Mainstreaming an sich ist keineswegs so neu, wie man glauben mag.

Schon 1985 stellte man auf der 3. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Nairobi Gender Mainstreaming als politische Strategie vor. Einige Jahre später, 1999, verpflichtete dann der Amsterdamer Vertrag die EU-Mitgliedsstaaten rechtlich zur Umsetzung des Gender Mainstreaming im Sinne einer aktiven Gleichstellungspolitik.

Zunächst hört sich Gender Mainstreaming ja ganz gut an: man sollte Männer und Frauen nicht in traditionelle Geschlechterrollen zwängen, was etwa Familie und Beruf betrifft. Was aber heißt dieses "gleich" in "Gleichstellung" von Mann und Frau genau?

Verfechter von Gender Mainstreaming führen hier an, niemand solle aufgrund seines Geschlechts berufliche oder sonstige Nachteile erleiden müssen. So weit, so gut - das ist eine legitime Sache. Heißt diesses "gleich" nun aber lediglich, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen, oder dass sie wesensgleich sind? Gerade radikale Feministinnen argumentieren hier, dass eine wirkliche Freiheit nur dann erreicht wird, wenn auch Gleichheit im Geschlecht besteht und Unterschiede hier beseitigt werden (zumindest so, dass sie nicht mehr erkennbar sind). Ein bioligischer Unterschied zwischen Mann und Frau wird hier als konstruiert gesehen.

Christen sehen dass anders: Männer und Frauen sind sehr wohl gleich viel wert - sie sind aber nicht dasselbe! Männer und Frauen sind voneinander unterschiedlich - und dieser Unterschied ist von Gott gewollt und gut so. Er dient dem Besten von Mann, Frau und Kindern im Rahmen einer Familie und spiegelt den Bund wieder, den Gott mit uns Menschen eingegangen ist. So wie Christus sein Leben hingegeben hat für seine Braut, die Kirche, so soll ein Mann sich selbst in lebensspendender weise seiner Frau hingeben. Und so wie Christus das Haupt der Kirche ist, ist der Mann das Haupt der Familie. Er führt sie in bedingungsloser und selbstloser Liebe - und ebenso wie Christus würde er auch sein Leben für sie geben! Eine Ehe ist wie ein gemeinsamer Tanz - und wie bei einem Tanz kann nur einer führen - sonst gibt es blaue Zehen!

Verfechter des Gender-Mainstreaming sagen nun, ihnen würde es um Vielfalt gehen, nicht um eine Uniformität oder Gleichmacherei. Oder eine Polarität (Mann und Frau). Es gäbe eben verschiedene Formen von Männlichkeit und Weiblichkeit.

Das Problem hierbei - und hierauf hat Dr. Robert Lewis von www.mensfraternity.com zu Recht hingewiesen: Wenn Männer nicht mehr wissen, was es heißt, ein Mann zu sein, was einen Mann ausmacht, welche Rollen und Aufgaben er in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche hat, dan sind Männer hinsichtlich ihrer Identität sehr verwirrt. Und verwirrte Männer können eine Menge Schaden anrichten - man vergleiche nur einmal die Zahl der Männer in unseren Gefängnissen mit der Zahl der Frauen!

Manch einer mag nun einwenden, dass es in Gal 3,28 doch heisse: " Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus." (Einheitsübersetzung) und somit eine klare Rollenverteilung für Christen nicht angebracht ist.

Derartige Interpretiationen von Bibelversen entstehen, wenn man Bibelverse isoliert und völlig aus dem Zusammenhang gerissen betrachtet. Leider begehen auch Theologen diesen Fehler oft. Liest man das Kapitel 2 des Galaterbriefes und die Verse vor 3,1-27, versteht man schnell, dass es hier nicht um das Rollenverständnis von Mann und Frau geht, sondern um Werke des Gesetzes (also etwa Beschneidung) im Gegensatz zur Taufe in Christus, durch die wir neue Menschen werden - unabhängig davon, ob wir nun Juden, Griechen, Männer oder Frauen sind. Als in Christus Getaufte sind wir gerechtfertigt und somit eins - Brüder und Schwestern. Das heißt aber keineswegs, dass der Unterschied von Männern und Frauen aufgehoben wurde! Jesus selbst hat männliche Apostel berufen. Die Apostel wiederum haben mehrmals klar auf den Unterschied von Mann und Frau hingewiesen, gleichzeitig die Männer auch aufgefordert, ihre Frauen zu lieben! Dies ist auch keineswegs ein kultureller Umstand, der nur zur damaligen Zet galt, sondern ein roter Faden, der sich über tausende von Jahren durch die ganze Bibel zieht - in unterschiedlichsten Kulturen!

Jesus selbst nahm auf die (Fang-)Frage hin, ob sich ein Mann unter bestimmten Voraussetzungen von einer Frau scheiden lassen darf, klar auf Genesis Bezug - auf den Idealzustand zu Beginn und Gottes Plan für Männer und Frauen! Er bestätigte diesen somit und schuf damit einen Standard für alle Ewigkeit!

Sehen wir uns diesen Jesus näher an: Er ist wesensgleich mit dem Vater (also gleich viel "wert") - ordnete sich diesem aber unter!

Männer und Frauen sind geich viel wert - aber sie sind nicht dasselbe. Und dieser Unterschied ist gut so!


(Quelle: u.a. Dr. Robert Lewis (www.mensfraternity.com). Adam Online - Emmerich Adam. Ausgezeichneter Artikel von einem ausgezeichneten Autor in einer ausgezeichneten Zeitung! http://www.adam-online-magazin.de/Artikelansicht.41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=96&tx_ttnews[backPid]=9&cHash=9daf15ce2c)

Dient Gender Mainstreaming der Geschlechtergerechtig-
keit?

Ich möchte nicht bestreiten, dass einzelne Menschen dies so sehen und anstreben; das ist aber - nur auf dem ersten Blick! - eine "Nebenwirkung" von Gender-Mainstreaming. Wie das Wort "Mainstreaming" schon sagt, soll hier das, was vorher verschieden war (Mann und Frau als gleichwertige, aber nicht gleichartige Menschen) zu einem "("main") "Strom" ("stream") zusammengeführt werden - mit dem Ziel, die (von Gott gewollte und für gut befundene!) Andersartigkeit der Geschlechter zugunsten eines von jedem selbst zu definierenden Etwas aufzuheben. Mit verheerenden Folgen, denn die Andersartigkeit entspricht - im Gegensatz zur Gleichartigkeit des Gender Mainstreaming - unserem innersten Wesen. Dies verändern zu wollen, kann nicht ohne dramatische Folgen für die Gesellschaft als solche geschehen - in psychischer, psychosomatischer, sozialer und spiritueller Hinsicht. Mit anderen Worten: Mann und Frau sind in den Augen Gottes gleich viel wert - aber nicht dasselbe. Diese Andersartigkeit ist nicht nur gut, sondern zum Erhalt einer gesunden Gesellschaft notwendig. Ein Aufheben derselben bringt nur insofern "Gerechtigkeit", als dies die Unterschiede der Geschlechter auszulöschen versucht, um so beiden die gleichen "Chancen" zu geben. Dies ist jedoch nichts Positives. Anstatt die beiden Geschlechter in ihrer Andersartigkeit anzuerkennen und wert zu schätzen, indem man genau diese Andersartigkeit positiv bewertet und fördert, wird versucht, gleichzumachen, was nicht gleich ist - oder etwas der Definition des Einzelnen zu überlassen, was individuell nicht definiert werden kann (etwa das Geschlecht). Dies führt nicht zu einer "Chancengleichheit" oder "Geschlechtergerechtigkeit", sondern ist von beiden Geschlechtern mit einem hohen Preis zu bezahlen.

Robert