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Warum denkt man bei "Schwulen" automatisch an extremen Sex?

Posted on September 17, 2017 at 8:40 AM

Nun, so ganz unschuldig sind die "Schwulen" da nicht. Natürlich hat nicht jeder (ich spreche hier besonders die Männer an) unter ihnen extremen und/oder sehr häufigen Sex. Im Durchschnitt (!) dürfte es aber schon so sein, dass die Sexpraktiken weitaus ausgefallener sind, Sex häufiger praktiziert wird und Sex mit wechselnden Partnern (gleichzeitig oder hintereinander) nicht so ausgefallen sind wie bei Menschen, die vom anderen Geschlecht angezogen werden.

Auch Suchtproblematiken sind meiner Erfahrung aus vielen Jahren in der schwulen Szene nach viel häufiger unter Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen als unter ihren heterosexuellen Geschlechtsgenossen zu finden - insbesondere auch Sexsucht.

Warum?

Einige Vermutungen, ebenfalls auf Basis meiner Erfahrungen (zum Verständnis: ich habe mein schwules Leben vor 13 Jahren hinter mir gelassen und dies nie bereut):

Sex wird oft als Schmerzmittel eingesetzt (etwa um Verletzungen jeglicher Art, Identitätsprobleme oder auch Einsamkeit zu vergessen) - oder als Mittel, um legitime, aber nicht erfüllte emotionale, soziale oder sonstige Bedürfnisse zu erfüllen. Das Problem dabei: Sex heilt keine Wunden, er lässt die Einsamkeit nicht verschwinden und er ist ein denkbar schlechtes Mittel, um Bedürfnisse zu erfüllen.

"Schwule" Männer sind auch eher geneigt, impulsivem Verlangen nachzugeben. In anderen Worten: Wenn ich etwas will, will ich es - und ich will es jetzt. Nach mir die Sintflut. Und ich werde mir holen, was ich will. Daraus ergibt sich im Hirn ein enormer "Kick" (Beispiel: man praktiziert zum ersten Mal eine sexuelle Praxis, die man bisher nur auf Bildern gesehen und die einen ungemein "heiß" gemacht hat. Folge: Im Gehirn kommt es zur Ausschüttung von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin - stärker als bei so mancher Droge).

Diesen "Kick" wollen viele natürlich wieder haben. In der Regel ist es dann aber wie bei jeder Sucht - der "Trigger" muss immer stärker (etwa extremer oder häufiger) werden, um auch nur annähernd denselben Effekt zu erzielen.

So landen viele bei Sado-Maso Sex, bei Gruppensex in allen möglichen und unmöglichen Orten, sie bieten sich auf dem "Sklaven-" oder "Stutenmarkt" an, suchen verheiratete Bi-Männer, treten in Uniform und Leder auf (als wenn das ihrer männliche Identitätssuche dient), lassen sich bepinkeln oder auspeitschen - oder Schlimmeres. Drogen sind da durchaus willkommen (besonders bei jungen Schwulen), um den Effekt noch zu steigern. Dabei will ich keineswegs mit dem Finger auf jemanden zeigen - einiges davon hatte ich selbst gemacht.

Ich habe viele "schwule" Männer im Laufe meiner Zeit in der Szene - etwa in Leder- und Jeans-Lokalen - beobachtet. Wenn sie das erste Mal das dunkle Lokal betraten, waren sie noch sehr schüchtern und hinsichtlich ihrer Kleidung, ihres Aussehens, ihrer Sprache, Gestik und Mimik eher gutbürgerlich.

Das änderte sich im Laufe der Zeit aber regelmäßig und radikal. Wenn sie jung waren, bekamen sie all den Sex, den sie wollten - was sie dann mit Bildern beschrieben wie "da ist ein Damm gebrochen" oder "endlich kann ich sein, wer ich will". Dass dies nur sehr vorübergehend war und ein sehr verzerrtes Bild ihrer wahren Identität, würden sie erst viel später merken.

In den folgenden Jahren veränderte sich dann ihr Aussehen, ihre Sprache und die Art und Weise, wie sie auftraten. Sie wurden - nach außen gut sichtbar - "schwul". Der erträumte Prinz war aber in der Regel bei all den vielen Sexpartnern meist nicht dabei und es wurde auch immer schwerer, Männer für sich zu interessieren. Man selbst wurde älter und Konkurrenz gab es genug.

So wurden viele von ihnen verbittert. Sie waren inzwischen älter geworden und saßen allein an den Theke einer Bar - und gingen allein nach Hause. Viele von ihnen hatten auch psychische und körperliche Schäden ihres bisherigen Lebens zu bewältigen. Sie waren einsam - einsamer als je zuvor.

Auch das Sex-Leben an sich hat sich verändert: Verbrachte man früher die Nacht bei jemanden und frühstückte gemeinsam, viel irgendwann das Frühstück aus, dann die Übernachtung. Schließlich hatte man Sex mit anderen Männern, ohne sie zu kennen und oft ohne überhaupt vorher ein Wort gewechselt zu haben. Manchmal sogar ohne einander zu sehen (etwa bei den "Glory Holes" oder den "Darkrooms" in Saunas).

In meiner schwulen Zeit besuchte ich ein paar Mal schwule Saunas. Riesige Einrichtungen, die technisch auf dem höchsten Stand waren und alle möglichen Spielereien anboten. Allerdings war ich selbst damals entsetzt darüber, zu welch billigem "Produkt" Sex hier geworden war.

Natürlich sind und leben nicht alle "Schwulen" so (was die Sache aus christlicher Sicht aber auch nicht ändert). Trotzdem habe ich zu viele Menschen, die mir etwas bedeutet haben, sterben sehen - und nicht nur an AIDS. "Safer Sex"-Kampagnen bringen da wenig. "A stiff dick doesn't have a conscience" sagt man in den USA. Wer geil drauf und vielleicht sogar unter Drogen ist, hat wenig Sinn für rationale Argumente. Ich jedenfalls habe nie gesehen, wie jemand in den Saunas oder Bars gebrauch von den Kondom-Automaten machte. Wer zu diesem Thema etwas Sinnvolles beitragen will, sollte Menschen schon von Kindheit an über den Wert menschlicher Sexualität sowie über Ehe und Familie aufklären. Jawohl - genau diese traditionell christliche, monogame und lebenslange Ehe zwischen Mann und Frau. Nicht umsonst tauchen im Lebenslauf von vielen Männern familiäre Probleme in der Kindheit, Missbrauch oder ein gestörtes bzw. nicht vorhandenes emotionales Verhältnis zum Vater auf. Sie geben dann als Jungen irgendwann auf, eine Verbindung zu Papa zu suchen und ziehen sich in die Welt zurück, die ihnen siicher erscheint - die Welt der Frauen. Mit aufkommender Pubertät werden sie dann von dem angezogen, was "anders" ist als sie - in ihrem Fall also Männer. Wenn sich viele "schwule" Männer also extrem stylen (Bart, Uniform, Leder, kurze Haare etc.), dann, weil sie meinen, damit einen Teil ihrer Männlichkeit zu finden, die ihnen ihr Vater verwehrt hat.

Ähnliches spielt sich ab, wenn man dieses Leben hinter sich lassen will: in der Regel versucht man wie bei jeder Sucht, erst einmal "clean" zu werden, in diesem Fall also auf Sex zu verzichten. Auf einmal liegen dann all die Verletzungen, die unerfüllten Bedürfnisse, die Einsamkeit, die Identitätsprobleme, möglicherweise auch die psychischen Probleme schutzlos da. Nichts mehr, das sie betäubt. Hier kann es zu sehr heftigen und im Zweifelsfall auch therapeutisch zu behandelnden emotionalen Ausbrüchen kommen.

Der Weg aus einem solchen Leben heraus ist lang und hart. Alleine schaffen das die wenigsten. Auch hier tritt die Neigung zur Impulsivität wieder auf: Wer Erfolg haben will (also das sich selbst gesetzte Ziel erreichen), muss sich zuerste einmal ein Ziel setzen können und dieses dann verfolgen, egal wie lange es dauern und wie hart es sein wird. DAS ist ein Zeichen von Männlichkeit. Manche scheitern aber wegen ihrer Impulsivität und ihrer geringen Stress- und Frustrationstoleranz.

Ist "schwuler" Sex also ein Suchtproblem? Nicht automatisch. Viele Männer, die sich selbst als "schwul" definieren, haben keinen Sex oder zumindest keinen, der oben genannter Suchtproblematik entspricht. Gleichwohl ist dieses Thema überaus gegenwärtig in der schwulen Szene. Auch wenn das einige nicht hören wollen, muss hier auch angemerkt werden, dass der Rest der Gesellschaft für die Lebensentscheidungen einiger dieser Menschen zahlen muss: nämlich die, die aufgrund ihrer Lebensweise psychisch und/oder körperlich erkranken. Die Kosten zur Behandlung dieser Erkrankungen dürften in die Milliarden gehen - und das bei einem derart geringen Prozentsatz der Bevölkerung.

Ich habe das "schwule" Leben hinter mir gelassen - und für nichts in der Welt will ich dorthin zurück.

München, den 17.09.2017

Robert Gollwitzer

Dantestr. 25

80637 München

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